Bogomilen

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Verbreitung und Einfluss der Bogomilen in Europa

Die Bogomilen (andere Schreibung: Bogumilen) waren eine häretische Bewegung, die einen religiösen Dualismus verkündete. Der Name der Bewegung ist möglicherweise auf einen legendären bulgarischen Dorfpriester namens Bogomil oder Bogumil zurück zu führen (aus dem bulgarischen: Богомил Gottlieb, бог/bog=Gott мил/mil=lieb) beziehungsweise auf die zu dieser Zeit herkömmliche slawische Weiheformel Bog milui (dt. Gott erbarme dich).[1] Die Bewegung der Bogomilen breitete sich vom 10. bis 15. Jahrhundert von Bulgarien, im byzantinischen Kaiserreich, in den anderen Balkanländern und in Russland aus. Von Bedeutung für die Geschichte der Westkirche war der Umstand, dass im 12. Jahrhundert Kreuzfahrer und Kaufleute mit den Bogomilen, die sich in Bulgarien niedergelassen hatten, in Kontakt kamen und deren Gedankengut in den Westen brachten, was zur Entstehung der Katharer-Bewegung führte. Wichtigste Persönlichkeit dürfte der Bogomilen-„Papst“ Niketas gewesen sein, der an der Katharer-Synode 1167 in Saint-Félix-de-Caraman teilnahm.[2] Angebliche direkte Verbindungen zur mittelalterlichen Bosnischen Kirche werden von der neueren Geschichtsforschung bestritten.[3]

Der Lehrgehalt weist über den persönlichen Anteil des Priesters Bogomil hinaus auf den Ursprung aus dem älteren Dualismus der Manichäer und Paulikianer hin. Daneben sind anschauliche Mythen des bulgarisch-slawischen Volksglaubens und Inhalte von apokryphen Texten zu finden.

Der Bogomilismus entwickelte sich seit dem 11. Jahrhundert in radikale und gemäßigte Richtungen. Die dualistische Grundposition führte zur Dämonisierung der materiellen Welt, zur Ablehnung von Teilen des Alten Testaments sowie der Bilderverehrung, des üblichen Gottesdienstes, der meisten Sakramente und religiösen Symbole sowie der Hierarchie in der Kirche. Dies brachte die Bogomilen in Konflikte mit den Großkirchen und auch mit Staat und Gesellschaft.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bogomilen. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE), Band 7; Böhmische Brüder – Chinesische Religionen. de Gruyter, Berlin 1981, ISBN 3-11-008192-X.
  • Lexikon des Mittelalters, Band 2; Bettlerwesen bis Codex von Valencia. dtv, München 2002, ISBN 3-423-59057-2.
  • Christoph Auffarth: Die Ketzer: Katharer, Waldenser und andere religiöse Bewegungen. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-50883-7.
  • Srećko Matko Džaja: Bogomilen. In: Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. [Für das Südost-Institut München, Redaktion Konrad Clewing]. UTB 8270, Stuttgart ISBN 978-3-8252-8270-7; Böhlau, Wien u. a., ISBN 978-3-205-77193-7; Oldenbourg, München 2004, ISBN 978-3-486-56104-3. books.google.de
  • Ignaz Döllinger: Beiträge zur Sektengeschichte des Mittelalters. Band 1 + 2. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1968, ISBN 3-534-03808-8.
  • Rudolf Kutzli: Die Bogumilen, Geschichte, Kunst, Kultur. Urachhaus, Stuttgart 1977 (ohne ISBN).
  • Malcolm Lambert: Häresie im Mittelalter: Von den Katharern bis zu den Hussiten (Originaltitel: Popular Movements from the Gregorian Reform to the Reformation, übersetzt von Raul Niemann). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-14717-0.
  • Hans Mühlestein: Die verhüllten Götter. München / Wien / Basel 1957, S. 367 ff.
  • Dimitri Obolensky: The Bogomils, A Study in Balkan Neo-Manichaeism. Cambridge 1948 (englisch).
  • Katja Papasov: Christen oder Ketzer – Die Bogomilen. Ogham, Stuttgart 1983, ISBN 3-88455-710-6.
  • Puech et Vaillant: Le Traité contre les bogomiles de Cosmas le prêtre. Paris 1945 (französisch).
  • Steven Runciman: Le Manichéisme Médiéval. Paris 1949 (französisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag, Düsseldorf / Wien / New York / Moskau 1993, ISBN 978-3-430-14445-2, S. 131
  2. Hubert Jedin (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. III/2. Freiburg 1968, S. 126–127.
  3. Hierzu auch: Noel Malcolm: Geschichte Bosniens. Frankfurt am Main 1996, S. 45ff.
  4. Srećko M. Džaja: Bogomilen. In: Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Wien/Köln/Weimar 2004