Bohemistik

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Unter Bohemistik wird die wissenschaftliche Beschäftigung mit der tschechischen Sprache (linguistische Bohemistik) und der tschechischen Literatur (literarische Bohemistik) verstanden (auch: tschechische Philologie genannt).

Die linguistische Bohemistik ist darüber hinaus in die synchronische Bohemistik (erforscht die heutige Sprache) und die diachronische Bohemistik (ist mit der historischen Entwicklung der Sprache beschäftigt) geteilt. Heute widmet sich die Bohemistik auch verschiedenen Seiten des Aufbaus der Sprache, sowie der Anknüpfung und Koreferenz, Textgattungen, Dialogen und anderen Bereichen. Hierfür ist die Wahrnehmung der Sprache als ein interaktives System typisch. Pädagogische Bohemistik ist am Schuldienst in allen Stufen des Schulwesen, sowie am Tschechischen als Fremdsprache orientiert. Im weiteren Sinne zählen heute auch die modernen Kulturwissenschaften, die sich mit der tschechischen Nation und ihrer Geschichte beschäftigen zur Bohemistik. Weitere Bereiche der Bohemistik sind außerdem die Sprachkultur und Sprachbildung, Beratung u.a.. Dazu gehören auch die Entwicklung der tschechischen Grammatik und das Verfassen von Wörterbüchern. Außerhalb der Tschechischen Republik wird die Bohemistik in der Regel als Teil der Slawistik aufgefasst. Die deutschböhmische Literatur wird als Teil der Germanistik behandelt.

Wortherkunft[Bearbeiten]

„Bohemia“ ist die traditionelle lateinische Bezeichnung für das Königreich Böhmen (Corona Bohemiae), den Kernstaat der tschechischen Geschichte. Zu diesem Königreich gehörte das gesamte Gebiet der heutigen Tschechischen Republik. Die altslawische Übersetzung des Wortes „Bohemia“ hieß „Czechy“, abgeleitet von der Selbstbezeichnung der „Czechen“ (Tschechen), der ersten staatstragenden Nation dieses Königreichs.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem bereits seit 1752 an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt Tschechisch unterrichtet wurde, beauftragte Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1775 Josef Valentin Zlobický als ersten Professor für tschechische Sprache und Literatur an der Universität Wien. Es war der weltweit erste Lehrstuhl für Bohemistik und der erste Unterricht einer Fremdsprache in Wien. Zlobický propagierte die für seine Zeit unübliche Methode, den Studenten neben dem Grammatikunterricht auch Landes- und Literaturkunde, sowie die angewandte Sprachpraxis beizubringen. 1849 wurde die Bohemistik in die neu gegründete Wiener Slawistik eingegliedert.[1] In Prag wurde der Tschechischunterricht Ende des 18. Jahrhunderts aufgenommen. Die akademische Beschäftigung mit der tschechischen Sprache und Kultur beschränkte sich lange Zeit auf die Habsburgermonarchie.

In Deutschland erlangte die Bohemistik innerhalb der deutschen Slawistik erst nach dem Ersten Weltkrieg durch die Konstituierung des tschechoslowakischen Staates mehr Bedeutung. An den Lehrstühlen für slawische Philologie wurden die tschechische Sprache und Literatur in stärkerem Maße miteinbezogen.

Wissenschaftler[Bearbeiten]

Als bedeutende Bohemisten gelten

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Zeil: Slawistik in Deutschland. Böhlau, Wien 1994, ISBN 3-412-11993-8
  • B. Setzwein & E. Ecker Hgg.: Tschechische Gegenwartsliteratur. Sonderheft der Zs. "Passauer Pegasus. Zeitschrift für Literatur." Heft 27-28, Jg. 14. Karl Krieg, Passau 1996 ISSN 0724-0708[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Historisches Institut für Slawistik, Universität Wien
  2. über Artothek Ostbayern, Bräugasse, in 94032 Passau