Bohrhaken

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Unter einem Bohrhaken versteht man einen Felshaken, der in einem extra zu diesem Zweck in den Fels gebohrten Loch verankert wird, im Gegensatz zum Normalhaken, der für bereits bestehende natürliche Felsrisse konzipiert ist. Bohrhaken finden vor allem im Sportklettern, Bergsteigen und verwandten Sportarten Verwendung. Das Bohren erfolgt entweder mit Handmeißel und Hammer oder mit einer Akkubohrmaschine.

Konstruktionsformen[Bearbeiten]

Prinzipiell gibt es zwei Kategorien von Bohrhaken:

Reib- und Formschlüssige Systeme[Bearbeiten]

Ein Expressanker mit gebördelter Lasche.

Die Stift oder Stichtbohrhaken haben einen Schaft mit rechteckigem Querschnitt. Dieser wird in ein kleines, rundes Bohrloch geschlagen. Die Haltekräfte sind sehr gering.

In den 1970er Jahren wurden die ersten Kronenbohrhaken gesetzt. Da bei diesem System der Schaft aus gehärtetem Stahl bestehen muss, ist es nicht korrosionsbeständig und deshalb problematisch.

Moderne Bohrhaken sind Einschlaganker (Reibschluss), Expressanker (Reibschluss), Hinterschnittanker (Formschluss) und Schraubanker (Formschluss), wobei die beiden letztgenannten Systeme keine große Verbreitung haben.

Klebebohrhaken[Bearbeiten]

Ein Klebebohrhaken mit Ring.

Der Klebebohrhaken (auch Verbundhaken oder Verbundanker) wird mit Zweikomponentenkleber (Verbundmörtel) in ein um ca. ein bis zwei mm größeres Bohrloch gesetzt. Der Kleber dichtet das Bohrloch gegen Feuchtigkeit ab und verhindert so die bei reib- und formschlüssigen Systemen unvermeidliche Erosion.

Der „Bühlerhaken“ stellt den ersten auf diese Weise gesetzten Haken dar. Er wurde von Oskar Bühler erfunden und hat sich in seiner Grundform seither so gut wie nicht verändert.

Fachgerecht gesetzt gelten normgerechte Klebebohrhaken heute als die sichersten Bohrhaken.[1] Die Verarbeitung der Verbundmasse (Kleber) birgt allerdings viele Fehlerquellen.[2]

Normen[Bearbeiten]

Die Norm (DIN, UIAA) verlangt folgende Qualitätsmerkmale:

  • axiale Zugfestigkeit: 1500 daN
  • radiale Zugfestigkeit: 2500 daN
  • Haltekraft muss unabhängig von der Bohrlochtiefe sein
  • Materialien müssen korrosionsbeständig sein

Die größtmögliche Sturzbelastung liegt beim Klettern bei etwa 1600 daN.[3]

Verwendung[Bearbeiten]

Alpinismus und Klettern[Bearbeiten]

im Zusammenhang mit dem Bergsteigen und Klettern, insbesondere dem modernen Sportklettern, dienen Bohrhaken als Fixpunkt, um seinen Kletterpartner und sich selbst sichern zu können. Im alpinen Raum wurden die ersten Bohrhaken 1944 im Wilden Kaiser gesetzt. Dabei handelte es sich um sogenannte Stift- oder Stichthaken. Im Elbsandsteingebirge wurden schon lange vorher gebohrte Ringhaken verwendet.

Bereits seit seiner Entwicklung wird um die kletterethische Zulässigkeit des Bohrhakeneinsatzes gestritten.

Viele bekannte Bergsteiger, darunter Reinhold Messner, lehnen den Einsatz von Bohrhaken als „Mord am Unmöglichen“ vollständig ab. Demnach sollen nur der Einsatz sogenannter mobiler Sicherungsmittel (Klemmkeil, Friend, etc.) sowie klassische Felshaken zulässig sein. Die Absicherung mit mobilen Sicherungsmitteln hat insbesondere in Großbritannien und den USA Tradition. Die Verfechter dieses Kletterstils verweisen auf den großen Abenteuer- und Erlebniswert.[4]

Auf der anderen Seite ermöglichten erst die Bohrhaken das sichere und sportliche Klettern für eine Vielzahl von Menschen. Was einst mutigen und erfahrenen Vorsteigern vorbehalten blieb, wird mit Hilfe von Bohrhaken für jedermann möglich.[5] In diesem Sinne ist der Bohrhaken für den Breiten- und Spitzensport von großer Bedeutung.

In Europa, und zunehmend auch in anderen Kontinenten, setzte sich deshalb in der Regel der häufige Gebrauch von Bohrhaken durch.

Weitere Einsatzbereiche[Bearbeiten]

Bei der Speläologie erlauben Bohrhaken in vielen Fällen erst das gefahrlose Erforschen von Höhlenteilen, häufig sind sie sogar das einzige Mittel, um solche Bereiche zugänglich zu machen, da die Wände in Höhlen aufgrund ihrer Entstehung in der Regel nur wenige Möglichkeiten für klassische Sicherungstechniken bieten (Friends, Felshaken etc.). Zudem kann ein Sturz ins Seil aus Sicherheitsgründen nicht toleriert werden, da auch kleine Verletzungen untertage schnell fatal werden können.

Darüber hinaus werden Bohrhaken auch in weiteren verwandten Sportarten, wie etwa im Canyoning verwendet.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Chris Semmel: 1x1 der mechanischen Bolts (PDF; 414 kB). In: Berg&Steigen. Nr. 1, 2007, S. 70-75 (Online vorhanden). Vorstellung der verschiedenen Bohrhakensysteme (ohne Verbundanker).
  •  Chris Semmel: 15:2 - Klebehaken gegen Spreizanker (PDF; 1,8 MB). In: Berg&Steigen. Nr. 2, 2006, S. 24-29 (Online vorhanden). Probleme mit Verbundankern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Climbing bolts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hahm, Dietmar: Geklebte Bohrhaken (http://www.dietmar-hahm.de/sicherung/fixpunkt/fixpunkt_1.shtml) Zugriff: 16. Januar 2008.
  2. Chris Semmel: 15:2 Klebehaken gegen Spreizanker. In: 2/06. Bergundsteigen, 2. September 2006, S. 24-29, abgerufen am 6. September 2013 (pdf; 1,8 MB).
  3. http://www.ig-klettern.com/klettern/bohrhaken-skript.pdf.
  4. Gürke, Jan: Den besten Stil beim Klettern anstreben. Interview mit Robert Jasper in: Wildernews 39. 2005 S.3 (http://keepwildclimbs.ch/nc/was-ist-clean-climbing/presseartikel/?cid=1671&did=1728&sechash=a2d8d70b) Zugriff: 29. September 2012.
  5. Känel, Jürg von: Zum Bohren und Sanieren von Plaisierrouten. Gedanken und Tipps rund um den Bohrhaken (http://www.filidor.ch/uploads/bohren_sanieren_juerg.pdf) Zugriff: 29. September 2012.