Bohrwiderstandsmessung

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Bauwerksuntersuchung mit einem Bohrwiderstandsmessgerät
Resistograph
Bohrwiderstandsmessung bei einem gesunden Holzquerschnitt
Bohrwiderstandsmessung bei einem schwer geschädigten Holzquerschnitt:
• bis 5 cm: kaum geschädigt
• 5 bis 12 cm: massiv geschädigt
• ab 12 cm: völlig zerstörte Holzstruktur
Diese Schädigung ist von außen nicht erkennbar.

Die Bohrwiderstandsmessung oder Resistographie[1] ist eine Untersuchung von Bäumen und Hölzern; dabei erstellen elektronisch gesteuerte Geräte eine zur Dichte linear korrelierende Messkurve.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Eine lange, dünne Nadel (Schaft-Durchmesser meist 1,5 und Kopfdurchmesser 3 mm) wird in das Holz gebohrt. Gemessen, aufgezeichnet, gespeichert und ausgedruckt wird die elektrische Leistung des einen oder der beiden, die Nadel antreibenden Motoren. Bei geeigneter Wahl der Motoren und elektronischen Ansteuerung entspricht diese Leistungsaufnahme dem Drehmoment an der Nadel, das wiederum vor allem dem mechanischen Eindringwiderstand an der breiteren Nadelspitze entspricht. Die auf diese Weise erzielten Messwerte korrelieren mit der Dichte des durchbohrten Holzes (r²>0,9), sowohl beim trockenen als auch im grünen Holz. Die Messprofile geben also den Verlauf der Rohdichte des Holzes entlang des Bohrweges wieder. Die sich ergebenden Bohrprofile spiegeln die relative Dichteverteilung des Holzes wider.

Nach entsprechender Schulung, u. a. in Holzanatomie und Biomechanik, können aus den Messkurven Aussagen über den inneren Zustand des Holzes getroffen werden, u. a. über Druckholz, Fäule, Hohlräume, Risse und andere innere Defekte sowie über den Jahrringzuwachs.

Bohrwiderstandsmessungen mittels entsprechender Messgeräte werden von Materialprüfanstalten und Spezialbetrieben durchgeführt.

Einsatzgebiet[Bearbeiten]

Die Untersuchungsmethode wird weltweit zu Baumuntersuchungen, Baumpflege und -kontrolle im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht, Spielgeräte- und Holzmastenkontrolle, Fachwerk- und Konstruktionsholzuntersuchungen verwendet. Bohrwiderstandsmessgeräte kommen bei Schnittholz ebenso zur Anwendung wie an lebenden Bäumen.

Nachteile[Bearbeiten]

Wie bei allen bohrenden Untersuchungsverfahren wird das zu untersuchende Material geschädigt. Zudem handelt es sich bei einer Einzelmessung um eine Stichprobe, präzise Aussagen erfordern (je nach Holzkörper) eine Vielzahl von Bohrungen an unterschiedlichen Stellen. Damit muss eine nennenswerte Schädigung des Holzkörpers in Kauf genommen werden.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Methode wurde von Frank Rinn in den 1980er Jahren entwickelt und in den 1990er Jahren markenrechtlich geschützt.[2][3]

Literatur[Bearbeiten]

  • F. Rinn: Eine neue Methode zur Bestimmung von Jahrringparametern. Diplomarbeit. Universität Heidelberg 1988.
  • F. Rinn: Eine neue Bohrmethode zur Holzuntersuchung. In: Holz-Zentralblatt. 115, 34, 1989, S. 529–530.
  • F. Rinn: Vorrichtung zur Materialprüfung, insbesondere Holzprüfung durch Bohr- bzw. Eindringwiderstandsmessung. Patent DE4122494B4. Prioritätsdatum 3. September 1990.
  • D. Eckstein und U. Saß: Holzanatomische Untersuchungen zu Bohrwiderstandsmessungen an Laubhölzern Holz als Roh- und Werkstoff. In: Holzforschung. 52, 1994, S. 279–286.
  • F. Rinn, F. H. Schweingruber, E. Schär: Resistograph and X-ray density charts of wood comparative evaluation of drill resistance profiles and X-ray density charts of different wood species. In: Holzforschung. 50, 4, 1996, S. 303–311.
  • Beiträge von Kowohl, Kehr, Wohlers, Dujesiefken, Jaskula, Blatt, Kersten, Stobbe, Rhesa, Eckstein: Bohrende Verfahren, was passiert im Baum? In: Jahrbuch der Baumpflege. 2001, S. 186–217.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Resistograph ist eine eingetragene Marke von Frank Rinn.
  2. Registerauskunft Registernummer: 2067216 beim deutschen Patent- und Markenamt
  3. LG Mannheim Az. 7-O-126/99