Boisney

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Boisney
Boisney (Frankreich)
Boisney
Region Haute-Normandie
Département Eure
Arrondissement Bernay
Kanton Brionne
Gemeindeverband Communes rurales du canton de Brionne.
Koordinaten 49° 9′ N, 0° 39′ O49.1544444444440.655158Koordinaten: 49° 9′ N, 0° 39′ O
Höhe 149–170 m
Fläche 5,76 km²
Einwohner 285 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 49 Einw./km²
Postleitzahl 27800
INSEE-Code

Denkmal für die Familie Dudou von 1904

Boisney ist eine französische Gemeinde mit 285 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Eure in der Region Haute-Normandie. Boisney gehört zum Kommunalverband Communes rurales du canton de Brionne.

Geographie[Bearbeiten]

Boisney liegt im Lieuvin, 8 Kilometer nordöstlich von Bernay und 6,6 Kilometer südwestlich vom Kantonshauptort Brionne an der Route nationale 13, die den Ortsteil Le Petit-Boisney vom Rest der Gemeinde trennt.[1]

Boisney ist eine der Gemeinden im Département Eure, in denen die Gefahr sich plötzlich bildender metertiefer, brunnenartiger Löcher besteht. Die sogenannten Marnières sind alte Mergelgruben die notdürftig mit Schutt gefüllt worden sind. Sie können sich nach starkem Regen öffnen, wenn die Schuttfüllung in die Seitengänge geschwemmt wird. Diese Löcher haben meist einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Metern. In der Vergangenheit hat sich ein Marnière in der Nähe der Kirche geöffnet.[2]

Boisney ist einer Klimazone des Typs Cfb (nach Köppen und Geiger) zugeordnet: Warmgemäßigtes Regenklima (C), vollfeucht (f), wärmster Monat unter 22 °C, mindestens vier Monate über 10 °C (b). Es herrscht Seeklima mit gemäßigtem Sommer.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Boisney lag an der Römerstraße von Breviodurum (Brionne) nach Noviomagus Lexoviorum (Lisieux).[3] Die Straße verlief am Nordrand des heutigen Gemeindegebiets durch den Weiler Chemin-Chaussé.[4][5]

Der Name Boisney stammt aus gallo-römischer Zeit: Botiniacum bedeutet ‚Ort des Boto‘ (beziehungsweise Botinus), wobei Boto ein germanischer Name war und Botinus die lateinische Version desselben. -acum ist ein keltisches Suffix. Der Name Boincourt eines Weilers der Nachbargemeinde Carsix ist dem gleichen Vornamen zugeordnet, was, wegen der Endung des Ortsnamens auf -court, eine Datierung der Bezeichnung der Dörfer auf das 6. Jahrhundert nahelegt.[6]

In einer Urkunde von 1142 wird die Gemeinde Boeneium genannt, in einer Urkunde von 1196 von Robert II. de Meulan Boenei.[7] 1223 vererbte ein Mann namens Jean Boesnay ein Drittel seines Besitzes der Abtei Le Bec.[8]

Kirche und Kriegerdenkmal
Abklatsch der Grabplatte Jeanne de Tillys von 1861

Boisney war das Lehen der Seigneurs de Thibouville. Die letzte Erbin der Familie de Thibouville war Jeanne de Thibouville (* um 1400). Sie heiratete Jean de Tilly, Baron de Treillières,[9] und brachte damit Boisney in die Familie Tilly ein. Ihre Tochter brachte es in die Familie Ferrières ein. Um 1507 fiel das Lehen durch Heirat an Antoine d’Arces (†1517). 1604 fiel es wieder durch Heirat an Eustache de Conflans, dessen Enkel, der letzte der Conflans, 1690 verstarb. Die Kastellanei, zu der Boisney gehörte, wurde an Henri Lambert verkauft, der 1673 zum Marquis ernannt wurde.[10]

Im Zweiten Weltkrieg wurde Boisney im August 1944 von der 2nd Canadian Division befreit.[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die romanische Kirche Saint-Aubin, die dem hl. Aubin von Angers (468/469−550) geweiht ist, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist seit 1862 als Monument historique klassifiziert[12] und wurde im 19. Jahrhundert restauriert. In der Kirche befinden sich zwei gleichfalls als Monument historique eingestufte Grabplatten aus dem 15. Jahrhundert. Die Grabplatte von Robert de Flocques, Vogt von Évreux, der 1441 Évreux von den Engländern unter Heinrich VI. befreite und 1461 starb, und von Jeanne de Tilly,[13] der Witwe von Jean de Ferrières, die 1495 starb. Sie war die Tochter von Jeanne de Thibouville. Beide Grabplatten stammen aus der Abtei Le Bec.[14] Vor der Kirche stehen zwei riesige uralte Eiben. Die Eiben, die Kirche und die Mauer um den Friedhof sind außerdem als Site classé (‚Natur- und Kulturdenkmal‘) eingestuft.[15]

Boisney gehört zur römisch-katholischen Gemeinschaft Communauté de Plasnes - Saint Léger de Rôtes, die Teil der Pfarrei Notre Dame de Charentonne des Bistums Évreux ist.[16]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1793 444 1841 587 1881 385 1936 202
1800 655 1846 579 1886 342 1946 206
1806 715 1851 532 1896 299 1954 209
1821 929 1856 522 1911 273 1968 241
1831 655 1872 424 1921 204 1982 242
1836 605 1876 410 1931 190 1999 301[17]

Die meisten Einwohner (Boisneyens) hatte Boisney 1821. Dann sank die Zahl der Einwohner kontinuierlich bis 1931. Obwohl die Zahl der Einwohner sich bis 1999 etwas erholte, wurde auch dann nicht mehr als ein Drittel der Einwohnerzahlen von 1821 erreicht.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wichtige Erwerbszweige der Boisneyens sind Obstbau, die Zucht von Hausrindern und Hausschafen[18] und Gastgewerbe. Auf dem Gemeindegebiet gelten kontrollierte Herkunftsbezeichnungen (AOC) für Calvados und Pommeau (Pommeau de Normandie) sowie geschützte geographische Angaben (IGP) für Schweinefleisch (Porc de Normandie), Geflügel (Volailles de Normandie) und Cidre (Cidre de Normandie und Cidre normand).[1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Boisney – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Boisney auf annuaire-mairie.fr (französisch)
  2. Liste der Gemeinde von Eure. In: eure.pref.gouv.fr. Préfecture von Eure, abgerufen am 14. August 2011 (französisch).
  3. VR17 (französisch)
  4.  Dominique Cliquet: L’Eure. 27. In: Michel Provost, Academie des inscriptions et belles-lettres, Ministere de la culture (Hrsg.): Carte Archéologique de la Gaule. Fondation Maison des Sciences de l’Homme, Paris 1993, ISBN 2-87754-018-9, 152, S. 99. (französisch)
  5.  Léon Coutil (1856-1943): Archéologique gauloise. Canton de Brionne. In: Société libre d’agriculture, sciences, arts et belles-lettres de l’Eure (Hrsg.): Recueil de la Société d’agriculture, sciences, arts et belles-lettres du département de l’Eure (= 7. 3). Paul Hérissey, Évreux 1915, S. 242 (online). (französisch)
  6. Canton de Brionne (französisch)
  7.  Ernest Poret Blosseville (1799-1886) (Hrsg.): Dictionnaire topographique de la France. Dictionnaire topographique du département de l’Eure : comprenant les noms de lieu anciens et modernes. Impr. Nationale, Paris 1877, S. 24 (auf Gallica). (französisch)
  8.  Auguste Le Prévost, Léopold Delisle, Louis Paulin Passy, Société d’agriculture des belles-lettres, sciences et arts de L’Eure, Léopold Delisle, Louis Paulin Passy (Hrsg.): Mémoires et notes de M. Auguste Le Prevost pour servir à l'histoire du département de l'Eure. Hérissey, Évreux 1862, S. 354 (in Google Books). (französisch)
  9.  Léon Le Métayer-Masselin: Collection de dalles tumulaires de la Normandie. reproduites par la photographie, d’après les estampages exécutés. Rollin, Paris 1861, S. 24-30 (online). (französisch)
  10.  Anatole Caresme Charpillon: Dictionnaire historique de toutes les communes du département de l’Eure: histoire, géographie, statistique. Delcroix, Les Andelys 1868, S. 394f (in Google Books). (französisch)
  11.  Raymond Ruffin: Le Prix de la Liberté. Juin – août 44. Presses de la Cité, 1995, ISBN 2-258-03893-6, S. 266.
  12. Eintrag Nr. 27074 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  13. Les Communes de l’Eure et leurs églises (französisch)
  14. Eintrag Nr. 27074 in der Palissy-Datenbank des französischen Kulturministeriums (französisch)
  15. Liste des Communes. In: eure.pref.gouv.fr. Préfecture Eure, abgerufen am 18. November 2011 (französisch).
  16. Notre Dame de Charentonne. Diocèse d’Évreux, abgerufen am 27. November 2011 (französisch).
  17. Boisney auf Cassini.ehess.fr (französisch)
  18. http://www.quid.fr/communes.html?mode=detail&id=15592&req=Boisney&style=fiche Boisney auf quid.fr (französisch), seit dem 25. März 2010 nicht mehr abrufbar.