Bollschweil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bollschweil
Bollschweil
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bollschweil hervorgehoben
47.9205555555567.7891666666667328Koordinaten: 47° 55′ N, 7° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Breisgau-Hochschwarzwald
Höhe: 328 m ü. NHN
Fläche: 16,42 km²
Einwohner: 2237 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79283
Vorwahl: 07633
Kfz-Kennzeichen: FR
Gemeindeschlüssel: 08 3 15 014
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hexentalstraße 56
79283 Bollschweil
Webpräsenz: www.bollschweil.de
Bürgermeister: Josef Schweizer (seit 1990)
Lage der Gemeinde Bollschweil im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Frankreich Landkreis Waldshut Landkreis Lörrach Freiburg im Breisgau Landkreis Emmendingen Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Rottweil Au (Breisgau) Auggen Bad Krozingen Badenweiler Ballrechten-Dottingen Bötzingen Bollschweil Breisach am Rhein Breitnau Buchenbach Buggingen Ebringen Ehrenkirchen Eichstetten am Kaiserstuhl Eisenbach (Hochschwarzwald) Eschbach (Markgräflerland) Feldberg (Schwarzwald) Friedenweiler Glottertal Gottenheim Gundelfingen (Breisgau) Hartheim Heitersheim Heitersheim Heuweiler Hinterzarten Horben Ihringen Kirchzarten Lenzkirch Löffingen March (Breisgau) Merdingen Merzhausen Müllheim (Baden) Müllheim (Baden) Münstertal/Schwarzwald Neuenburg am Rhein Neuenburg am Rhein Oberried (Breisgau) Pfaffenweiler St. Peter (Hochschwarzwald) St. Märgen Schallstadt Schluchsee (Gemeinde) Sölden (Schwarzwald) Staufen im Breisgau Stegen Sulzburg Titisee-Neustadt Umkirch Vogtsburg im Kaiserstuhl Wittnau (Breisgau)Karte
Über dieses Bild

Bollschweil (alemannisch Bollschwil) ist eine Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Sie liegt im Hexental, etwa zehn Kilometer südlich von Freiburg im Breisgau.

Geographie[Bearbeiten]

Blick vom Schönberg ins Hexental mit der Bollschweiler Kirche

Zwischen dem Hohfirst als Südteil des Schönbergmassivs und dem Schwarzwald im südlichen Hexental gelegen, gehört Bollschweil sowohl zur sogenannten Vorbergzone, als auch bereits zum Schwarzwald, da durch die Gemeinde die Hauptverwerfung zwischen Oberrheingraben und Schwarzwald verläuft. Der Ortsteil St. Ulrich liegt vollständig im Schwarzwald.

Bollschweil grenzt an die Stadt Freiburg und an die Gemeinden Münstertal, Ehrenkirchen, Pfaffenweiler, Ebringen, Sölden, Wittnau und Horben.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Bollschweil gehört die bis 1974 selbstständige Gemeinde St. Ulrich. Zur Gemeinde Bollschweil in den Grenzen vom 31. Dezember 1973 gehören die Dörfer Oberdorf und Unterdorf, die Weiler Aubach, Ellighofen, Gütighofen (der westliche Teil gehört zu Ehrenkirchen), der Zinken Leimbach, Hof und Haus Gütle und das Gehöft Bitterst. Zur ehemaligen Gemeinde St. Ulrich gehören das Dorf St. Ulrich, der Weiler Geiersnest und das Gehöft Kaltwasser. In der Gemarkung Bollschweil liegt die abgegangene Burg Birchiberg und das im Unterdorf aufgegangene Innighofen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Bollschweil wird erstmals im Jahr 838 als Puabilinisvilare in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. Seine Geschichte ist eng mit der Adelsfamilie Snewlin-Bernlapp, einem Zweig der im gesamten Breisgau bedeutenden Familie Snewlin, verbunden. Als die Familie 1837 ausstarb, kamen das Schloss und der Ort an die Freiherren von Holzing-Berstett, deren Nachkommen auch heute noch das Schloss bewohnen.

Nach 1087 gründete Ulrich von Zell (†1093), der Prior des Priorats Sankt Ulrich im Schwarzwald, ein Nonnenkloster in Bollschweil, das 1115 nach Sölden verlegt wurde.

Siehe auch: Ruine Birchiburg

Eingemeindungen[Bearbeiten]

St. Ulrich wurde im Zuge der Gemeindereform zum 1. Januar 1974 eingemeindet, bereits 1854 wurde die Gemeinde Geiersnest nach St. Ulrich eingemeindet.

Bergbau[Bearbeiten]

Für kurze Zeit (1938−1939) wurde auf Bollschweiler Gemarkung nahe Kuckucksbad am Schönberg Eisenerz abgebaut. Dieser nicht besonders umfangreiche Bergbau wurde jedoch nach jenen zwei Jahren (1938: 28.144 t, 1939: 40.252 t) nach einer Gesamtförderung von 69.396 t wieder eingestellt. Zu dieser frühen Einstellung trugen hauptsächlich Transportprobleme bei, da das Erz aufwendig per Lastwagen nach Bad Krozingen transportiert werden musste. Dieser Transport verteuerte sich späterhin maßgeblich, da zum Kriegsausbruch der Treibstoff knapp wurde. Bergbaurelikte aus dieser Epoche sind aufgrund einer zwischenzeitlichen Flurbereinigung im Jahre 2000 nur schwer aufzufinden.

Im Gegensatz dazu lässt sich für das Mittelalter umfangreicher Bergbau im umliegenden Gebirge nachweisen, der primär auf Silber betrieben wurde. Besonders im Bereich Birkenberg wurde damit begonnen diesen Bergbau zu erforschen. Sehr bemerkenswert ist dabei der glückliche Umstand, dass hier die Stollen und Schächte des mittelalterlichen Bergbaus sich über die Jahrhunderte nahezu unverändert erhalten haben und nicht wie in vielen anderen Bergbaugebieten des Schwarzwaldes von neuzeitlichem Bergbau überprägt wurden.[3]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus Bollschweil

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 12 Sitze. Die Wahl am 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,9 % wie bei der Wahl 2004 zu folgender Sitzverteilung:

Freie Bürgerliste Bollschweil-St. Ulrich 7 Sitze
Bürgerforum Bollschweil-St. Ulrich 5 Sitze

Verwaltung[Bearbeiten]

Mit der Gemeinde Ehrenkirchen besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.

Partnerschaft[Bearbeiten]

Seit 1990 besteht ein Freundschaftsvertrag zwischen Bollschweil und der elsässischen Gemeinde Berstett im Département Bas-Rhin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten]

  • Das Schloss in Bollschweil aus dem 18. Jahrhundert steht an der Stelle einer ehemaligen mittelalterlichen Wasserburg.
  • Die Pfarrkirche St. Hilarius wurde 1840 von Hans Voß im Weinbrenner-Stil errichtet.
Pfarrkirche im Ortsteil St. Ulrich (ehemalige Benediktinerprioratskirche)
Kirche St. Hilarius Bollschweil
Muttergotteskapelle / Hirzlehofkapelle

Denkmäler/Grenzsteine[Bearbeiten]

Hohbannstein im Hohfirstwald
Luftbild auf Bollschweil und das Kalkwerk

Der Hohebannstein ist ein Gemarkungsstein im Hohfirstwald, an den die fünf Gemeinden Bollschweil, Ebringen, Ehrenkirchen, Pfaffenweiler und Schallstadt angrenzen. Inzwischen steht am Ort nur noch eine Replik, der Originalstein befindet sich im Dorfmuseum von Pfaffenweiler.

Erholung[Bearbeiten]

Durch den Ort verläuft ein überregionaler Wanderweg, der historische Bettlerpfad von Merzhausen/Freiburg nach Badenweiler

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Bollschweil wird am Hohfirst schon lange Kalkabbau betrieben. Der vom Bollschweiler Unternehmer Franz Koch gegründete Betrieb gehört heute der Knauf Marmorit GmbH. Am 31. März 2011 wurde der Kalksteinabbau, vorwiegend aufgrund Nachfrageeinbruchs, vorerst eingestellt. Die Wiederaufnahme ist laut Unternehmen jedoch jederzeit möglich. Die Produktion von Putzen bleibt am Standort bestehen.[4]
Die örtliche Gastwirtschaft wird erstmals genossenschaftlich betrieben.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Franz Koch (1883–1972), Gründer des Kalkwerks, Ehrenbürger 1953
  • Marie Luise Kaschnitz, die teilweise in Bollschweil aufgewachsen und später auch oft hierher zurückgekehrt ist, erhielt die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde. Mit dem Text Beschreibung eines Dorfes (1966) hat sie der Gemeinde ein literarisches Denkmal gesetzt. Sie ist auch hier begraben.
  • Willi Bechtold (seit 2007), ehem. Schulrektor, hat sich um die Partnerschaft zu Berstett besondere Verdienste erworben.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Der Filmarchitekt und Fotokünstler Anton Weber († 1979) ist 1904 in Bollschweil geboren.

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Adolf Max von Holzing-Berstett, der Bruder von Marie Luise Kaschnitz hatte seinen Familiensitz in Bollschweil.
  • Hans Abich (1918–2003), Filmproduzent, Publizist und langjähriger Programmdirektor der ARD verbrachte seinen Lebensabend in Bollschweil und fand auch dort seine letzte Ruhestätte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 65–181
  3. Gert Goldenberg, Matthias Fröhlich: Der Birkenberg bei Bollschweil - St. Ulrich. Ein Bergbaurevier aus dem Mittelalter. Bollschweil, 2006
  4. Artikel vom 31. März 2011 in der Badischen Zeitung, gesehen 6. April 2013
  5. Beitrag vom 18. April 2010 im Sonntagsspaziergang des Deutschlandfunks, gesehen 18. April 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bollschweil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien