Boltenhagen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Boltenhagen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Boltenhagen
Boltenhagen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Boltenhagen hervorgehoben
53.98861111111111.2008333333333Koordinaten: 53° 59′ N, 11° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Amt: Klützer Winkel
Höhe: 3 m ü. NHN
Fläche: 18,09 km²
Einwohner: 2420 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner je km²
Postleitzahl: 23946
Vorwahl: 038825
Kfz-Kennzeichen: NWM, GDB, GVM, WIS
Gemeindeschlüssel: 13 0 74 010
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Schloßstraße 1
23948 Klütz
Webpräsenz: www.boltenhagen.de
Bürgermeister: Christian Schmiedeberg (amtierend)
Lage der Gemeinde Boltenhagen im Landkreis Nordwestmecklenburg
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Rostock Landkreis Rostock Landkreis Ludwigslust-Parchim Landkreis Ludwigslust-Parchim Bad Kleinen Barnekow Bobitz Dorf Mecklenburg Groß Stieten Hohen Viecheln Lübow Metelsdorf Ventschow Dragun Gadebusch Kneese Krembz Mühlen Eichsen Rögnitz Roggendorf (Mecklenburg) Veelböken Bernstorf Gägelow Stepenitztal Stepenitztal Stepenitztal Plüschow Roggenstorf Rüting Testorf-Steinfort Upahl Warnow (bei Grevesmühlen) Damshagen Hohenkirchen (Mecklenburg) Kalkhorst Klütz Zierow Alt Meteln Bad Kleinen Brüsewitz Cramonshagen Dalberg-Wendelstorf Gottesgabe (bei Schwerin) Grambow (bei Schwerin) Klein Trebbow Lübstorf Lützow (Mecklenburg) Perlin Pingelshagen Pokrent Schildetal Seehof (Mecklenburg) Zickhusen Benz (bei Wismar) Blowatz Boiensdorf Hornstorf Krusenhagen Neuburg (Mecklenburg) Bibow Glasin Jesendorf Jesendorf Lübberstorf Neukloster Passee Warin Züsow Zurow Carlow (Mecklenburg) Dechow Groß Molzahn Holdorf (Mecklenburg) Königsfeld (Mecklenburg) Rehna Rehna Rehna Rieps Schlagsdorf Thandorf Utecht Wedendorfersee Dassow Grieben (Mecklenburg) Groß Siemz Lockwisch Lüdersdorf Menzendorf Niendorf (Amt Schönberger Land) Roduchelstorf Schönberg (Mecklenburg) Selmsdorf Boltenhagen Grevesmühlen Insel Poel Poel WismarKarte
Über dieses Bild

Das Ostseebad Boltenhagen ist eine Gemeinde im Norden des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland. Als anerkanntes Seeheilbad trägt Boltenhagen den Titel Ostseebad. Die Gemeinde gehört dem Amt Klützer Winkel an und ist Teil der Metropolregion Hamburg.

Geografie[Bearbeiten]

Ostseestrand und Steilküste in Boltenhagen

Boltenhagen liegt nördlich der Kleinstädte Grevesmühlen und Klütz, etwa 20 Kilometer westlich der Hansestadt Wismar und 30 Kilometer östlich der Hansestadt Lübeck. Die Gemeinde liegt im Klützer Winkel direkt an der Ostseeküste der Boltenhagenbucht als Teil der Mecklenburger Bucht. Die Halbinsel Tarnewitz mit der Tarnewitzer Huk und dem daneben angelegten Fischereihafen wurde in den 1930er Jahren durch den Reichsarbeitsdienst auf den festlandnahen Resten der ehemaligen Halbinsel Lieps aufgespült. Das befestigte Gelände diente bis 1945 als militärischer Versuchsflughafen zur Erprobung von Flugzeugbordwaffen. Die zeitgenössisch als Erprobungsstelle Tarnewitz bezeichnete Anlage wurde von der auf dem Priwall befindlichen Erprobungsstelle See mit genutzt.

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Boltenhagen, Redewisch, Tarnewitz und Wichmannsdorf.[2]

Steilküste am Großklützhöved bei Boltenhagen

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1230 wurde der älteste Ortsteil Tarnewitz im Ratzeburger Zehntenregister genannt. Etwa zu dieser Zeit müssen auch der Ortsteil Redewisch und nur wenig später Wichmannsdorf und Boltenhagen entstanden sein. Wichmannsdorf wurde 1313 und Boltenhagen als Longa Indago 1325 erstmals urkundlich erwähnt. Dieses tauchte 1336 erstmals als Boltenhagen auf.

Im Jahre 1313 bestätigte Heinrich, Fürst von Mecklenburg, dem Ritter Johann Rike den von Gerhard von Hagen erkauften Besitz zu Wichmannsdorf und Steinbeck. In einer Urkunde zu Wichmannsdorf wird in diesem Jahr ein Bolte genannt, der aus der Gegend stamme. 1325 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als Langhagen bzw. Lange Hagen, wobei es sich nur um Boltenhagen handeln kann.

1333 wurde Wichmannsdorf dem holsteinischen Kloster Reinfeld zugesprochen. 1336 erfolgte die erste Urkunde mit dem Namen Boltenhagen. Es wurden Steuerfragen geklärt und die Gerichtsbarkeit über Boltenhagen und Wichmannsdorf wurde dem Kloster übertragen. 1803 stellte der Graf von Bothmer bei Redewisch einen Badekarren auf. Gleich darauf brachte Kegel-Westphal von Hufe V einen Badekarren zum Strand von Boltenhagen und eröffnete somit den Badebetrieb, der für sich in Anspruch nimmt, das zweitälteste Seebad Mecklenburgs zu sein.

1840 gab es etwa zehn Karren und um 1900 standen bereits 50 Badekarren am Strand. 1810 überließen einige Bauern Fremden ihre eigene Stube in Boltenhagen und schliefen selber in ihren Wirtschaftsgebäuden. 1830 kommt zum ersten Mal Johann Joachim Hartwig Meyer, späterer Pastor in Wismar, nach Boltenhagen. Danach kam er noch 50 Sommer und trug so entscheidend zu Boltenhagens Bekanntheit als Badeort bei.

1834 gab es bereits die erste Fremdenverkehrsliste, die 200 Gäste am Tag verzeichnet. 1838 errichtete Tischler Reese das erste Logierhaus Hotel Baltique in Boltenhagen. 1845 errichtete Gastwirt Johann Jacob Wiechmann aus Dassow das noble Kurhaus Großherzog von Mecklenburg. 1852 verzeichnete man im Ort bereits 642 Gäste. 1855 kam Fritz Reuter zum ersten Mal nach Boltenhagen und besuchte den Ort bis in die 1860er Jahre regelmäßig.

1861 gründete Pastor Meyer den Verschönerungsverein, der Promenaden weiter ausbaute und das Anlegen weiterer Parks vorantrieb. 1868 erhielt Boltenhagen eine selbständige Gemeindevertretung mit einem Dorfschulzen an der Spitze, die gleichzeitig die Badeverwaltung wahrnahm. 1872 wurde in der Nacht vom 12. zum 13. November durch die große Sturmflut fast alles zerstört. Ein Hochwasserstein an der Kapelle (erbaut 1872) erinnert an die Katastrophe und zeigt den Wasserstand der Flut an.

1880 erschienen erste Dampfer vor Boltenhagen. Bereits 21 Häuser standen wieder nach der Flut, und Pastor Meyer kam zum 50. Mal nach Boltenhagen. Ihm zu Ehren stellten die Einwohner neben der Kirche einen Gedenkstein auf.

1882 gab es die ersten Strandkörbe. 1911 wurde die 300 Meter lange Anlegerbrücke in der Nähe des Kurhauses gebaut. In den schweren Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg wird von 1919 bis 1922 das Reutergeld, ein Notgeld nur gültig für Boltenhagen, herausgegeben.

Am 5. Juli 1929 erhielt Boltenhagen den Titel Ostseebad. Von 1935 bis 1939 wurde der Flugplatz in Tarnewitz für Flugzeug- und Raketenbewaffnung erbaut. Mit dem Zweiten Weltkrieg brach der Badeverkehr zusammen. Die Gästequartiere waren mit Evakuierten und Flüchtlingen belegt. Mit dem Haus Augusta stand 1947/48 das erste FDGB-Ferienheim an der Ostseeküste der späteren DDR. Das Blindenkurheim Boltenhagen und das evangelische Kinderkurheim wurden eröffnet. In der Aktion Rose enteignete man 1953 viele Hotel- und Pensionsbesitzer.

Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt das Kombinat Polygraph Werner Lamberz ein Betriebs-Ferienlager für seine Lehrlinge aus allen Betriebsteilen des Landes.

Am 1. September 1956 wurde das neue Schulgebäude eröffnet. Am 8. Juli 1976 erhielt Boltenhagen den Titel Staatlich anerkannter Erholungsort. Nach 1990 entstanden viele Tausend Gästebetten in Hotels, Pensionen und Ferienhäusern sowie zahlreiche Restaurants und Cafés. Die historische Bäderarchitektur wurde restauriert. Seit 1992 ragt die neue Seebrücke 290 Meter weit in die Ostsee.

Am 20. März 1998 erhielt Boltenhagen den Titel Staatlich anerkanntes Seeheilbad. Das neue Kurhaus wurde im Jahr 2000 seiner Bestimmung übergeben.

Für die Opfer der DDR-Seegrenze (174 Flüchtlinge starben beim Versuch, die DDR über See zu verlassen) wurde 2000 neben der Seebrücke ein Gedenkstein aufgestellt. 2002 wurden die neue Konzertmuschel und die Trinkkurhalle eingeweiht.

2005 tauchte in Boltenhagen ein neues Wahrzeichen auf. Eine Meerjungfrau saß seit dem Neujahrstag auf einem Stein in der Ostsee am Strand. Ein Rechtsstreit um die Meerjungfrau entbrannte im Jahr 2006. Die Figur verschwand in der Nacht zum 27. Februar wieder.

Auf der Halbinsel Tarnewitz eröffnete 2008 der Yacht- und Fischereihafen. Weitere Hotels und ein Ferienresort eröffneten.[3][4]

Zum 1. Juli 2011 verlor Boltenhagen mit der Eingliederung in das Amt Klützer Winkel den Status einer amtsfreien Gemeinde.[5]

Tourismus[Bearbeiten]

Seit Saisonbeginn 2008 besteht im Ortsteil Tarnewitz die Weiße Wiek mit der Marina Boltenhagen, einem Hafen für Skipper, Wasserwanderer und Berufsfischer. Das Gelände war während der Vor- und Kriegszeit Standort des militärischen Versuchsflughafens Tarnewitz und des dabei liegenden Militärhafens. Eine neue Ferienanlage mit zwei neu errichteten Hotels und Häusern mit Ferienappartements nahm dort im Frühjahr 2008 den Betrieb auf.

Weiße Wiek - Marina Yachthafen

In Boltenhagen leben etwa 2400 Bürger dauerhaft [6] und bis zu 30.000 Menschen saisonal, für die eine auf die Tourismussaison ausgerichtete Infrastruktur bereitgehalten wird. Die Freizeiteinrichtungen umfassen neben den klassischen Kurangeboten auch Mini- und Swingolf, Beachvolleyball sowie weitere Freiluftsportarten.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Blau unter zwei schräg gekreuzten goldenen Rodehacken ein silbernes achtspeichiges Steuerrad, begleitet beiderseits oben von zwei goldenen Blättern des Ahorns.[8]

Das Gemeindewappen wurde am 19. Mai 2014 vom Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 353 in der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Boltenhagen

Ansichten[Bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Boltenhagen
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
38
 
2
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49
 
18
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39
 
13
7
 
 
50
 
7
3
 
 
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4
0
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Boltenhagen
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2 3 6 10 15 19 20 21 18 13 7 4 Ø 11,5
Min. Temperatur (°C) -2 -2 1 3 8 11 13 13 10 7 3 0 Ø 5,5
Niederschlag (mm) 38 26 36 40 50 59 63 56 49 39 50 46 Σ 552
Sonnenstunden (h/d) 1,3 2,1 3,6 5,6 7,7 8,0 7,4 7,3 5,1 3,5 1,8 1,1 Ø 4,6
Regentage (d) 19 16 13 14 13 14 15 15 14 16 18 18 Σ 185
Luftfeuchtigkeit (%) 88 86 83 80 79 78 79 79 81 84 86 87 Ø 82,5
T
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Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Bunners: Die Entstehung der Ostseebäder Boltenhagen und Graal-Müritz und die Errichtung ihrer Kirchen. In: Territorialkirchengeschichte: Entwicklung, Aufgaben, Beispiele, Greifswald 1984, Seite 104–112

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Boltenhagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Boltenhagen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. § 1 Abs. 3 der Hauptsatzung der Gemeinde
  3. Das Boltenhagenbuch - Häuser, Menschen & Geschichten von Angelika Rätzke, Boltenhagen Verlag, 2. Auflage
  4. Ostseebad Boltenhagen Einst und jetzt, 1995, Herausgeber: Horst Günther, Inge Könnecke-Hadler GbR,
  5. Gebietsänderungen in Mecklenburg-Vorpommern 2011, (PDF; 60 kB) Statistisches Landesamt MV
  6. Amt Klützer Winkel
  7. Sport im Klützer Winkel
  8. § 1 Abs. 2 S. 2 der Hauptsatzung der Gemeinde Ostseebad Boltenhagen; Änderungssatzung