Bombenanschlag auf das Brighton Hotel

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Den Bombenanschlag auf das Brighton-Hotel am 12. Oktober 1984 im Grand Hotel in Brighton führte die Provisional Irish Republican Army (IRA) durch ihr Mitglied Patrick Magee aus. Ziel des Anschlags war es, die Premierministerin Margaret Thatcher und das britische Kabinett zu töten, die sich während des Parteitages der Konservativen Partei in diesem Hotel aufhielten.

Anschlag[Bearbeiten]

Schäden am Hotel nach dem Anschlag.

Patrick Magee trug sich mit einem falschen Namen im Grand Hotel Brighton am Wochenende von 14. bis 17. September 1984 ein, um den Anschlag zu planen. Er entschloss sich, eine Bombe unter seinem Bad unterzubringen, die er durch einen Zeitzünder, den er aus Komponenten eines Videorecorders zusammen baute, zur Explosion bringen wollte.[1] Zur Anwendung kamen ungefähr 20 lb Sprenggelatine, dies entspricht etwa 9 kg. [2]

Die Bombe explodierte um 2.54 Uhr am 12. Oktober, als Thatcher noch an ihrer Rede am kommenden Tag in ihrer Suite arbeitete. Ihr Bad wurde zerstört, ihr Aufenthaltsraum und Schlafzimmer nicht. Deshalb blieben sie und ihr Mann Denis Thatcher unverletzt und sie verbrachten daraufhin den Rest der Nacht im Hauptquartier der Polizei von Sussex. Vor dem Verlassen des Hotels gab sie dem Fernsehsender BBC noch ein Interview. Die Konferenz begann, wie geplant um 8.00 Uhr, und Margaret Thatcher besuchte die Verletzten im Hospital von Sussex.

Thatchers so wörtlich Coolness angesichts des Anschlags brachte ihr eine große Zustimmung ein.[3]

Bei dem Anschlag kamen fünf prominente Mitglieder der "Conservative Party" (CP) ums Leben: Eric Taylor (54 Jahre alt), Vorsitzender der CP im Nordwestgebiet von Großbritannien; Anthony Berry (59 Jahre alt), Abgeordneter der CP für Enfield, Southgate; Anne Wakeham (45 Jahre alt), Frau des Fraktionsvorsitzenden der regierenden CP; Jeanne Shattock (52 Jahre alt), Frau des Vorsitzenden der CP des Westgebiets und Muriel McLean (54 Jahre alt), Frau des Vorsitzenden der Scottish Conservatives.[1] 31 Personen wurden verletzt, unter ihnen Norman Tebbit, der damalige Arbeitsminister und Minister für Handel und Industrie.[4]

Reaktionen[Bearbeiten]

Thatcher war eine kontroverse politische Figur, die von ihren Gegnern gehasst wurde. Zu der Zeit des Anschlags fanden die Vorbereitungen zum britischen Bergarbeiterstreik 1984/1985 statt. Der Musiker Morrissey, Frontmann der Band The Smiths, sagte kurz nach dem Anschlag, es tue ihm nur leid, dass Thatcher diesen heil überstanden habe. David Bret schrieb in seinem Buch Morrissey: Scandal & Passion , dass der Boulevardjournalismus voll von solchen Bemerkungen war. Ein Arbeiterverein in South Yorkshire wollte ernsthaft Geld sammeln, um den Attentätern einen zweiten Anschlag zu finanzieren[5] 1986 feierte die englische Punkband the Angelic Upstarts mit ihrer Single "Brighton Bomb" den Anschlag[6].

David Hughes, Journalist des Daily Telegraph nannte den Anschlag das Ende der Unschuld in Großbritannien.

Patrick Magee[Bearbeiten]

Am nächsten Tag bekannte sich die IRA zu diesem Attentat. Der 35-jährige Patrick Magee, der sich als Roy Walsh ausgegeben hatte, wurde im September 1986 zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Er kam nach 14 Jahren im Rahmen des Good Friday Agreement frei.

2000 gab Magee der The Sunday Business Post ein Interview. Die britische Regierung habe zu dieser Zeit kein Interesse daran gehabt, die Unruhen in Nordirland zu beenden und die IRA zu entkriminalisieren:

As long as the war was kept in that context, they could sustain the years of attrition. But in the early 1980s we succeeded in destroying both strategies. The Irish hunger strike destroyed the notion of criminalisation and the Brighton bombing destroyed the notion of containment [...] After Brighton, anything was possible and the British for the first time began to look very differently at us; even the IRA itself, I believe, began to fully accept the priority of the campaign in England.[7]

„Solange der Krieg in diesem Zusammenhang weiterging, konnten sie den Abnutzungskrieg jahrelang weiterführen. Aber in den frühen 1980er Jahren schafften wir es, beide Strategien zu zerstören. Der irische Hungerstreik von 1981 zerstörte den Gedanken an die Kriminalisierung und die Bombe von Brighton zerstörte den Gedanken an Eindämmung. Nach Brighton war alles möglich und die Briten sahen uns zum ersten Mal mit anderen Augen; sogar die IRA selbst, glaube ich, begann zu akzeptieren, dass der Kampf in England Priorität habe“

Patrick Magee

Bezüglich der Bombenopfer sagte Magee: "I deeply regret that anybody had to lose their lives, but at the time did the Tory ruling class expect to remain immune from what their frontline troops were doing to us?" (Ich bedaure zutiefst, dass irgendjemand sein Leben verlieren musste, aber konnte die herrschende Tory-Klasse zu der Zeit erwarten, dass sie immun bleiben würde, während ihre Frontsoldaten das mit uns machten?)

Im Film[Bearbeiten]

Im Spielfilm Die Eiserne Lady (2011) über Thatchers Leben wird das Attentat thematisiert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.guardian.co.uk/fromthearchive/story/0,,1235581,00.html Gareth Parry: Patrick Magee convicted of IRA terrorist attack im The Guardian vom 10. Juni 1986
  2. Clarke, Liam: IRA mole warned police about Brighton bomb, Sunday Times, 15. Dezember 1996
  3. Campbell,Margaret Thatcher. The Iron Lady (Jonathan Cape, 2003), S. 432.
  4. 1984: Tory Cabinet in Brighton bomb blast bei BBC (Abgerufen am 8. Januar 2012).
  5. Bret, David. Morrissey: Scandal & Passion. Franz Steiner Verlag, 2004. S.111
  6. Bucklet, Peter. The Rough Guide to Rock. Rough Guides, 2003. S.31
  7. "Brighton Bomb was a turning point - Magee". An Phoblacht, 31. August 2000.

50.821389-0.147222Koordinaten: 50° 49′ 17″ N, 0° 8′ 50″ W