Bombenanschlag auf die Wall Street 1920

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ort des Anschlages

Der Bombenanschlag auf die Wall Street 1920 war einer der schwersten Terroranschläge seiner Zeit. Er ereignete sich am 16. September 1920 in der Wall Street in New York City.

Ablauf[Bearbeiten]

Am 16. September 1920 um 12:01 mittags detonierte gegenüber dem Hauptsitz von J.P. Morgan in einem Pferdewagen ein Sprengsatz, bestehend aus rund 50 Kilogramm Trinitrotoluol und 250 Kilogramm Eisenteilen.[1] Die Eisenteile waren sogenannte sash weights, also Gegengewichte für Schiebefenster aus Metall. Bei dem Anschlag kamen unmittelbar 30 Menschen ums Leben und über 300 Personen wurden verletzt. In den folgenden Tagen starben neun oder zehn weitere Personen an den Folgen ihrer Verletzungen.[2] Durch die gewaltige Detonation wurden noch im 20. Stock naheliegender Gebäude die Fensterscheiben zerstört; insgesamt entstand ein Sachschaden von 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar.[3]

Dadurch, dass die Bombe mittags kurz nach 12 Uhr detonierte, wurden viele Angestellte der umliegenden Banken, die gerade in die Mittagspause entlassen wurden, verletzt oder getötet.

Kurz nach dem Attentat wurde einen Block weiter in einem Briefkasten ein Stapel Flugblätter gefunden:

“Remember
We will not tolerate
any longer
Free the political
prisoners or it will be
sure death for all of you”

„Denkt daran: Wir werden es nicht länger hinnehmen. Befreit die politischen Gefangenen oder es wird der sichere Tod für euch alle sein.“[4]

Täter[Bearbeiten]

Vermutlich stellten die Flugblätter eine Art Bekennerschreiben dar. Wegen des Inhalts wurde vermutet, dass die Täter aus der anarchistischen Szene stammten. Da der Sprengsatz gegenüber von J.P. Morgan detonierte, spekulierte man über einen Mordversuch am Gründer der Bank. Weil dieser jedoch zu diesem Zeitpunkt geschäftlich in Europa unterwegs war, ließ man diese Theorie bald fallen.

Es wurde berichtet, dass der ehemalige Tennisprofi Edwin Fischer vage Andeutungen über ein Attentat an der Wall Street gemacht hatte. Da er aber psychisch krank war und eine Täterschaft auch sonst nicht infrage kam, ließ man auch diese Annahme fallen.

Da am 16. September Gold im Wert von rund 900 Mio. Dollar transportiert werden sollte, geht eine neuere Theorie davon aus, dass die Bombe Teil eines misslungenen Raubes war. Weil jedoch keine Anhaltspunkte für eventuelle Räuber gefunden wurden, ist es fraglich, ob das Attentat etwas mit dem Goldtransport zu tun hatte.

Am wahrscheinlichsten gilt, dass die Bombe von Tätern aus dem anarchistischen Milieu gelegt wurde; es wird dabei über einen Zusammenhang mit den Verhaftungen der Anarchisten Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti spekuliert, die fünf Tage zuvor wegen Mordverdachtes festgenommen worden waren.[4]

Folgen[Bearbeiten]

Spuren an der Außenfassade von J.P. Morgan

Als Reaktion auf den Anschlag ließen in Chicago und Boston die zuständigen Behörden ihre Finanzbezirke von der Polizei bewachen.

In New York wurden schnell alle Spuren des Unglücks beseitigt. Obwohl es für viele zunächst undenkbar war, nahm die Börse schon am nächsten Tag ihren regulären Betrieb wieder auf, da man negative Auswirkungen des Attentats auf den Finanzmarkt ausschließen wollte.[5]

J.P. Morgan hat seine Fassade nie von den Einschlagsstellen der Eisenteile befreien lassen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1920: Wall Street Bombing - Terrorism in America. About.com. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  2. a b Harvey W. Kushner: Encyclopedia of terrorism. SAGE, 2003, ISBN 9780761924081, S. 399f
  3. Frances Turk, Murray: Red Scare. University of Minnesota Press, 1999, ISBN 9780816601134, S. 258
  4. a b Michael Newton: The Encyclopedia of Unsolved Crimes. Infobase Publishing, 2009, ISBN 9780816078189, S. 383–85
  5. "Business As Usual": The 1920 Wall Street Explosion and the Politics of Forgetting. Webseite der The New School Universität New York. Abgerufen am 6. Januar 2011.