Bonnot-Bande

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Die Bonnot-Bande auf einer Illustration in Le Figaro
Überfall auf eine Filiale von Société Générale

Die Bonnot-Bande (La Bande à Bonnot) war eine kriminelle Gruppe, deren Mitglieder sich zum Anarchismus bekannten und die von 1911 bis 1912 in Frankreich und Belgien operierte. Sie setzte sich aus Personen zusammen, die sich mit der Philosophie des Illegalismus identifizierten und einer anarchistischen Szene entstammten. Die Bande nutzte eine hochtechnisierte Ausrüstung wie Repetierbüchsen und Automobile, die der Polizei noch nicht zur Verfügung standen.

Werdegang[Bearbeiten]

Den ersten Bankraub unternahm die Bande bei der Bank Société Générale in Paris am 21. Dezember 1911. Die Bandenmitglieder entkamen anschließend in einem Auto (einem Delaunay-Belleville), den sie eine Woche zuvor gestohlen hatten. Weil erstmals bei einem Raubüberfall, wie auch bei den folgenden, teils äußerst brutal verübten Verbrechen gestohlene Kraftwagen zum Einsatz kamen, bezeichnete die Presse die Gruppe zunächst einfach als „Die Autobanditen“.

Die Gruppe blieb bis zum 25. März 1912 verbrecherisch aktiv (zwischenzeitlich auch in Belgien), dann erfolgte eine große, mit aller militärischer Härte durchgeführte, spektakuläre Verhaftungswelle seitens des französischen Staates, bei der alle Protagonisten der Gruppe getötet oder verhaftet wurden. Dem Gegenschlag waren umfangreiche, teilweise auch willkürliche Verhaftungen in der mutmaßlichen Sympathisantenszene der Bonnot-Bande vorausgegangen. Die Überlebenden der Gruppen wurden 1913 vor Gericht gestellt, viele von Ihnen zum Tode verurteilt und anschließend guillotiniert.

Nachdem Jules Bonnot der populären Tageszeitung „Petit Parisien“ im Frühjahr 1912 ein Interview gegeben hatte, wurde die Organisation im Nachgang „die Bonnot-Bande“ genannt. Die Wahrnehmung der Presse, dass Bonnot eine vermeintliche Leitungsfunktion innerhalb der Gruppe hatte, wurde später auch dadurch gestärkt, als sein spektakulärer Tod während eines Schusswechsels mit der französischen Polizei in Nogent publik wurde.

Hauptartikel: Jules Bonnot

Mitglieder[Bearbeiten]

Die Bonnot-Bande bestand ursprünglich aus einer Gruppe französischer Anarchisten rund um die individualanarchistische Zeitschrift l'Anarchie. Sie wurde von Octave Garnier, Raymond Callemin und René Valet gegründet. Es war Garniers Idee, Automobile für kriminelle Taten zu nutzen. Jules Bonnot stieß im Dezember 1911 dazu.

Hauptmitglieder der Bande waren:

Weitere, weniger zentrale Mitglieder waren der „Chemiker“, der Antimilitarist Marius Medge, Antoine Gauzy, Pierre Jourdan, Charles Reinart, Wiktor Lwowitsch Kibaltschitsch, der russische Flüchtling Godorowski, Henriette Maîtrejean und Berbe Leclech.

Die politische und soziale Perspektive der Bande war maßgeblich von Bakunin und Pierre Joseph Proudhon sowie Max Stirner, Ludwig Büchner, Friedrich Nietzsche und Félix Le Dantec geprägt. Bonnots Ideen stimmten mehr mit denen des Spätanarchisten Ravachol überein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Schreckenstaten der Pariser Automobilapachen. und Kampf gegen Pariser Automobilapachen. In: Illustriertes Universum Jahrbuch. 1912, S. 137, 185 und 227 (mit photogr. Abb.).
  • Pino Cacucci: Besser auf das Herz zielen. Edition Nautilus, Hamburg 2010, ISBN 978-3-89401-722-4.

Film[Bearbeiten]

Die Geschichte der Bonnot-Bande wurde 1968 in einem gleichnamigen Film von Philippe Fourastié mit Jacques Brel, Annie Girardot und Bruno Cremer erzählt. Sie wurde auch in der bekannten Fernsehserie Les Brigades du Tigre in den 1970er Jahren thematisiert. Die letzte Adaption fürs Kino fand 2005 mit Jacques Gamblin als Jules Bonnot statt.

Trivia[Bearbeiten]

Das Treiben der Bonnot-Bande bildete auch ein Vorbild der 1913 produzierten und seinerzeit sensationell erfolgreichen Fantômas-Stummfilme, in denen das technische Wettrüsten zwischen Fantômas' Bande und der Pariser Sûreté (Überwachungstechniken, Biometrie, Einsatz von Fluchtwagen) eine wesentliche Rolle spielt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bonnot-Bande – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien