Book-on-Demand

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Book-on-Demand (dt. Abrufbuch oder Buch auf Bestellung, gelegentlich abgekürzt zu BaB) bzw. Print-on-Demand ist ein seit Mitte der 1990er Jahre angewandtes Publikationsverfahren für Kleinstauflagen von Büchern und Druckschriften. Es basiert auf der Digitaldrucktechnik: Eine Druckvorlage liegt nur in elektronischer Form vor, Druckerzeugnisse werden dann erst unmittelbar nach der Bestellung produziert (im Gegensatz zum klassischen Offsetdruck).

Für Book-on-Demand gibt es spezielle Arbeitsablaufsysteme. Unter Book-on-Demand versteht man die Kombination von Digitaldruckverfahren und für Kleinstauflagen geeigneten Weiterverarbeitungsverfahren im Bereich der Umschlagveredelung und Bindung; oft kommt der Buchvertrieb im Auftrag und auf Rechnung Dritter hinzu.

Mit Hilfe der Book-on-Demand-Technik kann ein Buch in einer Auflage ab einem Exemplar hergestellt werden, wirtschaftlich sind derzeit etwa 30 bis 100 Exemplare. Da das Buch sich immer nachdrucken lässt, hat es theoretisch eine unendlich hohe Auflage, die als Idee das Verfahren prägt: Bücher „auf Bestellung“ erreichen vor allem durch sogenannte Langsamdreher eine immense Sortimentserweiterung ohne den wirtschaftlichen Nachteil einer physischen Lagerhaltung.

Inhaltsverzeichnis

Technik und Praxis[Bearbeiten]

Zum Book-on-Demand-Verfahren[Bearbeiten]

Technisch bestehen vor allem bei hochauflösenden Abbildungen und im Farbdruck noch Einschränkungen gegenüber dem Offsetdruck, da die heutigen Digitaldruckverfahren mit geringeren Rasterauflösungen arbeiten und eine Farbkalibrierung bei Kleinstauflagen oder gar Einzeldrucken nicht wirtschaftlich wäre.

Durch Computertechnik wird der Herstellungsprozess deutlich vereinfacht. Zunächst erfolgt der Satz von Innenteil und Umschlag. In der Regel liegt dann je eine Datei (meist als PDF, früher oft als TIFF-basierte Formate) für Umschlag und Innenteil vor, die einen Probedruck – das sogenannte Mastering – durchläuft und nach Freigabe durch den Auftraggeber (Verlag oder Autor) im System der Druckerei für zukünftige Drucke gespeichert wird. Je nach Bedarf lassen sich dann kurzfristig einzelne Exemplare oder Kleinserien fertigen.

Obwohl die reine Herstellung – Druck von Innenteil und Umschlag, Umschlagveredelung, Bindung – insgesamt nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, liegen die Lieferzeiten der meisten Anbieter in der Regel bei einigen Tagen bis Wochen, da die wirtschaftliche Ausnutzung der Anlagen – insbesondere vor den Buchmessen und im Weihnachtsgeschäft – zu Wartezeiten der einzelnen Aufträge führt. Viele Anbieter, die zusätzlich zur Herstellung auch die Auslieferung übernehmen, arbeiten deshalb mit kleinen Pufferlagern, um kurzfristig liefern zu können.

Bücher im Book-on-Demand-Verfahren als „Just-in-time-Produktion“ direkt vor Ort im Buchladen herzustellen, leidet bislang vor allem an Qualitätsmängeln bei Bindung und Umschlagveredelung. Für diese Art der Herstellung wurde z. B. die 2007 in den USA eingeführte Espresso Book Machine konzipiert. Weltweit waren im Oktober 2009 derartige Druckmaschinen an 25, im Mai 2012 an 61 Standorten in Betrieb, davon drei in Europa (Amsterdam (2) und Canterbury (1)).[1][2]

Anwendungen[Bearbeiten]

Book-on-Demand eignet sich besonders für Buchprojekte, bei denen wie gerade im Selbstverlag die Auflage schlecht kalkulierbar ist bzw. von vornherein nur relativ gering sein wird. Zwar sind die Stückkosten höher als beim konventionellen Auflagendruck, dafür werden Lager-, Vertriebs- und Finanzierungskosten gespart.

Mit der vergleichsweise preiswerten Book-on-Demand-Technik haben Bezahlverlage einen großen Aufschwung genommen, die innerhalb einer großen Spannbreite entweder ausschließlich als digitale Dienstleister für den Selbstverlag vor allem Einzelleistungen wie Buchsatz, Coverlayout, Herstellung, Lagerung, Vertrieb und Inkasso bündeln oder als „Pseudoverlage“ darüber hinausgehende Leistungen anbieten und dabei fälschlicherweise eine Ähnlichkeit mit Zuschussverlagen suggerieren oder als Mischunternehmen sogar als Verlage auftreten.

Inzwischen nutzen aber auch fast alle größeren Verlage Book-on-Demand, insbesondere für Reprints und unveränderte Nachdrucke vergriffener Werke und für spezialisierte Fach- und Sachbücher wie beispielsweise häufig überarbeitete Handbücher und Softwaredokumentationen.

Da Book-on-Demand selbst sich nicht als Marke eintragungsfähig erwiesen hat – es handelt sich um den beschreibenden Begriff eines Verfahrens –, führen inzwischen viele Digitaldruckanbieter die Bezeichnung Book-on-Demand im Namen. Die ebenfalls in diesem Zusammenhang häufig verwendete Abkürzung BoD ist dagegen in jeglicher Schreibweise eingetragenes Markenzeichen (und Eigenbezeichnung) des deutschen Unternehmens Books on Demand.

Vor- und Nachteile (Übersicht)[Bearbeiten]

Als Vorteile von Book-on-Demand werden genannt:

  • Bücher können beliebig lange lieferbar gehalten werden. Sie sind nur dann vergriffen, wenn sie aus dem System genommen und Produktion und Vertrieb eingestellt werden. Da die Vorratshaltung einer Vorlage in elektronischer Form jedoch sehr preiswert ist, ist dies selten der Fall;
  • Nachdrucke/Neuauflagen sind sehr einfach und kostengünstig möglich sowie stets aktualisierbar;
  • Bücher lassen sich individualisieren, z. B. als Konferenzbände mit ausgewählten Artikeln;
  • Geringere Lagerhaltung gedruckter Exemplare, somit auch geringere Kosten;
  • Geringere Transportkosten sind durch Dezentralisierung des Drucks möglich;
  • Keine Mindestauflage;
  • Keine Makulatur, somit Schonung von Ressourcen.
  • Es eröffnet den Verlagen die Möglichkeit, Editionen für eine kleine Zielgruppe – sei es im wissenschaftlichen oder im belletristischen Bereich – wieder lieferbar machen zu können oder lieferbar zu halten.
  • Autoren, insbesondere jene, die einen Teil ihrer Einkünfte durch Lesungen bestreiten, eröffnet es eine kostengünstigere Möglichkeit, aus dem Verlagsprogramm genommene, „vergriffene“ Titel im Selbstverlag neu aufzulegen und damit wieder auf lieferbare Exemplare ihrer Bücher verweisen und sie verkaufen zu können. Von diesem Problem sind auch immer mehr renommierte Autoren betroffen.

Als Nachteile gelten:

  • Mit Einführung des Verfahrens ist die Anzahl der „Vanity publisher“ rapide angewachsen, die ihre Texte ohne Lektorat oder Peer-Review aber zum Teil unter Mitwirkung von dieses Verfahren ebenfalls nutzenden Bezahlverlagen im Selbstverlag publizieren. Da derartige Veröffentlichungen im Selbstverlag den höchsten Anteil ausmachen, färbt deren geringe Reputation zuweilen auch auf das Book-on-Demand-Verfahren insgesamt ab.
  • Bei hoher Auslastung des Dienstleisters ist mit erheblich längeren Lieferzeiten als bei konventionellem Auflagendruck (mit entsprechender Lagerhaltung des Werkes im Großbuchhandel) zu rechnen.
  • Üblich sind teilweise längere Vertragslaufzeiten mit laufenden Kosten für die Datenhaltung. Diesen Kosten stehen zwar zum Teil vergleichsweise hohe "Autorenrabatte" gegenüber, die jedoch wiederum eine entsprechend hohe Abnahme von Exemplaren verlangen. So besteht auch mit diesem Verfahren ein Risiko, mehr finanzielle Mittel in Vorleistung zu geben, als mit einem Buchtitel einzunehmen ist.
  • Um nicht zuletzt auch durch viele Auftraggeber von jeweils insgesamt kleinen Stückzahlen auf ihre Kosten zu kommen, werden meist nur wenige Formate, Papiersorten und andere Ausstattungsmerkmale eines Buches angeboten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Roger MacBride Allen: A Quick Guide to Book-On-Demand Printing. Revised Edition. Foxacre press, Takoma Park Maryland 2002, ISBN 0-9709711-8-4.
  • Tim Gerber: Buch 2.0 – wie die Evolution der Digitaldrucktechnik den Buchmarkt revolutioniert. c't 03/2008, Seiten 85 bis 87 (kostenpflichtig)
  • Manfred Plinke: Mini-Verlag. So verkaufen Sie Ihr Buch! 7., überarbeitete Auflage, Autorenhaus Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86671-070-2.
  • Manfred Plinke, Gerhild Tieger: Deutsches Jahrbuch für Autoren, Autorinnen. Schreiben und Veröffentlichen: Aktuelle Informationen und Adressen aus dem Literatur- und Medienmarkt: Theater, Film/TV, Hörmedien, Buch - 3000 neu recherchierte Adressen. Autorenhaus Verlag, Berlin 2010/2011, ISBN 978-3-86671-064-1.
  • Jan-Felix Schrape: Gutenberg-Galaxis Reloaded? Der Wandel des deutschen Buchhandels durch Internet, E-Books und Mobile Devices. Boizenburg: Hülsbusch, ISBN 978-3940317858

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Print on demand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Commonscat/WikiData/None

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EBM Locations: Liste mit Standorten. OnDemandBooks.com. Abgerufen am 14. Mai 2012.
  2. ondemandbooks.com Angezeigte Standorte auf Karte bzw. im Map View