Booker T. & the M.G.’s

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Booker T. & the MG’s
Allgemeine Informationen
Genre(s) Rhythm & Blues, Soul, Jazzfunk, Memphis Soul, Southern Soul
Gründung 1962
Auflösung 1971
Neugründung 1975 und 1977
Gründungsmitglieder
Gitarre
Steve Cropper
Keyboards
Booker T. Jones, Jr.
Bassgitarre
Lewis „Lewie“ Steinberg
Schlagzeug
Al Jackson, Jr.
Bassgitarre
Donald „Duck“ Dunn
Booker T. & the M.G.’s, 2002

Booker T. And The M.G.'s waren eine US-amerikanische Soul/Rhythm & Bluesband, die durch ihre Instrumentalhits Anfang der 1960er Jahre bekannt wurde, aber auch als Sessionband für viele Interpreten des unabhängigen Plattenlabels Stax Records fungierte.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Namensgeber war Booker T. Jones, Jr., während über die Abkürzung „MG’s“ einige Zeit Unsicherheit bestand.[1] Booker T. & the MG‘s rekrutierten sich im Mai 1962 größtenteils aus der Studioband Mar-Keys; bis auf die fehlende Bläsersektion („Memphis Horns“) und den Posten des Schlagzeugers waren sie mit dieser Band identisch. Ihre anfängliche Besetzung bestand demnach aus Booker T. Jones (Orgel, * 12. November 1944), Steve „The Colonel“ Cropper (Gitarre, * 21. Oktober 1941), Lewis „Lewie“ Steinberg (Bass, * 13. September 1933) und Al Jackson, Jr. (Schlagzeug, * 27. November 1935; † 1. Oktober 1975). Bald wurde Steinberg durch Donald „Duck“ Dunn am Bass ersetzt.

Eigene Hits[Bearbeiten]

Booker T. & The MG's – Green onions

Im Mai 1962 waren Booker T. & the MG’s als Studioband für den bei Sun Records unter Vertrag stehenden Rockabilly-Sänger Billy Lee Riley vorgesehen. Als dieser nicht zum gebuchten Studiotermin erschien, nutzte die Band die Zeit, um zwei eigene Instrumentalaufnahmen einzuspielen. Der Song Behave Yourself stand frühzeitig als A-Seite fest, denn für die B-Seite lag weder ein Titel noch die komplette Instrumentation vor. Booker T. Jones und Steve Cropper entwickelten hierfür sukzessive ein Riff, an das sie sich erinnerten. Innerhalb von 30 Minuten wurde es verfeinert und für die anderen Instrumente arrangiert. Nach 2 Takes war ein Instrumentalstück komplettiert, das heute als Green Onions bekannt ist.[2] Die Veröffentlichung erfolgte als Behave Yourself / Green Onions noch im Mai 1962 auf Volt #102. Nach Intervention des Produzenten Jerry Wexler vom Vertriebspartner Atlantic Records erschien die Single nochmals auf dem Mutterlabel Stax Records (#127) im August 1962 in umgekehrter Seitenfolge. Diese Umstellung führte zu einem enormen Erfolg der Platte, die für 4 Wochen an Rang Eins der Rhythm & Blues-Hitparade notierte und in den Pop-Charts bis auf Rang Drei vordringen konnte. Darin wurde der Verkaufserfolg reflektiert, denn Green Onions verkaufte innerhalb weniger Monate 700.000 Exemplare,[3] insgesamt über 1 Million bis zum Jahresende 1967.[4] Nach diesem Erfolg kam Donald „Duck“ Dunn (* 24. November 1941; † 13. Mai 2012) für Lewis Steinberg im August 1962 erstmals bei der LP Green Onions als neuer Bassist zum Einsatz.

Zwar folgte noch eine Vielzahl ähnlicher Instrumentalhits der Gruppe, doch nur wenige konnten die Top10 der R&B-Charts erreichen. Dazu gehörten Boot-Leg (Rang 10, Mai 1965), Hip Hug-Her (Rang 6, April 1967), Soul-Limbo (Rang 7, Juli 1968) und Time is Tight (Rang 7, April 1969). Im März 1967 nahm die Instrumentalband wie die Mar-Keys an der „Stax/Volt-Revue“, einer Europatournee der Soulinterpreten dieser Labels, teil. Ihre teilweise in den Jazz hineinreichenden, stark synkopierten Instrumentationen von Popsongs sind auf der LP Doin‘ Our Thing (aufgenommen am 2. Februar 1968) exemplarisch enthalten.

Sessionband[Bearbeiten]

Viel erfolgreicher war ihr Einsatz als Sessionband in Form einer Rhythmusgruppe für viele Soulinterpreten von Stax Records. Sie begleiteten insbesondere Rufus Thomas (Single Walkin‘ the Dog; Oktober 1963), Otis Redding (ab 16. Januar 1964; LP Pain in My Heart), Wilson Pickett (insbesondere In the Midnight Hour; 12. Mai 1965), Don Covay & Goodtimers (See Saw; 30. Juni 1965), Sam & Dave (Hold On, I'm Coming; 8. März 1966), Eddie Floyd (Knock on Wood; 13. Juli 1966), Albert King (Born Under a Bad Sign; 17. Mai 1967) oder Johnnie Taylor (insbesondere bei der LP Who’s Making Love, Mai und Oktober 1967 und Juni und November 1968). Meist wurden die MG’s noch um die „Memphis Horns“ ergänzt. Auch hierdurch prägte Booker T. & the MG's den Memphis-Sound durch vom Bassgitarristen vorgegebene klare Rhythmusakzente, sparsame, fast abrupte Orgelriffs und staccatoartige Gitarrenkürzel.[5]

Endphase[Bearbeiten]

Die erste Generation von Booker T. & the MG’s bestand fast 10 Jahre bis 1971, als sie nach ihrer LP Melting Pot auseinandergingen. Ohne ihren Namensgeber erschien als „The MG’s“ noch im Oktober 1971 die Single Jamaica This Morning. Im September 1975 trat die Gruppe in ihrer ursprünglichen Besetzung wieder zusammen, nunmehr klarstellend als Booker T. Jones & the Memphis Group. Aber bereits am 1. Oktober 1975 war diese Band wieder Geschichte, als Al Jackson zuhause von einem Einbrecher erschossen wurde. Seit 1977 versucht die Gruppe mit Willie „Too Big“ Hall von den Bar-Kays als neuem Schlagzeuger ein Comeback, insbesondere in Oldie-Shows. 1978 kamen Dunn, Cropper und Hall für den Kinofilm Blues Brothers (1980)[6] zusammen. 1990 gingen Jones, Cropper und Dunn auf eine Nostalgietournee, begleiteten Neil Young 1993 als Tour-Band und nahmen danach auch wieder eigene Platten auf – mit großem Erfolg: Ihr am 17. Mai 1994 veröffentlichter Song Cruisin' gewann 1994 den Grammy als beste Instrumentalsingle des Jahres. Am 21. April 2009 veröffentlichte Booker T. in Zusammenarbeit mit der Band Drive-By Truckers und mit Neil Young an der Gitarre ein neues Album, Potato Hole. 1992 wurde die Band in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen[7] und 2007 erhielt sie den Lifetime Achievement Grammy Award.[8] Am 13. Mai 2012 verstarb Bassist Donald Dunn nach einem Konzert in Japan im Schlaf.

Diskografie[Bearbeiten]

Diskografie Singles (komplett)[Bearbeiten]

  • Bahave Yorself / Green Onions (Volt #102), aufgenommen im Mai 1962
  • Green Onions / Behave Yourself (Stax #127), veröffentlicht am 4. August 1962
  • Jelly Bread / Aw’ Mercy (#131), Aufnahme: 12. November 1962
  • Home Grown / Burnt Biscuits (#134), 11. Februar 1963
  • Chinese Checkers / Plum Nellie (#137), 17. Juni 1963
  • Mo’ Onions (27. August 1962) / Fannie Mae (alternative B-Seite: Tic Tac Toe) (#142), Dezember 1963
  • Soul Dressing / MG Party (#153), Juli 1964
  • Can’t Be Still / Terrible Thing (#161), November 1964
  • Boot Leg / Outrage (#169), 5. April 1965
  • Be My Lady / Red Beans And Rice (#182), 5. November 1965
  • My Sweet Potato / Booker-Loo (#196), Juli 1966
  • Jingle Bells / Winter Wonderland (#203), 28. Oktober 1966
  • Hip Hug-Her / Summertime (#211), 9. Februar 1967
  • Groovin’ / Slim Jenkins Place (#224), 26. April 1967
  • Winter Snow / Silver Bells (#236), 7. November 1967
  • Soul Limbo / Heads Or Tails (Stax #0001), Mai 1968[9]
  • Hang ‘Em High / Over Easy (#0013), Oktober 1968
  • Time Is Tight / Johnny I Love You (#0028), Februar 1969
  • Mrs. Robinson / Soul Clap ’69 (#0037), Mai 1969
  • Slum Baby / Meditation (#0049), Juli 1969
  • Something / Sunday Sermon (#0073), Juni 1970
  • Melting Pot / Kinda Easy Like (#0082), Februar 1971
  • Fuquawi / Jamaica This Morning (#0108), Oktober 1971

Diskografie LPs (komplett)[Bearbeiten]

  • Green Onions (Stax #701), 27. August 1962
  • Soul Dressing (705), März 1965
  • And Now! (711), 19. September 1966
  • In the Christmas Spirit (713), 28. Oktober 1966
  • Hip Hug-Her (717), 26. April 1967
  • Back to Back (720), Juli 1967
  • Doin’ Our Thing (724), Februar 1968
  • Soul Limbo (2001), September 1968
  • Uptight (2006), Januar 1969
  • The Booker T. Set (2009), Mai 1969
  • McLemore Avenue (2007), April 1970
  • Melting Pot (2035), Januar 1971

Literatur[Bearbeiten]

  • Stambler, Irwin: The Encyclopedia Of Pop, Rock And Soul. 3. überarbeitete Auflage, New York City, New York: St. Martin’s Press, 1989, S. 72–74 – ISBN 0-312-02573-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ein Teil der Fachliteratur plädiert für die offizielle Darstellung „Memphis Group“, ein anderer Teil für den gleichnamigen britischen Sportwagen. Begründet wurde dies damit, dass es bei Stax Records auch die Triumphs gegeben habe, die sich nach Chips Momans Sportwagen benannten
  2. Rob Bowman, Soulsville U.S.A. – The Story of Stax Records, 1997, S. 38
  3. Rob Bowman, a.a.O., S. 40
  4. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 160
  5. Barry Graves/Siegfried Schmidt-Joos, Das neue Rocklexikon, 1990, S. 104
  6. Blues Brothers in der Internet Movie Database (englisch)
  7. Rock and Roll Hall of Fame Booker T and the M.G.'s in der Rock and Roll Hall of Fame
  8. Grammy Awards
  9. neues Katalog-System, weil der Vertriebsvertrag mit Atlantic Records endete