Boot

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Dieser Artikel behandelt das Wasserfahrzeug, zu seiner Bedeutung als Beiwagen siehe Motorradgespann
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Als Boot wird im allgemeinen Sprachgebrauch eine kleines Wasserfahrzeug bezeichnet, welches in der Regel nicht eingedeckt ist. Der Ausdruck hat seine Wurzeln in der mittelniederdeutschen bōt, ggf. auch dem mittelenglischen oder altenglischen bot und bedeutet ursprünglich „ausgehauener Stamm“. Als Synonym gilt „kleines Schiff“.[1]. Tatsächlich werden auch Fahrzeuge als Boote bezeichnet, die dieser Beschreibung nicht entsprechen.

Eine verbindliche Definition des Begriffes „Boot“ gibt es nicht, Wasserfahrzeuge wurden und werden in den unterschiedlichen Bereichen des Transports in den jeweiligen Epochen und im regionalen Sprachgebrauch verschieden benannt. Zusätzlich entwickeln Organisationen oder die Rechtssprechung eigene Definitionen, wenn es zweckmäßig scheint. Bezieht man sich auf das Boot als „kleines Schiff“, so kann man feststellen, daß sich der grundsätzliche Aufbau dieser Fahrzeuge sowie Bezeichnung der jeweiligen Bau- und Ausrüstungsteile gleichen. Ebenso wie es verschiedene Schiffstypen und -klassen gibt, existieren Bootstypen und -klassen.

Definition des deutschsprachigen Begriffes[Bearbeiten]

Betrachtet man die allgemeinen Definitionen im deutschsprachigen Raum seit cirka 1900 sowie die danach stattgefundenen Entwicklungen läßt sich eingrenzen, was unter dem Begriff „Boot“ im engeren Sinne verstanden werden kann. Um 1900 besteht Einigkeit darüber, daß es sich um offene, zumindest mit Riemen bewegbare kleine Fahrzeuge handelt, die im Kurzstreckenverkehr eingesetzt werden. Besonders wird hervorgehoben, daß Boote auf Schiffen mitgeführt werden, sei es als Rettungsboot oder zum Transport von Personen oder Fracht. Die größten Boote in diesem Sinne sind die Barkassen, im militärischen Bereich mit einer Länge von bis zu 14 m, Platz bis zu 100 Personen sowie 2 Masten mit Segeln.[2]. Im zivilen Bereich wird von einer Länge bis ca. 20 m ausgegangen [3], diese Angabe wird auch heute noch vertreten.[4] Zu beachten ist hierbei auch, daß im seemännischen Sprachgebrauch Fahrzeuge, die nicht der eingrenzbaren Beschreibung des Bootes entsprachen, nicht automatisch ein „Schiff“ darstellten. Diese wurden tatsächlich nur als „Fahrzeuge“ bezeichnet.[5] Besonders mit der Einführung des Motors haben sich aus dieser einfachen Definition Formen entwickelt, die eine Einteilung der Boote anhand der zum damaligen Zeitpunkt geltenden Kriterien nicht mehr stand hielten.[3]

Die Schwierigkeiten der Differenzierung kann anhand des Vergleiches mehrerer Fischereifahrzeuge deutlich gemacht werden. Dürfte ein Katboot wie die Brek Marshall trotz eines kleinen Vordecks unzweifelhaft als Boot eingeordnet werden, ist dies bei einem Fahrzeug wie der Catarina schwieriger. Mit 16 Metern Länge kann sie noch im Bereich der Boote angesiedelt werden. Sie besitzt zwar eine Plicht ist, tatsächlich ist sie aber als eingedeckt anzusehen. Sie ist bei einer Mannschaft von maximal drei Menschen auch nicht dazu ausgelegt, gerudert werden zu können. Betrachtet man die Präsident Freiherr von Maltzahn mit etwas mehr als 20 Metern KWL, so ist diese mit den gegebenen Kriterien in keiner Form in Übereinstimmung zu bringen. Dennoch wurde sie im althergebrachten Sprachgebrauch auch noch nicht als „Schiff“ deklariert, während ein Walfänger wie die Charles W. Morgan mit einer KWL von 26,00 Metern den damaligen Kriterien eines Schiffes entsprach.

Diese Ungenauigkeiten haben sich bis in die heutige Zeit eher verstärkt. So definiert eine Quelle, daß kleine Segelfahrzeuge als „Boot“, größere Segler, die zur Bedienung meist eine angestellte Mannschaft benötigen, jedoch als „Segelschiff“ bezeichnet werden. Hieraus lasse sich auch ableiten, warum Messen für Freizeitwassersportler auch „Bootsmesse” (z. B. „Interboot“, „hanseboot“ oder „Boot“) und nicht „Schiffsmesse“ – ein Begriff der allerdings auch eine andere Bedeutung hat – hießen.[4] Zusätzlich entstanden Bezeichnungen wie „Luftkissenboot“ für Fahrzeuge, die kein Wasserfahrzeug im eigentlichen Sinne mehr sind,da sie das Wasser während der Fahrt weder verdrängen, noch auf ihm gleiten, sondern den sogenannten Bodeneffekt nutzen. „Unterwasserboote“ hingegen schwimmen, exakt ausbalanciert, gemäß dem archimedischen Prinzip und können damit als „Boote“ betrachtet werden. Allerdings gehen viele U-Boote heute weit über die oben beschriebenen Maße hinaus, so daß diese eigentlich als „Unterwasserschiffe“ bezeichnet werden könnten, dieser Begriff ist jedoch bereits seit langer Zeit für den unter Wasser liegenden Teil des Schiffsrumpfes belegt.

spezielle Definitionen[Bearbeiten]

  • Im deutschen Handelsgesetzbuch beträgt die Länge eines Bootes weniger als elf Meter.[6]
  • In der deutschen Marine werden Schiffe und Boote gemäß der Disziplinarbefugnis des Kommandanten und des Ersten Offiziers unterschieden. Auf Schiffen hat der Kommandant die Disziplinargewalt eines Bataillonskommandeurs, der Erste Offizier die eines Kompaniechefs. Auf Booten hat der Kommandant die Disziplinargewalt eines Kompaniechefs, sein Vertreter hat keine Disziplinargewalt. Er wird nicht als Erster Offizier (IO) sondern als Erster Wachoffizier (I WO) bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Boote – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Boot – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden online: Boot. Abgerufen am 16. März 2015.
  2.   In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 3, Leipzig 1905, S. 211-213 (http://www.zeno.org/nid/20006352618 online).
  3. a b  A. Brix: Bootsbau. Praktischer Schiffsbau. 7 Auflage. Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1929, ISBN 978-3-89225-382-2, S. 1 (Reprint der Edition Maritim, 6. Auflage, 1990).
  4. a b  Joachim Schult: Segler-Lexikon. 13 Auflage. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 3-7688-1041-0 (Artikel zu „Boot“ und „Schiff“).
  5.   In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 17, Leipzig 1909, S. 765-768 (http://www.zeno.org/nid/20007419740 online).
  6.  Prüßmann, Heinz; Rabe, Dieter: Seehandelsrecht. Viertes Buch des Handelsgesetzbuches mit Nebenvorschriften und Internationalen Übereinkommen. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09109-1.