Bor-Neutroneneinfangtherapie

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Bor-Neutroneneinfangtherapie (englisch Boron Neutron Capture Therapy, BNCT) ist eine potenzielle Krebstherapie, bei der Bor-Verbindungen in die Krebszellen eingeschleust und dann mit langsamen (thermischen) Neutronen zur Spaltung gebracht werden. Die dabei freiwerdende Energie und Teilchen (Helium- und Lithium-Kerne) sind auf den Radius einer Zelle begrenzt.

Das Ziel ist es, Bor-Verbindungen zu finden, die untoxisch sind und sich in Tumorgewebe anreichern, um dieses dann selektiv durch Neutronenbestrahlung zerstören zu können. Die Idee zur BNCT wurde bereits 1936 von Gordon L. Locher entwickelt[1] und befindet sich zurzeit noch in der Entwicklung. Vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von bestimmten Hirntumoren konnten erzielt werden.

Die Forschung hat das Ziel auf diverse Tumorerkrankungen spezifisch reagieren zu können. Dabei markieren borhaltige (isotopische) Moleküle die entarteten Zellen (Tumor-Targeting). Die Physiologie der Krebszellen, also die ausgesprochen hohe Proliferationsrate, soll dabei ausgenutzt werden und ist wesentlicher Bestandteil der Forschung. So bestehen bereits Versuche Aminosäuren, die hohe Affinitäten zu bestimmten Wachstumsfaktoren besitzen, an einen isotopischen Bor-Cluster (Carbaboran-Ikosaeder) zu binden. Vorteil dieses Phänomens ist es, gesundes Gewebe verschont zu lassen, da regiospezifisch eingegriffen wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Kliegel: Bor in Biologie, Medizin und Pharmazie. Springer, Berlin 1998, ISBN 3-540-93411-1.
  • D. Gabel: Bor-Neutroneneinfangtherapie von Tumoren. In: Chemie in unserer Zeit. 31, 1997, S. 235–240, doi:10.1002/ciuz.19970310505.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. L. Locher: Biological effects and therapeutic possibilities of neutrons. In: Am J Roentgenol Radium Ther. Band 36, 1936, S. 1–13.
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