Borchardt C93

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Borchardt C93
Pistol Borchardt C93 Adams 1.jpg
Allgemeine Information
Entwickler/Hersteller: Hugo Borchardt, Loewe
Herstellerland: Deutschland
Produktionszeit: 1894 bis 1898
Waffenkategorie: Selbstladepistole
Ausstattung
Gesamtlänge: 279 mm
Gewicht: (ungeladen) 1,1 kg
Lauflänge: 165,1 mm
Technische Daten
Kaliber: 7,65 × 25 mm Borchardt
Mögliche Magazinfüllungen: 8 Patronen
Munitionszufuhr: einreihiges Stangenmagazin
Anzahl Züge: 4
Drall: rechts
Verschluss: Kniegelenkverschluss
Ladeprinzip: Rückstosslader
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Die Borchardt C93 war eine der ersten Selbstladepistolen, die in nennenswerten Stückzahlen hergestellt wurde.

Geschichte und Technik[Bearbeiten]

Die C93 wurde 1893 von Hugo Borchardt (* 6. Juni 1844 in Magdeburg; † 8. Mai 1924 in Berlin-Charlottenburg) entwickelt und bei der Waffenfabrik Ludwig Loewe & Company (später Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG DWM) in Berlin in Serie gefertigt. Der sogenannte Kniegelenkverschluss der Waffe wurde dem Maxim-Maschinengewehr entlehnt. Beim Maxim-MG knickte das Gelenk noch nach unten ab, durch die Drehung des Mechanismus schuf Borchardt jedoch Platz für die Munitionszuführung aus dem im Pistolengriff liegenden Magazin.

Bei der Borchardt-Pistole besteht der bewegliche Teil der Waffe aus dem mit dem Gabelstück verschraubten Lauf; dieses trägt den Verschluss und das Kniegelenk. Das Kniegelenk ist vorne am Verschluss und hinten am Gabelstück angelenkt; ist es überstreckt, so hindert es den Verschluss am Rücklauf. Der hintere Schenkel des Kniegelenks ist über die Achse hinaus verlängert und trägt an seinem hinteren Ende eine Rolle. Nach dem Auslösen des Schusses gleitet das System zurück, bis die hinten angebrachte Rolle auf eine im Gehäuse liegende Führungskurve aufläuft, nach unten gedrückt wird und damit die Verriegelung löst. Die Schenkel schnappen zusammen und der Verschluss läuft zurück.

Auffälliges Merkmal der Pistole ist die überstehende Gehäusewulst an ihrem Ende, welche die Führungskurve und die Schließfeder beherbergt. Der Griff befindet sich im nahezu rechten Winkel zur Laufachse. Als Zubehör wurde ein hölzerner Anschlagsschaft mitgeliefert.

In dieser Form war die C93 eine unausgereifte Konstruktion. Bei mehreren Ausschreibungen zu militärischen Dienstwaffen wurde sie unter folgenden Vorbehalten zurückgewiesen:

  • die Waffe war überaus lang und schwer
  • ungünstiger Griffwinkel
  • zu schwache Patrone

Darüber hinaus war die Fertigung recht aufwendig, daher wurde sie nach 3000 Exemplaren eingestellt.

Weiterentwicklung[Bearbeiten]

Die eigentliche Bedeutung der Waffe liegt darin, dass sie die Grundlage für eine andere Pistole wurde. Georg Luger stellte die C93 im Auftrag der DWM dem Zeugamt der US Army vor, blieb jedoch erfolglos. Auch nach Versuchen in der Schweiz am 22./23. Juni 1897 wurden Größe und Gewicht der Waffe beanstandet: „Die Waffe hat schon mehr die Dimensionen eines Karabiners und ein entsprechendes Gewicht“. Daraufhin konstruierte Luger sein eigenes Modell, bei dem er die genannten Nachteile behob.

Borchardt-Luger Modell 1898, Bild aus der +Patentschrift Nr. 17977 vom 3. Okt. 1898

Von diesen heute als Borchardt-Luger 1898 Übergangsmodell bezeichneten Waffen sind nur Abbildungen aus Patentschriften bekannt. Bei diesen entsprach der etwas kompaktere Gelenkverschluss immer noch dem des Vorgängers mit der hinten angebrachten Friktionsrolle, die Schliessfeder lag neu hinter dem Magazin im nun schrägen Griff. Wie bei der späteren in Serie hergestellten Parabellum Modell 1900 war sie als Blattfeder ausgeführt.

Von der Parabellum Modell 1900 wurden 5.100 Exemplare an die Schweiz verkauft, mit ihren Nachfolgern blieb sie bis 1948 Ordonnanz der Schweizer Armee. Die später im Deutschen Reich eingeführte und noch im Zweiten Weltkrieg verwendete Waffe ist als Pistole 08 bekannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Chris McNab, Handfeuerwaffen des 20. und 21. Jahrhunderts, Neuer Kaiser Verlag, Neuauflage von 2009
  • Kriss Reinhart und Jürg A. Meier, Pistolen und Revolver der Schweiz seit 1720, Verlag Stocker-Schmid, Dietikon-Zürich, 1998 ISBN 3-7276-7128-9
  • Eugen Heer, Die Faustfeuerwaffen von 1850 bis zur Gegenwart, Akedemische Druck- und Verlagsanstalt, Graz, Neuauflage von 1976, ISBN 3-201-00967-9
  • Patent CH7296: Durch den Rückstoss bethätigte Repetierpistole. Angemeldet am 16. September 1893, veröffentlicht am 28. Februar 1894, Anmelder: Borchardt, Hugo (CPC F41A3/50).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Borchardt C93 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien