Bordell

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Bordellszene im 16. Jahrhundert (Braunschweiger Monogrammist, 1537)
Laufhaus mit angeschlossener Gastronomie und Nachtclub

Bordell (von frz. bordel „Bretterhütte", Synonyme Freudenhaus, Etablissement, umgangssprachlich auch Puff) ist die Bezeichnung für ein Gebäude oder Teil eines Gebäudes, in dem Frauen, Männer oder Transsexuelle sexuelle Dienstleistungen anbieten.

Geschichte[Bearbeiten]

In Pompeji sind bis heute die einzigen sicher zuschreibbaren Überreste eines als Lupanar bezeichneten Bordells erhalten, das aus der Asche des Vesuv ausgegraben wurde. Siehe auch: Bordelle in der Antike.

Der umgangssprachliche Begriff Puff stammt von dem Würfelbrettspiel Puff, das sich nur geringfügig vom heutigen Backgammon unterscheidet. Puff wurde im Mittelalter in Gasthäusern gespielt, in denen Prostituierte ihre Dienste anboten.

Der Betrieb von Bordellen für Mannschaften oder Offiziere war auch in Armeen üblich,[1] so wurden z. B. im Zweiten Weltkrieg in Deutschland Wehrmachtsbordelle eingerichtet und in Japan Trostfrauen für Kriegsbordelle zwangsprostituiert. Die Prostitution wurde oft von Wäscherinnen oder Marketenderinnen erbracht.[2] In den meisten Konzentrationslagern für Männer betrieb die SS zeitweise Lagerbordelle, in denen sie Frauen aus anderen KZ zur Prostitution für die KZ-Häftlinge zwang.

Gegenwart[Bearbeiten]

In Deutschland existieren unterschiedliche Varianten des Bordells, darunter Eros-Center, Laufhäuser, Bordellstraßen, Terminhäuser, Modellwohnungen, Massagesalons, Domina-Studios, Nachtclubs, FKK-Clubs und Sexkinos. Japanische Soaplands drehen sich um das Baden mit Prostituierten.

Ein Bordell, in dem sowohl Freier als auch Prostituierte männlich sind, wird als House of Boys bezeichnet.

Eine besondere Form eines Bordells ist der Pauschalclub (auch: Flatrate-Bordell), bei dem nach dem Bezahlen des Entgelts für den Kunden keine weiteren Kosten anfallen und scheinbar unbegrenzt sexuelle Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können. Diese Form der Prostitution erregte im Sommer 2009 bundesweite Aufmerksamkeit, als eine Bordellkette bei der Neueröffnung einer Filiale in der Nähe von Stuttgart mit einer sogenannten Sex-Flatrate beworben wurde.[3] Die Idee hat sich aus dem bestehenden Preis-Leistungsgefüge im Prostitutionsgewerbe entwickelt. Dabei ist, neben den konkret angebotenen Sexualpraktiken, die zeitliche Dauer der sexuellen Dienstleistungen maßgeblich für die Preisbildung. Die Inanspruchnahme längerer Zeiten wird dabei mit dem Satz „Mehrmals kommen möglich“ beworben. Daraus entwickelte sich die Marketingidee, bei Zahlung eines einmaligen, aber höheren Pauschalpreises, dem Freier eine unbegrenzte Anzahl von Orgasmen zu offerieren. Die konkret angebotenen Sexualpraktiken bleiben dabei allerdings festgelegt und beschränken sich in der Regel auf Oralverkehr und Koitus. Darüberhinausgehende Sexualpraktiken sind als sogenannte Extraleistungen auch weiterhin mit Zusatzkosten verbunden. Die Vorstellung, dass Flat-Rate-Bordelle zu einem Pauschalpreis unbegrenzt und beliebige Sexualpraktiken ermöglichen, erweist sich in der prostitutiven Praxis als ebenso realitätsfern, wie die den Freiern offerierte Vorstellung, beliebig viele Orgasmen haben zu können.[4]

Gemäß dem Eckpunktepapier der CSU vom 8. Januar 2014 sollen Flatrate Angebote im Rahmen der Novellierung des Prostitutionsgesetzes zukünftig verboten werden.[5]

Größere Bordelle werden wie ein Gewerbebetrieb geführt, das heißt z. B. mit der Rechtsform einer GmbH, Eintrag ins Handelsregister und Gaststättenkonzession. Einzelne Bordelle verfügen manchmal über einen Kontakthof, in dem Prostituierte mit dem männlichen Freier die gewünschten sexuellen Handlungen anbahnen.

Rechtslage[Bearbeiten]

Recht in Deutschland[Bearbeiten]

Seit der Novellierung des Prostitutionsgesetzes vom 1. Januar 2002 gilt „Förderung der Prostitution“ in Deutschland nicht mehr als Straftatbestand. Dennoch kann ein Bordellbetreiber strafrechtlich verfolgt werden, und zwar unter anderem dann, wenn:

  • die im Bordell tätigen Prostituierten in wirtschaftlicher Abhängigkeit vom Betreiber oder einem Zuhälter stehen,
  • der Betreiber in die Tätigkeit der Prostituierten dirigistisch eingreift oder
  • in den Räumlichkeiten Minderjährige der Prostitution nachgehen bzw. Minderjährigen der Zutritt oder sexuelle Dienstleistungen gewährt werden.

Den Aufsichtsbehörden und der Polizei fehlen jedoch Kontroll- und Zutrittsrechte, um Zwangsprostitution, Menschenhandel und andere Straftatbestände anlässlich regulärer Prüfungen festzustellen.[6]

Rechtslage in Österreich[Bearbeiten]

siehe Prostitution in Österreich#Rechtslage

Bekannte Bordelle[Bearbeiten]

Bekannte Freudenhäuser und Bordelle waren oder sind:

Deutschland
Frankreich
  • das Aux Belles Poules in Paris, in dem die Damen Kunststückchen mit ihrer Vulva vorführten
  • das ehemalige One Two Two, ein berühmtes Bordell im Paris der Jahrhundertwende
Spanien
Tschechien
  • das Prager Big Sister, war ein für Freier kostenloses Bordell
Vereinigte Staaten
  • das ehemalige Dumas Brothel in Butte in Montana in den USA, welches von 1890 bis 1982 als Bordell betrieben wurde und heute als Museum seine Geschichte präsentiert
  • die Moonlite BunnyRanch in der Nähe von Carson City in Nevada in den USA, welche oft als populäres Thema mehrerer Radio-Talk Shows diente
Australien

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicole Canet: Décors de Bordels. Entre intimité et exubérance. Ed. Nicole Canet, Paris 2011, ISBN 978-2-9532351-3-5 (französisch)
  • Thomas Brussig: Die Berliner Orgie. Piper Verlag, München 2007, ISBN 3-492-05037-9, S. 196 ff. (Reportage-Roman; Erlebnisbericht über die „Berliner Orte der Lust“)
  • Emmett Murphy: Lust und Laster. Die großen Bordelle der Welt. Historische Treffpunkte der Erotik. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1987, ISBN 3-88199-354-1.
  • Anita Ulrich: Bordelle, Straßendirnen und die bürgerliche Sittlichkeit in der Belle Epoque. Eine sozialgeschichtliche Studie der Prostitution am Beispiel der Stadt Zürich. Antiquarische Gesellschaft, Zürich 1985, ISBN 3-906399-00-1.
  • Martin O'Brian: All the Girls – In 80 Betten um die Welt – ein Streifzug durch die Bordelle der Kontinente. Heyne, München 1984, ISBN 3-453-01888-5.
  • Louis Pappenheim: Bordellwesen. In: Handbuch der Sanitätspolizei. Bd. 1. Hirschwald, Berlin 1858, S. 383 ff. (Als Digitalisat online frei verfügbar)
  • Dillon, Sartine, Lenoir, La Trollière u. a.: Les bordels de Paris, avec les noms, demeures et prix, plan salubre et patriotique soumis aux illustres des états généraux pour en faire un article de la Constitution. Paris 1790. (Pariser Bordellführer von 1790; in französischer Sprache als Digitalisat online frei verfügbar)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues
  2. Arthur Görgey: Klapka. Leipzig 1850
  3. Rahel Gugel: "Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II Grundgesetz - eine rechtspolitische Untersuchung." Dissertation an der Universität Bremen. Berlin, 17. Mai 2010. S. 55. online
  4. Online Plattform des Wochenmagazins Stern vom 25. März 2009
  5. CSU-Eckpunktepapier: Prostitution regulieren - Menschenhandel bekämpfen vom 8. Januar 2014 (PDF; 177 kB)
  6. [1] WDR Frau-TV vom 10. Oktober 2013
  7. Uwe Buse: Der perfekte Puff. In: Der Spiegel, 30. September 2009. Abgerufen am 6. Januar 2014.