Borghesischer Fechter

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Borghesischer Fechter im Louvre
Joseph Wright of Derby: Drei Personen betrachten den Gladiator bei Kerzenlicht. 1765

Als Borghesischen Fechter, auch Borghese Gladiator, bezeichnet man die berühmte antike Statue eines wahrscheinlich gegen einen Reiter ankämpfenden Kriegers. Die Statue wurde im ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts in den Überresten einer Villa des Nero in Nettuno bei Anzio gefunden und befindet sich heute im Pariser Louvre. Es handelt sich um eine ca. 100 v. Chr. geschaffene Marmorkopie eines Bronzeoriginals aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.


Der Borghesische Fechter war zur Zeit seiner Auffindung in 17 Teile zerbrochen und wurde 1611 von dem Bildhauer und Maler Nicolas Cordier restauriert. Im Jahr 1613 kam die Statue in die Villa Borghese in Rom. Sie stand dort in einem Erdgeschossraum, der nach dem Fechter benannt war, wurde aber 1807 von Camillo Borghese an Napoleon I. verkauft und mit anderen Kunstwerken in den Louvre gebracht (Inventarnummer dort MR 224 oder geläufiger MA 527).

Als Künstler nennt sich in der Inschrift Agasias aus Ephesos, Sohn des Dositheus. Die Skulptur wurde aufgrund alter Restaurierungen fälschlicherweise Gladiator genannt, sie stellt jedoch eher einen Schwertkämpfer, „Fechter“, dar, wobei Schwert und Schild am marmornen Original fehlen.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Skulptur war im 18. Jahrhundert eine der am meisten bewunderten und kopierten Arbeiten der Antike. Ein Bronzenachguss in Originalgröße wurde für Charles I. von England angefertigt und befindet sich heute in Windsor, ein weiterer von Hubert Le Sueur war das Kernstück des Parterres von Isaac de Cau in Wilton House, heute in der William Kent-Halle in Houghton House, Norfolk.

Weiterhin gibt es z. B. Nachgüsse in Petworth House und im „green court“ in Knole, im Schlosspark von Lützschena und im Treppenhaus des Goethe-Anbaus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.

Seit 1848 sind zwei Nachgüsse des Schwertkämpfers auf den Wächterhäuschen des Ehrenhofs von Schloss Charlottenburg in Berlin dokumentiert, seinerzeit mit Feigenblättern vor den Geschlechtsteilen. Wann diese fielen und welcher Künstler den Statuen aus Zink-Hohlguss Schwerter und Schilde ergänzte, ist ungeklärt.[1]

Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren Abgüsse der Figur sehr beliebt, meist jedoch in wohnzimmertauglichen Größen, wobei es zwei Varianten gibt, einmal die originalgetreue Wiedergabe der Figur – oft jedoch verschämt mit einem Feigenblatt vor dem Geschlecht – ohne Schwert und Schild und einmal deren Darstellung ergänzt durch diese zwei Attribute.

Die Statue zeichnet sich durch vortreffliche anatomische Durchbildung aus und wird häufig als Musterfigur für anatomische Studien benutzt. In Gottfried Kellers Künstlerroman Der grüne Heinrich ist dem Borghesischen Fechter ein Kapitel gewidmet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Borghesischer Fechter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Schloss Charlottenburg: Das Portal zum Ehrenhof, abgerufen am 25. Februar 2015