Boris Lurie

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Boris Lurie (* 18. Juli 1924 in Leningrad, Sowjetunion; † 7. Januar 2008 in New York City, Bundesstaat New York, USA) war ein US-amerikanischer bildender Künstler und Autor.

Lurie überlebte mehrere Konzentrationslager, emigrierte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die USA, wo er 1959 die New Yorker NO!art-Bewegung mitbegründete, einer Künstlerformation, die in den späten 50er Jahren als Gegenentwurf zum Abstrakten Expressionismus und zur aufkommenden Pop-Art entstand. Luries unästhetische, provokativ-extreme Collagen, Skulpturen und literarische Arbeiten, in denen er ganz bewusst (vordergründig) Widersprüchliches aufeinander prallen lässt, entstehen auf dem Hintergrund der am eigenen Leib erfahrenen Grausamkeiten, („Die Grundlagen meiner künstlerischen Erziehung erwarb ich in KZ’s wie Buchenwald.“ Boris Lurie). Unbeirrt beharrlich erinnert der Holocaust-Überlebende an die Kriegsopfer und die Judenvernichtung, stellt sie in einen aktuellen Alltagskontext aus Werbung, Pornografie und Politik, paart Bilder der NS-Gräuel, der Vergasten mit pornografischen Elementen der Konsumgesellschaft, das Entsetzen mit der Lust. Seine Arbeiten sind zugleich Protest gegen die ihm zu seicht, zu oberflächlich, zu „entrückt“ erscheinenden vorherrschenden Kunstrichtungen, gegen den etablierten Kunstbetrieb, gegen den sich ausschließlich am Gewinn orientierenden Kunstkommerz. Kunst konnte nach Luries Verständnis nicht Flucht vor der Realität sein, durfte sich nicht entziehen, sondern hatte sich um “die Themen des wirklichen Lebens“ zu kümmern, die Schrecken der Zivilisation zu zeigen – wie Krieg und Gewalt, Unterdrückung und Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.

Leben[Bearbeiten]

Boris Lurie wird 1924 in Leningrad (heute: St. Petersburg) in einer Familie jüdischen Glaubens geboren. Bereits ein Jahr nach seiner Geburt verlässt seine Familie die damalige Sowjetunion, um sich in Riga, Lettland niederzulassen, wo Lurie, zusammen mit seiner jüngeren Schwester Jeanna, aufwächst. Nach der Kriegserklärung Deutschlands an die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und dem Einmarsch deutscher Truppen in Riga am 1. Juli 1941 folgt die Entfesselung von Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung. Der Willkür und Gewalt der deutschen Besatzer und einheimischen Kollaborateure ausgeliefert, wird Luries Familie zur Umsiedlung in das am 21. Juli 1941 in der so genannten „Moskauer Vorstadt“ von Riga gebildete Ghetto gezwungen. Als das Rigaer Ghetto ab Ende November 1941 „freigemacht“ werden soll, um für Juden-Deportationen aus Deutschland Platz zu gewinnen, wird Boris Lurie Zeuge der so genannten „Großen Aktionen“, bei denen am 30. November und 8. Dezember 1941 rund 28.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder in den nahen Wäldern von Rumbula umgebracht werden. Unter den Ermordeten sind Luries Mutter, seine Großmutter, seine jüngere Schwester Jeanna sowie seine Mitschülerin und große Jugendliebe Ljuba Treskunowa. Boris Lurie befindet sich zu diesem Zeitpunkt zusammen mit seinem Vater Ilja unter den „Arbeitsfähigen“ der Arbeitskommandos, die im so genannten „Kleinen Ghetto“ (einem separierten Teil des „Großen Ghettos“) gefangen gehalten und vorläufig (noch) verschont werden. Sie überleben den Massenmord. Beide werden von 1941 bis 1945 in mehrere Konzentrationslager verschleppt: Riga-Kaiserwald, Salaspils (auch: Lager Kurtenhof), Lenta (eine Außenstelle des KZs Riga-Kaiserwald und Werkstatt der Sicherheitspolizei und des SD; ein Betrieb, der Luxuswaren für die höheren SS-Offiziere herstellt), Stutthof, schließlich ins KZ Buchenwald (Buchenwald-Außenlager Polte-Werke).

Im April 1945 werden sie durch die Ankunft amerikanischer Truppen in Magdeburg befreit. Da er die englische Sprache beherrscht, arbeitet Boris Lurie kurzzeitig für den amerikanischen Geheimdienst CIC (U.S. Army Counter-Intelligence Corps / einem Vorläufer der Defense Intelligence Agency /DIA) als Dolmetscher bei Verhören NS-Verdächtiger, dann in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager in Babenhausen. Im Juni 1946 emigriert Boris Lurie zusammen mit seinem Vater Ilja in die USA nach New York. Lurie bezieht mit seinem Freund Rocco Armentosin eine Wohnung an der Columbia Street in der Lower East Side und beginnt als Künstler zu arbeiten.

Literatur[Bearbeiten]

  • NO! art. Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK), Berlin, 1995, ISBN 3-926796-38-3.

Weblinks[Bearbeiten]