Boris Preckwitz

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Boris Preckwitz (* 1968 in Hannover) ist ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Preckwitz studierte Germanistik, Philosophie, Iranistik und Politikwissenschaft in Göttingen und Hamburg, Komparatistik in London sowie Management in Berlin und Cambridge. Neben seiner Arbeit als Autor ist er in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Preckwitz' literarische Arbeit, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, umfasst Lyrik, Essay, Prosa und Dramatik. 1997 nahm er als erster deutscher Dichter an einem U.S. National Poetry Slam teil[1] und gewann im folgenden Jahr den Literaturwettbewerb open mike der Literaturwerkstatt Berlin.[2] 2002 gründete er die internationale SLAM! Revue[3] des internationalen literaturfestivals berlin. In den folgenden Jahren betrachtet er die Entwicklung der Poetry-Slam-Szene jedoch zunehmend kritisch.[4][5] Seine Arbeit steht seither stärker in der Tradition der avantgardistischen Moderne.

Lyrisches Werk[Bearbeiten]

Über das poetologische Konzept seines ersten Gedichtbandes szene●leben urteilte die Berliner Morgenpost: „Populärkultur trifft auf klassischen Kanon und literarische Traditionen werden wie selbstverständlich nebeneinander gestellt.“[6] In seinem Gedichtzyklus wahnpalast reflektiert er Ursachen und Begleiterscheinungen der Eurokrise. Der darauffolgende Band Kampfansage umfasst neben Gedichten und zwei Essays über zeitgenössische Lyrik auch das titelgebende Langgedicht, das „über eine in Geistlosigkeit und Gutmeinungstum erstarrte Gesellschaft" richtet. „Der Text bricht den Stab über einen Staat, der die politische und wirtschaftliche Entmündigung seiner Bürger betreibt. »Kampfansage« ist die Bereitschaft, unter allen Umständen zur vollkommenen Handlungsfreiheit willens zu sein. Boris Preckwitz setzt mit seinem Band einen Maßstab für die Verbindung von politischer Lyrik und poetologischem Essay.“[7]

Theater und Libretto[Bearbeiten]

In seinem Drama Niobe. Raum im Ausnahmezustand versetzt er den tragischen Mythos der thebanischen Königin Niobe in die Zeit der Perserkriege und projizierte beides auf die Migrationskonflikte der Gegenwart: „Ein städtisches Gemeinwesen in einer Krisensituation, zwischen zwei Kriegsparteien stehend.(...) Orient und Okzident (...) - diese Strukturen hat man auch heute. Im Konflikt zwischen Europa und den Islamisten findet man dieselben Muster."[8]

Im Vorgriff auf das 500. Reformationsjubiläum 2017 begann er 2014 die Arbeit an der Protestantischen Passion[9], dem Libretto für ein Oratorium über die religiöse Geschichte und den politischen Widerstandscharakter des Protestantismus als Haltung: „Diese Verbindung von Freiheit des Glaubens mit Gedankenfreiheit.(...) Freigeistigkeit als Grundausstattung für demokratisch lebende Menschen."[10]

Übersetzung[Bearbeiten]

Als erstes Übersetzungswerk legte Preckwitz 2014 das bis dahin noch nicht ins Deutsche übersetzte Lang-Poem Der fliegende Proletarier des russischen Dichters Wladimir Majakowski vor. Der Text wird als ein „Schlüsseltext der Avantgarde-Literatur des 20. Jahrhunderts" bezeichnet, denn: „Majakowski setzt Verfahren ein, die er aus seiner Übung in sozialistischer Werbesprache, dem Agitprop der Plakatkunst und den Szenebeschreibungen seiner Film-Scripts entwickelt hatte.“[11] In dem 1925 verfassten Poem behandelte Majakowski in Form eines futuristischen Science-Fiction-Gedichtes die Militärdoktrin des Luftkrieges, wie sie ab 1921 vom dem italienischen General Giulio Douhet formuliert und von allen kriegsteilnehmen Staaten des ersten Weltkrieges in ihre zukünftigen Planungen aufgenommen worden waren. Der geopolitische Hintergrund des Textes, der sich auf den Interventionskrieg der Entente-Mächte ab 1918 bezieht, erlangte 2014 durch die Ukrainekrise neue Aktualität.

Essay und Literaturwissenschaft[Bearbeiten]

Preckwitz setzte sich unter Berufung auf Konzepte der Cultural Studies und Performance Studies auch theoretisch mit der Ästhetik des Spoken Word auseinander. Eine deutliche Kritik an der zeitgenössischen hermetischen Lyrik äußerte er in seinem Essay verschrobenbooks in dem Band Kampfansage.

Bücher und Bühnenstücke[Bearbeiten]

Anthologien (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Jahrbuch der Lyrik 2013, DVA, München 2013
  • ndl, neue deutsche literatur X/04, Aufbau Verlag, Berlin 2004
  • Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt, dtv/Hanser Verlag 2004
  • Poetry Slam Jahrbuch 2004/2005, Rotbuch/Sabine Groenewold Verlage, Hamburg 2004
  • DAS GEDICHT 12, Anton G. Leitner Verlag, Weßling bei München 2004
  • Lyrik von JETZT, DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2003
  • Rude Trip, Edition 406, Hamburg 2001
  • Sehnsucht Berlin, Konkursbuch 38, Konkursbuchverlag, Tübingen 2000

Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rude Trip, Edition 406, Hamburg 2001, S. 122f.
  2. http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=13 Preisträger
  3. Programm des ilb 2002
  4. Poetry Slams - Mehr und mehr eine Farce, Süddeutsche vom 9. November 2012
  5. Kitsch in Performance. In: EXOT #18, Zeitschrift für komische Literatur, EXOT/Satyr Verlag 2014
  6. Berliner Morgenpost, 20. November 2009, S. 18
  7. Website der Lyrikedition 2000
  8. Dresdner Neueste Nachrichten, 20.11.2014, Seite 9
  9. Dresdner Neueste Nachrichten, 20.11.2014, Seite 9
  10. Dresdner Neueste Nachrichten, 17.6.2014, Seite 11
  11. Dresdner Literaturkalender 1.2015, Herausgeber: Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz
  12. Arbeitsstipendien für Schriftstellerinnen und Schriftsteller 2014 vergeben. Berlin.de, 16. April 2014, abgerufen am 26. April 2014.