Borja (Saragossa)

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Gemeinde Borja
Borja – Ortsansicht
Borja – Ortsansicht
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Borja
Borja (Saragossa) (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Aragonien
Provinz: Saragossa
Comarca: Campo de Borja
Koordinaten 41° 50′ N, 1° 32′ W41.833151-1.530104448Koordinaten: 41° 50′ N, 1° 32′ W
Höhe: 448 msnm
Fläche: 107,29 km²
Einwohner: 4.915 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 45,81 Einw./km²
Postleitzahl: 50540
Gemeindenummer (INE): 50055 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Webpräsenz der Gemeinde

Borja ist eine spanische Gemeinde (municipio) mit 4915 Einwohnern (Stand 1. Januar 2013) in der Provinz Saragossa der Autonomen Region Aragonien.

Lage[Bearbeiten]

Borja liegt etwa 65 Kilometer (Fahrtstrecke) nordwestlich der Provinzhauptstadt Saragossa in einer Höhe von etwa 450 Metern ü. d. M.. Die Stadt Soria in der gleichnamigen altkastilischen Nachbarprovinz befindet sich etwa 90 Kilometer westlich. Die Kleinstadt wird überragt von einem imposanten Felsen (Cerro de la Corona).

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1960 1970 1981 1991 2000 2012
Einwohner 4.381 3.991 4.069 3.959 4.256 5.057

Im ausgehenden 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lag die Einwohnerzahl Borjas bei deutlich über 5.000 Personen. Die Mechanisierung der Landwirtschaft führte zu den Bevölkerungs-Tiefstständen der 1960er bis 1980er Jahre.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Jahrhundertelang lebten die Bewohner des Ortes direkt oder indirekt (als Händler oder Handwerker) von der Landwirtschaft. Der Weinbau spielte im 19. Jahrhundert bis zum Ausbruch der Reblauskrise eine große wirtschaftliche Rolle. Heute wird die Landwirtschaft vermehrt durch kleinere Industriebetriebe in der Ortschaft abgelöst, aber auch die Mandelbaumplantagen und die Weine der Umgebung (Denominación de Origen Campo de Borja) tragen wieder zur wirtschaftlichen Erstarkung der Stadt bei.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der heutigen Kleinstadt gehen sehr wahrscheinlich auf das aus der Antike überlieferte keltiberische Castrum Bursau zurück, das bereits im 5. Jahrhundert vor Christus existierte und später ein eigenes Münzprägerecht besaß. Nach der Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Römer im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. unterlag Bursau der Jurisdiktion von Saragossa (Caesaraugusta). Aus westgotischer Zeit wurden bislang keine Relikte gefunden. Eine neue Epoche brach zu Beginn des 8. Jahrhunderts mit der Ankunft des Islam an; der Ort hieß in dieser Zeit Burya, was soviel wie ‚Turm‘ oder ‚Festung‘ bedeutet. Die Rückeroberung (reconquista) durch die Christen im Jahr 1120 ging sehr wahrscheinlich relativ friedlich vonstatten – die Muslime mussten jedoch ihre Häuser innerhalb der Stadtmauern verlassen und sich davor (extramuros) ansiedeln. Viele nahmen in der Folgezeit (wieder) den christlichen Glauben an; die übrigen wurden im beginnenden 16. Jahrhundert und unter Philipp III. durch den Herzog von Lerma in den Jahren 1609–1615 vertrieben.

Casa de los Angulo

Im 15. Jahrhundert begannen Grenzstreitigkeiten zwischen dem expandierenden Königreich Kastilien und dem Königreich Aragón. Aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage unweit der Grenze zu Kastilien erhielt Borja im Jahr 1438 von König Alfons V. von Aragón die Stadtrechte. Durch die Eheschließung zwischen Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón im Jahre 1469 wurden die innerspanischen Konflikte beigelegt und Stadt und Land erlebten eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) geriet Borja zwischen die Fronten der Bourbonen und der Habsburger und wurde im Jahr 1706 von der aragonesischen Artillerie beschossen und eingenommen. Nach dem Ende des Krieges wurde die teilweise zerstörte Stadt vom Bourbonenkönig Philipp V. mit diversen Ehrungen bedach – so erhielt das Stadtwappen zusätzlich zu Turm und Stier einen Löwen und eine Lilie sowie ein Spruchband mit der Aufschrift Saqueada por ser siempre fidelísima (‚gebrandschatzt weil immer treu‘).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ayuntamiento
Casa de la Estanca
  • Der die Stadt dominierende Felsen wurde seit keltiberischer Zeit als Festung genutzt und diverse Male durch zusätzlich Anlagen befestigt. Das meiste davon ist allerdings im Lauf der Jahrhunderte verschwunden.
  • Auf der Südseite des Burgbergs sind mehrere Bodegas in das Gestein hineingetrieben worden.
  • Das ganz aus Ziegelsteinen erbaute Rathaus (ayuntamiento) befindet sich in einem Palast der Krone Aragóns aus dem Jahren 1532–1534. Der durch drei unterschiedlich gestaltete Geschosse gekennzeichnete Bau ist von einem Glockengiebel (espadaña) bekrönt, wie er ansonsten nur Kirchenbauten vorbehalten war. Das von zwei großen Löwen gehaltene und von einer Krone bedeckte steinerne Wappen über dem Portal stammt aus dem 18. Jahrhundert.
  • In den engen Gassen der Oberstadt finden sich mehrere Stadtpaläste mit Wappenschilden des 15. bis 17. Jahrhunderts.
  • Wichtigste Kirche von Borja ist die im Jahre 1445 von Papst Eugen IV. in den Rang einer Kollegiatskirche erhobene Iglesia de Santa María. In ihr verbinden sich spätgotische mit neoklassizistischen Elementen des 19. Jahrhunderts. Von besonderer Bedeutung sind mehrere hölzerne Altarretabel.
  • Von der spätromanischen Kirche San Miguel ist nur noch die gewölbte Apsis erhalten; der von einem hölzernen Satteldach bedeckte eigentliche Kirchenbau erhielt über die Jahrhunderte ein völlig anderes Aussehen – im 15. Jahrhunderten wurden beispielsweise die gotischen Seitenkapellen angebaut, wodurch der Kirchenraum insgesamt geöffnet wurde. Seit Ende der 1980er Jahre beherbergt der Kirche das Archäologische Museum der Stadt mit zahlreichen Exponaten aus ihrer langen Geschichte.
  • Unmittelbar daneben stehen die Gebäude des im Mudéjar-Stil aus Ziegelsteinen erbauten Convento de Santa Clara, der erst im Jahr 1693 eine eigene Kirche erhielt. Bis dahin war das Nonnenkloster mit der Kirche San Miguel verbunden – seit 1608/9 über eine halbkreisförmige durchbrochene Schranke (celosia).
Umgebung
  • Etwa sechs Kilometer nordöstlich der Stadt steht am Ufer eines künstlich gestauten Sees die Casa de la Estanca - ein Bau aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Mudéjar-Stil, in welchem im Frühjahr und Sommer der Wächter über die Wasserverteilung lebte. Im Jahr 2012 ist der Bau komplett restauriert worden.

„Ecce homo“ von Borja[Bearbeiten]

Borja erlangte internationale Aufmerksamkeit im Jahr 2012, als die damals über 80-jährige Rentnerin Cecilia Giménez aus eigener Initiative ein Fresco aus dem 19. Jahrhundert im Santuario de Misericordia, einer etwa sechs Kilometer außerhalb gelegenen Einsiedlerkirche (ermita), restaurieren wollte. Die Wandmalerei mit der Jesus-Darstellung war Bestandteil des Werks „Ecce Homo“, die dem im 19. Jahrhundert tätigen Künstler Elías García Martínez zugeschrieben wird.

Die Rentnerin wollte spontan die durch Abblättern beschädigte Wandmalerei ausbessern. Wie berichtet wurde, geschah dies in guter Absicht, aber ohne Erlaubnis der zuständigen Stellen. Die unsachgemäße Restaurierung fügte dem Werk erhebliche Schäden zu. Experten wurden anschließend mit der Rettung des Werks aus dem 19. Jahrhundert beauftragt. Laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE ist die Wiederherstellung des Bildes allerdings überaus schwierig.[2]

Die ungeschickte Übermalung sorgte für großes Aufsehen über die spanischen Grenzen hinaus. Das verunstaltete Bild wurde von der Presse wahlweise als „Monchichi“ oder „aufgeblasener Igel“ verspottet und wurde zu einem der großen Internet-Phänomene des Jahres 2012. Spaßvögel montierten es in viele andere Bilder von Prominenten und Kunstwerken hinein und druckten es sogar auf Kleidungsstücke. Der Hype sorgte für einen unerwarteten Touristenboom, der so groß wurde, daß die Stadt beschloss, die zuerst geschmähte Rentnerin an den Einnahmen zu beteiligen.[3]

Gigantes – Rey y Reina

Feste[Bearbeiten]

In der 3. oder 4. Septemberwoche finden Umzüge mit den in vielen Orten Spaniens und Kataloniens so beliebten Figuren der Gigantes y Cabezudos statt. Die Gigantes sind etwa drei bis vier Meter groß und wiegen ca. 40 Kilogramm; sie stellen Gestalten der spanischen Geschichte (z. B. die Katholischen Könige Isabella und Ferdinand) dar. Die Cabezudos haben lediglich große bemalte Köpfe aus Drahtgeflecht und Pappmaschee oder in Gips getränkten Tüchern. Einige der Figuren stammen noch aus dem 19. Jahrhundert und wurden kürzlich restauriert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Borja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Fatale Restaurierung: Rentnerin überpinselt Jesus-Fresko auf spiegel.de
  3. Übermaltes Jesus-Fresko: Spanische Rentnerin soll an Einnahmen beteiligt werden auf spiegel.de