Borneo Orangutan Survival Foundation

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Die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) ist die weltweit größte und gemeinnützige Organisation zum Schutz der unmittelbar vom Aussterben bedrohten Orang-Utans in Indonesien.

Entstehung der Schutzinitiative[Bearbeiten]

Der holländische Bauernsohn Willie Smits kam erstmals 1980 nach Borneo. Die Zucht von Edelhölzern interessierte ihn sehr. Willie Smits sah es als eine große Herausforderung an, dort zu forschen, wo noch niemand vor ihm war. Er wurde nach Ostkalimantan geschickt und verbrachte viele Monate bei den Dayak, den Ureinwohnern Borneos, von denen er jede Menge über das Leben im Dschungel lernte. Später gaben sie ihm den Namen Sinam – der Mutige.

Aufgrund seiner erfolgreichen Forschung wurde er von der indonesischen Regierung gebeten, seine Arbeit weiterzuführen. Er siedelte nach Indonesien über und heiratete kurze Zeit später seine Frau Syennie, die heute eine Königin des Tomohon-Volkes ist. 1989 arbeitete Smits als Leiter seines Forschungsprojektes 'Tropenbos' (Bos - holländisch für Wald) in Wanariset bei Balikpapan. Dort wurde er auf einem öffentlichen Markt Zeuge, wie Tierhändler das Orang-Utan-Baby Uce halbtot auf eine Müllkippe warfen, da es sich nicht verkauft hatte. Willie Smits nahm sich des Orang-Utan-Babys an und pflegte es gesund.

Willie Smits' Engagement sprach sich schnell herum. Forstbeamte vertrauten ihm gleich ein zweites krankes Affenbaby an, welches er auch mit gewisser Zuneigung pflegte. Seine Söhne waren damals kaum älter als die beiden Orang-Utans. In einer Zeitschrift gab er einmal an, dass es kein Unterschied gewesen sei, seine Kinder oder die Affen großzuziehen. Sie hatten die gleichen Bedürfnisse und eine ähnliche Körpersprache.

Tropenbos begann, sich für die Sache der Orang-Utans zu engagieren, als Smits beweisen konnte, dass der Kot dieser Tiere im tropischen Regenwald Baumsamen verbreitet. Mit Uce und Dodoy im Gepäck ging er zu internationalen Schulen und bat die dortigen Kinder darum, sie zu unterstützen. Mit Kuchenverkauf und Lesewettbewerben wurden somit knappe 10.000 US-Dollar eingenommen. Nach der vollständigen Gründung von Bos 1991 wuchs die Organisation schneller als geplant. Mit jedem Waldbrand und mit jeder weiteren Plantage kamen immer mehr Orang-Utans in ein Rehabilitationszentrum. Jeder Orang-Utan lebt mindestens drei Jahre im Camp, bevor er wieder in die Wildnis entlassen wird. Die Stiftung bezahlt durchschnittlich 4500 $ für einen Affen, der wieder auf die Beine gebracht wird.

Laut Pressemitteilung vom 28. September 2009 distanziert sich Willie Smits von der deutschen Unterstützerorganisation BOS Deutschland. Die indonesische BOS Foundation selbst arbeitet jedoch weiterhin eng mit BOS Deutschland zusammen.[1]

Ziele[Bearbeiten]

BOS ist ausschließlich dem langfristigen Schutz der Orang-Utans in ihrer natürlichen Umgebung verpflichtet. Da Orang-Utans (Pongo pygmaeus) als Schirmspezies des indonesischen und malayischen Tropenwaldes durch massive Umweltzerstörung (Regenwaldvernichtung für Holz, Papier und Plantagen) ihren Lebensraum dramatisch schnell verlieren, beinhaltet der Schutz von Orang-Utans vor allem den Schutz eben ihres natürlichen Lebensraumes. Durch fortwährende Wilderung von Jungtieren ist die Konfiszierung und Rehabilitation sowie Auswilderung von illegal gehaltenen Orang-Utans Teil der Arbeit von BOS. BOS verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, nach dem die Ziele nur erreicht werden können, wenn vor allem die lokale Bevölkerung einen wirtschaftlichen Vorteil durch die Erhaltung der Natur erfährt.

Projekte[Bearbeiten]

Rehabilitation[Bearbeiten]

BOS betreibt zwei Rehabilitations- und Auffangstationen für Orang-Utans, eine in Wanariset Samboja und eine in Nyaru Menteng, in Ost- bzw. Zentralkalimantan (indonesischer Teil Borneos). Hier werden Orang-Utans, die mit Hilfe des indonesischen Forstministeriums beschlagnahmt wurden, in einem durchschnittlich siebenjährigen Trainingsprogramm auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.

Gebiet Samboja Lestari[Bearbeiten]

Die BOS Foundation in Indonesien konnte mit dem Gebiet Samboja Lestari bis jetzt rund 2.000 ha eines mit gefälschten Konzessionen rücksichtslos gerodeten Gebietes in der Nähe von Balikpapan (Borneo) erwerben, mit dem ehrgeizigen Ziel, es wieder in naturnahen Regenwald zu verwandeln. BOS startete mit Samboja Lestari 2001 ein Pilotprojekt und schafft durch Renaturierung und Schutz des Gebietes eine bedeutende Zufluchtstätte für Orang-Utans, Malaienbären und andere bedrohte Arten in Borneo. Neben Aufforstung mit integrierter Landwirtschaft (Agroforstwirtschaft) umfasst die Unterstützung für das Projekt Schafft Lebenswald in Samboja Lestari im Einzelnen die Finanzierung von Pacht und Konzessionen für das Land, Baumschule und Arboretum, Forschungsmöglichkeiten einschlägiger Fachrichtungen, Heimstätte und Schutz für Orang-Utans, Malaienbären und andere Tiere, Verfügung von Trainingswäldern für junge Orang-Utans, Anlage und Pflege von künstlichen Inseln für junge oder kranke Orang-Utans, verschiedene Bildungsangebote für Einheimische und Touristen, sowie ein Freiwilligenprogramm, Arbeitsplätze für Einheimische, Schutzmaßnahmen gegen Waldbrände, Bau und Unterhalt der notwendigen Infrastruktur sowie Monitoring. Inmitten von Samboja Lestari bietet die Rehabilitationsstation Wanariset Samboja eine sichere Zuflucht für Orang-Utans (derzeit werden hier über 200 Tiere betreut). Von hier aus sollen die Menschenaffen wieder in die freie Natur ausgewildert werden, sofern die internationalen Anstrengungen zum Schutz noch bestehender Regenwald(rest)gebiete zum Erfolg führen. Samboja Lestari wird u. a. durch den symbolischen Verkauf von Quadratmetern finanziert. Auf einer Spenden-Webseite von BOS kann man symbolisch Quadratmeter im Gebiet von Samboja Lestari "kaufen" und sich an der Finanzierung des Pilotprojektes beteiligen.

Mawas-Gebiet[Bearbeiten]

Das Mawas-Gebiet mit insgesamt rund 377.000 ha Fläche ist ein in gutem Zustand erhaltenes Tropenwaldgebiet mit hoher Biodiversität. Dieser Tiefland-Torf-Regenwald wirkt nicht nur als CO2-Speicher, sondern ebenso als aktive CO2-Senke, was das Gebiet für das Weltklima noch wertvoller macht. Dort lebt eine der letzten großen wilden Orang-Utan-Populationen (ca. 3000 Tiere). BOS hat im September 2003 das vorläufige Verwaltungsrecht für das Mawas-Gebiet bekommen. Verschiedene internationale Organisationen bemühen sich verstärkt um den langfristigen Schutz von Mawas.

Umweltbildung[Bearbeiten]

Eines der Hauptziele von BOS ist die Aufklärung der lokalen Bevölkerung über den Wert von Naturschutzmaßnahmen.

Kritik[Bearbeiten]

Einige der ansässigen Dayak beklagen, durch den strengen Schutz des Waldes im Umfeld der Station und das damit verbundene Betretungsverbot werde ihnen die Möglichkeit genommen, ebenfalls vom dort vorhandenen Naturreichtum zu profitieren. Das Schutzprojekt der Borneo Orangutan Survival Foundation sei demnach ein "Elitenprojekt", in dem das Leben der Tiere höher wiegt als das der verarmten, ansässigen Landbevölkerung.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. *Mitteilung BOS Deutschland / BOS Foundation
  2. Anett Keller: Klimawandel in Indonesien: Der Hintern der Welt. In: die tageszeitung, 30. November 2011. Abgerufen am 3. Dezember 2011.

Weblinks[Bearbeiten]