Borneo Orangutan Survival Foundation

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The Borneo Orangutan Survival (BOS) Foundation / Yayasan BOS
Typ Nonprofit-Organisation
Gründer Willy Smits, Peter Karsono und Andere
Gründung 1991
Sitz Bogor
Aktionsraum Kalimantan/Indonesien
Schwerpunkt Arten- und Naturschutz
Angestellte ca. 400
Motto “Der Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraumes mit Beteiligung der Bevölkerung"
Website Borneo Orangutan Survival Foundation

Die Borneo Orangutan Survival (BOS) Foundation ist eine Stiftung nach indonesischem Recht und eine indonesische Nichtregierungsorganisation. Ihr Zweck ist die Bewahrung der Orang-Utans auf Borneo und ihrer Regenwaldhabitate in Kooperation mit staatlichen Stellen (insbesondere des indonesischen Forstministeriums), der lokalen Bevölkerung und weiteren Akteuren. Der Verwaltungssitz der Stiftung befindet sich in Bogor, Westjava.

Gründung und Geschichte[Bearbeiten]

Die BOS Foundation wurde 1991 zunächst unter dem Namen „Orangutan Conservation Project“ von dem aus den Niederlanden stammenden Forstwissenschaftler Dr. Willie Smits und anderen gegründet. Nach zwei weiteren Namensänderungen erhielt die Organisation schließlich 2003 ihren heutigen Namen.

Smits nahm sich 1989 eines verwaisten Orang-Utan-Babys an und pflegte es gesund. Kurze Zeit später wurden ihm weitere Orang-Utan-Jungtiere zur Aufzucht anvertraut, so dass die ursprüngliche Initiative auf eine breitere Basis gestellt werden musste. Mit Hilfe von Kollegen der Regenwaldorganisation Tropenbos, dem Lehrer Peter Karsono, Schülern der internationalen Schule in Balikpapan und weiteren Personen konnte die erste Vorläuferorganisation der heutigen BOS Foundation gegründet werden.

Mit der Ausweitung ihrer Aktivitäten wuchs der Bekanntheitsgrad der BOS Foundation auch international. Im Laufe der Jahre gründeten sich in Australien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Japan, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz jeweils unabhängige Organisationen, die die indonesische BOS Foundation finanziell und ideell unterstützen.

Arbeitsweise[Bearbeiten]

Die Arbeitsweise der BOS Foundation beruht im Wesentlichen auf drei Säulen: Rettung, Rehabilitation und (Wieder)- Auswilderung von Orang-Utans. Um Letzteres zu gewährleisten, muss die BOS Foundation darüber hinaus geeigneten Waldgebiete für die Tiere sichern; die Organisation trägt somit auch zum Regenwaldschutz bei. Die Zusammenarbeit mit der ansässigen Bevölkerung ist ebenfalls unerlässlich, weil ohne deren Einverständnis die ausgewilderten Tiere nicht überleben würden.

Rettung[Bearbeiten]

Die BOS Foundation betreibt auf Borneo in Samboja Lestari (Provinz Ost-Kalimantan) und Nyaru Menteng (Provinz Zentral-Kalimantan nahe Palangka Raya) zwei Auffang- und Rehabilitationsstation für Orang-Utans für insgesamt ca. 800 Tieren (Stand Ende 2014). [1],[2]

Illegal gehaltener junger Orang-Utan wird konfisziert

Die Wege, auf denen die Orang-Utans zu BOS gelangen, sind unterschiedlich und für die Tiere meist leidvoll. Viele von ihnen werden durch Polizei und die Naturschutzbehörde BKSDA (Balai Konservasi Sumber Daya Alam) aus privater Gefangenschaft konfisziert und in die Obhut der Stiftung gegeben. Andere kommen zu BOS, nachdem sie auf Ölpalmenplantagen oder in der Nähe von Siedlungen aufgegriffen werden. Darunter sind oft verwaiste Jungtiere, deren Mütter getötet wurden oder anderweitig umgekommen sind.

Rehabilitation von Orang-Utans[Bearbeiten]

Unter Rehabilitation sind hier alle Maßnahmen zu verstehen, die verwaiste, kranke oder verletzte Orang-Utans befähigen, wieder selbständig im Dschungel zu überleben und sich dort auch fortzupflanzen. Die konkreten Maßnahmen sind abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des einzelnen Tieres.

Lediglich diejenigen Tiere, die zu alt oder zu krank für ein Leben in freier Wildbahn sind, werden dauerhaft in den Stationen gehalten. Bei allen Übrigen ist es das Ziel, sie wieder auszuwildern.

Orang-Utans, die als erwachsene oder fast erwachsene Tiere aus der Wildnis zu BOS kommen, werden nach einem Gesundheitscheck umgehend in andere Waldgebiete umgesiedelt (Translocation). Die notwendigen Fähigkeiten für ein Leben in der Wildnis bringen sie bereits mit.

Orang-Utans im Alter von drei bis fünf Jahren, die zumindest grundlegende Fertigkeiten für ein Überleben im Wald besitzen, werden in den Stationen medizinisch versorgt und in ihrem natürlichen Verhalten unterstützt. Diese Tiere können sich relativ schnell wieder an ihre natürliche Umgebung gewöhnen.

Junge Orang-Utans in der Waldschule von BOS

Verwaiste Jungtiere im Babyalter dagegen, die noch völlig von ihrer Mutter abhängig wären, werden in einem in der Regel sechs- bis siebenjährigen Training (entsprechend der Betreuungszeit von sechs bis acht Jahren durch die Mutter unter natürlichen Bedingungen) auf ein Leben in ihrem natürlichen Habitat vorbereitet. Notwendige Fähigkeiten der Orang-Utans sind zum Beispiel das Erkennen und Auffinden essbarer Pflanzen und Früchte, das Erkennen giftiger Tiere und Pflanzen, der Bau von Schlafnestern, effiziente und sichere Kletter- und Fortbewegungstechniken in den Baumkronen, Orientierung im Wald, soziale Interaktionen mit Artgenossen und anderes. Ebenso bedürfen besonders diese sehr jungen Orang-Utans intensiver emotionaler Zuwendung durch das menschliche Pflegepersonal (sogenannte Baby Sisters), zumal sie durch den oft gewaltsamen Tod der Mutter meist auch traumatisiert sind.

Während des Rehabilitationsprozesses durchlaufen die Jungtiere verschiedene Lernstufen und leben in Gruppen, getrennt nach Alter und Entwicklungsstand. BOS nutzt bei den Stationen jeweils kleine Waldstücke als „Waldschulen“, in denen die jungen Orang-Utans tagsüber für ein Leben in der Wildnis „ausgebildet“ werden. Ihre letzte Station bis zur Auswilderungsbefähigung sind Flussinseln, in denen die Tiere dann schon fast unter natürlichen Bedingungen leben.[3]

Waldsicherung und –management[Bearbeiten]

Grundvoraussetzung für die Auswilderung von Orang-Utans ist das Vorhandensein von Waldgebieten, die bestimmten Mindestkriterien gerecht werden:

- Ausreichend Nahrungspflanzen, z.B. Flügelfruchtgewächse

- Ausreichend großes Territorium

- Schutz vor Abholzung oder Brandrodung, generell langfristiger Schutzstatus

- Keine Konkurrenz zu eventuell schon in den Schutzgebieten lebenden Orang-Utan-Populationen.

Auswilderungsgebiet Kehje Sewen

Waldgebiete, die alle diese Bedingungen erfüllen, sind im heutigen Borneo schwer zu finden, daher war es für die BOS Foundation lange Zeit kaum möglich, Orang-Utans auszuwildern. Zudem kann Land in größerem Umfang nach indonesischem Recht nicht als Privateigentum erworben werden, sondern verbleibt grundsätzlich beim Staat. Der Staat vergibt allerdings verschieden definierte Nutzungskonzessionen, verpachtet das Land also gegen Entgelt zu in der Regel kommerziellen Zwecken wie Holzeinschlag oder der Anlage von Plantagen. Allerdings gibt es seit 2008 die Möglichkeit, eine Konzession speziell für Naturschutzzwecke (Eco System Restauration Concession) zu erwerben. Diese ist rechtlich einer kommerziellen Konzession gleichgestellt und kann nur von Unternehmen erworben werden. Aus diesem Grund hat die BOS Foundation die Firma PT Restorasi Habitat Orangutan Indonesia (PT RHOI) gegründet, die technisch für die Auswilderungen und Auswilderungsgebiete verantwortlich ist. [4]

Der Erwerb der genannten Naturschutzkonzession ist auf 60 bis 90 Jahre angelegt; weitere Auswilderungsgebiete dieser Art sollen folgen. Zudem schließt die BOS Foundation auch Abkommen mit privaten Konzessionshaltern sowie nutzt Auswilderungsmöglichkeiten in schon bestehenden staatlichen Schutzgebieten.

Auswilderung[Bearbeiten]

Ein wichtiger Aspekt aller Auswilderungs- und Schutzvorhaben ist die Akzeptanz der lokalen Bevölkerung. Außer Informationsveranstaltungen werden Trainings z.B. für einkommensschaffende Maßnahmen initiiert sowie ortskundige Personen als Ranger angestellt. Die eigentliche Auswilderung der Orang-Utans im Schutzwald ist darüber hinaus mit einem erheblichen logistischen und finanziellen Aufwand verbunden. So müssen in den abgelegenen Auswilderungsgebieten Stationen für Ranger, Veterinäre und Wissenschaftler einschließlich der notwendigen Versorgungsinfrastruktur bereitgestellt werden. Für den Transport der Orang-Utans werden Flugzeuge oder Helikopter organisiert, mitunter müssen auch provisorische Hubschrauberlandeplätze angelegt werden.

Auswilderung eines Orang-Utans

Die auszuwildernden Menschenaffen werden noch in den Stationen geimpft und umfangreichen Gesundheitschecks unterzogen. Nach erfolgter Auswilderung wird jedes Individuum wenigstens ein Jahr lang beobachtet, durch Sichtkontakt und über in die Haut implantierte Mini-Sender. Bei den Auswilderungen neueren Datums (Februar 2012 bis) April 2014 konnten 162 Tiere in die Freiheit entlassen werden. In diesem Zeitraum wurden zwei Geburten und 11 Todesfälle registriert. Weitere Auswilderungen sind in Planung.

Aufforstung[Bearbeiten]

Von 2001 bis 2011 unternahm die BOS Foundation auch umfangreiche Aufforstungen im Gebiet Samboja Lestari nahe der Hafenstadt Balikpapan. Seit 2011 sind die Aufforstungen im Wesentlichen abgeschlossen und die Arbeit der BOS Foundation konzentriert sich in Samboja Lestari auf Erhaltungsmaßnahmen und die Pflege der dort untergebrachten Tiere (Orang-Utans und Malaienbären). Für Auswilderungen von Orang-Utans ist das Gebiet mit ca. 1800 ha jedoch zu klein.

Malaienbären[Bearbeiten]

Die etwa 50 Malaienbären von Samboja Lestari stammen durchweg aus nicht artgerechter Privathaltung und können in aller Regel nicht mehr ausgewildert werden. Die Bären sind zu sehr an Menschen gewöhnt und würden die Nähe menschlicher Siedlungen suchen, was ernste Konflikten nach sich zöge. [5]

Mawas-Gebiet[Bearbeiten]

Das Mawas-Gebiet umfasst ein ca. 377.000 Hektar großes Tieflandregenwald-Areal in Zentralkalimantan. "Mawas" bedeutet Orang-Utan in der Sprache der einheimischen Bewohner, der Dayak. Die Region ist die Heimat einer der letzten größeren Orang-Utan-Populationen von rund 3.000 Tieren sowie vieler anderer bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Die BOS Foundation war zusammen mit australischen und anderen internationalen Akteuren am Projekt Kalimantan Forest Carbon Partnership (KFCP) zur Entwicklung und Umsetzung des REDD-Programms zur Verringerung der globalen Entwaldungstendenzen beteiligt. Unter anderem Nutzungskonflikte mit der einheimischen Bevölkerung führten jedoch dazu, dass das KFCP-Projekt eingestellt wurde. Nach wie vor betreibt die BOS Foundation aber das Forschungszentrum Camp Tuanan. Dort betreiben indonesische und internationale Wissenschaftler Verhaltensbeobachtungen an wildlebenden Orang-Utans und andere Forschungsprojekte. [6], [7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Station Samboja Lestari: Rehabilitation und Auswilderung in Ostkalimantan (engl.)
  2. Station Nyaru Menteng: Rehabilitation und Auswilderung in Zentralkalimantan (engl.)
  3. Rehabilitation: Vom Orang-Utan-Waisenkind zum Waldmenschen
  4. Restorasi Habitat Orangutan Indonesia (RHOI): Forest Forever for Orangutans
  5. Malaienbären: The BOS Sun Bear Sanctuary
  6. REDD Monitor: Australia shuts down the Kalimantan Forest Carbon Partnership
  7. Mawas-Gebiet: Mawas Peatlands Conservation Area Project

Weblinks[Bearbeiten]