Bosančica

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Die Tafel von Humac

Die Bosančica (Bosnische Schrift) [bɔˈsantʃitsa] war eine Form der kyrillischen Schrift, die vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert vor allem in Bosnien und Herzegowina und in Teilen Kroatiens verbreitet war.

Andere, im südslawischen Sprachraum verbreitete Bezeichnungen sind: 'bosanica (Stjepan Zlatović), bosanska azbukva (Ivan Berčić), bosanska ćirilica (Franjo Rački), hrvatsko-bosanska ćirilica (Ivan Kukuljević Sakcinski), bosansko-dalmatinska ćirilica (Vatroslav Jagić), bosanska brzopisna grafija (E. F. Karskij), zapadna varijanta ćirilskog brzopisa (Petar Đorđić), zapadna (bosanska) ćirilica (Stjepan Ivšić), harvacko pismo (Dmine Papalić), rvasko pismo, arvatica, arvacko pismo (Povaljska listina), poljičica, poljička azbukvica (im Gebiet der ehemaligen Republik Poljica - Frane Ivanišević), sarpski (fra Antun Depope).

Die bosnische Schrift ist in zahlreichen Dokumenten überliefert:

  • Die Tafel von Humac gilt als ältestes Dokument.
  • Abschnitte der Bibel aus dem 14. und 15. Jahrhundert.
  • Zahlreiche Urkunden aus dem 12. bis 15. Jahrhundert.
  • Grabinschriften aus dem 11. bis 15. Jahrhundert.
  • Das Statut der Poljica, das 1440 in bosnischer Schrift niedergeschrieben wurde.
  • Die Römisch-Katholische Kirche betrieb in Omiš ein Priesterseminar, an dem sie bis ins 19. Jahrhundert hinein verwendet wurde.
  • Liturgische Texte der Römisch-Katholischen Kirche, darunter ein Brevier, das 1520 gedruckt wurde.
  • Die Franziskaner (OFM) entwickelten seit 1611 eine reichhaltige religiöse, von der Gegenreformation geprägte Literatur.
  • Nach der osmanischen Eroberung verwendete der islamisierte Adel weiterhin die bosnische Schrift, die deswegen auch als Begovica (Schrift der Beis) bezeichnet wurde. Im 17. Jahrhundert setzte sich die arabische Schrift in Bosnien durch, einzelne Familien und Personen bewahrten ihre Kenntnis der bosnischen Schrift jedoch bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Ethnische Kontroversen[Bearbeiten]

Der Streit um die kulturelle Zugehörigkeit der Bosančica begann um 1850 und ist bis heute nicht eindeutig geklärt:

  • Überwiegend von serbischen Forschern wird behauptet, es handele sich um eine Variante des Serbischen Alphabets.
  • Die Mehrzahl der kroatischen Forscher ist in zwei verschiedene Schulen gespalten. Die eine Gruppe verweist auf den kroatischen Ursprung dieser Schrift und bezeichnen sie als „Kroatische Schrift“. Die andere Gruppe betrachtet die Bosančica als eigenständige, aus mehreren Einflüssen heraus entstandene Schriftart, die als Westkyrillische Schrift bezeichnet wird.
  • Vor allem bosniakische Forscher betrachten die Bosančica als eigenständige bosnische Schriftart, die von der Bosnischen Kirche entwickelt wurde.

Weblinks[Bearbeiten]