Bosporanisches Reich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Ausdehnung des Bosporanischen Reiches
Antike Griechische Kolonien an der Nordküste des Schwarzen Meeres

Das Bosporanische Reich war ein antikes hellenistisches Königreich zu beiden Seiten des kimmerischen Bosporus, das sich im 5. Jahrhundert v. Chr. aus den griechischen Kolonien im nördlichen Schwarzmeergebiet und an den Küsten des Asowschen Meeres gebildet hatte. Nach einer Phase des wirtschaftlichen und damit verbundenen militärischen Niedergangs im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde das Reich um 107 v. Chr. vom Königreich Pontos annektiert. Nach der Eingliederung von Pontos in das Römische Reich durch Pompeius war das Bosporanische Reich ein von Rom abhängiger Staat. Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. erstarkte das Reich unter der Herrschaft einer sarmatischen Dynastie wieder, war allerdings oft Überfällen benachbarter Stämme ausgesetzt. Das Königreich wurde im Rahmen der Völkerwanderung im 4. und 5. Jahrhundert von den Goten und den Hunnen zerschlagen.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung des Reiches und Herrschaft der Archaianaktiden[Bearbeiten]

Den Kern, um den das Bosporanische Reich entstand, bildeten die griechischen Poleis auf beiden Seiten der Straße von Kertsch. Diese hieß im Altertum Kimmerischer Bosporus, im Unterschied zum Thrakischen Bosporus. In den achtziger Jahren des fünften Jahrhunderts v. Chr. wurden diese Poleis durch die Archaianaktiden – ein Adelsgeschlecht, das wahrscheinlich ursprünglich aus Milet oder Mytilene stammte – aus der Stadt Pantikapaion geeinigt. Die Archaianaktiden hatten wahrscheinlich die Machtfunktionen als erbliche Archonten inne, wodurch zumindest die äußeren Kennzeichen eines demokratischen Staatsaufbaus gewahrt blieben. Indem sie nun aber diese Macht vererbten, brachen sie entschieden mit den Traditionen der hellenischen Demokratie und begünstigten das Hinüberwachsen des Staatsaufbaus einer Polis in den einer Monarchie.

Die Einigung, von der auch mehrere einheimische Stämme erfasst wurden, erfolgte auch aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen. Nur auf diese Weise konnte dem Vordringen der Barbarenstämme Halt geboten und dem Getreidehandel eine stabile Organisationsform verliehen werden.

Herrschaft der Spartokiden[Bearbeiten]

Nach dem Sturz der Archaianaktiden im Jahr 438 v. Chr., befand sich das Reich, nach Diodor, unter der Herrschaft der Spartokiden, die mehr als dreihundert Jahre regieren sollten. Die Umstände, die zum Dynastiewechsel führten, sind unbekannt. Die Namen des Gründers der Dynastie – Spartokos – und einiger seiner Nachfolger sind aber zweifellos thrakisch. Die Spartokiden und besonders Leukon I. (389/8–349/8) sowie sein Sohn Pairisades I. (349/8–311/10) – gestützt auf ein zahlreiches Söldnerheer – konnten die Grenzen des Reiches noch erweitern.

Die Hauptbeschäftigung der nichtgriechischen Bevölkerung war der Ackerbau, die Tierzucht und die Fischerei. Die bosporanischen Städte waren wichtige Produktionszentren von berühmten, künstlerisch hergestellten Gefäßen aus Ton und Metall. Ganz hervorragend sind auch die Erzeugnisse der bosporanischen Ziseleure, Juweliere und Toreuten. Vermutlich wurde hier ein Teil des so genannten Goldes der Skythen von griechischen Handwerkern angefertigt. Diese Städte trieben einen lebhaften Handel mit Athen und mit anderen Städten Griechenlands. Die Hauptposten in der bosporanischen Ausfuhr nach Athen bildeten die Zerealien, Salzfische, Pökelfleisch, Sklaven u. a. Aus Athen bezogen die bosporanischen Städte Stoffe, Olivenöl, Wein, Gefäße, Luxusgegenstände, Hausgeräte, Werkzeuge und Waffen, Bücher, Arzneimittel u. a.

Niedergang und Herrschaft der Pontier[Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts v. Chr. begann die wirtschaftliche Schwächung des Bosporanischen Reiches, was sich auch auf die militärische Stärke des Reiches ungünstig auswirkte. Der Kampf gegen die Nomadenüberfälle wurde schwierig. Die Skythengefahr für das Bestehen des Reiches wurde so groß, dass Pairisades V. (ca. 125 v. Chr.–ca. 108 v. Chr.) auf seinen Thron verzichtete und die Macht Mithridates VI. von Pontus anbot. Diese Kapitulationspolitik der letzten Spartokiden rief einen Aufstand in den niedrigen Volksschichten hervor, worunter auch zahlreiche Sklaven waren, die mit den Skythen gemeinsame Sache machten. An der Spitze dieser Volksbewegung stand die skythische Bevölkerung von Pantikapaion unter der Anführung des Sklaven Saumakos (Sawmak). Pairisades wurde von den Aufständischen getötet. Der Aufstand wurde schließlich von den Truppen des Mithridates niedergeschlagen, wobei der Bosporanische Staat in das pontische Reich einverleibt wurde.

Vasall Roms[Bearbeiten]

Als der Macht Mithridates’ VI. im Jahr 63 v. Chr. von den Römern ein Ende gesetzt wurde, geriet das Reich in Abhängigkeit vom Römischen Reich. Die neue Blüte des Reiches gehört erst in das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Dieser wirtschaftliche Aufschwung steht im Zusammenhang mit der Stärkung der Handelsbeziehungen zu Kleinasien und den skythischen Stämmen.

Mit dem Tod des Sauromates II. (210/11), der über die Skythen und Sarmaten gesiegt hatte, begann aber der endgültige Niedergang des Reiches. Gefährlich wurden ihm vor allem die Plünderungszüge germanischer Stämme wie der Goten. Trotzdem existierte das Bosporanische Reich noch Anfang des vierten Jahrhunderts und unterhielt sogar weiterhin Beziehungen zu Rom, dessen Protektorat von den bosporanischen Königen weiterhin anerkannt wurde. Ein unübersehbares Anzeichen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs des Reiches ist dann die in den dreißiger bis vierziger Jahren des vierten Jahrhunderts unter König Rheskupris V. erfolgte Einstellung der Münzprägung, die der Bosporus neunhundert Jahre lang fast ohne Unterbrechung durchgeführt hatte.

Anscheinend hat das Bosporanische Reich aber nicht nur den Einbruch der Goten, sondern auch den Hunnensturm überstanden. Dies ergibt sich aus einer Inschrift eines Königs namens Douptounos, der bereits Christ war und wohl im 5. Jahrhundert regierte. Im sechsten Jahrhundert kamen die nicht von den Goten besiedelten Teile der Krim unter direkte byzantinische Herrschaft. Ein Königtum bestand zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Liste der Herrscher des Bosporanischen Reiches[Bearbeiten]

Die Herrscher des Bosporanischen Reiches
Name Jahr
Dynastie der Spartokiden
Spartokos I. 438/7–433/2
Satyros I. 433/2–389/8
Seleukos I. 433/2–393/2
Leukon I. 389/8–349/8
Gorgippos in Gorgippia
Pairisades I. 349/8–311/10
Spartokos II. 349/8–344/3
Apollonios 349/8–ca. 345
Satyros II. 311/10–310/09
Prytanis 310/09
Eumelos 310/09–304/3
Spartokos III. 304/3–284/3
Seleukos II. 304/3–?
Pairisades II. 284/3–ca. 245
Satyros III. 284/3–?
Spartokos IV. ca. 245–ca. 240
Leukon II. ca. 240–ca. 220
Hygiainon ca. 220–ca. 200
Spartokos V. ca. 200–ca. 180
Kamasarye Philoteknos (Regentin) ca. 180–ca. 160
Pairisades III. ca. 180–ca. 150
Pairisades IV. Philometor ca. 150–ca. 125
Pairisades V. ca. 125–ca. 108
Herrscher aus verschiedenen Häusern
Saumakos ca. 108–107
Mithradates I. Eupator ca. 108–63
Pharnakes II. 63–47
Mithradates II. 47–46
Asandros ca. 47–16
Dynamis ca. 21/20 v. Chr.–ca. 7/8 n. Chr.
Scribonius ca. 16/5
Polemon I. Eusebes ca. 15/4–ca. 8
Aspourgos Philorhomaios ca. 14/5–37/8
Gepaipyris 37/8–38/9
Polemon II. 37/38–41
Dynastie der Aspurgiden
Die Könige trugen seit Aspourgos, nachdem er von Kaiser Tiberius den Königstitel und das römische Bürgerrecht erhalten hatte, die Namen Tiberios Ioulios.
Mithradates III. 39/40–44/5
Kotys I. 45/6–68/9
Eunike (Mitregentin) 45/6–68/9
Rheskouporis I. 68/9–93/4
Sauromates I. 93/4–123/4
Kotys II. 123/4–132/3
Rhoimetalkes 132/3–153/4
Eupator 154/5–170/1
Sauromates II. 174/5–210/1
Rheskouporis II. 211/2–226/7
Kotys III. 227/8–233/4
Sauromates III. 229/30–231/2
Rheskouporis III. 233/4–234/5
Ininthimeus 234/5–238/9
Rheskouporis IV. 242/3–275/6
Pharsanzes 253/4–254/5
Sauromates IV. 275/6
Teiranes 275/6–278/9
Chedosbios (?) 279/80–285/6 (?)
Thothorses 285/6–308/9
Rhadamsadios 309/10–322/3
Rheskouporis V. 324/5–341/3
Douptounos oder Doiptounos 5. oder 6. Jahrhundert

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Georg Brandis: Bosporos 3. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,1, Stuttgart 1897, Sp. 757–789.
  • Christo Danoff: Bosporanum regnum. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 931–933.
  • Jochen Fornasier, Burkhard Böttger: Das Bosporanische Reich. Der Nordosten des Schwarzen Meeres in der Antike. Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-8053-2895-8 (Zaberns Bildbände zur Archäologie = Antike Welt. Sonderbd.).
  • Viktor Francevič Gajdukevič: Das Bosporanische Reich. 2. neubearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. Besorgt von Gottfried Janke. Akademie-Verlag, Berlin 1971.
  • David MacDonald: An Introduction to the History and Coinage of the Kingdom of the Bosporus. Including the Coinage of Panticapaeum (with „Appollonia“ and „Myrmecium“), Phanagoria, Gorgippia, Sindicus Limen or the Sindoi, Nymphaeum, Theodosia, and the Kings of the Cimmerian Bosporus. Classical Numismatic Group, Lancaster PA 2005, ISBN 0-9709268-2-0 (Classical Numismatic Studies 5).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bosporanisches Reich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

45.2637.04Koordinaten: 45° N, 37° O