Botschaft der Republik Bulgarien (Bonn)

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Ehemaliges Kanzleigebäude der bulgarischen Botschaft (2013)
Ehemaliges Gebäude der bulgarischen Handelsvertretung (2013)
Ehemalige Residenz der bulgarischen Botschaft, Am Arndtplatz 8 (2013)

Die Botschaft der Republik Bulgarien in der Bundesrepublik Deutschland (bis 1990 Volksrepublik Bulgarien) hatte von 1975 bis 1999 ihren Sitz im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg, mit einer Außenstelle bis 2012. Die ehemaligen Kanzleigebäude der Botschaft, errichtet 1974/75, lagen im Ortsteil Plittersdorf nahe dem Rheinufer an den Straßen Auf der Hostert (Hausnummer 6) und Am Büchel (Hausnummern 15/17). Im Zuge der Schließung der Außenstelle wurden sie verkauft und im Frühjahr 2014 abgebrochen.

Geschichte[Bearbeiten]

Villa Mönkemöller, erster Sitz der bulgarischen Botschaft in Bonn

Bulgarien und die Bundesrepublik Deutschland richteten auf Basis eines Abkommens vom 6. März 1964 gegenseitige Handelsvertretungen ein. In Frankfurt am Main bestand bereits eine inoffizielle bulgarische Handelsvertretung, die mit Inkrafttreten des Abkommens einen offiziellen Status als Regierungsbehörde erhielt.[1] Zum 1. April 1973 wurde die Handelsvertretung nach Bonn verlegt, wo sie sich in der 1904 erbauten Villa Mönkemöller (Mönkemöllerstraße 37[2]) im Ortsteil Dottendorf niederließ.[3][4][5][6] Nach der offiziellen Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern am 21. Dezember 1973 infolge des Beitritts der Bundesrepublik Deutschland zu den Vereinten Nationen[7] eröffnete Bulgarien eine Botschaft am Regierungssitz Bonn. Die Kanzlei der Botschaft nahm ihren Sitz am Standort der Handelsvertretung, die Konsularabteilung der Botschaft im Bad Godesberger Ortsteil Plittersdorf (Büchelstraße 17; heute Am Büchel[8]).

Im Vorfeld der Aufnahme diplomatischer Beziehungen begann die bulgarische Regierung mit Planungen für einen Neubau von Botschaftskanzlei und Handelsvertretung im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg, dem räumlichen Schwerpunkt der diplomatischen Vertretungen. Zu diesem Zweck erwarb Bulgarien 1974 ein entsprechendes Grundstück mit einer Größe von 2.500  im Ortsteil Plittersdorf. Mit dem Entwurf für die Neubauten wurde der bulgarische Architekt Georgi Mejdouretchki beauftragt. Der erste Spatenstich für die beiden neuen Botschaftsgebäude – jeweils eines für die Kanzlei und die Handelsvertretung – erfolgte im Juni 1974[9], sie nahmen Kosten in Höhe von 4,5 Millionen D-Mark in Anspruch. Für die bulgarischen Botschaftsmitarbeiter entstand 1978/79 an der Ecke Herderstraße/Am Arndtplatz im Godesberger Villenviertel ein Wohnblock („Bulgarenblock“) auf einer Grundstücksfläche von über 3.000 m², bestehend aus fünf Häusern mit 30 Wohnungen.[10] Als Residenz der Botschaft, Amts- und Wohnsitz des Botschafters, diente die dem Bulgarenblock unmittelbar benachbarte Villa Am Arndtplatz 8. Die Abteilung für konsularische Angelegenheiten der Botschaft war zuletzt (Stand: 1992) im Gebäude der Handelsvertretung untergebracht.[11]

Im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin (1999) zog die bulgarische Botschaft Mitte August 1999[12] dorthin um (→ Bulgarische Botschaft in Berlin). In Bonn wurde eine Außenstelle der Botschaft mit der Konsularabteilung belassen. Das Gebäude der Handelsvertretung sowie ein Großteil des Bulgarenblocks standen nach Abschluss des Umzugs leer.[13] Letzterer konnte Ende 2010 an eine Immobiliengesellschaft verkauft werden, die ihn entkernen und zu Eigentumswohnungen umbauen lässt. Das Unternehmen erwarb 2012 auch die ehemalige Botschaftsresidenz.[14] Die in Bonn verbliebene Außenstelle der Botschaft wurde Ende Juni 2012 geschlossen, Ende Juli die Nutzung der Residenz durch den örtlichen Botschaftsrat aufgegeben. Die vormaligen Gebäude von Botschaftskanzlei und Handelsvertretung sowie ein benachbartes Wohnhaus waren kurz zuvor in Privatbesitz veräußert worden und wurden im Frühjahr 2014 vollständig abgebrochen zugunsten einer bis Ende 2015 geplanten Neubebauung durch Wohnhäuser.[15][16][17][18][19][20]

Architektur[Bearbeiten]

Die ehemaligen bulgarischen Botschaftsgebäude bestanden aus einem viergeschossigen Kanzleigebäude (mit zurückgesetztem Dachgeschoss), gelegen auf der dem Rhein abgewandten Seite der Straße Auf der Hostert, sowie einem dreigeschossigen Gebäude der Handelsvertretung mit rückwärtigem Anbau an der Straße Am Büchel. Beide Gebäude sind in schlichten Formen gehalten und über eine Tiefgarage sowie eine Terrasse miteinander verbunden. In dem Kanzleigebäude befand sich auch ein Kinosaal. Die Geschossfläche der beiden Bauten beträgt etwa 3.000 m², wovon 895 m² auf die Handelsvertretung entfielen. Zu der Liegenschaft der Botschaft gehörte auch ein angrenzendes Mehrfamilienhaus mit einer Wohnfläche von rund 420 m², sodass sich eine gesamte Grundstücksfläche von 3777 m² ergab.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Wenzel: Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften, Bonn, 2. Auflage 2011, S. 50.
  • Hilda Ortiz Lunscken (Hrsg.); Hilda Ortiz Lunscken, Ingeborg Fischer-Dieskau (Fotos: Martin Krockauer): Pour Memoire. To Remind. Zur Erinnerung – Botschafterresidenzen am Rhein. Ortiz-Lunscken Publishers, Bonn 1999, ISBN 3-9806801-0-X, S. 168–169.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutschland Archiv, Band 7, Wissenschaft und Politik, 1974, S. 462.
  2. bis 1977 Lindenstraße 37
  3. Osteuropa, Band 24, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Deutsche Verlags-Anstalt, 1974, S. 586.
  4. Die Terrakotta-Statue weist den Weg in die Villa, General-Anzeiger, 8. September 1999
  5. Karl Heinz Jahnke: Sie Haben Nie Aufgegeben: Ettie Und Peter Gingold, Widerstand in Frankreich Und Deutschland, Pahl-Rugenstein Verlag, 1998, S. 78.
  6. Osteuropa, Band 24, Ausgabe 3; Band 24, Ausgaben 7-9, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Deutsche Verlags-Anstalt, 1974, S. 565.
  7. Ungarn, Beziehungen zu Deutschland, Auswärtiges Amt
  8. Quelle: Bundesanzeiger, Ausgaben 1–32, Bundesministerium der Justiz, 1977, S. 100.
  9. Deutsche Botschaft Sofia – 1900–1999
  10. Bulgaren-Block wird komplett saniert, General-Anzeiger, 16. Dezember 2010
  11. Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste der diplomatischen Missionen in der Bundesrepublik Deutschland, Stand: März 1992
  12. Bonner Rats- Informationssystem – Stellungnahme der Verwaltung (PDF), September 2006
  13. Bulgaren verkaufen Handelsvertretung in Bad Godesberg, General-Anzeiger, 12. Oktober 2010
  14. Bulgaren-Residenz in Bad Godesberg verkauft, General-Anzeiger, 21. Juli 2012
  15. Die Außenstelle verlässt Bad Godesberg, General-Anzeiger, 24. März 2012
  16. Auf die Botschaft folgen Wohnungen am Rhein, General-Anzeiger, 28. Juli 2012
  17. Noch 13 Ex-Botschaften in Bad Godesberg stehen leer, General-Anzeiger, 3. Oktober 2012
  18. Nachbarn informieren sich über die Zukunft des Botschaftsgeländes, General-Anzeiger, 14. Dezember 2013
  19. Abriss schreitet voran, General-Anzeiger, 26. März 2014
  20. Bulgarische Botschaft ist Geschichte, General-Anzeiger, 13. Mai 2014

50.6965567.167089Koordinaten: 50° 41′ 48″ N, 7° 10′ 2″ O