Boubou

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Reich verzierter Boubou.

Der große Boubou oder Bubu ist eine locker fallende, weite Bekleidung, die von Männern in Westafrika getragen wird, in etwas schmalerer Ausführung auch in Nordafrika. In den einzelnen Volksgruppen ist er unter verschiedenen Namen bekannt, zum Beispiel:

Agbada (Yoruba, Dagomba), Babban Riga (Hausa), K’sa oder Gandora (Tuareg) Darra’a (Maghrebinisches Arabien), Grand Boubou (in verschiedenen frankophonen westafrikanischen Ländern). Der senegalesische Boubou ist eine Abart des großen Boubou und wird auch als Kaftan bezeichnet.

Der große Boubou ist heute die formelle Herrenbekleidung in westafrikanischen Ländern. Er wird vor allem zu religiösen islamischen Anlässen wie dem Eid und dem Freitagsgebet in der Moschee und zu Familienfeiern wie Hochzeiten oder Beerdigungen getragen. Besonders kostbar gearbeitete Boubous gelten als Statussymbole der Familie und werden über Generationen weitervererbt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der große Boubou in formeller Ausführung besteht aus drei Teilen: Einer an den Knöcheln gebundene Hose, Sokoto genannt, einem Oberteil und einem weiten ärmellosen Übergewand mit tiefer, knopfloser Passe. Dieses ist mit aufwändig gearbeiteten Stickereiborten in traditionellen Mustern versehen. Die drei Teile haben in der Regel die gleiche Farbe und sind traditionell aus Seidenstoff hergestellt; heutzutage werden sie auch aus Baumwolle oder synthetischen Stoffen gefertigt.

Für das Tragen des Boubou gelten bestimmte Regeln, die auf dem islamischen Gebot der Vermeidung von Unreinheit beruhen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Überwurf keinesfalls den Boden berühren darf, dementsprechend muss er beim Gehen oder Hinsetzen in weitem Fall über die Schulter drapiert werden.

Ursprung und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Boubou reichen zurück bis ins 8. Jahrhundert. Anfangs bekleideten sich damit nur Stammeshäuptlinge der Yoruba in Nigeria, der Dagomba in Ghana, der Mandinka in Gambia, der Susu in Guinea und der Temne in Sierra Leone. Von dort verbreitete er sich im Zuge der Wanderungen von Halbnomadenvölkern wie der Dyula und Hausa durch ganz Westafrika.

Heutzutage wird der große Boubou vorwiegend von Muslims getragen. Daneben erfreut er sich zunehmender Beliebtheit als modisches Accessoire auch bei in Westafrika lebenden Christen.

Varianten für Frauen[Bearbeiten]

Der große Boubou ist ein den Männern vorbehaltenes Kleidungsstück, jedoch gibt es auch Abarten für Frauen, die jedoch in anderer Form getragen werden. Regelrechte weibliche Ausführungen gibt es in Mali, Senegal, Gambia und Guinea, sie werden M’boubou genannt. In anderen Regionen Westafrikas existiert eine weibliche Boubou-Variante, die als Kaftan bezeichnet und mit einem Schleier getragen wird.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerstin Bauer: Kleidung und Kleidungspraktiken im Norden der Côte d'Ivoire. Geschichte und Dynamiken des Wandels vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. LIT, Münster 2007, ISBN 978-3-8258-0301-8 (Zugleich: Basel, Universität, Dissertation, 2005).