Bouchard-Arthrose

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Klassifikation nach ICD-10
M15.2 Bouchard-Knoten (mit Arthropathie)
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Der Begriff Bouchard-Arthrose bezeichnet eine arthrotische Veränderung der Fingermittelgelenke (proximale Interphalangeal Gelenke - PIP). Eine genetische Ursache wird diskutiert.[1] Die Bouchard-Arthrose ist sehr häufig und findet sich bei älteren Menschen in etwa 18 %. Sie ist aber seltener als die Heberden-Arthrose, die die Fingerendgelenke betrifft.[2]

Klinik[Bearbeiten]

Röntgenbild von Fingergelenkarthrosen (den Befall von Endgelenken bezeichnet man als Heberden-Arthrose, den Befall von Mittelgelenken als Bouchard-Arthrose). Links im roten Kasten ein unauffälliges Bild.

Der Lokalbefund ist dem der Heberden-Arthrose vergleichbar mit spindelförmiger Schwellung und Bewegungseinschränkung. Hinzu können Achsenabweichungen, Schmerzen, Instabilität und Knötchenbildung kommen. Radiologisch lassen sich Gelenkspaltverschmälerung, Achsenfehlstellungen und eventuell Osteophyten finden. Im Regelfall sind mehrere Fingermittelgelenke betroffen.

Differentialdiagnose[Bearbeiten]

Bei der rheumatoiden Arthritis sind die Fingermittelgelenke ebenfalls häufig betroffen, aber meist zusammen mit den Grundgelenken, und die Endgelenke in der Regel ausgespart. Klinisch und radiologisch unterscheiden sich die Formen deutlich. Auch bei der Psoriasisarthritis können die Mittelgelenke entzündet sein, es findet sich dann oftmals eine strahlförmige Beteiligung aller drei Gelenke eines Fingers.

Behandlung[Bearbeiten]

In den seltensten Fällen ist eine Behandlung notwendig, da nur wenige Mittelfinger-Arthrosen schmerzhaft oder instabil werden. In der Regel genügt dann der Einsatz kleiner Schienen oder eines Tapeverbandes, selten kann eine Cortisoninjektion in das Gelenk (intraartikulär) sinnvoll sein.

Operative Therapie[Bearbeiten]

Ein chirurgischer Eingriff ist nur sehr selten bei anhaltenden Schmerzen und Instabilität notwendig. Neben einer Neurektomie zur Denervierung besteht die Möglichkeit einer Arthrodese, die am Zeige- und Mittelfinger gute Ergebnisse bringt und wegen der Versteifung in Streckstellung wenig behindert und eine gute Greiffunktion bewahrt, während die bei einer Versteifung notwendige Beugestellung an Ring- und Kleinfinger deutlich störender und behindernder wirkt.

Seit den Siebziger Jahren werden zudem verschiedene Endoprothesen für das Mittelgelenk angeboten, sowohl biegsame Silastik-Gelenke, als auch gekoppelte Scharniergelenke und in neuerer Zeit anatomische Oberflächenersatzprothesen. Nur wenige Spezialisten verfügen über eine ausreichende Erfahrung mit diesen Prothesen, auch gibt es nur weniger wissenschaftliche Nachuntersuchungen und keine Datensammlungen in den Endoprothesenregistern. Obwohl die Greiffunktion deutlich verbessert wird, deutlich weniger Schmerzen bestehen, verbessert sich das Bewegungsausmaß nicht wesentlich. Jedoch treten in bis zu 27,5 % postoperative Komplikationen auf, und in bis zu 12,5 % kommt es zu einer frühzeitigen Lockerung der Prothese. Langzeitstudien fehlen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Baenkler H.-W.: Innere Medizin, Thieme Verlag, 2001, S.1677, ISBN 3-13-128751-9, hier online
  2. Wirth C. J., e.a.: Orthopädie und orthopädische Chirurgie : 4. Ellenbogen, Unterarm, Hand, Thieme Verlag, 2003, S.569, ISBN 3-13-126211-7, hier online
  3. J. Adams, C. Ryall, A. Pandyan, C. Metcalf, M. Stokes, S. Bradley, D. J. Warwick: Proximal interphalangeal joint replacement in patients with arthritis of the hand: A meta-analysis. Journal of Bone and Joint Surgery, Britische Ausgabe, 2012, Band 94-B, Seiten 1305–1312
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