Bourzey

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Bourzey
Burg Bourzey, Westseite

Burg Bourzey, Westseite

Alternativname(n): Qalaʿat Marza, Qalaʿat Barzuya, Rochefort, Lysias
Entstehungszeit: um 1103
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Geographische Lage 35° 39′ 0″ N, 36° 15′ 0″ O35.6536.25660Koordinaten: 35° 39′ 0″ N, 36° 15′ 0″ O
Höhe: 660 m
Bourzey (Syrien)
Bourzey
Burg Bourzey, Burgberg von Osten
Burg Bourzey, Vorburg
Burg Bourzey, Tor zur Kernburg

Bourzey (arabisch ‏قلعة برزويا‎, DMG Qalaʿat Barzūyā, auch ‏قلعة مرزة‎ / Qalaʿat Marza oder ‏قلعة ميرزا‎ / Qalaʿat Mīrzā; französisch auch Rochefort; latein: Lysias) ist eine Kreuzfahrerburg in Syrien im Gouvernement Latakia. Die Burgruine wurde im Wesentlichen durch die Kreuzfahrer erbaut. Sie war der letzte vorgeschobene Verteidigungsposten der Kreuzfahrer im Osten am Rand des Ghab-Tales am Orontes.

Lage[Bearbeiten]

Bourzey liegt etwa 25 Kilometer südlich von Dschisr asch-Schugur in der Ebene des Ghab auf einem Vorberg am Osthang des Dschebel Aansariye, der hier von seiner höchsten Erhebung (nahe Slinfah) 1000 Meter steil abfällt.

Am Fuße des Burgberges stehend erschließt sich dem Besucher nicht sofort, wie die Burg zugänglich ist. Der Aufstieg ist über einen Eselspfad an der nördlichen Seite den Berg möglich. Es sind 320 Höhenmeter zu überwinden. Vom Hochplateau mit dem verlassenen Dorf hält man sich bei den letzten 50 Höhenmetern südlich.

Im Augst 2010 wurde eine Strasse gebaut, die bis zu dem mittelalterlichen Dorf hinauf führt. Von dort muss man ca. 50 Höhenmeter überwinden um in die Ruine zu gelangen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Burgberg spielte schon ab der seleukidischer Zeit unter dem antiken Namen Lysias eine Rolle zur Sicherung der Verbindung zwischen den Städten Laodicea (Latakia) und Apamea. Der römische Feldherr Pompeius vertrieb um 65 v. Chr. jüdische Freischärler aus der Befestigung.

Später erbauten die Byzantiner ein Kastell auf dem Berg. 948/949 nahm der Befehlshaber Abu al-Hagar im Auftrag des Emirs von Aleppo, Saif ad-Dawla die Burg ein. 975 eroberte der byzantinische Feldherr Tzimiskis die Burg von den Hamdaniden aus Aleppo zurück. Nach der Schlacht von Mantzikert 1071 gewannen die Muslime erneut die Oberhand in Nordsyrien. Al-Dawla Aqsunqur, seldschukischer Gouverneur von Aleppo konnte die Burg im Mai 1090 in seinen Besitz bringen. Ungefähr 1103 nahmen Kreuzfahrer aus dem Fürstentum Antiochia die Befestigung ein. Anhand von Vergleichen in Bautechnik und -stil lässt sich feststellen, dass die heute noch vorhandenen Anlagen in der ersten Phase des Burgenbaus (1100–1140) durch die Kreuzfahrer erbaut wurden.

Am 23. August 1188 nahm Saladin die Burg bei seinem Feldzug nach der Schlacht bei Hattin ein. Seit dem 20. August 1188 hatte er die Burg belagert. Sie hatte den Ruf unbezwingbar zu sein, weil es unmöglich war, Belagerungsgeräte in die Nähe ihrer Mauern zu bringen. Es gelang Saladin wirklich nicht, die Maschinen in wirksame Entfernung zu bringen. Daraufhin ließ er seine Truppen in drei Einheiten aufteilen, die in aufeinander folgenden Wellen immer wieder gegen die Westmauer anrannten. So erschöpfte er die schwachen Kräfte der Verteidiger. Schließlich kapitulierte die Garnison unter dem Druck der militärischen Stärke Saladins. Demoralisiert wurde die Burgbesatzung angeblich auch dadurch, dass die Schwägerin des Burgkommandanten die Geheimnisse der Franken fortlaufend an Saladin verriet.

Dauerhaft konnte Saladin die Burg nicht unter seiner Kontrolle behalten. Bald war die Burg wieder von den Kreuzfahrern besetzt und spielte eine wichtige Rolle im Verteidigungssystem des Fürstentums Antiochia.

Anlage[Bearbeiten]

Die Burg ist frei zugänglich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Mesqui: Forteresses Médiévales au proche-orient, Quatre châteaux des Hospitaliers au nord du comté deTripoli perso.wanadoo.fr/jmsat.mesqui/1-Hospitaliers/ pdf/avant_propos.pdf
  • Ross Burns: Monuments of Syria. I. B. Tauris Publishers. London/ New York, 1999
  • Baedeker Syrien. Verlag Karl Baedeker. 2000
  • Walter Zöllner: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften. Berlin 1983
  • Wolfgang Müller-Wiener: Burgen der Kreuzritter im heiligen Land. Deutscher Kunstverlag. München 1966
  • Robin Fedden, John Thompson: Kreuzfahrerburgen im Heiligen Land
  • Th. E. Lawrence: Crusader Castles. Revised edition. Oxford 1989
  • Hugh Kennedy: Crusader castles. Cambridge University Press, 1995
  • Thomas Biller: Burgen in den Kreuzfahrerstaaten- vom Adelssitz zur „Festung“ In: Burgen und Schlösser in Sachsen Anhalt. Heft 1. Halle/Saale 1992

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bourzey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien