Bous (Saar)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bous
Bous (Saar)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bous hervorgehoben
49.2758333333336.7980555555556229Koordinaten: 49° 17′ N, 6° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: Saarlouis
Höhe: 229 m ü. NHN
Fläche: 7,61 km²
Einwohner: 6993 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 919 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 66353–66359
Vorwahl: 06834
Kfz-Kennzeichen: SLS
Gemeindeschlüssel: 10 0 44 122
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Saarbrücker Str. 120
66359 Bous
Webpräsenz: www.bous.de
Bürgermeister: Stefan Louis (parteilos)
Lage der Gemeinde Bous im Landkreis Saarlouis
Frankreich Frankreich Regionalverband Saarbrücken Landkreis Neunkirchen Landkreis St. Wendel Landkreis Merzig-Wadern Rehlingen-Siersburg Wallerfangen Überherrn Dillingen/Saar Saarlouis Wadgassen Bous (Saar) Ensdorf (Saar) Schwalbach (Saar) Saarwellingen Nalbach Schmelz (Saar) LebachKarte
Über dieses Bild

Bous [buːs] ist eine Gemeinde im Landkreis Saarlouis, etwa 15 km nordwestlich von Saarbrücken gelegen.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt am südlichen Ausgang des Saarlouiser Beckens am rechten Ufer der Saar.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Schwalbach, Völklingen, Wadgassen, und Ensdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Bous wurde im Jahre 952 erstmals erwähnt, auch aus römischer Zeit wurden Spuren gefunden: 1836 die Reste einer römischen Mühle an der Stelle der heutigen Bommersbacher Mühle; um 1900 beim Bau der evangelischen Kirche die Reste eines römischen Landhauses. Diese Spuren lassen sich jedoch keinem genauen Datum zuordnen. Urkundlich belegt ist die Schenkung eines Gebietes zwischen Saar und Bous und der Mühle an das Kloster Wadgassen. Das halbe Dorf wurde 1489 dem Kloster übereignet. 1548 wurde das Dorf samt Bewohnern an das Kloster verkauft. Erst mit der französischen Revolution endete die Herrschaft der Mönche. Von Bedeutung für die frühe Besiedlung ist die Lage nahe einem wichtigen Flussübergang. Zwei Römerstraßen führten über die Saar bis nach Metz. Eine Fähre gab es bis 1903. Eine der wenigen Eisenbahnbrücken über die Saar verlief unweit der heutigen Autobrücke. Die Eisenbahn kam 1858, das Mannesmannröhren-Werk 1887. Anfangs beschäftigte es 280 Arbeiter. Am 4. November 1918 kam es in einem Reisezug auf der Saarstrecke zwischen Völklingen und Bous zu einer Explosion und einem Brand. Dabei starben 18 Menschen, 14 weitere wurden verletzt.[2]

Am 1. Januar 1974 wurde Bous/Saar aufgrund einer Gebietsreform zunächst Schwalbach/Saar zugeordnet.[3] Die Bürger konnten dies jedoch durch ihre massiven Proteste rückgängig machen. Seit dem 1. Januar 1982[3] ist Bous mit 7,61 km² die kleinste selbstständige Gemeinde im Saarland.[4][5]

Am 12. Oktober 1982 wurde der Gemeindename offiziell von Bous/Saar in Bous geändert.[3]

Name[Bearbeiten]

Der Name ist vermutlich keltischen Ursprungs und bezieht sich auf die Lage der Gemeinde zwischen zwei Hügeln, in frühen urkundlichen Erwähnungen ist häufig vom Ort Bouza die Rede. Somit hat der Name trotz des französisch scheinenden „ou“ seinen Ursprung nicht im romanischen Sprachraum. Dies hielt die Nationalsozialisten jedoch nicht ab, den Namen am 22. August 1935 in „Buß (Saar)“ zu ändern, dies wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig gemacht.

Dialekt[Bearbeiten]

Die in Bous gesprochene Mundart gehört zu den moselfränkischen Dialekten. Da jedoch die Nachbarstädte Püttlingen und Völklingen bereits zum rheinfränkischen Sprachraum gehören, gibt es auch Vermischungen. Die Lage an der sogenannten dat/das-Linie führt dazu, dass sich der Dialekt von dem dieser Nachbargemeinden ungewöhnlich stark unterscheidet.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 55,5 % (-1 Pp.)
 %
40
30
20
10
0
31,9 %
23,6 %
17,5 %
11,7 %
10,1 %
5,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-12,4 %p
-11,4 %p
+17,5 %p
+0,2 %p
+0,8 %p
+5,2 %p
Das Rathaus von Bous

Bous gehört zu den am höchsten verschuldeten Gemeinden des Saarlandes, zum größten Teil eine Folge der wegbrechenden Industrie- und Händlerstruktur. Größere Firmenansiedlungen erfolgten keine in den letzten Jahren.

Öffentliche Einrichtungen der Gemeinde (Schwimmbäder) konnten nicht erhalten werden, diese Einschnitte beeinflussen die politische Auseinandersetzung in Bous.

Bei den Gemeinderatswahlen 2009 ergab sich folgendes Ergebnis:

CDU SPD Linke FWG GRÜNE FDP Gesamt
2009 9 7 5 3 2 1 27
  • Ergebnis der Direktwahl vom 23. Januar 2005:
    • Wahlbeteiligung: 66,7 %
      • Stefan Louis (parteilos): 50,24 %
      • Erich Wentz (SPD): 28,66 %
      • Jürgen Manz (CDU): 17,45 %
      • Marius Hocke (FWG): 3,65 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1960–1964: H. Luxenburger †, CDU
  • 1964–1973: Johann „Hennes“ Wagner †, SPD
  • 1974–1982: Georg Fleck, CDU, (Gemeinde Schwalbach (Saar))
  • 1982–Juni 1982: Johann „Hennes“ Wagner †, SPD, als Bürgermeisterbeauftragter
  • Juli 1982–1987: Hans Bernardi †, SPD
  • 1987–2005: Erich Wentz †, SPD
  • seit 2005: Stefan Louis, parteilos

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

FrankreichFrankreich Quetigny in Frankreich
MaliMali Koulikoro in Mali

Wappen[Bearbeiten]

Im oberen Teil des inneren Wappens ist die Saar zu sehen. Der untere Teil stellt die drei Hügel Blasenberg, Griesberg und Weizenhübel dar. Das Wappen wurde der Gemeinde anlässlich ihres 1000-jährigen Jubiläums 1952 verliehen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Heute zeichnet sich die Gemeinde durch eine sehr gute Infrastruktur und zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten aus. Der größte Industriebetrieb, dem der Ort auch seinen Aufstieg zu Anfang des 20. Jahrhunderts verdankte, die Mannesmannröhren-Werke (RBS), wurde in den 1990er Jahren stillgelegt. Lediglich ein Elektrostahlwerk, das seit 1998 zur Georgsmarienhütte GmbH gehört, hält noch die montan-industrielle Tradition aufrecht. Ein weiterer überregional bedeutender Standort ist ein Zentrallager von Aldi-Süd.

Kultur und Freizeit[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Chausseefeschd[Bearbeiten]

Die kath. Kirche St. Peter, ein typisches Motiv

Neben zahlreichen kleineren Festen war von 1978 bis 2003 das Bouser Chausseefeschd fester Bestandteil des kulturellen Lebens. Mit Ausnahme einiger Jahre, in denen das Fest in Nebenstraßen stattfinden musste, da der damalige CDU-Landrat Riotte die Genehmigung nicht erteilte, wurde jeweils am letzten Augustwochenende (bzw. im vorletzten, wenn das Monatsende genau auf den 30./31. fiel) die Bundesstraße 51 voll gesperrt. Bis zu 70.000 Menschen bevölkerten von Freitag- bis Sonntagabend die „Chaussee“ der Gemeinde. Das Chausseefeschd findet aus finanziellen Gründen nicht mehr statt.

Seit 2004 gibt es mit dem Bouser Oktoberfest eine neue Großveranstaltung in der Gemeinde. Veranstaltungsort ist ein Festzelt auf dem Gelände des Einkaufscenter Bous.

Bouser Maisause[Bearbeiten]

Seit 2006 veranstaltet die „Aktionsgemeinschaft Standort Bous“ die Bouser Maisause, ein Seifenkistenrennen. Am ersten Maiwochenende werden die Hohl-, Winkel- und Kirchstraße gesperrt und als Rennstrecke genutzt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Seifenkistenrennen wird bei der Bouser Maisause in zwei Klassen gestartet: Die Klasse der Bouser Boliden (mit Mülltonnenrädern) sowie die offene Klasse, in der die Konstrukteure eine große Freiheit haben. Das Alleinstellungsmerkmal dieser Veranstaltung ist, dass das 40 Mannschaften zählende Teilnehmerfeld sich ausschließlich aus Bouser Teams zusammensetzt. Kinder ab 6 Jahren nehmen mit ihren Bobbycars an einem eigenen Wettbewerb teil. Seit dem Jahr 2008 findet die Bouser Maisause aus finanziellen und organisatorischen Gründen nur noch alle zwei Jahre statt.

HoKuTa[Bearbeiten]

In den ersten Novemberwochen findet jedes Jahr in der Südwesthalle eine Hobby-Kunst-Ausstellung statt. Der Veranstalter ist der örtliche Kulturverein hokuta e. V..

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das künstlerisch bedeutendste Bauwerk in Bous ist das ehemalige Redemptoristenkloster Heiligenborn, das in den Jahren 1949–1952 (Bauwerk) beziehungsweise 1953–1960 (Inneneinrichtung) fast vollständig von dem ungarndeutschen Künstler und Architekten György Lehoczky entworfen und gebaut wurde.

Das Kloster befindet sich an der Stelle einer sagenumwobenen heiligen Quelle. Dort begannen die Nationalsozialisten nach 1940 einen Thingplatz mit einem angeschlossenen HJ-Heim zu errichten. Teile des Rohbaus stammen aus diese Zeit, der im Kellergeschoss befindliche Grundstein des Klosters Heiligenborn trägt noch heute das Hakenkreuz. Das Kloster ist seit 2009 geschlossen.

In der Saarbrücker Straße, Abzweigung Brücke Richtung Wadgassen (Ort), befindet sich das ehemalige Forsthaus der Abtei Wadgassen. Es ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude aus dieser Zeit. Ein zweites Relikt aus der Wadgasser Abteizeit ist das Barocke Steinkreuz mit prachtvoller Basis am Friedhof Bous.[6]

siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Bous

Schulen[Bearbeiten]

Bous hat neben einer Grundschule auch eine weiterführende Schule (Erweiterte Realschule), die auch von zahlreichen Schülern aus den umliegenden Städten und Gemeinden genutzt wird.

Außerdem existieren zwei herkömmliche Kindergärten sowie ein Kinderhaus, das gemeinsam von behinderten und nichtbehinderten Kindern besucht wird.

Kino[Bearbeiten]

Bous ist eine der letzten kleinen Gemeinden im Saarland, in der es noch ein Kino gibt. Das Thalia wurde 1957 eröffnet und seither jedoch mehrfach modernisiert, ohne seinen Wirtschaftswundercharme einzubüßen. Technisch befindet es sich auf der Höhe der Zeit. Das Kino hat 141 Plätze und bietet als eines von lediglich zwei Kinos im Saarland Service am Platz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bous (Saar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Saarland.de – Fläche und Bevölkerung – Stand: 31.12.2012 (Basis Zensus 2011) (PDF; 0,02 MB) (Hilfe dazu)
  2. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 72.
  3. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 808.
  4. Saarbrücker Zeitung vom 26. Februar 2010
  5. Geschichtliches der Gemeinde Bous auf www.bous.de; abgerufen am 3. Oktober 2010
  6. http://museum.academia-wadegotia.de/synapsecore.php5/noSidebar/synWiki/Friedhofskreuz museum. academia wadegotia
  7. http://www.st-peter-bous.de/NEU/petruspdf/2007/petrus06-07.pdf

Literatur[Bearbeiten]

  • Brenner, Traudl: Karge Himmelsfeste war Lehoczkys erster Paukenschlag. In: Saarbrücker Zeitung v. 24./25. Mai 2008 S. E 1 (Ost)