Bouzonville

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bouzonville (Begriffsklärung) aufgeführt.
Bouzonville
Wappen von Bouzonville
Bouzonville (Frankreich)
Bouzonville
Region Lothringen
Département Moselle
Arrondissement Boulay-Moselle
Kanton Bouzonville
Koordinaten 49° 18′ N, 6° 32′ O49.2919444444446.5344444444444200Koordinaten: 49° 18′ N, 6° 32′ O
Höhe 192–310 m
Fläche 13,90 km²
Einwohner 4.077 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 293 Einw./km²
Postleitzahl 57320
INSEE-Code

Die Nied in Bouzonville

Bouzonville (deutsch Busendorf, lothringisch Busendroff) ist eine französische Gemeinde mit 4077 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Moselle in der Region Lothringen. Sie gehört zum Arrondissement Boulay-Moselle und ist Hauptort des Kantons Bouzonville.

Geografie[Bearbeiten]

Die Kleinstadt Bouzonville liegt am Ufer der Nied im Niedland (Pays de Nied), etwa 18 Kilometer westlich von Saarlouis und 30 Kilometer östlich von Thionville.

Zu Bouzonville gehören die Ortsteile Heckling, Benting und Aidling.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wird als Buosonis villa erstmals erwähnt. Der Namensgeber des Ortes, Boson, ein Verwandter Kaiser Ludwigs des Frommen, hatte sich hier im 9. Jahrhundert einen Landsitz errichten lassen.[1] Der deutsche Name taucht 1365 als Büsendorff auf. Seit 1766 gehört Bouzonville zum Königreich Frankreich. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871/1871 und dem darauf folgenden Frieden von Frankfurt am 10. Mai 1871 gehörte Bouzonville als Ort im Reichsland Elsaß-Lothringen zum neugegründeten Deutschen Reich. Durch den Versailler Vertrag wurde Bouzonville vom Deutschen Reich abgetrennt. In den Jahren 1926-1939 wurde die Umgebung durch den Bau der französischen Maginot-Linie geprägt. Ab dem Jahr 1940 bis zur alliierten Rückeroberung im Jahr 1944 war es wieder deutsch besetzt und gehörte zum Gau Westmark.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 3306 3763 4232 4285 4148 4117 4178

Sehenswertes[Bearbeiten]

Ehemalige Klosterkirche Heilig Kreuz (Sainte Croix)[Bearbeiten]

Gründung

Die Abteikirche befindet sich im Niedtal auf einer Anhöhe, die sanft zum Fluss hin abfällt. Archäologische Funde lassen auf eine Siedlerstelle der gallorömischen Epoche schließen. An der Stelle des frühmitteltalterlichen Landsitzes des Namensgebers des Ortes, Boson, wurde um das Jahr 1030 eine Benediktinerabtei gegründet.

Hl.-Kreuz-Stiftung

Die Klostergründer Graf Adalbert II. von Metz (* vor 974, † 1033 in Bouzonville) und seine Gemahlin Judith übergaben bei der Stiftung dem neugegründeten Kloster einen Span vom Kreuz Christi als Reliquie, den Graf Adalbert anlässlich einer Pilgerfahrt ins Heilige Land erworben hatte. Somit wurde die Heilig-Kreuz-Kirche des Klosters, die am 31. Januar 1033 durch den Bischof von Metz Dietrich II. von Luxemburg geweiht worden war, bald zu einem religiösen Zentrum und einem gesuchten Wallfahrtsziel der Region an Nied und Saar.

Grablege des Hauses Lothringen

Graf Adalbert wurde im Chor der Abteikirche beigesetzt, während seine Gemahlin Judith im Kloster bestattet wurde. Deren beider Sohn Gerhard IV. († 1044/1045) wurde neben seinem Vater Adalbert bestattet. Gerhards Gemahlin Gisela ruht in der südlichen Seitenkapelle, die dem heiligen Petrus geweiht wurde. Die Söhne von Gerhard und Gisela, Adalbert und Gerhard begründeten die herzogliche Dynastie Lothringen (heutige Dynastie Habsburg-Lothringen). Somit kann die Abteikirche Hl. Kreuz als erste Nekropole der herzoglichen Dynastie Lothringen gelten.

Zerstörungen

Die Klosterkirche wurde im Jahr 1340 während der Kämpfe zwischen dem Bischof von Metz, Adhemar von Monteil, und dem Herzog Rudolf von Lothringen zerstört. Unmittelbar nach der Zerstörung wurde der gotische Wiederaufbau auf den Grundmauern der Klosterkirche begonnen. Der gotische Chorbereich wurde im Jahr 1345 abgeschlossen, worauf der Schlussstein im Gewölbe des Chores mit der entsprechenden Jahreszahl und einer Darstellung des gekreuzigten Christus mit Abt und Mönch hinweist. Der gotische Kirchenbau wurde insgesamt noch vor dem Ende des 14. Jahrhunderts beendet.

Hl. Kreuz, Bouzonville, Barocke Klostergebäude am Kirchvorplatz

Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche mehrmals ausgeplündert und teilzerstört. Einem Brand im Jahr 1684 fielen die Dächer der Kirche und die der drei Türme zum Opfer. Beim Wiederaufbau wurde das Klostergebäude größenmäßig verdoppelt und der Nordflügel wurde erneuert. Der Hauptturm erhielt die heutige barocke ("welsche") Bedachung. Die Bauarbeiten zogen sich bis zum Jahr 1691 hin, worauf die Schlusssteine der Gebäude hindeuten.

In der Französischen Revolution wurde die Klosterkirche in einen "Temple de la Raison" (Tempel der Vernunft) umgewandelt, die Hl.-Kreuz-Reliquie als Symbol des überkommenen Ancien Régime mit seinem "Bündnis von Thron und Altar" zeremoniell verbrannt und das Kloster zwangsweise aufgelöst. Die Kirche diente dann später auch als Heuspeicher und Schmiede. Im Jahr 1912 erhielt die Pfarrei eine neue Reliquie. Im Jahr 1979 wurde die in den Ausschreitungen der Französischen Revolution zerstörte Kreuzigungsdarstellung des Eingangstympanons wieder restauriert. Zwei Flügel des Kreuzganges und das Konventsgebäude haben sich bis heute erhalten.

Kirchengebäude

Die Kirche ist eine querhauslose gotische Pseudo-Basilika mit offener Vorhalle. Der Turm erhielt in der Barockzeit eine welsche Haube. Das Chorgestühl mit figürlichen Schnitzereien entstammt der Barockzeit. Der Chorabschluss der Kirche verfügt über zwei für Lothringen typische Chorflankentürme. Das Mittelschiff ist 17 m hoch, die Seitenschiffe erreichen eine Höhe von 10 m. In den Blattkapitellen der Säulen des Triumphbogens erscheinen Menschen und Tiere. Die Schlusssteine der Gewölbe zeigen neben dem Osterlamm mehrere Adels- und Abtswappen.

Kirchenausstattung

Die Kirche enthält trotz der zahlreichen Zerstörungen der vergangenen Zeiten noch historische Ausstattungsstücke wie z. B. eine Kreuzigungsdarstellung aus dem 15. Jahrhundert in der Südapsis, eine Statue des hl. Benedikt von Nursia aus dem 17. Jahrhundert im Chor sowie das Chorgestühl mit figürlichen Schnitzereien aus der Barockzeit (Ende 18. Jahrhundert). Die modernen Ausstattungsstücke im Chorbereich und der Kreuzweg stammen aus dem Jahr 1985 und thematisieren Szenen aus dem Buch Exodus (Bildhauer Claude Michel):

Die Orgel wurde von Orgelbauer Marc Garnier aus Morteau im Jahr 1979 hergestellt und im Jahr 1995 erweitert. Die Kirchenfenster wurden ab dem Jahr 1952 vom Atelier Thomas in Valence angefertigt.

Hl. Kreuz, Bouzonville, Apsisfenster

Die Kirchenfenster der Apsis zeigen:

Die St. Petruskapelle (südliche Seitenkapelle) thematisiert die Geschichte der Gründung der Klosterkirche:

Hl. Kreuz, Bouzonville, Marienkapelle

Die Marienkapelle (nördliche Seitenkapelle) thematisiert das Marienleben und die marianische Frömmigkeit der Zeit der Fensterentwürfe in der Mitte des 20. Jahrhunderts:

Ein weiteres Kreuz in der Kirche wurde im Jahr 1898 von Pilgern aus Jerusalem nach Bouzonville gebracht und am Ostermontag 1899 durch den Metzer Bischof Franz Ludwig Fleck geweiht.

Hl. Kreuz, Bouzonville, Restaurierungsarbeiten an den Chorflankentürmen der Kirche

Die baufällig gewordene Apsis wurde in den Jahren 2006-2009 durch die Spenden des Vereins "Autour de l´abbatiale" und Finanzhilfen der Zivilgemeinde Bouzonville und des Generalrates der Region Mosel aufwendig renoviert. Auch die Bedachung der Türme aus dem Jahr 1957 wurde dabei in altdeutscher Schieferdeckung erneuert und mit Balusterknäufen geschmückt. Die Kirche wurde am 8. September als historisches Monument staatlich anerkannt. [4][5]

Abteikirche Sainte-Croix[Bearbeiten]

Partnerschaft[Bearbeiten]

Seit 1979 besteht eine Gemeindepartnerschaft zur benachbarten saarländischen Gemeinde Rehlingen-Siersburg.

Rathaus (Mairie) von Bouzonville

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Louis Hackspill (1871-1945), Abgeordneter
  • Max Stiff (1890−1966), Landrat in Hildesheim von 1922 bis 1925, Landrat in Münster von 1929 bis 1933

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Bouzonville

Der Bahnhof Bouzonville liegt an der Bahnstrecke Völklingen–Thionville und der Bahnstrecke Dillingen–Bouzonville.

Literatur[Bearbeiten]

Nicolas Dicop, Curé de Veckring-Buding, Membre titulaire de l'Académie Nationale de Metz : "Bouzonville et son Abbaye - La belle histoire d'une Abbaye lorraine" (Busendorf und seine Abtei - Die schöne Geschichte einer lothringischen Abtei), Ed. Le Lorrain - Metz, 1978

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bouzonville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Anhäuser: Lothringen, Zwischen Vogesen und Champagne, an Maas und Mosel, Köln 1998, S. 79.
  2. Uwe Anhäuser: Lothringen, Zwischen Vogesen und Champagne, an Maas und Mosel, Köln 1998, S. 44.
  3. Gottfried Maron: Pius XII., in: Theologische Realenzyklopädie. Band 26, 4. Auflage. 1996, S. 675 f.
  4. Jean Pierre Proveur: Abbatiale Sainte Croix Bouzonville, Besichtigungshinweise, Bouzonville 2009.
  5. Uwe Anhäuser: Lothringen, Zwischen Vogesen und Champagne, an Maas und Mosel, Köln 1998, S. 79.