Boxberg (Baden)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Boxberg
Boxberg (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Boxberg hervorgehoben
49.4813888888899.6416666666667269Koordinaten: 49° 29′ N, 9° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Main-Tauber-Kreis
Höhe: 269 m ü. NHN
Fläche: 101,81 km²
Einwohner: 6612 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97944
Vorwahl: 07930
Kfz-Kennzeichen: TBB, MGH
Gemeindeschlüssel: 08 1 28 014
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kurpfalzstraße 29
97944 Boxberg
Webpräsenz: www.boxberg.de
Bürgermeister: Christian Kremer
Lage der Stadt Boxberg im Main-Tauber-Kreis
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Über dieses Bild
Blick auf Boxberg

Boxberg ist eine Stadt im Main-Tauber-Kreis im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs.

Geographie[Bearbeiten]

Eingebettet in das Umpfertal und den Schüpfer Grund liegt Boxberg mit seinen zwölf Ortsteilen im Bauland in 150 bis 400 Meter Höhe über Normalnull.

Klima[Bearbeiten]

Niederschlags-Diagramm

Der Jahresniederschlag beträgt 626 mm. Der Niederschlag liegt im unteren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. 25 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar; am meisten regnet es im Juni. Im niederschlagreichsten Monat fällt ca. 1,9-mal mehr Regen, als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel. In 27 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Boxberg mit den ehemals selbstständigen Gemeinden Angeltürn, Bobstadt, Epplingen, Kupprichhausen, Lengenrieden, Oberschüpf, Schwabhausen, Schweigern, Uiffingen, Unterschüpf, Windischbuch und Wölchingen gehören neben Boxberg 19 weitere Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser. Zur ehemaligen Gemeinde Angeltürn gehören das Dorf Angeltürn sowie die abgegangene Ortschaft Brechelberg. Zur ehemaligen Gemeinde Bobstadt gehören das Dorf Bobstadt und das Haus Talmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Sole und Schuckhof. Zur Stadt Boxberg in den Grenzen von 30. Juni 1971 gehören die Stadt Boxberg sowie die in Boxberg aufgegangene Ortschaft Wanshowen. Zur ehemaligen Gemeinde Epplingen gehört das Dorf Epplingen. Zur ehemaligen Gemeinde Kupprichhausen gehören das Dorf Kupprichhausen und das Gehöft Ahorn (Hof) sowie die abgegangenen Ortschaften Dietenhausen, Goldberg, Meisenheim und Weildorf. Zur ehemaligen Gemeinde Lengenrieden gehört das Dorf Lengenrieden. Zur ehemaligen Gemeinde Oberschüpf gehört das Dorf Oberschüpf. Zur ehemaligen Gemeinde Schwabhausen gehört das Dorf Schwabhausen. Zur ehemaligen Gemeinde Schweigern gehört das Dorf Schweigern und das Haus Ziegeleiapparatebau sowie die abgegangenen Ortschaften Kailstadt und Wingelstadt. Zur ehemaligen Gemeinde Uiffingen gehören das Dorf Uiffingen, der Weiler Gräffingen (Hof) und die Häuser Hagenmühle und Mittelmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Hachtel, Niederweiler und Rieden. Zur ehemaligen Gemeinde Unterschüpf gehört das Dorf Unterschüpf. Zur ehemaligen Gemeinde Windischbuch gehören das Dorf Windischbuch und das Gehöft Seehof. Zur ehemaligen Gemeinde Wölchingen gehören das Dorf Wölchingen und möglicherweise die abgegangene Ortschaft Giffinger Grund.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Boxberg wurde vermutlich um das Jahr 600 gegründet. Von den ersten Siedlungstätigkeiten zeugen Funde der Merowingerzeit. In den ersten Schriftquellen hieß der Ort zunächst noch Wanshofen. Durch Euboko, einen Gefolgsmann von König Konrad I., wurde die Burg Boxberg über dem Ort errichtet. Die Edelherren von Boxberg kamen um das Jahr 1144 auf die Burg. Vermutlich schon um 1250 erhielt Boxberg Stadt- und Marktrechte.

Stadt, Burg und Herrschaft Boxberg gingen 1287 an die Johanniter von Wölchingen, die hier eine bedeutende Niederlassung (Kommende) hatten. Der Würzburger Bischof Berthold II. von Sternberg tauschte somit dieses Hochstiftslehen gegen Burg Schweinberg. Der Orden verlegte in der Folgezeit die Leitung seiner Kommende (Komtursitz) nach Boxberg. Im Jahr 1381 verkauften die Johanniter ihren Boxberger Besitz an die Ritter von Rosenberg.

1470 verbündeten sich Kurpfalz, Kurmainz und das Hochstift Würzburg gegen die „räuberischen“ Rosenberger und zerstörten deren Burgen, auch die von Boxberg. Später erhielten die Rosenberger den Boxberger Besitz als pfälzisches Lehen zurück.

Zerstörung der Burg Boxberg 1523. Holzschnitt von Hans Wandereisen
Boxberg um 1645. Kupferstich von Matthäus Merian

1523, im Kampf gegen den geächteten Melchior von Boxberg, wurde die Burg vom Schwäbischen Bund zum zweiten Mal zerstört. Der Besitz fiel erneut an die Pfalz. Ritter Albrecht von Rosenberg kam 1548 nochmals in den Besitz von Boxberg, um ihn 1561 endgültig an die Pfalz zu verkaufen. Für Boxberg folgte eine lange Herrschaft der Kurpfalz (1561 bis 1802), unterbrochen von Verpfändungen an das Hochstift Würzburg (1691 bis 1732) und den Deutschorden in Mergentheim (1732 bis 1740).

1802/03 fiel Boxberg an das Fürstentum Leiningen, 1806 an das Großherzogtum Baden. In den Jahren 1470 bis 1477 und 1523 bis 1547 war die Stadt Amtssitz. Von 1561 bis 1691 und 1740 bis 1802 konnte sich Boxberg pfälzische Amts- und Oberamtsstadt nennen. Von 1802 bis 1924 (mit Unterbrechungen 1857–1864 und 1872–1898) war Boxberg wiederum Amtsstadt. Mit der Auflösung des Amtes 1924 kam die Stadt zum Bezirksamt Tauberbischofsheim, aus dem 1938 der Landkreis Tauberbischofsheim entstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Boxberg zunächst dem neuen Bundesland Württemberg-Baden zugeschlagen, mit dem die Stadt 1952 in Baden-Württemberg aufging. Dort gehörte Boxberg wie der gesamte Landkreis Tauberbischofsheim zunächst zum Regierungsbezirk Nordbaden.

Die heutige Stadt Boxberg wurde im Zuge der Verwaltungsreform 1972/73 aus 13 ehemals selbständigen Gemeinden neu gebildet. Für die meisten Stadtteile war Boxberg früher als Amtssitz zuständig, so dass sie alle eine gemeinsame Geschichte und Tradition über Jahrhunderte verbindet. Zeitgleich wurden zum 1. Januar 1973 auch die Kreisgrenzen neu geordnet und Boxberg kam zum neuen Tauberkreis, der seit 1974 Main-Tauber-Kreis heißt.

In den 1980er-Jahren wurde Boxberg deutschlandweit bekannt durch die Bürgerinitiative Bundschuh (benannt nach der historischen Bundschuh-Bewegung), die sich gegen eine vom Daimler-Benz-Konzern geplante Teststrecke wehrte. Die Teststrecke wurde schließlich nicht gebaut, weil das Bundesverfassungsgericht die dafür nötigen Enteignungen für unzulässig erklärte. Eine kleinere Version wird jetzt vom Bosch-Konzern betrieben.

Gemeindereform[Bearbeiten]

  • Am 1. Juli 1971 wurden Kupprichhausen und Unterschüpf nach Boxberg eingemeindet.
  • Am 1. Dezember 1972 vereinigte sich Boxberg mit Schweigern und Wölchingen zur neuen Stadt Boxberg.
  • Am 1. Januar 1973 erfolgte die Eingemeindung von Angeltürn, Bobstadt, Epplingen, Lengenrieden, Schwabhausen, Uiffingen und Windischbuch nach Boxberg.
  • Am 1. August 1974 erfolgte die Eingemeindung von Oberschüpf.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Boxberg hat 23 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 lag bei 58,56 % und ergab folgende Sitzverteilung:

Freie Wählervereinigung 61,6 % 15 Sitze
Bürgerliste 30,3 % 7 Sitze
Aktive Bürger 8,05 % 1 Sitze

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold auf grünem Dreiberg ein aufgerichteter schwarzer Bock.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick auf den Ortsteil Wölchingen mit Frankendom
Kurpfalzstraße in Boxberg mit St. Aquilinus

Die Burg Boxberg ist nur in Fragmenten auf dem Schlossberg erhalten. Am Fuße des Schlossbergs erinnert ein freistehender Glockenstuhl an die evangelische Kirche, die sich dort bis ins 19. Jahrhundert befand.

Die barocke katholische Stadtpfarrkirche St. Aquilinus wurde in den Jahren 1709-1712 nach Plänen von Balthasar Neumann errichtet.

Das Kurpfälzische Amtshaus wird seit den 1970er Jahren von der Stadtverwaltung als Rathaus genutzt.

Die evangelische Kirche im Stadtteil Wölchingen is als so genannter Frankendom bekannt. Vermutlich wurde die Kirche ab 1220 vom Johanniterorden erbaut. Die dreischiffige Pfeilerbasilika erhielt erst 1878/79 einen Turm.

Im Stadtteil Oberschüpf befindet sich am Schüpfbach die älteste Wehrkirche Badens aus dem 12. Jahrhundert. Erwähnenswert ist, dass dort frühgotische Wandmalereien (um 1290) fast vollständig erhalten sind. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten des Ortsteils zählt das Neue Schloss in der Ortsmitte.

Im Stadtteil Unterschüpf befindet sich das ehemalige Wasserschloss, das im Besitz verschiedener Adeliger war und seit 1982 eine Sprachheilschule beherbergt.

In vielen Ortsteilen gibt es malerische und zum Teil sehr alte Fachwerkhäuser. Gut ausgebaute und markierte Wanderwege führen in abwechslungsreiche Mischwälder. Als landwirtschaftliche Besonderheit sind der Anbau von Dinkel und die Produktion von holzfeuer-gedarrtem Grünkern hervorzuheben.

Museen[Bearbeiten]

Das Heimatmuseum im alten Rathaus von 1610 zeigt bäuerliche Geräte (Schwerpunkt: Grünkern-Herstellung), eine Waffensammlung, Jugendstilmöbel, Kapitelle der Boxberger Burgruine, Zimmer aus dem Besitz des Heimatforschers Karl Hoffmann u. a.

Der Heimatverein Boxberg betreut die seit 1911 aufgebaute Sammlung im Alten Rathaus, gibt jährlich die Boxberger Heimathefte mit wissenschaftlichem Anspruch heraus und veranstaltet während der Maimesse jährlich eine Sonderausstellung. Er ist auch für die Pflege und weitere wissenschaftliche Erforschung der Burgruine verantwortlich.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Boxberg ist Standort eines NATO-Tanklagers, das mit einer Leitung zum Tanklager in Untergruppenbach an das Treibstoff-Pipelinenetz CEPS angeschlossen ist. Der Stadtteil Unterschüpf ist Standort des Flugplatzes Unterschüpf. Im Stadtteil Schweigern ist der Hauptsitz des Unternehmens Hofmann Menü-Manufaktur GmbH (Hofmann-Menü), eines bedeutenden Herstellers von tiefgekühlten und frischen Gerichten für Betriebskantinen, Krankenhäuser, Altenheime und dergleichen, der in Deutschland und Österreich 1200 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 800 in Boxberg.

Das zuvor in Rheinstetten-Forchheim ansässige Bildungs- und Wissenszentrum Schweinehaltung, Schweinezucht (Landesanstalt für Schweinezucht) bezog 2006 einen 21 Millionen Euro teuren Neubau auf einem 17 ha großen Areal in Boxberg.[3]

Die Robert Bosch GmbH betreibt im Ortsteil Windischbuch eine 94 ha große Teststrecke im Gewerbegebiet Seehof.

Die Geze GmbH betreibt im Ortsteil Schweigern mit der GEZE Sonderkonstruktionen eine Produktionsstätte.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Boxberg liegt direkt an der Bundesautobahn 81 (WürzburgStuttgart) mit eigener Anschlussstelle Boxberg.

Das Umpfertal wird durch die B 292 (MosbachLauda-Königshofen) erschlossen. Fehlende Ortsumgehungen besonders in Schweigern und Boxberg führen zu einer starken innerörtlichen Verkehrsbelastung und sind deutliche Grenzen der Ortsentwicklungsplanung. Eine deutliche Entlastung brachte der Bau des Autobahnzubringers von der A 81 nach Bad Mergentheim.

Zwischen Boxberg und Wölchingen gibt es den Bahnhof Boxberg-Wölchingen der Frankenbahn Stuttgart–Würzburg. Haltepunkte in den Ortsteilen Schweigern, Uiffingen und Unterschüpf bestehen nicht mehr.

Der Flugplatz Unterschüpf liegt westlich von Unterschüpf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 294–302
  3. Harald Fingerhut: Bundesweit einmaliges Bildungs- und Wissenszentrum (PDF; 73 kB). In: Fränkische Nachrichten vom 16. März 2006, auf www.landwirtschaft-bw.info
  4. Unternehmenswebsite

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Boxberg (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Boxberg (Baden) – Quellen und Volltexte