Bozorg Alawi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Seyyed Modschtaba Bozorg Alawi [boˈzorg ælæˈviː] (persisch ‏بزرگ علوی‎; Transkription (DMG): Bozorg ʿAlavī; * 2. Februar 1904 in Teheran; † 16. Februar 1997 in Berlin) war ein iranischer Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Mitgründer der Tudeh-Partei des Iran.

Leben[Bearbeiten]

Bozorg Alawi kam am 2. Februar 1904 in Teheran als Seyyed Modschtaba Alawi zur Welt. Er war das dritte von sechs Kindern. Sein Vater Seyyed Abulhassan Alawi beteiligte sich an der Konstitutionellen Revolution im Iran. Während des Ersten Weltkrieges emigrierte er nach Berlin, wurde er Mitglied der „Deutsch-Persischen Gesellschaft e. V.“ und gab zusammen mit Seyyed Hassan Taqizadeh die Zeitung Kaveh heraus.

Seyyed Modschtaba Alawi besuchte zunächst in Teheran die Schule. 1921 kam er als 18-Jähriger mit seinem älteren Bruder Mortezā nach Berlin, wo er das Gymnasium besuchte und studierte. Nach seiner Rückkehr 1927 in den Iran lehrte er Deutsch, zunächst in Schiraz, dann in Teheran. In diesen Jahren lernte er Sadegh Hedayat kennen, zu dem er eine gute Freundschaft entwickelte.

Ebenfalls in den 1930er Jahren unterstützte er Tagi Erani, den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Irans. Alawi gehörte zu den 53 Männern, die 1936 unter Reza Schah Pahlavi aufgrund „kommunistischer Aktivitäten“ verhaftet und als Gruppe der 53 bekannt wurden. Er beteuerte in diesem Zusammenhang lediglich als Schriftsteller auch kommunistische Literatur gelesen zu haben, aber nicht politisch aktiv geworden zu sein. Dennoch wurde er 1937 zu 7 Jahren Haft verurteilt, allerdings im Rahmen der Anglo-sowjetischen Invasion Irans im Zweiten Weltkrieg 1941 freigelassen. Nach seiner Haft schrieb er die Papierfetzen aus dem Gefängnis und 53 Personen.

Seine politischen Aktivitäten setzte er anschließend fort und war noch im Jahr seiner Haftentlassung Mitgründer der marxistisch-leninistischen Tudeh-Partei des Iran. Im Parteiorgan Mardom (dt. ‚das Volk‘) wirkte er in der Redaktion mit. Zum Zeitpunkt des Sturzes von Premierminister Mohammad Mossadegh im August 1953 hielt sich Bozorg Alawi in Ost-Deutschland auf. Da sich die Tudeh Partei im Anschluss an den Sturz Mossadeghs massiver Verfolgung ausgesetzt sah, blieb er bis zum Sturz des Schahregimes durch die Islamische Revolution 1979 im Exil in der Deutschen Demokratischen Republik.

Dort arbeitete er von 1954 bis 1969 als Professor für persische Sprache und Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Gemeinsam mit Heinrich F.J. Junker wurde er in dieser Zeit vor allem als Verfasser eines umfangreichen Persisch-Deutschen Wörterbuchs bekannt.

Nach der Islamischen Revolution 1979 besuchte Bozorg Alawi den Iran mehrmals für kurze Zeit und zeigte sich bestürzt über die Entwicklung der Herrschaft des Obersten Führers Chomeini, die seiner Meinung nach ähnlich repressive Züge wie die des Schahregimes annahm. Sein letzter Besuch in seinem Heimatland fand 1993 statt.

Am 16. Februar 1997 starb Alawi um 23:20 Uhr im Friedrichshain-Krankenhaus in Berlin. Alawi hatte bezüglich seiner Bestattung angeordnet:

„Ich bin Moslem und ein Schiit. Aus diesem Grund will ich nach islamischem Ritual auf einem moslemischen Friedhof bestattet werden.[1]

Werk[Bearbeiten]

Literarisches Werk[Bearbeiten]

  • Tschamadān (Der Koffer) (1934)
  • Waragh Pāre'ha-ye Zendān (Papierfetzen aus dem Gefängnis) (1941)
  • Pandschāh-o Seh Nafar (53 Personen) (1942)
  • Nāme-hā wa Dāstān-hā-ye digar (Briefe und andere Geschichten) (1952)
  • Tschaschm-hā-yasch (Ihre Augen) (1952)

Übersetzungen ins Persische[Bearbeiten]

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • Div...Div (Dämon...Dämon) (1931)
  • Ozbach-hā (Die Uzbeken) (1948)
  • Geschichte und Entwicklung der modernen persischen Literatur (1964)
  • Sālāriha (Die Salaris)
  • Mirzā

Wörterbücher[Bearbeiten]

  • Persisch-Deutsch : Wörterbuch; Bozorg Alavi. – Wiesbaden : Harrassowitz, 2002
  • Langenscheidts praktisches Lehrbuch Persisch von Bozorg Alavi und Manfred Lorenz. – Berlin; München; Wien; Zürich; New York: Langenscheidt, 1999
  • Lehrbuch der persischen Sprache von Bozorg Alavi; Manfred Lorenz. – Leipzig; Berlin; München; Wien; Zürich; New York: Langenscheidt, Verl. Enzyklopädie, 1994
  • Lehrbuch der persischen Sprache von Bozorg Alavi; Manfred Lorenz. – Leipzig; Berlin; München; Wien; Zürich; New York: Langenscheidt, Verl. Enzyklopädie, 1993
  • Wörterbuch persisch-deutsch von Heinrich F. J. Junker; Bozorg Alavi. – Leipzig; Berlin; München; Wien; Zürich; New York: Langenscheidt, Verl. Enzyklopädie, 1992

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bozorgalavi.com/history.htm