Brand-Erbisdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Brand-Erbisdorf
Brand-Erbisdorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Brand-Erbisdorf hervorgehoben
50.86916666666713.321944444444460Koordinaten: 50° 52′ N, 13° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 460 m ü. NHN
Fläche: 46,24 km²
Einwohner: 9932 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 215 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09618
Vorwahl: 037322
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 050
Stadtgliederung: Hauptgebiet und 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
09618 Brand-Erbisdorf
Webpräsenz: www.brand-erbisdorf.de
Oberbürgermeister: Dr. Martin Antonow (parteilos)
Lage der Stadt Brand-Erbisdorf im Landkreis Mittelsachsen
Altmittweida Augustusburg Bobritzsch-Hilbersdorf Leisnig Brand-Erbisdorf Burgstädt Claußnitz Döbeln Dorfchemnitz Eppendorf Erlau (Sachsen) Flöha Flöha Frankenberg/Sa. Oederan Frauenstein (Erzgebirge) Freiberg Geringswalde Großhartmannsdorf Großschirma Großweitzschen Hainichen Halsbrücke Hartha Hartmannsdorf (bei Chemnitz) Bobritzsch-Hilbersdorf Königsfeld (Sachsen) Königshain-Wiederau Kriebstein Leisnig Leubsdorf (Sachsen) Lichtenau (Sachsen) Lichtenberg/Erzgeb. Lunzenau Mittweida Mochau Mühlau (Sachsen) Mulda/Sa. Neuhausen/Erzgeb. Roßwein Niederwiesa Oberschöna Oederan Ostrau (Sachsen) Penig Rechenberg-Bienenmühle Reinsberg (Sachsen) Rochlitz Rossau (Sachsen) Roßwein Sayda Seelitz Striegistal Taura Waldheim Wechselburg Weißenborn/Erzgeb. Zettlitz Zschaitz-Ottewig SachsenKarte
Über dieses Bild

Die Große Kreisstadt Brand-Erbisdorf ist eine Bergstadt im Landkreis Mittelsachsen in Sachsen. Das Bergbaugebiet Brand-Erbisdorf ist eine ausgewählte Stätte für die vorgesehene Kandidatur zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Geographie[Bearbeiten]

Brand-Erbisdorf liegt im nordwestlichen Teil des Osterzgebirges zwischen den Tälern des Münzbaches und der Großen Striegis, beides Nebenflüsse der Freiberger Mulde, etwa 5 km südlich der Kreisstadt Freiberg. Die Umgebung ist durch den Bergbau und ehemalige Bergbauanlagen, wie zum Beispiel Abraumhalden und Kunstteiche, geprägt. Das Stadtzentrum liegt bei etwa 473 m ü. NN, der tiefste Punkt liegt im Tal der Großen Striegis bei etwa 390 m und der höchste Punkt bei 591 m ü. NN südlich von Langenau. Die Stadt grenzt im Norden an Freiberg, im Osten an Weißenborn, im Südosten an Lichtenberg, im Süden an Großhartmannsdorf, im Südwesten an Eppendorf und im Westen an Oederan.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in das Hauptgebiet Brand-Erbisdorf sowie in zwei Ortschaften gemäß Sächsischer Gemeindeordnung, die jeweils aus den Stadtteilen

bestehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ansicht des Rathauses 1905
Historische Kunstpostkarte

Die Ersterwähnung des Dorfes Erbisdorf als Erlwinesberg datiert vom Jahre 1209. Es ist anzunehmen, dass das Dorf im Zuge der Rodungen und Besiedlungen vom Kloster Altzella aus in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann in Erbisdorf der Silberbergbau, der zum Freiberger Bergbaurevier als Brander Grubenfeld zählt. Auf dem benachbarten Berg Brand entstand eine bergmännische Streusiedlung, die Herzog Georg der Bärtige im Jahre 1515 zum Bergflecken erhob. 1620 erhielt Brand Marktrecht und 1834 Stadtrecht.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts endete die lange Tradition des Silberbergbaus um Brand, wo ein Viertel der gesamten Silberausbeute Sachsens gewonnen wurde. Lediglich nach 1945 erfolgte in geringerem Umfang eine Wiederbelebung des Bergbaus, der aber um 1968 endgültig stillgelegt wurde.

An Stelle des Bergbaus erfolgte nach 1900 verstärkt die Ansiedlung von Industriebetrieben, von denen die Erzgebirgische Holzindustrie und die Elite-Werke die bekanntesten waren.

Am 1. April 1912 kam es zur Zwangsvereinigung von Brand und Erbisdorf, da sich die Räte in jahrelangen Verhandlungen nicht zu einem freiwilligen Zusammenschluss einigen konnten. Grund dafür war vor allem die wirtschaftliche Entwicklung, denn die Stadtfluren von Brand, die praktisch nur die Stadtbebauung umfassten, waren im Süden und Osten von Erbisdorf begrenzt.

1952 wurde Brand-Erbisdorf Kreisstadt. Dieser Status ging 1994 verloren, als der Landkreis Brand-Erbisdorf aufgelöst und dem Landkreis Freiberg zugeordnet wurde. Seither ist die Stadt Große Kreisstadt. Sie hat etwa 10.000 Einwohner.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Brand[2] 1. April 1912 Zusammenschluss mit Erbisdorf zu Brand-Erbisdorf
Erbisdorf[2] 1. April 1912 Zusammenschluss mit Brand zu Brand-Erbisdorf
Gränitz[3] 15. Januar 1970 Eingemeindung nach Langenau
Gränitz, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Gränitz
Langenau[4] 1. April 2002
Linda[3][5] 1. Juli 1950 Eingemeindung nach St. Michaelis
Linda, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Linda
Niederfrei mit Mönchenfrei, Gutsbezirk (Forstrevier)[5] 13. Oktober 1948
Niederlangenau[2] 1. Juli 1905 Zusammenschluss mit Oberlangenau zu Langenau
Niederlangenau, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Langenau
Oberlangenau[2] 1. Juli 1905 Zusammenschluss mit Niederlangenau zu Langenau
Oberlangenau, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Langenau
Oberreichenbach[4] 1. Januar 1993 Eingemeindung nach Langenau

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des jeweiligen Jahres, Gebietsstand 2010:

1982 bis 1989

  • 1982 − 13.848
  • 1983 − 14.010
  • 1984 − 14.062
  • 1985 − 14.014
  • 1986 − 14.055
  • 1987 − 13.971
  • 1988 − 14.033
  • 1989 − 13.825

1990 bis 1997

  • 1990 − 13.405
  • 1991 − 13.141
  • 1992 − 13.239
  • 1993 − 13.084
  • 1994 − 13.073
  • 1995 − 13.097
  • 1996 − 13.182
  • 1997 − 13.219

1998 bis 2005

  • 1998 − 12.804
  • 1999 − 12.587
  • 2000 − 12.331
  • 2001 − 12.050
  • 2002 − 11.761
  • 2003 − 11.521
  • 2004 − 11.406
  • 2005 − 11.213

2006 bis 2013

  • 2006 − 11.087
  • 2007 − 10.949
  • 2008 − 10.836[6]
  • 2009 − 10.711[7]
  • 2010 − 10.544[7]
  • 2012 − 10.076
  • 2013 − 9.932
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Aus der Hauptsatzung: Der Stadtrat ist die Vertretung der Bürger der Großen Kreisstadt Brand-Erbisdorf und das Hauptorgan der Stadt. Der Stadtrat entscheidet über alle Angelegenheiten, die ihm durch das Gesetz zugewiesen sind und nicht zum Aufgabengebiet des Oberbürgermeisters gehören. Der Stadtrat überwacht die Ausführung seiner Beschlüsse und sorgt für die Beseitigung von Missständen in der Stadtverwaltung.

Der Stadtrat besteht aus 22 Stadträten und dem parteilosen Oberbürgermeister.

Seit der Stadtratswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 22 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 8 Sitze
  • FW MSN: 5 Sitze
  • LINKE: 4 Sitze
  • UWG: 2 Sitze
  • Bürgerinnen für BED (BFBED): 2 Sitze
  • Haus/Grund (H/G): 1 Sitz

Oberbürgermeister[Bearbeiten]

Am 4. Februar 2007 wurde der als Einzelbewerber angetretene stellvertretende Direktor des Chemnitzer Naturkundemuseums Martin Antonow mit 51,0 % der Wählerstimmen als Oberbürgermeister gewählt. Er trat am 27. Februar die Amtsnachfolge von Volker Zweig an.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Ev.-luth. Kirche: Die Pfarrkirche wurde nach einem Brand 1624 im gotischen Stil erneuert. Sie beherbergt unter anderem eine 1585 gefertigte, lebensgroße Bergmannsfigur.
  • „Bartholomäusschacht“: Die Bergbauschauanlage zeigt frühneuzeitliche Bergbau- und Fördertechnik.
  • Museum „Huthaus Einigkeit“: Im „Huthaus Einigkeit“ befindet sich das Stadtmuseum, welches über die Stadt- und Montanhistorie von Brand-Erbisdorf informiert.
  • Buttermilchtor: Das 1821 erbaute Buttermilchtor war Teil eines Kunstgrabensystems.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Stadt entwickelt den Tourismus, durch sie führt die Silberstraße. Östlich der Stadt am Rande des Freiwaldes liegt der Erzengler Teich, der als Freibad dient.

Außerdem:

  • seit 1914 die Elite Motorenwerke, später Opel bzw. VEB und jetzt Industriepark
  • bis 1994 wurde in Brand-Erbisdorf der „Hansa-Keks“ hergestellt
  • NARVA – Leuchtmittelherstellung, Press- und Schmiedewerk,
  • Ostdeutsche Zweigniederlassung der Unglehrt Baugesellschaft

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Stadt verläuft die Bundesstraße 101, über die man in nördlicher Richtung Freiberg (5 km), sowie in südlicher Richtung Annaberg-Buchholz (etwa 50 km) erreicht. Dresden (41 km) erreicht man über Freiberg (B 173) und Chemnitz über Oberschöna (B 173). Über die Bundesautobahn 4, Abfahrt Siebenlehn, erreicht man die Stadt in etwa einer halben Stunde.

Brand-Erbisdorf besitzt einen Güterbahnhof an der Nebenbahn von Berthelsdorf. Die 1897 eröffnete Strecke führte bis 1973 weiter nach Großhartmannsdorf bzw. bis 1997 nach Langenau. Der Personenverkehr von Freiberg wurde 1998 endgültig eingestellt. (Siehe auch: Bahnstrecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf, Bahnstrecke Brand-Erbisdorf–Langenau).

Bildung[Bearbeiten]

Bernhard-von-Cotta-Gymnasium
  • Allgemeinbildende Schulen
    • Grundschule Brand-Erbisdorf
    • Oberschule Brand-Erbisdorf
    • Gymnasium Bernhard-von-Cotta
  • Förderschulen
    • Förderschulzentrum „Clemens Winkler“ Brand-Erbisdorf
    • Sonderpädagogisches Zentrum Sonnenland
  • Weitere Bildungseinrichtungen
    • PTZ Brand-Erbisdorf
    • Akademie für Wirtschaft und Verwaltung GmbH
    • Fort- und Berufsbildungsakademie GmbH
    • Berufsausbildungs-Förderverein
    • Ländliche Erwachsenenbildung im Freistaat Sachsen e. V.
    • Fachschule für Technik und Verkehr
    • Unterrichts-Studio Pirna
    • Bildungswerk Erzgebirgische Wirtschaft

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johann Friedrich Frisch (1715–1778), evangelischer Theologe
  • Gotthelf Leberecht Berthold (1796–1851), deutscher Schauspieler und Sänger
  • Julius Braun (1808–1874), Rittergutsbesitzer in Niederlangenau und Politiker, MdL
  • Grete Beier (1885–1908), Tochter des damaligen Bürgermeisters von Brand, wurde als letzter Mensch in Sachsen wegen Mordes öffentlich hingerichtet
  • Günter Wirth (1929–2009), Hochschullehrer für Kirchengeschichte, Publizist und Funktionär der CDU der DDR
  • Volker Beyer (* 1951), Maler und Bildhauer
  • Carl Gotthelf Kind (1801–1873), Bergbautechniker
  • Bruno Schramm (1894–1959), Kommunist und ehemaliger Spanienkämpfer, geboren in Linda/Sachsen
  • Ernst Kaltofen (* 1841 in Langenau; † 1922 in Dresden), Holzschnitzer und Bildhauer
  • André Tanneberger (* 1973 in Freiberg) Musikproduzent und DJ

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München 1998, ISBN 3-422-03048-4, Seiten 89-92
  • Thomas Maruschke: Archivbilder Brand-Erbisdorf. Sutton Verlag, Erfurt 2006, ISBN 978-3-86680-002-1
  • E. H. Müller: Historisch-statistische Beschreibung der Bergstadt Brand mit ihren Umgebungen, Freiberg 1858.
  • Christian Wilhelm Friedrich Schmid: Versuch einer historisch-statistischen Beschreibung des Bergstaedtchens Brand begleitet mit Beylagen und Zusätzen. Craz u. Gerlach, Freiberg 1802 (Digitalisat)
  • Richard Steche: Erbisdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 6.
  • Brand. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 1. Band, Zwickau 1814, S. 473–476.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  3. a b Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. a b Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  5. a b Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  6. Gemeindestatistik 2009 für Brand-Erbisdorf. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Kamenz, abgerufen am 5. August 2011.
  7. a b Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden, Stand: 31. Dezember 2010 (PDF; 59 kB), Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Kamenz
  8. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brand-Erbisdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Brand-Erbisdorf – Reiseführer