Brandkatastrophe im Nachtclub The Station

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Die Brandkatastrophe im Nachtclub The Station ereignete sich am 20. Februar 2003 kurz nach 23:00 Uhr in der Kleinstadt West Warwick (Rhode Island) an der Nordostküste der USA, als bei einem Auftritt der Band Great White die eingesetzte Pyrotechnik einen Brand verursachte. Obwohl Rettungskräfte innerhalb weniger Minuten an dem Nachtclub The Station eintrafen, kamen infolge des sich schnell ausbreitenden Feuers 100 Menschen ums Leben, weitere 230 wurden verletzt.

Nach den Bränden im Iroquois Theater (602 Tote), Cocoanut Grove Nightclub (492 Tote), Brooklyn Theater (285 Tote), Rhythm Nightclub (209 Tote), Rhoads Opera House (170 Tote), Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus (168 Tote) und Beverly Hills Supper Club (165 Tote) ist die Katastrophe im The Station bis heute das achtschwerste Brandunglück in der Geschichte der Vereinigten Staaten, das sich während einer öffentlichen Theater- oder Tanz- bzw. Musikveranstaltung ereignet hat.

Brandausbruch und Verlauf[Bearbeiten]

Beispiel für Bühnenfeuerwerk

Das Feuer entstand um 23:07 Uhr im hinteren Bereich der erhöht positionierten Bühne, während die Band Great White ihren Eröffnungssong Desert Moon spielte. Daniel Biechele, der Tourmanager, hatte Pyrotechnik in Form eines sprühenden Funkenregens abgebrannt.[1] Von der dreistahligen Indoor-Fontäne reichten zwei Strahlen an die Außenseiten der Bühne, die innerhalb von weniger als 20 Sekunden das dort vorhandene schalldämmende Styropormaterial an der Wand- und Deckenverkleidung des Nachtclubs in Brand setzte.[2]

Obwohl die Flammen bereits von Beginn an deutlich zu sehen waren, wendeten sich zuerst nur wenige Personen von der Bühne ab und gingen Richtung Ausgang. Erst als die Flammen als Brandherd erkannt wurden und es zu einer immensen Rauchentwicklung kam, gab es eine allgemeine Fluchtbewegung, die zuerst langsam vonstattenging und dann schnell panisch wurde. Es wird vermutet, dass die Flammen von vielen Menschen im Publikum zunächst als beabsichtigter Teil des Musikprogrammes angesehen wurden.

35 Sekunden nach Beginn des 20 sekündigen Bühnenfeuerwerks stoppte die Band und sprang von der Bühne. Bereits 60 Sekunden nach Ende des Feuerwerks stand die Bühne komplett in Flammen und der Feueralarm des Clubs war zu hören. Obwohl insgesamt vier Ausgänge zur Verfügung standen, strömte ein Großteil des Publikums zu dem ihm bekannten Haupteingang, durch den man das Gebäude auch betreten hatte. Der überwiegende Teil der Todesopfer wurde später im schmalen Flur hinter dem Haupteingang aufgefunden. Das Gedränge und die entstandene Panik hatten bereits nach wenigen Sekunden zu einer absoluten Blockade des Ausgangs geführt. Die Gäste steckten verkeilt in der Eingangstür fest, sodass es für die nach ihnen Flüchtenden kein Entrinnen gab. Simulationen und Experimente des NIST zeigten, dass innerhalb einer Minute nach Entflammen der Bühne die Rauchentwicklung alle Räume vollständig ausgefüllt hatte.

Die ersten Feuerwehrkräfte trafen nur fünf Minuten nach dem Entstehen des Brandherdes ein, konnten jedoch den Vollbrand des Gebäudes nicht mehr verhindern, der zu dieser Zeit bereits im Gange war.

Von den 462 im Club anwesenden Personen starben 100 durch Feuer und Rauchgasvergiftung oder wurden von der Menschenmenge während der Massenpanik überrannt, 230 wurden verletzt, die restlichen 132 Gäste gelangten unversehrt ins Freie. Unter den Todesopfern befand sich auch der Gitarrist von Great White, Ty Longley, der laut Augenzeugenberichten noch versuchte, die Scheiben des Clubs mit seinem Instrument einzuschlagen. Jeffrey Rader (ehemaliger Roadie von Great White, Tesla, Poison und Alice Cooper) kam ebenfalls bei dem Brand ums Leben.

Gedenken an die Opfer[Bearbeiten]

Gedenkstätte am Platze des ehemaligen Nachtclubs

Am 24. Februar 2003 nahmen mehrere Tausend Trauergäste an einer Zeremonie zum Gedenken an die Opfer in der Kirche von Warwick teil. Die Band Great White startete fünf Monate nach dem verheerenden Unglück eine Benefiztournee, von deren Erlös ein Teil an den Station Family Fund gespendet wurde, eine Stiftung von Angehörigen der Verstorbenen.

Zu Ehren des Radio-DJs Michael J. Gonsalves alias „The Metal Doctor“, der ebenfalls in den Flammen starb, wurde eine Totenmesse abgehalten, zu der mehrere Tausend Menschen erschienen.[3] Seine Sendung Metal Zone, die er über 17 Jahre moderierte, war die am längsten existierende Metal-Radioshow in den USA.

Das ehemalige Grundstück des The Station liegt heute brach, aufgestellte Kreuze erinnern an die Opfer der Tragödie. Auf dem vor dem ehemaligen Gebäude liegenden Parkplatz direkt an der Hauptstraße ist die alte Werbetafel noch vorhanden. Angehörige haben angekündigt, das Grundstück aufzukaufen und ein permanentes Denkmal zu errichten.

Rechtliche Konsequenzen[Bearbeiten]

Infolge des Brandes kam es zu mehreren Gerichtsverhandlungen. Der Tourmanager von Great White, Daniel Biechele, war der Hauptverantwortliche für das Abbrennen des Feuerwerkes. Er bekannte sich schuldig und wurde zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt, von denen er vier im Gefängnis verbringen musste. Er wurde am 19. März 2008 entlassen. Zuvor hatten mehrere Angehörige von Verstorbenen sich für ein Freikommen von Biechele eingesetzt – unter anderem hatte er an die Hinterbliebenen aller 100 Opfer selbst verfasste Briefe geschrieben, in denen er die Verantwortung übernahm.

Die beiden Besitzer des Nachtclubs The Station, Michael und Jeffrey Derderian, wurden unter anderem aufgrund des Einbaus des brennbaren Schalldämmmateriales ebenfalls verurteilt: Michael zur selben Strafe wie Tourmanager Biechele und sein Bruder Jeffrey zu 13 Jahren Bewährung und 500 Stunden sozialer Arbeit. Michael Derderian wurde im Juni 2009 aufgrund guter Führung vorzeitig auf Bewährung entlassen.

Filmaufnahmen von der Brandnacht und Rolle des Reporters[Bearbeiten]

Es existieren Filmaufnahmen vom Konzert und dem Ausbruch des Feuers, welche von einem anwesenden Reporter des TV-Senders WPRI-TV angefertigt wurden Der Sender arbeitete zu diesem Zeitpunkt zufällig aus einem anderen Anlass an einer Reportage über Unglücke in Nachtclubs. Im Februar 2008 zahlte WPRI-TV außergerichtlich 30 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen der Opfer, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, der Reporter habe durch seine Filmaufnahmen den Durchgang behindert und nicht geholfen, Menschen in Sicherheit zu bringen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.trbimg.com/img-5107eb39/turbine/hc-fire-starting-in-the-nightclub-20130129/500/500x375
  2. http://2.bp.blogspot.com/-7koFQwV2jZg/ULUhwJniMKI/AAAAAAAABWM/nMMLGUjf4y4/s1600/Station+Nightclub+Fire+%28Daniel+Davidson%29.jpg Das schalldämmende Material ist entzündet
  3. Matthias Breusch: Die Brandkatastrophe von West Warwick, Rhode Island – Szenen aus einem Horrorfilm. In: Rock Hard. 21. Jahrgang, Nr. 192, Mai 2003, S. 66–67.

Weblinks[Bearbeiten]

41.684336-71.510859Koordinaten: 41° 41′ 4″ N, 71° 30′ 39″ W