Brandstätte

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Brandstätte
Wappen
Straße in Wien
Brandstätte
Basisdaten
Ort Wien
Ortsteil Innere Stadt
Angelegt 1875
Anschlussstraßen Tuchlauben, Stephansplatz
Querstraßen Kühfußgasse, Wildpretmarkt, Bauernmarkt, Kramergasse, Rotenturmstraße
Bauwerke Zacherlhaus
Nutzung
Nutzergruppen Autoverkehr, Radverkehr, Fußgänger, Autobuslinien 1A, 2A und 3A
Straßengestaltung Einbahnstraße
Technische Daten
Straßenlänge ca. 206 m
Die Brandstätte beim Bauernmarkt, rechts das Zacherlhaus

Die Brandstätte ist eine um 1875 geschaffene Straßenverbindung zwischen Stephansplatz und Tuchlauben in der Wiener Altstadt, die in ihrem Namen an die alte Brandstatt, einen im Zuge des gründerzeitlichen Umbaus der Umgebung des Stephansdoms zerstörten historischen Platz, erinnern soll.

Geschichte[Bearbeiten]

Demolierung der alten Brandstatt in den 1870er Jahren

Die Gegend westlich der Stephanskirche bis zur gegenüberliegenden Burgmauer war ursprünglich und noch im Jahre 1260 unverbaut. Erst 1326 ist vor diesem Mauerabschnitt eine Häuserzeile namens Unter den Drechslern nachweisbar. Um 1390 brannte sie ab und wurde nicht wieder aufgebaut. An deren Stelle entstand ein freier Platz, der 1393 erstmals Brandstatt genannt wurde. Die früher oft publizierte Behauptung, diese Brandstatt ginge auf Feuersbrünste von 1276 oder 1327 zurück, ist unrichtig (Perger bringt die mittelalterlichen Quellen).

Die historische Brandstatt war an drei Seiten von Häusern umgeben und gegen die Stephanskirche offen. Hier befanden sich Kramläden und seit 1421 Wechselbänke, die bis dahin auf dem Hohen Markt standen. Die Drechsler hingegen wurden auf den Stock-im-Eisen-Platz verlegt. Bis 1444 wurden auf dem Platz jeweils am Faschingsdienstag Turnierspiele in Anwesenheit des Bürgermeisters abgehalten, die Bürgerstechen genannt wurden. Später fand auf der Brandstatt ein Gewandmarkt statt. Um 1560 wurde der Platz planmäßig verbaut und auch gegen die Stephanskirche durch ein langes, schmales Gebäude abgeschlossen, wodurch eine Art innerer Hofraum in der annähernden Form eines länglichen Rechtecks parallel zur Hauptfassade des Doms entstand. Der nun abgeschlossene Platz war vom Stephansplatz aus durch zwei (ungedeckte) Tore zugänglich.

Auf der Brandstatt wurden im 16. Jahrhundert vorwiegend Holzwaren verkauft, worauf unter anderem Wolfgang Schmeltzl in seinem Gedicht „Wiener Lobspruch“ hinweist. Im 18. Jahrhundert war der Platz ringsum von Verkaufsläden besetzt. Aufgrund des hier abgehaltenen Geflügelmarktes wurde 1866 der von Antonín Pavel Wagner geschaffene Gänsemädchenbrunnen aufgestellt, aber bereits 1874 wieder entfernt.

Der Hofraum war vor seiner Demolierung von sieben Häusern umgeben: Diese wurden um 1873 niedergerissen und die gesamte Hoffläche durch „acht palastartige Zinshäuser von großem Umfange und noch größerer Prachtentfaltung“ verbaut.[1] Als Begrenzung dieser gründerzeitlichen Neubauten, die zu Kriegsende 1945 großteils durch einen Großbrand zerstört wurden, wurden die Jasomirgottstraße und die heutige Brandstätte geschaffen.

Die heutige Straße namens Brandstätte wurde 1876 eröffnet und zur Erinnerung an den historischen Platz der Brandstatt benannt. Sie reichte zunächst vom Stephansplatz bis zum Bauernmarkt. 1905 wurde sie bis zu den Tuchlauben verlängert.

Lage und Charakteristik[Bearbeiten]

Brandstätte von den Tuchlauben nach Osten

Die Brandstätte verläuft von der nördlichen Ecke des Stephansplatzes in nordwestlicher Richtung bis zu den Tuchlauben. In ganzer Länge ist sie als Einbahnstraße in Richtung zum Stephansplatz geführt und eine der am stärksten befahrenen Straßen der City. Hier verkehren auch die drei innerstädtischen Autobuslinien 1A, 2A und 3A, die am Beginn und am Ende der Straße jeweils eine Haltestelle besitzen. Trotz ihrer Lage im historischen Zentrum Wiens besteht die Verbauung der Straße zum Großteil aus Gebäuden, die nach 1945 entstanden sind, da in diesem Bereich große Kriegszerstörungen vorlagen. Lediglich das Zacherlhaus im mittleren Bereich der Straße stammt aus dem Jugendstil und gegen die Tuchlauben hin besteht noch ein historistisches Gebäude. An der Brandstätte liegen einige Geschäftslokale und das Café Korb.

Verbauung[Bearbeiten]

Nr. 1: Kardinal-Innitzer-Hof[Bearbeiten]

An der Stelle des Hauses befand sich das 1560 errichtete Bauernfeindsche Haus, das den Stephansfreithof von der Brandstatt trennte. Es war langgestreckt, besaß einen Durchgang und grenzte an das Haus in der Rotenturmstraße 1. Seinen Namen trug es nach dem Ratsherrn Georg Bauernfeind, der es 1697 erwarb. Im Zuge der Neugestaltung der Brandstatt entstand an seiner Stelle 1874 ein prächtiges Doppelhaus, entworfen von Wilhelm Fraenkel. Hier befanden sich das bekannte Cafe de l'Europe und die Alte Feldapotheke. Im April 1945 wurde dieses Gebäude durch Feuer zerstört. An seiner Stelle errichtete Josef Vytiska 1952 den heutigen Kardinal-Innitzer-Hof. An seiner Fassade befindet sich ein Mosaik mit dem Wappen Theodor Innitzers.

Das Gebäude liegt an der Hauptadresse Stephansplatz 8–8a.

Nr. 2: John-F.-Kennedy-Haus[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1964 von Georg Lippert und Viktor Mittag erbaut. Eine Gedenktafel mit Bronzerelief von Ferdinand Welz erinnert an John F. Kennedy. Früher befand sich seit 1401 hier ein Haus, das im 19. Jahrhundert nach einem populär gewordenen Schild einer Tuchhandlung Zum Primas von Ungarn hieß. Es war durch einen Schwibbogen mit dem Bauernfeindschen Haus verbunden. An der Seite zur Brandstatt lag die Buchhandlung der Brüder Leonhard und Lukas Alantsee. 1877 wurde das Haus abgerissen und 1882–1883 durch den Thonethof ersetzt, den die Architekten Ferdinand Fellner der Jüngere und Hermann Helmer erbauten. Auch dieses Gebäude fiel im April 1945 den Flammen zum Opfer.

Das Haus liegt an der Hauptadresse Rotenturmstraße 1–3.

Nr. 3: Wohnhaus[Bearbeiten]

Das Wohnhaus wurde 1951 von Josef Vytiska errichtet. Es zeigt in Höhe des gesamten Mittelrisalits ein Sgraffito mit historischen Szenen, die sich auf den Platz der Brandstatt beziehen, darunter den Brand von 1276 und das Bürgerstechen.

Nr. 4: Wohnhaus[Bearbeiten]

Brandstätte Nr. 4 (1955) von Siegfried Theiss u.a.

Das Gebäude zwischen Kramergasse und Bauernmarkt wurde 1955 von dem Architektenteam Siegfried Theiss, Hans Jaksch, Walter Jaksch, Bruno Doskar und Norbert Schlesinger errichtet. Die zweigeschoßige Geschäftszone ist original mit Marmorpfeilern und kastenartigen Eloxalfensterrahmen erhalten.

Nr. 5: Ehemaliger Gundelhof[Bearbeiten]

An Stelle des heutigen, 1949 errichteten Eckhauses befand sich der historische Gundelhof. Eine hier gelegene Thomaskapelle wurde schon 1343 erwähnt. Im Vormärz befand sich hier der Sonnleithnersche Salon, in dem Franz Schubert und seine Freunde, Franz Grillparzer und Caroline Pichler verkehrten. Das zuletzt im Besitz von Salomon Rothschild befindliche Haus wurde 1877 durch einen Neubau ersetzt, der im April 1945 ausbrannte.

Erzengel Michael von Ferdinand Andri am Zacherlhaus, Blick auf die Brandstätte

Nr. 6 Zacherlhaus[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel Zacherlhaus

Dieses Gebäude zwischen Bauernmarkt und Wildpretmarkt wurde 1903–1905 von Jože Plečnik im Jugendstil errichtet. An der Fassade zur Brandstätte befindet sich die markante, monumentale Kupferstatue des Erzengels Michael von Ferdinand Andri (1909).

Das Gebäude liegt an der Hauptadresse Wildpretmarkt 2–4.

Nr. 7, 9: Bürohaus[Bearbeiten]

Das monumentale, nach drei Seiten freistehende Bürohaus zwischen Bauernmarkt und Kühfußgasse wurde 1958–1962 von den Architekten Wiser, Paul Pfaffenbichler und Bamer errichtet. Der Sockel zeigt genutete Granitplatten, die Obergeschoße sind mit Lisenen gegliedert und mit Mosaiken geziert. Im Inneren ist das marmorverkleidete Stiegenhaus beachtenswert, dessen Geländer original erhalten sind. Auf Nr. 9 befindet das Café Korb.

Brandstätte 7–9 (1958–1962) mit Café Korb

Nr. 8: Zum roten Igel[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde 1904–1906 von Franz Riess errichtet. Nach Kriegsschäden hat man den Fassadendekor allerdings sehr reduziert. Erhalten hat sich ein großes Majolikarelief Zum roten Igel von Hugo Kirsch, das an den Vorgängerbau erinnert.

Das Haus liegt an der Hauptadresse Wildpretmarkt 1.

Nr. 10: Mattoni-Hof[Bearbeiten]

Der Mattoni-Hof wurde 1885–1886 von Gustav Korompay im späthistoristischen Stil anstelle des alten Musikvereinsgebäudes errichtet. Von 1871 bis 1884 befand sich hier das Strampfer-Theater.

Das Gebäude liegt an der Hauptadresse Tuchlauben 12.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brandstätte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kisch S. 88

48.20947222222216.372166666667Koordinaten: 48° 12′ 34″ N, 16° 22′ 20″ O