Brantôme

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die französische Stadt Brantôme.
Zum französischen Schriftsteller der Renaissancezeit siehe Pierre de Bourdeille, seigneur de Brantôme.
Brantôme
Wappen von Brantôme
Brantôme (Frankreich)
Brantôme
Region Aquitanien
Département Dordogne
Arrondissement Périgueux
Kanton Brantôme
Koordinaten 45° 22′ N, 0° 39′ O45.3641666666670.64888888888889106Koordinaten: 45° 22′ N, 0° 39′ O
Höhe 94–208 m
Fläche 34,65 km²
Einwohner 2.166 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 63 Einw./km²
Postleitzahl 24310
INSEE-Code

Die Abtei Saint Pierre de Brantôme mit der Dronne

Brantôme, Brantòsme auf Okzitanisch, ist eine französische Gemeinde mit 2166 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Norden des Départements Dordogne in der Region Aquitanien. Die Stadt ist Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons.

Auf Grund seines noch sehr intakten mittelalterlichen Stadtbildes ist Brantôme ein beliebtes Touristenziel im Périgord.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Ursprung des Ortsnamens liegt ziemlich im Dunkeln. Angeblich soll eine sagenumrankte Persönlichkeit namens Brantho der Stumme Pate gestanden haben.

Geographie[Bearbeiten]

Brantôme wird in Nordost-Südwest-Richtung von der Dronne durchflossen, dem rechten Hauptnebenfluss des Isle.

Die Stadt liegt 21 Kilometer nordnordwestlich von Périgueux und 18 Kilometer südlich von Nontron. Sie ist ein Verkehrsknotenpunkt, durch sie führen die ziemlich stark befahrene D 939 von Périgueux nach Angoulême und die D 78 von Riberac nach Thiviers, ferner zweigt von hier die D 675 nach Nontron ab.

Der historische Stadtkern liegt auf einer rundlichen Insel mit 300 Meter Durchmesser inmitten der Dronne, weswegen Brantôme auch als Venedig des Périgord bezeichnet wird.

Geologie[Bearbeiten]

Kurz vor Brantôme macht die Dronne, die zuvor noch in nordnordost-südsüdwestlicher Richtung floss, eine Richtungsänderung nach Nordost-Südwest und beginnt in langgezogenen Schleifen ein sehr flaches, in Südost-Nordwestrichtung streichendes Synklinal, bestehend aus Kalken der Oberkreide, zu durchqueren. Die Schichten gehören dem Turonium und dem Coniacium an. Das Turonium, hier örtlich als Angoumien bezeichnet, ist relativ verwitterungsresistent und bildet landschaftsbestimmende Steilwände und Überhänge - beliebt bei örtlichen Kletterern. Das Turonium ist ein sehr reiner Fossilkalk durchsetzt von Rudisten – ein geschätzter Baustein, der relativ leicht in kleineren Vortrieben aus den Steilwänden herausgesägt werden kann. Die Umgebung von Brantôme weist unzählige solcher ehemaligen Brüche auf, jetzt sind aber nur noch sehr wenige in Betrieb.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Dronnetal bei Brantôme und in mehreren Seitentälern befinden sich zahlreiche Abris (Felsüberhänge) in den Steilwänden, die bereits während des Neolithikums und teilweise schon weit früher als Siedlungsplätze genutzt wurden. Abris im Seitental von Les Rebières wurden beispielsweise schon im Moustérien (Mittelpaläolithikum) von Neanderthalern bewohnt. Es sind außerdem mittlerweile Siedlungsplätze im Freien aus dem Mittel- und Jungpaläolithikum bekannt geworden.

Ein Überbleibsel der Megalithkultur ist das Dolmen von Peyrelevade an der Straße nach Thiviers.

Siehe auch: La Madeleine

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt entwickelte sich auf der gegenüberliegenden Seite der Benediktinerabtei Saint-Pierre de Brantôme, welche im Jahr 769 von Karl dem Großen unmittelbar an einer Steilwand gegründet worden war. In der Abtei wurden damals die Reliquien des Heiligen Sicaire aufbewahrt, weswegen sie von vielen Pilgern aufgesucht wurde. Dies hatte ein rasches Aufblühen der Siedlung zur Folge. Im 9. Jahrhundert schufen die Mönche die heutige Insel, indem sie die Flussschleife durch einen Aushub abkürzten. Die Abtei wurde jedoch in den Jahren 848 (oder 849) und 859 von den Vikingern (bzw. den Normannen) zerstört, die von der Dordogne und dem Isle aus die Dronne heraufgezogen waren. Die Abtei wurde 1075 wieder aufgebaut, während des Hundertjährigen Kriegs jedoch erneut zerstört und nach dem Ende des Krieges in den Jahren 1465 und 1480 wiederhergestellt. Der Kirchturm der Abtei aus dem 11. Jahrhundert gilt als einer der ältesten romanischen Kirchtürme im ehemaligen Limousin. An seiner Basis finden sich noch merowingische Mauerreste. Die Abteikirche Saint-Pierre selbst geht auf das 12. und das 13. Jahrhundert zurück.

Abtei Saint-Pierre de Brantôme mit romanischem Kirchturm

Während der Hugenottenkriege im Jahr 1569 entging die Abtei zweimal nur knapp der Zerstörung durch Hugenottentruppen unter Gaspard de Coligny. Nur die Vermittlung durch Pierre de Bourdeille konnte die Zerstörung abwenden.

Während der Französischen Revolution schließlich wurde die Abtei als bien national säkularisiert, die letzten sieben Mönche pensioniert, die reichhaltige Bibliothek aufgelöst und ihre Werke zerstreut.

Brantôme war im Mittelalter Etappenort an der Via Lemovicensis, einer der Pilgerwege auf dem Jakobsweg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • neolithisches Dolmen von Peyrelevade
  • Höhle Jugement Dernier in der Steilwand hinter der Abtei
  • Kirche Notre-Dame, 16. und 19. Jahrhundert
  • Kirche Saint-Pardoux-de-Feix mit romanischem Kirchturm, 12. Jahrhundert
  • Museum Fernand Desmoulin
  • Parkanlage des Jardin des Moines aus der Renaissancezeit
  • Pont Coudé, rechtwinklig geknickter Brückenverlauf über die Dronne aus dem 16. Jahrhundert, mit Renaissancepavillon
  • Rue de la Boétie mit seltenem Kamin aus dem 13. Jahrhundert
  • Rue Joussen mit Häusern aus der Gotik und der Renaissance
  • Schloss Château de la Hierce aus der Zeit Franz I., 16. Jahrhundert
  • Stadtmauerreste (Tor und Rundturm)

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1962 1966
1968 1991
1975 2026
1982 2101
1990 2080
1999 2043
2006 2112

Die Höchstzahl seiner Einwohnerzahl hatte Brantôme im Jahr 1846 mit 2832 Einwohnern, der Tiefstand in den letzten beiden Jahrhunderten war 1962 mit 1966 Einwohnern.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Wochenmärkte[Bearbeiten]

Jeden Freitagvormittag findet in Brantôme ein regional sehr bedeutender Wochenmarkt statt. Im Juli bis August wird zusätzlich jeden Dienstag morgen ein Markt mit den Erzeugnissen aus der ortsansässigen Landwirtschaft abgehalten.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brantôme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien