Bratscherwitz

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Dem Bratscherwitz kommt unter Musikern ein ähnlicher Stellenwert zu wie allgemein in Deutschland dem Ostfriesenwitz. Er ist also ein typischer Witz über eine Menschengruppe mit tatsächlichen oder vermeintlichen Eigenschaften. Da die meisten dieser Witze platte Klischees und Moden sind, leiden die Bratscher unter ihnen so wenig wie die Ostfriesen, Burgenländer oder Belgier.[1][2]

Hintergrund[Bearbeiten]

Der „Ruf“ des Bratschers rührt daher, dass die Bratsche im klassischen Orchester (anders als in der Kammermusik) bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nur eine untergeordnete Rolle spielte. Für sie gibt es relativ wenig Sololiteratur und als Orchesterstimme (in älteren Kompositionen) gilt sie als vergleichsweise leicht zu spielen. Da sie sich von der Violine nur durch ihre Größe und die um eine Quinte tiefere Stimmung unterscheidet, kann sie nach relativ kurzer Umgewöhnung auch von Geigern gespielt werden. Deswegen hat man früher oft schlechtere Geiger die Bratsche spielen lassen. Im hoch- und spätromantischen Orchester (etwa bei Richard Wagner) hat die Bratsche eine Aufwertung erfahren, wird wegen ihres gedämpft-melancholischen Klangs allerdings exponiert hauptsächlich in langsamen, getragenen Passagen eingesetzt. Aus alledem entstand ein nicht ganz ernst gemeintes Klischee, dem zufolge Bratscher nicht richtig spielen können, nie üben und insgesamt langsam und begriffsstutzig sind.[3][4]

„Die Bratsche ist so überflüssig wie das Gemächt vom Papst.“

Hans Knappertsbusch

In Rockmusikerkreisen werden viele Bratscherwitze auf E-Bassisten gemünzt.

Beispiele[Bearbeiten]

  • „Warum fürchten sich Bratscher auf Friedhöfen?“ – „Zuviele Kreuze“.
  • „Wie heißt die Teufelstrillersonate (Sonate für Violine von Giuseppe Tartini) für Bratsche?“ – „Für Elise“ (die gemächlichen kleinen Sekunden des ersten Taktes erinnern im Notenbild an einen Triller).
  • Sagt der eine Bratscher zum anderen: „Im Urlaub habe ich Achtel geübt.“ Sagt der andere: „Toll, spiel’ mal eines!“.
  • Wieviele Lagen gibt es auf einer Bratsche? – Zwei: Die erste Lage und die Notlage.
  • „Wie ist die kleine Sekunde definiert?“ – „Zwei Bratscher spielen unisono“.
  • „Wo ist der Unterschied zwischen einer Bratsche und einer Zwiebel?“ - „Wenn man eine Bratsche durchschneidet, muss man nicht weinen.“
  • Bratschengruppen vieler Orchester sollen mit den Beatles gemein haben, dass sie 1970 das letzte Mal gemeinsam gespielt haben.
  • Kleinanzeige in Musikerblatt: „Suche für Streichquartett zwei Geigen und ein Cello“
  • Warum ist die Harfe der Traum jedes Bratschisten? Immer pizzicato, und nur leere Saiten!
  • Eine Bratschistin ist pensioniert worden und bringt ihre Bratsche nach dem letzten Arbeitstag nach Hause. Ihr Ehemann öffnet die Türe, erblickt den Bratschenkoffer und sagt überrascht: „Ach, Musikerin bist du gewesen!“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Burgenländerwitze
  2. Belgierwitze (Der Spiegel 1/1973)
  3. Rupert Schöttle: Das Schwarze sind die Noten – Skurriles aus dem Orchestergraben, Verlag Frühwirth Bibliophile Edition Wien 2008, ISBN 978-3-9502-052-7-5
  4. Elisabeth Birnbaum, Illustrationen von Winnie Jakob: O Herr, ich bin Bratschist! – Was Sie über Orchestermusiker besser nicht wissen sollten. Amalthea Verlag Wien, 2002, ISBN 978-3-85002-478-5

Weblinks[Bearbeiten]