Braunstieliger Streifenfarn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Braunstieliger Streifenfarn
Asplenium trichomanes.JPG

Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes)

Systematik
Farne
Klasse: Echte Farne (Polypodiopsida)
Ordnung: Tüpfelfarnartige (Polypodiales)
Familie: Streifenfarngewächse (Aspleniaceae)
Gattung: Streifenfarne (Asplenium)
Art: Braunstieliger Streifenfarn
Wissenschaftlicher Name
Asplenium trichomanes
L.

Der Braunstielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes) ist eine Art aus der Gattung der Streifenfarne (Asplenium) in der Familie der Streifenfarngewächse (Aspleniaceae).

Merkmale[Bearbeiten]

Der Braunstielige Streifenfarn ist eine ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 30 Zentimeter erreicht. Sie bildet ein Rhizom aus. Die Blätter sind einfach gefiedert. Der Blattstiel ist kürzer als die Spreite. Sowohl Blattstiel als auch Blattspindel sind schmal geflügelt und bis fast zur Spitze glänzend rotbraun bis schwarzbraun gefärbt. Die Fiedern sind 2-12 mm lang, rundlich oder oval, etwas ungleichseitig, am Rand stumpf gezähnt und stehen in einer Ebene. Jedes Blatt hat 15-40 Fiedern; sie stehen abwechselnd oder paarweise genähert und sind kurz gestielt. Die Sporen reifen im Juli und August.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Braunstielige Streifenfarn kommt im warmen bis kühlen Europa und Nordamerika, in Südafrika, im Himalaya, in Neuguinea, in Südost-Australien und in Neuseeland auf Felsen und Mauern vor.

Systematik[Bearbeiten]

Vom Braunstieligen Streifenfarn existieren mehrere Unterarten: Asplenium trichomanes subsp. trichomanes, subsp. pachyrachis, subsp. inexpectans, subsp. coriaceifolium, subsp. hastatum, subsp. hexavalens und subsp. quadrivalens. Letztere ist in Europa die häufigste Unterart, in Neuseeland aber ist sie extrem selten. Nachdem man sie seit den 1950er-Jahren für verschollen gehalten hat, wurden 2008 in der Hawke's Bay 9 Exemplare dieser Unterart wiederentdeckt.[1]

Nutzung[Bearbeiten]

Der Braunstielige Streifenfarn wird selten als Zierpflanze in Steingärten genutzt. Es gibt wenige Sorten.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum werden oder wurden für diese Pflanzenart, zum Teil nur regional, auch die folgenden weiteren Trivialnamen verwandt: Aberthon, Abthon (Erzgebirge), Federhar, Frauenhaar (Elsass), Jungfrauenhaar, Roter Steinbrech, Steinfarlin, Steinfarn, Steinfeder, Steinwurz, Stenvarn, Widerstoss, Widerthon, Schwarzer Widerthon (Schlesien) und Widertod.[2]

Botanik- und Pharmaziegeschichte[Bearbeiten]

Adianton (Asplenium trichomanes). Abbildung aus dem Wiener Dioskurides, 6. Jh.

Dioskurides und Plinius (1. Jh.) unterschieden ein helles und ein schwarzes „adianton“. Beide wurden „polytrichon“ (Vielhaar), „kallitrichon“ (Schönhaar) „trichomanes“ (Feinhaar) und „capillus veneris“ (Venushaar) genannt. Sie sollten giftwidrig wirken, Harn und Harnwegssteine treiben, den Haarwuchs befördern, Erkrankungen der Brust, Gelbsucht, Milzerkrankungen und Hauterkrankungen heilen.[3] [4] Galen beurteilte das „adiantum“ aus der Sicht der Säftelehre als ausgeglichen in Hitze und Kälte.[5]

Den nordeuropäischen Ärzten des 15. und 16. Jh. bereitete es Mühe, dem „adianton“, dessen Habitus von den Alten ungenügend und uneinheitlich beschrieben wurde, Pflanzen aus ihrer Umgebung zuzuordnen. So deutete z. B. Hieronymus Brunschwig in seinem Kleinen Destillierbuch (1500) das „adianton“ als „muer ruten“ (Asplenium ruta-muraria) aber auch als „wider tod krut“ (Asplenium trichomanes). Dem „wider tod krut“ schrieb er die von Dioskurides und Plinius für das „adianton“ angegeben Indikationen zu.

Den Namen „wider tod krut“ leitete Brunschwig aus dem Analogiezauber der Volksmedizin ab: „Gegloubt würt von einfeltigen menschen das sie verzoubert werden so bald sie das gehenck an dem halß tragen sind in wyder bracht gethon vnd geholffen werd […] ouch das sie das [...] an dem hals tragen sind [...] dz sie nit wund werden vnd ir find überwynden sint.“ Das Polytrichum commune nannte er „güldin wyddon“.[6] [7] [8] [9]

Auch Hieronymus Bock beschrieb in seinem Kräuterbuch die Verwendung dieser Pflanzen im Analogiezauber:

„Es haben die alten weiber vil fantasei mit disen kreüttern / vnd sprechen also / das rot steynbrechlin [ Asplenium trichomanes ] mit den lynsen bletlin sol man nennen abthon / vnd das nacket Jungfraw hor [ Polytrichum commune ] / sol man nennen widdertthon / dann mit disen kreüttern können sie beide sachen / nemlich abthon vnd widderthon jrs gefallen / wer gesicht aber nit täglich der gleichen werck vnd Philtra [ Liebeszauber ] / darbei wöllen wirs auch lassen vnd fürter schreiben.“

Hieronymus Bock: Kräuterbuch 1539, I / 182.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rare Native Fern Rediscovered In Hawke’s Bay
  2. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 49, online.
  3. Julius Berendes. Des Pedanios Dioskurides aus Anazarbos Arzneimittellehre. Stuttgart 1902, Buch IV, Cap. 134: Adianton.
  4. Plinius (nach König 1983) Buch XXII, § 62-65: Adianton; Buch XXVII, § 138: Trichomanes.
  5. K. G. Kühn. Claudii Galeni Opera omnia. 1826, Bd. XI, S. 814.
  6. Paul Sartori. Abdontag. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. I / 21.
  7. Hanns Bächtold-Stäubli. Abtun. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. I / 123.
  8. Heinrich Marzell. Moos. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. VI /565.
  9. Heinrich Marzell. Widerton. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. IX / 559.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Asplenium trichomanes – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien