Breitblättriger Rohrkolben

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Breitblättriger Rohrkolben
Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia)

Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia)

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Rohrkolbengewächse (Typhaceae)
Gattung: Rohrkolben (Typha)
Art: Breitblättriger Rohrkolben
Wissenschaftlicher Name
Typha latifolia
L.
Die Fruchtstiele sind lang behaart.

Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia) (Griech. Typhe = Name verschiedener Rohrkolben-Arten; lat. latifolius = breitblättrig), ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rohrkolbengewächse (Typhaceae).

Pflanzenbeschreibung[Bearbeiten]

Es handelt sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze mit einem waagrecht und ziemlich oberflächlich im Schlamm kriechenden, dicken, weichen Rhizom. Die Blütezeit dieser Pflanzenart reicht von Juni bis August. Der stielrunde und beblätterte Stängel ist steif aufrecht und wird 1,5 bis 3 m hoch.

Die Laubblätter sind 1 bis 2 cm breit, blaugrün, stumpf-lineal, auf dem Rücken leicht gewölbt, ganzrandig, kahl, aufrecht stehend und zweizeilig angeordnet, mit offenen, unverwachsenen Scheiden, die den Stängel umfassen.

Der Stängel schließt mit einem kolbenförmigen Blütenstand ab. Dieser trägt im unteren Teil nur weibliche schwarzbraune Blüten. Der obere Teil wird nur aus männlichen Blüten gebildet. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Bei der Reife der einsamigen Nüsschen streckt sich der Stiel des Fruchtknotens, die Zwischenräume werden dicht mit wolligen Haarmassen ausgefüllt, bis sich später Gruppen von Früchtchen als kleine Wollklümpchen ablösen.

Die Rhizome („Wurzelstöcke“) sind stärkereich und nach Abkochen essbar.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Breitblättrige Rohrkolben ist eine ausdauernde Sumpf- oder Wasserpflanze und ein Schlammwurzler mit Rhizom. Alle Teile (außer den Kolben) sind mit einem Durchlüftungsgewebe oder Aerenchym ausgestattet.

Die Blüten sind einhäusig, streng vorweiblich und windblütig vom „Unbeweglichen Typ“. Der Blütenkolben ist unten mit Tausenden von nackten, weiblichen Blüten ausgestattet und oben mit ebenso zahlreichen männlichen Blüten. Der Pollen bleibt in Tetraden zusammen. Blütezeit ist von Mai bis Juli.

Die Früchte sind winzige, 1,2 mm lange Nüsse, die zur Reife einen dunkelbraunen Kolben bilden, den man auch als „Schilfzigarre“ oder „Lampenputzer“ bezeichnet. Die Fruchtstiele sind lang behaart und entlassen die Früchte bei Trockenheit als Schirmchenflieger. Ihre Sinkgeschwindigkeit beträgt ca. 13 cm/s. Dazu erfolgen Wasserkraft-, Schwimm- und Bearbeitungsausbreitung. Die Früchte sind Kältekeimer. Fruchtreife ist von September bis Oktober.

An durch Erdaushub neu geschaffenen Tümpeln findet sich als einer der ersten Neubesiedler auch der Rohrkolben ein. In der Verlandungszone dringt er bis zu einer Wassertiefe von 1,5 m vor, dadurch wird er zum „Verlandungspionier“. Da seine Rhizome im Schlammboden kriechen, kann er größere, geschlossene Bestände bilden. Besonders gut gedeiht er in sommerwarmen Gewässern.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch die kurzen ausläuferartigen Rhizome.

Verwendung[Bearbeiten]

Die stärkereichen Rhizome dienten als Schweinefutter. In Notzeiten wurden sie auch zu Mehl verarbeitet, das mit Getreidemehl vermischt zu Brotbacken verwendet wurde. Das Stroh der Pflanze wurde als Material zur Herstellung von Reetdächeren und Flechtwerk und als Brennmaterial genutzt, die Fruchtwolle auch als Ersatz für Bettfedern. Als sogenanntes „Böttcherschilf“ nutzten Küfer die Blätter zum Abdichten von Fassfugen.

Die Pflanze mit den hübschen Fruchtkolben ist beleibt für Trockensträuße.

Verbreitung[Bearbeiten]

Allgemeine Verbreitung: nördliche Gemäßigte Zone sowie Tropen und Subtropen beider Halbkugeln, aber nicht in Mittel- und Südafrika, südliches Asien, Polynesien und Australien.

Diese Pflanzenart findet sich sehr häufig in der Röhrichtzone stehender und langsam fließender Gewässer. Sie bevorzugt dabei Sümpfe, Wassergräben, die Ufer von Seen und Teichen und wächst bis zu einer Gewässertiefe von zwei Metern. Sie trägt zur Verschlammung und Verlandung der Uferzonen bzw. des ganzen Gewässers bei.

Gelegentlich wächst Breitblättriger Rohrkolben auch gemeinsam mit dem deutlich schlanker gebauten Schmalblättrigen Rohrkolben. Häufiger kommen aber Reinbestände jeder dieser Arten vor.

Verbreitung in Mitteleuropa[Bearbeiten]

In den Mittelgebirgen und in den Alpen bis zu einer Höhe von 1000 m kommt der Breitblättrige Rohrkolben nur zerstreut vor, sonst fehlt er in Mitteleuropa nirgendwo.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elfrune Wendelberger: Pflanzen der Feuchtgebiete: Gewässer, Moore, Auen, Büchergilde Gutenberg, München 1986, ISBN 3-7632-3265-6 (bzw. BLV-Verlag, ISBN 3-405-12967-2)
  • R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1
  • Aichele/Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas, Franckh-Kosmos-Verlag, 2. überarbeitete Auflage 1994, 2000, Band 5, ISBN 3- 440-08048-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Breitblättriger Rohrkolben – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien