Breithauptit

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Breithauptit
Breithauptite-229669.jpg
Breithauptit auf Calcit, Fundort: Grube Samson, St. Andreasberg/Harz (Bildbreite 17 mm)
Andere Namen
  • Antimonnickel
  • Nickelantimonid
Chemische Formel

NiSb[1]

Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenite, Sulfantimonite, Sulfbismuthite)
02.CC.05 (8. Auflage: II/C.20) nach Strunz
02.08.11.02 nach Dana
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin dihexagonal-bipyrymidal 6/m 2/m 2/m[2]
Farbe helles Kupferrot mit einem Stich ins Violette
Strichfarbe rotbraun
Mohshärte 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 7,591 bis 8,23 ; berechnet: 8,629[3]
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Spaltbarkeit fehlt
Bruch uneben bis muschelig
Habitus dendritische bis massige Aggregate, nadelige bis dünntafelige Kristalle
Zwillingsbildung Zwillingsebenen nach {1011}

Breithauptit, veraltet auch als Antimonnickel oder unter seiner chemischen Bezeichnung Nickelantimonid (NiSb) bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide, Sulfosalze und verwandten Verbindungen“. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung NiSb und entwickelt meist dendritische bis massige Mineral-Aggregate, selten aber auch nadelige bis dünntafelige Kristalle bis etwa einem Millimeter Größe.

Das metallisch glänzende Mineral hat eine helle kupferrote Farbe mit einem Stich ins Violette. Auf der Strichtafel hinterlässt es einen rotbraunen Strich. Mit einer Mohshärte von 5,5 gehört Breithauptit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Apatit (5) gerade noch von einem Messer ritzen lassen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Breithauptit bei Sankt Andreasberg im Oberharz in Niedersachsen und beschrieben 1833 durch Friedrich Stromeyer (1776–1835) und Friedrich Hausmann, die das Mineral zunächst als Antimonnickel bezeichneten.[4]

Seinen bis heute gültigen Namen Breithauptit (gelegentlich auch Briethauptit) erhielt es 1840 durch Julius Fröbel, der das Mineral nach dem sächsischen Mineralogen Johann Friedrich August Breithaupt (1791–1873) benannte[1].

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Breithauptit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur = 1 : 1“, wo er zusammen mit Cherepanovit, Freboldit, Hexatestibiopanickelit, Kotulskit, Nickelin, Langisit, Polarit, Ruthenarsenit, Sederholmit, Sobolevskit, Sorosit, Stumpflit und Sudburyit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Breithauptit in die erweiterte Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (einschließlich Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenite, Sulfantimonite, Sulfbismuthite)“ und dort in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Nickel (Ni), Eisen (Fe), Cobalt (Co) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Achavalit, Freboldit, Hexatestibiopanickelit, Jaipurit, Kotulskit, Langisit, Nickelin, Sederholmit, Sobolevskit, Stumpflit, Sudburyit, Vavrínit und Zlatogorit die „Nickelingruppe“ mit der System-Nr. 2.CC.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Breithauptit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Nickelin, Sederholmit, Hexatestibiopanickelit, Sudburyit, Kotulskit, Sobolevskit, Stumpflit, Langisit, Freboldit, Achavalit, Sorosit und Vavrínit in der „Nickelingruppe“ mit der System-Nr. 02.08.11 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Als bisher einzige Varietät des Breithauptit ist der arsenhaltige Arit bekannt.[5]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Breithauptit. Fundort: Cobalt-Gowganda, Ontario/Kanada. Bildgröße: 8 x 6 cm
Massiver Breithauptit mit orange-braunem Nickelin und Quarz. Fundort: Cobalt-Gowganda, Ontario/Kanada. Größe: 9,3 x 4,9 x 3,0 cm

Breithauptit bildet sich aus hydrothermalen Lösungen in Gang-Lagerstätten, speziell in Calcitadern. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Chalkopyrit, Cobaltit, Cubanit, Galenit, Maucherit, Nickelin, Pyrrhotin, gediegen Silber, Sphalerit, Tetraedrit und Ullmannit.[3]

Als eher seltene Mineralbildung kann Breithauptit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bekannt sind bisher (Stand: 2011) etwa 130 Fundorte.[6] Neben seiner Typlokalität Sankt Andreasberg als historischer Fundstätte trat das Mineral in Deutschland noch bei Wieden und Oberwolfach in Baden-Württemberg; bei Braunlage und in weiteren Gruben bei Sankt Andreasberg in Niedersachsen; bei Nuttlar und Ramsbeck in Nordrhein-Westfalen; bei Imsbach, Bad Ems und Obermoschel sowie bei Freiberg, Schönbrunn bei Oelsnitz/Vogtl. und Tirpersdorf in Sachsen auf.

Bekannte Fundorte sind unter anderem die und die Kobaltminen bei Cobalt-Gowganda im Verwaltungsbezirk Timiskaming District in der kanadischen Provinz Ontario und Vlakfontein in der südafrikanischen Provinz Transvaal, wo Verwachsungen von Breithauptit mit Pyrrhotin (Magnetkies) und Pentlandit gefunden wurden.[7] Des Weiteren gehören auch Claï bei Saint-Étienne-de-Tinée im französischen Département Alpes-Maritimes[8] und die Montoliu Minen in der katalanischen Gemeinde Naut Aran in Spanien[9] zu den bekannteren Fundorten.

In Österreich konnte Breithauptit bisher bei Schwemmberg (nahe Radstadt) in Salzburg sowie bei Kirchdorf in der Gemeinde Pernegg an der Mur, Kraubath an der Mur, an der Zinkwand bei Schladming im Obertalbachtal und bei Arzberg in der Steiermark.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Finnland, Grönland, Indien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden, Slowakei, Spanien, Tansania, Tschechien, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[10]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Schematisierte Struktur von Breithauptit. Dargestellt ist eine Projektion in die b-c-Ebene (grau: Antimon, rot: Nickel). Die entsprechenden Koordinationspolyeder sind hervorgehoben.

Die Nickel- bzw. Antimonatome bilden im Breithauptit eine hexagonale, dichteste Kugelpackung in der Raumgruppe P63/mmc mit den Gitterparametern a = 3,95 Å und c = 5,15 Å, sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle (vgl. auch die analoge Struktur des Nickelarsenid).[1]

Sowohl die Nickel-, als auch die Antimonatome sind sechsfach koordiniert. Während es sich beim Nickel um ein oktaedrisches Koordinationspolyeder handelt, ist es beim Antimon ein trigonales.

Verwendung[Bearbeiten]

Stück hochreines Nickelantimonid

Anwendung findet Nickelantimonid als Werkstoff in magnetischen Feldplatten wo es zwischen magnetisch empfindlichen Schichten aus Indiumantimonid (InSb) eingebracht wird. Magnetische Feldplatten ändern in Abhängigkeit der magnetischen Flussdichte ihren elektrischen Widerstand und dienen als Sensor für Magnetfelder.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • C. Palache, H. Berman, C. Frondel (1944) Dana’s system of mineralogy. 7. Auflage. 1944, Teil I, S. 238–239.
  • Charles Palache, Harry Berman, Clifford Frondel: The System of Mineralogy of James Dwight Dana and Edward Salisbury. Dana Yale University 1837-1892. Teil I: Elements, Sulfides, Sulfosalts, Oxides. 7. Auflage. John Wiley and Sons, New York 1944, S. 238. ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Breithauptite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 85.
  2. Webmineral - Breithauptite (englisch)
  3. a b Handbook of Mineralogy - Breithauptite (englisch, PDF 57,6 kB)
  4. Wilhelm Haidinger: Zweite Klasse: Geogenide. XIII. Ordnung. Kiese. I. Nickelkies. Breithauptit, in: Handbuch der Bestimmenden Mineralogie, Verlag Braumüller und Seidel, Wien 1845, S. 559-562 (PDF 239,5 kB; S. 2)
  5. Mindat - Arite
  6. Mindat - Anzahl der bekannten Fundorte für Breithauptit
  7.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 33 (Dörfler Natur).
  8. R. Pierrot, P. Picot, J. Feraud, J. Vernet: Inventaire Minéralogique de la France. no 4, Alpes Maritimes. BRGM, Paris 1974.
  9. Mata-Perelló: Els minerals de Catalunya. Institut d'Estudis Catalans, Barcelona 1990, ISBN 84-7283-147-7. (katalanisch)
  10. Mindat - Breithauptite (englisch)