Breitschnabelkolibri

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Breitschnabelkolibri
Breitschnabelkolibri im Flug

Breitschnabelkolibri im Flug

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Gattung: Cynanthus
Art: Breitschnabelkolibri
Wissenschaftlicher Name
Cynanthus latirostris
Swainson, 1827

Der Breitschnabelkolibri (Cynanthus latirostris) oder Blaukehl-Breitschnabelkolibri ist ein grünlicher Kolibri, der im Gegensatz zu vielen Verwandten sehr nördlich lebt.

Merkmale[Bearbeiten]

Den männlichen Breitschnabelkolibri kann man leicht an seiner kräftig grünen Ober- und Unterseite und den weißen Unterschwanzdecken erkennen, während das Weibchen eine eher mattgrüne Oberseite und weißgraue Unterseite hat. Der leicht gekrümmte Schnabel ist bis auf das schwarze Ende leuchtend rot. Der Schwanz ist leicht eingeschnitten. Die Steuerfedern sind sehr breit. Das Gewicht dieser Kolibris beträgt 7 bis 8 Gramm, die Länge etwa 8 bis 10 cm. Sie haben große, gute Augen. Der typische Ruf der Breitschnabelkolibris hört sich an wie ein scheltendes "jedit", allerdings hat das Männchen zur Brutzeit noch einen eigenen Ruf, der etwa wie "zing" klingt.

Lebensweise[Bearbeiten]

Der einzelgängerische, streitlustige und tagaktive Kolibri fällt nachts in den Torpor (Starrezustand) um Energie zu sparen. Sein Herzschlag verringert sich dabei von den normalen 1200 Schlägen pro Minute auf bis zu nur 20. Er liebt, im Gegensatz zu seinen meisten Verwandten, das offene Gelände und wird manchmal sogar in Canyons und Flusstälern angetroffen. Er verlässt seine Stammplätze nur sehr ungern, selbst wenn die Nahrung knapp wird.

Balz und Brutbiologie[Bearbeiten]

Während der Brutzeit, die von Januar bis August dauert, sammeln sich manchmal einige Männchen in Trupps, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sobald sich ein Weibchen nähert, wird es von einem Männchen mit dem überschlagenden Balzflug angeworben. Nach der Paarung verlässt das Männchen sehr schnell das Weibchen, während dieses das napfförmige Nest aus kleinen Zweigen, Baumrindestreifen und Spinnennetzen webt. Dorthinein legt es meistens zwei weiße, längliche Eier, welche es etwa 16 Tage bebrütet. Sobald die nackten Jungvögel geschlüpft sind, muss die Mutter diese fast ununterbrochen mit Nahrung versorgen. 22 bis 24 Tage später sind die Jungen flügge und verlassen das Nest, können zu dieser Zeit aber noch nicht laufen. Pro Saison zieht ein Weibchen meistens drei, manchmal zwei Bruten hoch. Mit einem Lebensjahr sind die Jungen geschlechtsreif.

Nahrung[Bearbeiten]

Die Nahrung der Breitschnabelkolibris besteht aus Pollen, Blütennektar und Insekten. Pro Tag saugt ein Tier etwa aus 2.000 Blüten. Die proteinreichen Insekten werden meistens aus Spinnennetzen gestohlen oder im Flug gefangen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet reicht von Arizona in den USA bis in das südliche Mexiko. Im Herbst ziehen die Vögel aus Norden nach Süden. Sie sind nicht bedroht, der Bestand ist relativ stabil.

Unterarten[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Breitschnabelkolibris

Von der Art sind bisher fünf Unterarten bekannt.[1]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

William Swainson beschrieb den Breitschnabelkolibri unter dem heutigen Namen Cynanthus latirostris. Mit der neuen Art führte er auch dir neue Gattung Cynanthus ein.[4][7] Dieser Name ist ein griechisches Gebilde aus  »kuanos κυανος« für »dunkelblau« und »anthos ανθος« für »Blüte«.[8] Das Artepitheton »latirostris« ist ein lateinisches Gebilde aus »latus« für »breit« und »-rostris, rostrum« für »-schnäblig, Schnabel«.[9] »Magicus« ist das lateinische Wort für »geheimnisvoll« bzw. leitet sich vom griechischen »magikos μαγικος« für »magisch« ab.[10] Das lateinische »propinquus« bedeutet »nahe Verwandtschaft« und sollte eigentlich die Nähe zum Doubledaybreitschnabelkolibri (Cynanthus doubledayi) beschreiben.[3] »Toroi« ist dem mexikanischen Sammler und Zoologen Mario del Toro Avilés gewidmet.[11] »Lawrencei« ist eine Ehrerbietung an George Newbold Lawrence (1806–1895).[12]

Literatur[Bearbeiten]

  •  James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  •  Étienne Mulsant, Jules Verreaux: Description d'une espèce nouvelle d'oiseaux-mouche (Hylocharis Magica). In: Annales de la Société Linnéenne de Lyon. Bd. 18, 1870-71, S. 110-112 (online, abgerufen am 11. Juli 2014).
  •  Robert Thomas Moore: Description d'une espèce nouvelle d'oiseaux-mouche (Hylocharis Magica). In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Bd. 52, 1939, S. 57-60 (online, abgerufen am 11. Juli 2014).
  •  William Swainson: On several Groups and Forms in Ornithology, no hitherto defined. In: TThe Zoological journal. Bd. 3, Nr. 11, 1827a, S. 343-363 (online, abgerufen am 13. Juli 2014).
  •  William Swainson: A synopsis of the birds discovered in Mexico by W. Bullock F.L.S. and H.S., and Mr. William Bullock, jun. In: The Philosophical magazine: or Annals of chemistry, mathematics, astronomy, natural history and general science (= 2. Bd. 1, Nr. 85). 1827b, S. 433-442 (online, abgerufen am 11. Juli 2014).
  •  Jacques Berlioz: Note sur une collection d'oiseaux du Mexique. In: Bulletin du Muséum national d'histoire naturelleBulletin du Muséum national d'histoire naturelle (= 2. Bd. 8, Nr. 3). 1937, S. 170-175 (online, abgerufen am 11. Juli 2014).
  •  Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch: Description of new Species and Subspecies of Trochilidae. In: The Ibis (= 5. Bd. 5, Nr. 29). 1897, S. 289-298 (online, abgerufen am 11. Juli 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Breitschnabelkolibri – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IOC World Bird List Hummingbirds
  2. Étienne Mulsant u.a., S. 110
  3. a b Robert Thomas Moore, S. 57
  4. a b William Swainson (1827b), S. 441
  5. Jacques Berlioz, S. 171
  6. Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch, S. 292
  7. William Swainson (1827a), S. 357. Es könnte auch sein, dass die Gattung zuerst in The Zoological journal aus dem gleichen Jahr publiziert wurde.
  8. James A. Jobling S. 129
  9. James A. Jobling S. 220
  10. James A. Jobling S. 237
  11. Jacques Berlioz, S. 172
  12. Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch, S. 294