Brennabor

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Brennabor-Fahrrad
Brennabor Typ A1, ca. 1908
Brennabor von 1908
Brennabor von 1910

Die Brennabor-Werke Gebr. Reichstein, später Brennabor-Werke AG, war ein deutscher Hersteller von Kinderwagen, Fahrrädern, Kraftwagen und Motorrädern mit Sitz in Brandenburg an der Havel. Der Firmenname geht auf den vorgeblich alten (aber falschen) Namen der Stadt Brandenburg zurück.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die Firma wurde 1871 von den Brüdern Adolf, Carl und Hermann Reichstein gegründet. Schon 1870 stellten die Reichsteins Korb-Kinderwagen und Kindervelocipede her, ab 1881 Bicycles und ab ca. 1891 Rover. 1892 erhielten die Fahrräder den Namen Brennabor.

Bis in die 1930er Jahre war die Firma Brennabor größter Kinderwagen-Hersteller in Europa und eine der größten Fahrradfabriken.

Ab 1902 fertigte man auch Motorräder in Serie, ab 1903/05 Kraftwagen (zunächst nur auf Bestellung) mit drei und vier Rädern. 1908 begann die Serienproduktion von Automobilen. Während des Ersten Weltkriegs stellte man keine Automobile her, Motorräder zunächst nur bis 1916. Die Brennabor-Werke unterhielten ab 1908 einen eigenen Rennstall und erzielten weltweit große Erfolge im Motorsport.

1919 wurde der Mittelklassewagen Typ P vorgestellt, mit dem man 1921 eine Großserienproduktion begann. Anfang bis Mitte der 1920er Jahre war Brennabor der größte Automobilhersteller Deutschlands, bis 1927/28 noch Zweitgrößter hinter Opel. 1924 wurden 6.000 Arbeiter beschäftigt. Brennabor schloss sich 1919 mit NAG und Hansa-Lloyd zur GDA (Gemeinschaft Deutscher Automobilfabriken) zusammen. Diese Vertriebsorganisation bestand bis 1928, führte aber nicht zu einem festen Zusammenschluss der beteiligten Firmen.

Brennabor führte 1923/24 als einer der ersten deutschen Automobilhersteller die Fließbandfertigung ein. Die Weltwirtschaftskrise sorgte dafür, dass die Produktionszahlen zurückgingen, zumal kein Kleinwagen im Angebot war. Versuche mit Frontantriebsfahrzeugen (nach Voran-Patenten) wurden 1931 unternommen, resultierten jedoch nur in einem Prototyp auf Basis des Typs Juwel 6. Zu einer Serienfertigung kam es aus finanziellen Gründen nicht mehr. 1932 wurde die Automobilproduktion zunächst für acht Monate unterbrochen, im Spätherbst kurzzeitig mit neuen Modellen nochmals aufgenommen und 1933 endgültig eingestellt. 1932 wurden die Brennabor-Werke in eine AG umgewandelt.

Von 1930/31 bis 1942 stellte man Leichtmotorräder mit Einbaumotoren von Fichtel & Sachs her, ab 1940 auch aus eigener Produktion (Modell G 100) und Fahrräder noch bis 1945. Die Firmengeschichte endete nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 mit der Demontage des Werkes.

Brennabor-Produkte wurden weltweit exportiert, so nach Australien, China, Südamerika, Südafrika und ganz Europa.

Auf dem Werksgelände etablierte sich anschließend das Brandenburger Traktorenwerk, das bis 1964 Rad- und Kettenschlepper produzierte, dann auf Nutzfahrzeuggetriebe umsattelte und seit 1991 bis heute als Getriebewerk Brandenburg ein Tochterunternehmen der ZF Friedrichshafen ist.

[Bearbeiten] PKW-Modelle

Typ Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung Vmax
Typ A1 3,5/8 PS 1905-1911 2 Reihe 904 cm³ 6-8 PS (5,9 kW) 50 km/h
Brennaborette 3,5 , 4 und 5,5 PS 1907-1912 1 Zyl. mit 3,5 und 4 PS, 2 Zyl. mit 5,5 PS 452 cm³ 3,5 (2,6 kW), 4 und 5,5 PS 35 km/h
Kleinwagen 6/12 und 6/14 PS 1908-1910 4 Reihe 12-14 PS 70 km/h
Typ D 10/20 und 10/24 (Prinz Heinrich Wagen) 1910-1911 4 Reihe 20 und 24 PS 80 km/h
Typ B 5/12 PS 1911-1913 4 Reihe 1.328 cm³ 12 PS (8,8 kW) 55 km/h
Typ L 6/18 PS 1911-1914 4 Reihe 1.592 cm³ 18 PS (13,2 kW) 60 km/h
Typ C 6/18 PS 1910-1912 4 Reihe 18 PS 65 km/h
Typ G 8/22 PS 1910-1914 4 Reihe 2.025 cm³ 22 PS (16,2 kW) 70 km/h
Typ F 10/28 PS 1911-1914 4 Reihe 2.476 cm³ 28 PS (20,6 kW) 80 km/h
Typ M 6/16 PS 1914 4 Reihe 1.453 cm³ 16 PS (11,8 kW) 70 km/h
Typ P 8/24 PS 1919-1925 4 Reihe 2.091 cm³ 24 PS (17,7 kW) 65 km/h
Typ S 6/20 PS 1922-1925 4 Reihe 1.569 cm³ 20 PS (14,7 kW) 70 km/h
Typ R 6/25 PS 1925-1928 4 Reihe 1.569 cm³ 25 PS (18,4 kW) 70 km/h
Typ P 8/32 PS 1925-1927 4 Reihe 2.091 cm³ 27 PS (19,9 kW) 75 km/h
Typ AL 10/45 PS 1927-1930 6 Reihe 2.547 cm³ 45 PS (33 kW) 70 km/h
Typ Z 6/25 PS 1927-1929 4 Reihe 1.569 cm³ 25 PS (18,4 kW) 70 km/h
Typ AK 10/45 PS 1927-1930 6 Reihe 2.547 cm³ 45 PS (33 kW) 85 km/h
Typ ASK / Typ AFK 12/55 PS 1928-1932 6 Reihe 3.080 cm³ 55 PS (40 kW) 90 km/h
Typ ASL / Typ AFL 12/55 PS 1928-1932 6 Reihe 3.080 cm³ 55 PS (40 kW) 85 km/h
Ideal 7/30 PS 1929-1933 4 Reihe 1.640 cm³ 30 PS (22 kW) 75 km/h
Juwel 6 10/45 PS 1929-1932 6 Reihe 2.460 cm³ 45 PS (33 kW) 85 km/h
Juwel 8 14/60 und 14/65 PS 1930-1932 8 Reihe 3.417 cm³ 60 PS (44 kW) 100 km/h
Juwel Front 10/45 PS Prototyp 1931 6 Reihe 2.460 cm³ 45 PS 85 km/h
Typ C 4/20 1931-1933 4 Reihe 995 cm³ 20 PS (14,7 kW) 75 km/h
Ideal extra 7/30 PS 1930-1933 4 Reihe 1.640 cm³ 30 PS (22 kW) 75 km/h
Typ D 4/22 1933 4 Reihe 995 cm³ 22 PS (16,2 kW) 75 km/h
Typ E 8/38 PS 1933 6 Reihe 1.957 cm³ 38 PS (27,9 kW) 80 km/h
Typ F 10/45 PS 1933 6 Reihe 2.460 cm³ 45 PS (33 kW) 90 km/h

[Bearbeiten] Literatur

  • Werner Oswald: Deutsche Autos Band 2 - 1920-1945. 2. Neuauflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-613-02170-6
  • Archiv Mario Steinbrink, Interessengemeinschaft Brennabor, www.brennabor-brb.de
  • Pavel/Krause/Brekow: Von Brennabor bis ZF Brandenburg. Eine Industriegeschichte. Brandenburgisches Verlagshaus, 1996, ISBN 3894881070
  • Stapf/Reichstein: Brennabor. Vom Korbmacher zum Autokönig. Aus dem Leben der Industriellen-Familie Reichstein 1839-1971 Kerschsteiner Verlag, 2005, ISBN 3-931954-12-9

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Brennabor-Automobile – Bilder, Videos und Audiodateien
Commons Commons: Brennabor-Motorräder – Bilder, Videos und Audiodateien
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