Breuninger

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Breuninger (Begriffsklärung) aufgeführt.
E. Breuninger GmbH & Co.
Breuninger-Logo
Rechtsform GmbH & Co.
Gründung 1881
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung Willy Oergel
Mitarbeiter 5.500 (2012)[1]
Umsatz 510 Mio. EUR (2011)[1]
Branche Warenhaus/Einzelhandel
Website www.e-breuninger.de

Die E. Breuninger GmbH & Co., Stuttgart, betreibt unter dem Namen Breuninger Warenhäuser in Deutschland. Das Unternehmen positioniert sich im gehobenen Marktsegment. Es bietet Waren von Einstiegspreislagen über eine sehr starke Mitte bis hin zu Luxusmarken an. Der Schwerpunkt des Warenangebots liegt bei Textilien.

Wirtschaftliche Grundlagen[Bearbeiten]

Das Unternehmen ist im Besitz dreier Familien: Die Familien Meilicke und van Agtmael halten je 40 % der Anteile, Familie Bretschneider/Seidel hält 20 %. An der Spitze der dreiköpfigen Unternehmensleitung stand bis September 2012 Willem van Agtmael. Danach wurde das Führungsgremium auf fünf Mitglieder erweitert und dessen Leitung an Willy Oergel übertragen. Das Gremium berichtet an einen Beirat, der sich aus Vertretern der Teilhaber-Familien zusammensetzt.[1]

Der Umsatz nach Mehrwertsteuer betrug 510 Millionen Euro im Jahr 2011. Das Unternehmen beschäftigt rund 5500 Mitarbeiter.[1]

Warenhäuser[Bearbeiten]

Stammhaus[Bearbeiten]

Breuninger Flagship Store Stuttgart
Innenansicht Breuninger Stuttgart
Breuninger Herrenabteilung, Stuttgart
Abteilung Damenschuhe, Stuttgart
Breuninger im Kö-Bogen Düsseldorf

Das Breuninger-Stammhaus befindet sich seit 1881 am Stuttgarter Marktplatz. Heute ist es mit 35.000 m² Verkaufsfläche eines der größten Kaufhäuser Deutschlands. Die Außenfassade des Hauses ist architektonisch schlicht, hat einen grauen Verputz und im Erdgeschoss Schaufensterfronten. Regelmäßig wird die Außenfassade mit neuen Motiven verkleidet und deckt dabei eine 65 Meter breite und 10 Meter hohe Fläche ab.

1989 wurde das Stammhaus um die Karlspassage erweitert. Seitdem führt eine öffentliche Fußgängerzone durch das Kaufhaus hindurch, die abends nach Ladenschluss benutzt werden kann, nachts jedoch geschlossen ist.

Weitere Warenhäuser[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Stammhaus wurde im Jahr 1881 von Eduard Breuninger in Stuttgart eröffnet, nachdem er das am Marktplatz gelegene Haus der E. L. Ostermayer (Münzstraße 1) übernommen hatte. Innerhalb weniger Jahre wurden die oberen Stockwerke des Hauses als weitere Verkaufsfläche genutzt, 1888 zog Breuninger zunächst in das Haus Münzstraße 7 um, nutzte jedoch aufgrund von Platzmangel bereits nach kurzer Zeit beide Häuser.

Bis 1903 wurde das alte Haus in der Münzstraße 7 durch ein neues, großzügigeres Gebäude ersetzt. Fünf Jahre später wurde ein drittes Haus (Sporerstraße 7) gebaut. Während des Ersten Weltkriegs erweiterte Breuninger sein neues Geschäftshaus bis an den Marktplatz heran. Trotz der Schwierigkeiten der Weltwirtschaftskrise baute Eduard Breuninger ab 1929 das neue Haus Marktstraße 3, entworfen von den Stuttgarter Architekten Eisenlohr & Pfennig. Die Einweihung fand 1931 statt.

Nachdem Eduard Breuninger 1932 starb, übernahm sein Sohn Alfred Breuninger das Unternehmen. Dieser trat am 1. Mai 1933 der NSDAP bei und wurde 1935 von den Nationalsozialisten in den Stuttgarter Gemeinderat und zum Mitarbeiter der Hauptstelle Wirtschaft und Steuer im Kreisamt für Kommunalpolitik berufen. 1937 erweiterte Breuninger das Firmenareal durch die Übernahme des in jüdischem Besitz befindlichen Geschäftshauses am Marktplatz 16. Im Krieg beschäftigte das Unternehmen ausländische Zwangsarbeitskräfte.[2]

Im Zweiten Weltkrieg wurden sämtliche Häuser des Unternehmens zerstört. Das von den jüdischen Eignern erworbene Grundstück am Marktplatz konnte die Firma nach einem Rechtsstreit und der Leistung einer Ausgleichszahlung in Höhe von 360.000 DM im Jahr 1950 behalten.[3] Nach dem Tod Alfred Breuningers 1947 wechselte die Unternehmensleitung in die dritte Generation an Heinz Breuninger. Aufgrund der Finanzknappheit gelang es Breuninger erst allmählich, seine Verkaufsräume wieder aufzubauen.

1952 wurde der Bär Breuni eingeführt, der bis heute Maskottchen des Unternehmens ist.

1968 gründete Heinz Breuninger mit seiner Tochter Helga Breuninger die Breuninger Stiftung.[4]

In den 1960er Jahren wandelte sich Breuninger von einem reinen Textilien-Verkäufer zum Vollsortimenter. Da jedoch die Anzahl der Kunden, die von außerhalb Stuttgarts kommen, um bei Breuninger einzukaufen, spürbar rückläufig war, entschloss sich das Unternehmen in den 1970er Jahren, auch außerhalb der Stadt zu expandieren. Zunächst wurde 1973 das erste Breuningerland in Ludwigsburg eröffnet, 1980 folgte das Sindelfinger Breuningerland. Das Breuningerland-Konzept besteht aus einem Einkaufszentrum mit weiteren angeschlossenen Handelsgeschäften und Gastronomiebetrieben. Sowohl Ludwigsburg als auch Sindelfingen sind bis heute die ertragsstärksten Niederlassungen von Breuninger. Gegenüber den Anfangsjahren werden die beiden Einkaufszentren seit 1. April 1998 jedoch nicht mehr vom Eigentümer, sondern von der ECE Projektmanagement verwaltet.[5]

In den 1970er Jahren baute Heinz Breuninger den neu ins Unternehmen eingetretenen Willem G. van Agtmael zu seinem Nachfolger auf. Nachdem Heinz Breuninger 1980 im Alter von 60 Jahren starb, übernahm van Agtmael die Geschäftsleitung. Er forciert seitdem den Expansionskurs von Breuninger; bereits kurz nach der Wende eröffnete Breuninger Niederlassungen in Dresden und Leipzig. Seitdem folgten neun weitere Niederlassungen. 2004 übernahm Willem van Agtmael gemeinsam mit dem Bonner Rechtsanwalt Wienand Meilicke die Mehrheit am Unternehmen.[1]

Seit März 2006 bezeichnet das Unternehmen sein Stammhaus in Stuttgart als Flagship Store.

Drei Filialen des Unternehmens in Würzburg, Pforzheim und Düsseldorf wurden 2006 geschlossen.[6] Im Februar 2008 folgte die Schließung der Filiale in Dresden.

Im Oktober 2013 eröffnete im Düsseldorfer Kö-Bogen das nun zweitgrößte Breuninger-Geschäft nach Stuttgart.[7] Neu ist die Kooperation mit dem Sylter Restaurant Sansibar und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen unweit der berühmten Königsallee.[8][9]

Öffentlichkeitsarbeit und Verkaufsförderung[Bearbeiten]

Sponsoring[Bearbeiten]

Seit über 70 Jahren engagiert sich Breuninger beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Aktuell ist Breuninger Team-Partner des VfB. So werden Spieler und Funktionäre stets mit Anzügen aus dem Hause Breuninger ausgestattet, auch findet jedes Jahr eine große Autogrammstunde im Stuttgarter Stammhaus mit allen VfB-Spielern statt.[10][11]

Im Oktober 2012, bereits vor Fertigstellung der Filiale an der Düsseldorfer Königsallee, wurde Breuninger Sponsor von Fortuna Düsseldorf.[12]

Breuninger Card[Bearbeiten]

Die Breuninger Card

1959 war Breuninger das erste deutsche Handelsunternehmen, das mit der Breuninger Kundenkarte (heute Breuninger Card) eine Kundenkarte einführte, mit der Stammkunden auf Kredit mit regelmäßiger Abrechnung einkaufen konnten. Heute hat Breuninger über 1 Million Karten-Kunden.

Kritik[Bearbeiten]

Auseinandersetzungen um Arbeitsverhältnisse[Bearbeiten]

Breuninger ist nicht dem Flächentarifvertrag für den Einzelhandel angeschlossen. Je nach Bedarf des Unternehmens arbeiten 1800 der 5500 Beschäftigten[13] in sogenannten kapazitätsorientierten Arbeitszeiten zwischen zwei und vierzig Stunden wöchentlich. In einem Interview mit der Zeitschrift Stern kritisierte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen dieses Modell wörtlich als „perfide“: Der Verkäufer könne weder die Qualität der Ware noch die Werbung beeinflussen und trage trotzdem das Auslastungsrisiko des Unternehmens. Die Praxis bei Breuninger stehe im Widerspruch zur Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts von 2005. Diese erlaubt bei flexiblen Arbeitsverträgen nur eine Abweichung von maximal 25 % nach oben oder unten von der vereinbarten Arbeitszeit.[13] Von der Leyen nannte ausdrücklich Breuninger als negatives Beispiel. Das Arbeitsmodell ist allerdings auch in anderen Unternehmen der Bekleidungsbranche üblich, beispielsweise bei H&M und Esprit.[14]

Im Jahr 2010 gab es im Unternehmen eine Reihe von Auseinandersetzungen um den Betriebsrat. Einer Mitarbeiterin, die auf der Liste der Gewerkschaft Verdi kandidiert hatte, wurde einen Monat später gekündigt.[15] Bei den Betriebsratswahlen im Mai 2010 erhielt die Liste von Verdi fünf Sitze. Einem weiblichen Mitglied dieser Liste kündigte das Unternehmen einige Monate später zweimal fristlos: Sie habe eine falsche eidesstattliche Versicherung zu ihrem Freistellungsantrag für den Betriebsrat abgegeben, und sie habe mittels Handy einen Lauschangriff während einer Betriebsratssitzung versucht.[16] Beide Kündigungen wurden im Januar 2011 vom Arbeitsgericht Stuttgart für unwirksam erklärt.[17]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Der E-Shop von Breuninger verfügt über ein eigenes WebTV. Es ist Preisträger des Intermedia-globe Silver Award 2009 in der Kategorie WebTV & Infotainment. In mehreren Kanälen zeigt das WebTV Videos zu Modetrends oder präsentiert Werbebeiträge, mit der Möglichkeit, das Gesehene gleich online zu kaufen.
  • Seit dem 1. Januar 1936 hält die E. Breuninger GmbH eine Firmenmitgliedschaft beim VfB Stuttgart 1893 e.V. Seit 1. Juli 1992 ist das Unternehmen offizieller Sponsor- und Werbepartner.
  • In allen Standorten bietet Breuninger das Personal Shopping an. Speziell ausgebildete Stilberater stellen kostenlos eine persönliche Wunschkollektion auf Basis von Konfektionsgröße, Stilvorlieben, Farbvorstellungen oder Anlass vorab zusammen. In dem Stammhaus in Stuttgart wird dieses Angebot als Special Service bezeichnet.
  • Das Stammhaus in Stuttgart bietet seinen Kunden einen kostenlosen Shuttle Service an, mit dem man sich im Großraum Stuttgart abholen und wieder nach Hause bringen lassen kann.
  • In den Häusern in Stuttgart, Sindelfingen, Ludwigsburg und Freiburg findet sich zusätzlich die Breuninger Confiserie. Seit 1951 stellt sie ihre eigenen Pralinen, Torten und Gebäck in einer hauseigenen Manufaktur in Sindelfingen her.
  • Als einziges Einzelhandelsunternehmen in Deutschland besitzt Breuninger seine eigenen Friseurbetriebe. Im Stammhaus in Stuttgart (seit 1962), sowie in den Breuningerländern in Ludwigsburg (seit 1973) und Sindelfingen (seit 1980) sind die Damen- und Herren-Friseursalons Breuninger les coiffeurs mit rund 130 Mitarbeitern auf insgesamt 1.100 Quadratmetern vertreten. Außerdem verfügen les coiffeurs über ihre eigenen Kinderfriseursalons an allen drei Standorten.
  • Bereits in den 1950ern verfügte Breuninger über Fahrstühle und Rolltreppen.
  • Das Haus stellt als erstes Warenhaus seinen Kunden ein eigenes Parkhaus zur Verfügung. Die Idee hierzu brachte der damalige geschäftsführende Gesellschafter Heinz Breuninger von einer USA-Reise mit.
  • Seit den 1920er Jahren ist es für sämtliche Mitarbeiter im Kundenbereich Pflicht, nur Kleidung in den Farben Weiß, Schwarz und Grau zu tragen.
  • Im Untergeschoss des Hauses in Stuttgart – Bezeichnung Breuninger U – waren verbilligte Waren erhältlich. Heute befindet sich in diesem Bereich die Damenschuhabteilung.
  • Von 1971 bis 1988 gab es im Dachgeschoss des Stuttgarter Kaufhauses am Marktplatz das Breuninger-Bad. Beim Ausheben der Baugrube für das Kaufhaus waren die Arbeiter 1971 auf eine Quelle gestoßen. Da es sich um eine mineralhaltige Schüttung handelte, wurde das Kaufhaus im Dachgeschoss um ein Mineralbad mit 25-Meter-Becken, Sauna und Fitnessbereich erweitert. Wegen rückläufiger Besucherzahlen und steigender Kosten schloss Breuninger im Frühjahr 1988 das Bad. Das Defizit war auf mehr als eine Million Mark im Jahr angewachsen. Aus dem Bad wurde zunächst ein Fitnessclub, der nach einigen Jahren ebenfalls geschlossen wurde. Inzwischen befindet sich in diesem Bereich ein Restaurant.
  • Das Untergeschoss des Erfurter Hauses ist seit einigen Jahren an die Leipziger Feinkostkette Gourmetetage vermietet, die dort Lebens- und Genussmittel anbietet.
  • Breuninger initiierte 2012 erstmals gemeinsam mit dem Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart den Wettbewerb Animated Fashion Award, der sich an junge Köpfe aus Modedesign und Animationsfilm richtet. Es fördert innovative Filmemacher und filmerischen Nachwuchs. Der Animated Fashion Award wird im Rahmen des Trickfilmfestivals Stuttgart vergeben.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Heller, Michael: Generationswechsel bei Breuninger. Stuttgarter Zeitung, 28. April 2012, Seite 1
  2. Roland Maier: Alfred Breuninger. NS-Ratsherr und Profiteur des Naziregimes. In: Hermann G. Abmayr (Hg.): Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer bis zum Massenmörder. Stuttgart Schmetterling-Verlag 2009, S. 290-295.
  3. Roland Maier: Alfred Breuninger. NS-Ratsherr und Profiteur des Naziregimes. In: Hermann G. Abmayr (Hg.): Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer bis zum Massenmörder. Stuttgart Schmetterling-Verlag 2009, S. 295.
  4. Die Geschichte der Breuninger Stiftung. Abgerufen am 19. November 2010.
  5. Textilwirtschaft vom 22. Januar 1998: ECE managt die Breuningerländer
  6. textilwirtschaft.de: Breuninger schließt drei Häuser. 24. Februar 2006, abgerufen am 19. September 2011.
  7. faz.net: Breuninger in Düsseldorf Breuni-Bär und Exquisit-Etage, 22. Oktober 2013
  8. Denisa Richters: Sylter Sansibarfiliale im Kö-Bogen, Rheinische Post online, 23. April 2013, abgerufen am 24. April 2013
  9. rp-online.de: Breuninger unterstützt Kunstsammlung NRW, 11. Oktober 2013
  10. VfB Stuttgart 1893 e.V.: Trainingshosen runter, Anzüge an!; URL: http://www.vfb.de; 8. Juli 2011; abgerufen am 6. Januar 2012
  11. VfB Stuttgart 1893 e.V.: Großer Andrang bei Breuninger; URL: http://www.vfb.de; 13. September 2011; abgerufen am 6. Januar 2012
  12. Breuninger neuer Fashion und Lifestyle Partner von Fortuna Düsseldorf Abgerufen am 8. Februar 2013.
  13. a b mih: Breuninger wehrt sich. Stuttgarter Zeitung, 27. April 2010, online abgerufen am 27. April 2010
  14. Schiermeyer, Matthias: Von der Leyen knöpft sich Breuninger vor. Stuttgarter Zeitung, 26. April 2012, Seite 4.
  15. Poggel, Friederike: Verdi greift Breuninger an. Stuttgarter Zeitung, 22. Juni 2010, online abgerufen am 26. April 2011.
  16. Grüssinger, Barbara: Streit spitzt sich zu. Stuttgarter Zeitung, 7. Oktober 2010, online abgerufen am 26. April 2011.
  17. wos: Kündigung ist unwirksam. Stuttgarter Zeitung, 27. Januar 2011, online abgerufen am 26. April 2011.