Brewer-Nash-Modell
Das Brewer-Nash-Modell ist ein Zugriffskontrollmodell, welches die unzulässige Ausnutzung von Insiderwissen vor allem bei Börsen- oder Banktransaktionen oder Unternehmensberatungen durch IT-Sicherheitssysteme unterbinden soll. Das Modell ist auch als Chinese-Wall-Sicherheitsmodell bekannt in Anlehnung an die Metapher, dass objekt- und subjektspezifische Zugriffsbeschränkungen wie Mauern um Schutzobjekte aufgebaut werden. Benannt ist das Modell nach ihren beiden Entwicklern David F.C. Brewer und Michael J. Nash.
Das Brewer-Nash-Modell verfolgt eine benutzerbestimmbare Zugriffskontrollstrategie, welche insofern um systembestimmbare Zugriffskontrollen erweitert wird, als dass zukünftige Zugriffsmöglichkeiten eines Subjekts durch seine in der Vergangenheit durchgeführten Zugriffe beschränkt werden.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Formale Definition
Die Menge der Subjekte
modelliert die Akteure, also z. B. die tätigen Berater in einer Unternehmensberatung, während die Menge der Objekte
die Schutzobjekte darstellt, also zum Beispiel sensible Dokumente einer Bank oder eines Unternehmens.
[Bearbeiten] Zugriffsmatrix und Zugriffshistorie
Dem Brewer-Nash-Modell liegt eine Zugriffsmatrix
zugrunde, welche angibt, welche Rechte
ein Subjekt
an einem Objekt
zum Zeitpunkt
hat. Dabei sind die Rechte im Brewer-Nash-Modell durch
festgelegt.
Zusätzlich betrachtet man eine Zugriffshistorie, welche durch eine Matrix
gegeben ist. Dabei gilt, dass
genau dann, wenn es Zeitpunkte
gibt, an denen das Subjekt
auf das Objekt
mit Berechtigungen
zugegriffen hat.
[Bearbeiten] Objektbaum
Die Objekte werden in einem Objektbaum der Tiefe 3 strukturiert: Die Schutzobjekte sind die Blätter der Baumes. Die Elternknoten der Schutzobjekte stellen die Unternehmen oder Bereiche dar, zu denen die Objekte gehören. Für ein Objekt
wird das Unternehmen, dem es zugeordnet ist, mit
bezeichnet. Die Unternehmen wiederum haben als Elternknoten die Interessenskonfliktklassen, welche für ein gegebenes Objekt durch
gekennzeichnet wird. Intuitiv heißt das, dass wenn zwei Unternehmen A und B in der gleichen Interessenskonfliktklasse sind, Subjekte nicht gleichzeitig in Kenntnis von sensiblen Informationen (Objekten) sowohl über A, als auch über B kommen dürfen.
Zusätzlich markiert man Objekte, die allen Subjekten öffentlich zugänglich sein sollen, mit
und definiert für diese Objekte entsprechend die Interessenskonfliktklasse
.
[Bearbeiten] Leseregel
Nun müssen die systembedingten Zugriffsbeschränkungen definiert werden. Die erste Regel, die Leseregel, besagt, dass ein Subjekt genau dann lesenden Zugriff auf ein Objekt
erhält, wenn das Subjekt Leserecht auf das Objekt hat und für alle Objekte, auf die es bereits (mit einem beliebigen Recht) Zugriff hatte, gilt, dass sie öffentlich sind, sie dem gleichen Unternehmen wie
zugeordnet sind oder sie einer anderen Interessenskonfliktklasse als
angehören. Formal heißt das

[Bearbeiten] Schreibregel
Nur mit der Leseregel lässt sich kein ungewünschter Informationsfluss ausschließen. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass ein Subjekt
auf ein Objekt
lesend zugreift und dessen Inhalt daraufhin in ein Objekt
schreibt, welches in einer anderen Interessenskonfliktklasse als
liegt. Ein zweites Subjekt
könnte nun zuerst auf ein Objekt
zugreifen, welches in der gleichen Interessenskonfliktklasse wie
liegt, allerdings einem anderen Unternehmen angehört. Nun könnte sich
durch Lesen von
unzulässiges Insiderwissen über
aneignen, da die Inhalte von
und
übereinstimmen.
Um diesen Informationsfluss zu verhindern, definieren wir folgende Schreibregel, welche besagt, dass ein Subjekt genau dann schreibenden Zugriff auf ein Objekt
erhält, wenn es ein Schreibrecht für
besitzt und wenn für alle Objekte, auf welches das Subjekt bereits lesenden Zugriff ausgeübt hat, gilt, dass sie öffentlich oder dem gleichen Unternehmen wie
zugeordnet sind. Formal heißt das

Es wird durch diese Regel also genau der oben beschriebene Fall unterbunden, dass ein Subjekt Insiderinformationen über eine andere Interessenskonfliktklasse an einen Konkurrenten weitergibt.
[Bearbeiten] Literatur
- Claudia Eckert: IT-Sicherheit. Konzepte – Verfahren – Protokolle. 5. überarbeitete Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München u. a. 2008, ISBN 978-3-486-58270-3.
[Bearbeiten] Weblinks
- Dr. David F.C. Brewer and Dr. Michael J. Nash: The Chinese Wall Security Policy. In: IEEE (Hrsg.): Proceedings of IEEE Symposium on Security and Privacy. 1989, S. 206–214.