Brewmaxx

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Brewmaxx
Logo der Brewmaxx-Systemfamilie
Entwickler ProLeit AG
Betriebssystem Windows
Kategorie Prozessleitsystem
www.brewmaxx.de

Brewmaxx ist ein Prozessleitsystem für den Einsatz in der Brauindustrie. Mit den Software-Komponenten der Brewmaxx-Systemfamilie werden die unterschiedlichen Prozessstufen einer Brauerei automatisiert, gesteuert und überwacht. Aufgrund der strengen Ausrichtung auf diesen spezialisierten Nischenmarkt hat brewmaxx eine hohe Relevanz für die Branche.

Anwendungsgebiete[Bearbeiten]

Wegen seiner Skalierbarkeit ist brewmaxx für Anwendungen vom Einplatzsystem bis hin zum Multi-Server-System geeignet. Es wird eingesetzt bei:

  • kleineren Brauereien (bis 50 Hektoliter Ausstoß pro Sud)
  • mittelgroßen Brauereien (bis eine Mio. Hektorliter Ausstoß pro Jahr)
  • großen Brauereien (mehr als eine Mio. Hektorliter Ausstoß pro Jahr).

Einsatzorte sind vorwiegend die Automatisierung der Sudhäuser (siehe Sudhaus) und/oder der Gär- und Lagerkeller. Auch die komplette Automatisierung sämtlicher Produktionsbereiche einer Brauerei (wie z. B. bei der Warsteiner Brauerei), von der Rohwarenannahme bis zur Abfüllung, kann mit brewmaxx Prozessleitsystemen realisiert werden. Für einzelne Produktionsbereiche, wie z. B. Hilfsbetriebe, Wasseraufbereitung, Filter oder CO2-Anlagen und kleine bis mittlere Sudhäuser ist seit Mitte 2010 auch ein „kleines“ Leitsystem unter dem Namen brewmaxx compact erhältlich.

Grundsätzlich werden die Brewmaxx-Basissysteme und Module sowohl für die Automatisierung von Neuanlagen als auch in Migrationsprojekten eingesetzt. Bestehende, veraltete Leitsysteme mit strukturiertem Softwareaufbau lassen sich über Konvertierungstools auf brewmaxx migrieren.

Architektur[Bearbeiten]

Die Brewmaxx-Systemfamilie hat eine durchgängige Client-Server-Architektur und nutzt Microsoft-Standardsoftware als Basis: MS Windows als Betriebssystem für Server und Clients, MS SQL-Server als Systemdatenbank, MS Excel als Analyse-, Reporting und Engineering-Tool und MS Visual Studio als Entwicklungsumgebung für die Bedienoberfläche.

Die Architektur ist modular aufgebaut, die Brewmaxx-Software-Komponenten werden in Basissysteme und Module mit verschiedenen Ausbaustufen unterteilt. Diese können je nach Anforderung einzeln oder kombiniert für die Prozesssteuerung, die Betriebsdatenerfassung (BDE), die Prozessführung, das Produktionsmanagement und die Einbindung der ERP-Ebene eingesetzt werden (siehe Enterprise Resource Planning).

Betriebssysteme[Bearbeiten]

brewmaxx Direct iT[Bearbeiten]

Kern der Prozessleitsystemfamilie ist das Basissystem brewmaxx Direct iT. Es wird für die Steuerung sämtlicher verfahrenstechnischer Prozesse innerhalb von Brauereien eingesetzt.

Ein Alleinstellungsmerkmal von brewmaxx Direct iT bildet die Klasse Object Control Matrix (OCM). Diese ermöglicht die Parametrierung der Ansteuerungen und Überwachungen einer definierbaren Gruppe technischer Objekte (Aktoren und Sensoren) für verschiedene Aktivitäten, die im Prozessablauf auszuführen sind. brewmaxx Direct iT beinhaltet das zentrale Engineering Tool „Configuration Client“, mit dem Produktionsanlagen vollständig abgebildet werden können.

brewmaxx Liqu iT[Bearbeiten]

brewmaxx Liqu iT wurde speziell für die Steuerung und Überwachung von Prozessen im Bereich der Flüssigkeitsbehandlung entwickelt. Für die technologieorientierte Rezeptursteuerung und die Verwaltung und Erstellung von Grundrezepten kann das Prozessleitsystem brewmaxx Direct iT nahtlos mit dem Rezeptursystem brewmaxx Liqu iT erweitert werden.

Eine Besonderheit von brewmaxx Liqu iT bilden die optional erhältlichen, brauereispezifischen brewmaxx Equipmentmodule. Equipmentmodule sind Automatisierungsklassen, die Objekte von Basisklassen mit speziellen Zusatzfunktionen kombinieren. Damit können technologische Einrichtungen einer Brauerei – z. B. Würzekühlung, Hackwerksteuerung, Druckkochung – als Objekte einer Klasse angelegt und parametriert werden.

brewmaxx Acquis iT[Bearbeiten]

brewmaxx Acquis iT erfasst, verarbeitet und archiviert Prozess-, Produktions-, Betriebs und Maschinendaten für ein anlagenweites Informationsmanagement. Es bietet neben der reinen Produktionsdatenerfassung außerdem die Möglichkeit zur Ad-hoc-Auswertung der erfassten Daten und zur Visualisierung.

Als Schnittstelle kommt bevorzugt OPC (siehe OLE for Process Control) zum Einsatz, wobei abhängig von den anzubindenden Steuerungen verschiedene OPC-Server verwendet werden können. Zusätzlich steht eine treiberbasierte Schnittstelle für nicht OPC-fähige Systeme zur Verfügung. Das ermöglicht eine einfache und flexible Ankopplung verschiedenster Steuerungssysteme, wie z. B. von Mitsubishi Electric, Allen-Bradley, Siemens, VIPA oder andere. brewmaxx Acquis iT kann sowohl zur reinen Betriebsdatenerfassung als Stand-Alone-Lösung sowie in Kombination mit einem bestehenden Brewmaxx-Basissystem eingesetzt werden.

Standards[Bearbeiten]

Die Betriebsdatenerfassung mit brewmaxx Acquis iT basiert auf den Weihenstephaner Standards. Der Lehrstuhl für Lebensmittelverpackung der Technischen Universität München in Weihenstephan entwickelte in Zusammenarbeit mit Vertretern aus der Industrie und mit Unterstützung der Wissenschaftsförderung der Deutschen Brauwirtschaft einen Standard für die Anbindung von BDE-Systemen an Getränkeabfüllanlagen.

Der Standard umfasst die einheitliche Bereitstellung und die Struktur der Daten aus Steuerungen unterschiedlicher Hersteller. Die Weihenstephaner Standards 2000 enthalten die Vorgaben für den Inhalt eines Standard BDE-Pflichtenheftes für Abfüllanlagen, die Weihenstephaner Standards 2005 beschreiben die Schnittstellen und die Datenbereitstellung für Abfüll- und Verpackungsanlagen in der Getränkeindustrie.

Module[Bearbeiten]

Brewmaxx material[Bearbeiten]

Brewmaxx material ist ein prozessnah arbeitendes Materialmanagement mit transaktionsgenauer Online-Sicht auf alle Materialbewegungen, die basierend auf einer passend zum Prozess abgebildeten Lagerstruktur erfasst werden. Die Erfassung dieser Informationen ermöglicht neben der Bestandsführung auch Recherchen und statistische Auswertungen sowie die Chargenrückverfolgung. Für auftrags- und rezepturgesteuerte Produktionsprozesse kann das Basissystem brewmaxx Liqu iT nahtlos mit dem Modul brewmaxx material erweitert werden.

Brewmaxx integrate[Bearbeiten]

Das Modul brewmaxx integrate erfasst prozessrelevante Informationen aus unterschiedlichsten Anlagen und Prozessbereichen und ermöglicht deren bereichsübergreifende Integration hinsichtlich des Informationsmanagements. Die Reporting-Komponente von brewmaxx integrate arbeitet mit web-basierten Clients, d. h. der Zugriff ist installationsfrei und unabhängig vom Vorhandensein eines brewmaxx Clients möglich. Dadurch können auch nicht prozessnahe Arbeitsplätze (z. B. Werksleiter) problemlos in das Gesamtsystem integriert werden.

Brewmaxx connect[Bearbeiten]

Das Modul brewmaxx connect ist eine frei parametrierbare Schnittstelle zum universellen Datenaustausch zwischen brewmaxx Systemen und verschiedensten Fremdsystemen. Dazu zählen Client/Server- oder Host-basierte Systeme wie z. B. ERP-, LIMS- und Instandhaltungs-Systeme, bis hin zu intelligenten Mess- und Analysegeräten (wie z. B. Inspektoren und Wägesystemen). Für jede der mittels brewmaxx connect implementierten Schnittstellen bietet das System eine detaillierte Online-Diagnose, die eine weitgehende Analyse von Kommunikationsvorgängen erlaubt.

Produktmerkmale[Bearbeiten]

brewmaxx ist durchgängig als mehrsprachiges System konzipiert. Es bietet auf der Anwendungsebene eine rechnerabhängige Sprachumschaltung für die Bedienoberfläche und ist mehrsprachig projektierbar. Die Kommunikation erfolgt über Ethernet-Verbindungen TCP/IP und OPC.

Das Standardsystem wird in deutscher und englischer Sprache ausgeliefert. Die Sprachen Russisch und Spanisch sind optional als vorkonfiguriertes Language Package verfügbar. Weitere Sprachen können je nach Anforderung integriert werden.

Archivierung[Bearbeiten]

Die Archivierung der Prozesswerte erfolgt über MS-SQL-Datenbanken. Ältere Dateien werden aus der Produktionsdatenbank in eine Archivdatenbank ausgelagert und gelöscht, um genügend Speicherplatz für die fortlaufende Datenerfassung zu gewährleisten. Gleichzeitig bleibt damit die Datenmenge in der Produktionsdatenbank begrenzt und die Zugriffe auf die Datenbank bleiben schnell. Für die Auswertung stehen die Daten der Archiv- und der Produktionsdatenbank gemeinsam zur Verfügung, die Recherche-Tools greifen automatisch in beide Bereiche.

Bedienoberfläche[Bearbeiten]

Das Erstellen von Prozessbildern erfolgt mittels Microsoft-Entwicklungsumgebungen. Für die Visualisierung von Prozessdaten steht im Standardsystem eine Bibliothek von Prozessbild-Controls zur Verfügung, die anwenderspezifisch erweitert werden kann. Für die Erstellung neuer Prozessbilder ist ein Prozessbild-Wizard integriert.

Benutzerverwaltung[Bearbeiten]

Die Benutzerverwaltung ermöglicht den Aufbau eines hierarchischen Berechtigungssystems. Damit werden unterschiedlichen Benutzern und Benutzergruppen Zugriffsrechte zugewiesen. Die Benutzerverwaltung ist in das übergreifende Parametrierungstool, dem Configuration Client, integriert.

Berichtswesen[Bearbeiten]

Die Reportfunktionen von brewmaxx unterstützen ein bereichsübergreifendes, konfigurierbares Berichtswesen. Mit dem Report-Designer ist ein selektiver Zugriff auf die gesammelten Prozess- und Materialdaten möglich. Die erfassten Daten stehen z. B. in Form von Sudberichten oder Tankberichten zur Verfügung.

Engineering[Bearbeiten]

Bei der Anlagenprojektierung wird die Erzeugung von Programmcode weitestgehend durch Parametrierung und Download von Daten (Objektdatensätze) ersetzt. Alle Brewmaxx-Systemmodule verfügen über eine zentrale Engineering-Umgebung mit einem gemeinsamen Datenbestand und einer durchgängigen parametrierbaren Oberfläche, dem „Configuration Client“.

Meldesystem[Bearbeiten]

Das Meldesystem ist ein Bestandteil der Überwachungsfunktion. Alle Meldungen werden in einer zentralen Datenbank erfasst, die Projektierung der Meldungen ist in mehreren Sprachen möglich. Durch Filter können bestimmte Meldungen ausgewählt werden, wobei mehrere Meldezeilen mit verschiedenen Filtern angezeigt werden können.

Messwerte[Bearbeiten]

Es können verschiedene Messwertsichten als Kurven oder Binärspuren grafisch dargestellt werden. Die Zusammenstellung der Messstellen erfolgt im Configuration Client.

Visualisierung und Fehlerdiagnose[Bearbeiten]

Visualisierungsdaten bestimmter Automatisierungsklassen können mit dem Add-on brewmaxx Visu-Recorder aufgezeichnet werden. Diese Anwendung zeichnet Abläufe ähnlich wie bei einem Video-Rekorder auf und gibt diese direkt im Prozessbild wieder. Dabei ist die Wiedergabegeschwindigkeit wählbar. Der Visu-Recorder wird vor allem für die Fehlerdiagnose bei komplexen Prozessen eingesetzt.

Einsatz und Verbreitung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Weißbiermarken

Als spezialisierte Branchensoftware genießt brewmaxx international hohe Relevanz. Von den 25 größten Weißbiermarken Deutschlands produzieren bereits 9 Brauereien mit brewmaxx. Damit liegt der Marktanteil von brewmaxx gemessen an der Gesamtproduktionsmenge in dieser Gruppe bei ca. 47 %. Darüber hinaus wird brewmaxx als Lehrsystem für Prozessleittechnik für Brauereien an der Technischen Universität München (TUM) eingesetzt.

Rang Marke/Brauerei Produktionsmenge (hL)
1 Erdinger, Erding 1,587,000
4 Radeberger Gruppe KG, Frankfurt 900,000*
5 Oettinger, Oettinger Brauerei, Öttingen 650,000*
7 Schneider, Kelheim 260,000*
8 Maisel's Weiße, Brauerei Gebrüder Maisel, Bayreuth 255,000
14 Sanwald, Stuttgart 130,650
15 Gutmann, Titting 120,000*
20 Edelweissbrauerei Farny, Dürren 66,000
25 Privatbrauerei Distelhausen, Distelhausen 44,900

Quelle: Brauwelt.[1]
*Die aufgeführten Mengen wurden in der Quelle als Schätzwerte ausgewiesen.

Biermarken

Unter den top 56 Biermarken Deutschlands verzeichnet brewmaxx einen Anteil von 30 %.

Rang Marke/Brauerei Produktionsmenge (hL)
5 Oettinger, Oettinger Brauerei, Öttingen 2,656,000*
7 Warsteiner 2,257,000
8 Radeberger Pilsener, Radeberger Gruppe KG, Frankfurt 1,793,000*
12 Sternburg (siehe Sternburg (Bier)) 1,410,000*
13 Erdinger 1,402,000
21 Jever 1,050,000*
24 Köstritzer 780,000*
26 Schöfferhofer 685,000*
30 Privat-Brauerei Heinrich Reissdorf 632,000
usw.

Quelle: Brauwelt.[2]
*Die aufgeführten Mengen wurden in der Quelle als Schätzwerte ausgewiesen.

International[Bearbeiten]

Die Fachzeitschrift Brauwelt veröffentlichte in Ausgabe Nr. 36/2010 eine Liste der 40 größten Brauereigruppen der Welt (zum Stand vom 31. Dezember 2009). Die Quelle für diese Liste war der Barth-Report 2009/2010. Unter den weltweit führenden 10 Produzenten befanden sich 7 Brauereigruppen, die u.a. in ihren Produktionsstätten das Prozessleitsystem brewmaxx einsetzen.

Rang Gruppe Marktanteil (weltweit)
1 Anheuser-Busch InBev 19,8 %
2 SABMiller 9,6 %
3 Heineken 8,8 %
4 Carlsberg (Brauerei) 6,4 %
5 China Resource Brewery Ltd. 4,6 %
6 Tsingtao Brewery Group (siehe Tsingtao (Brauerei)) 3,3 %
9 Yanjing (siehe Yanjing-Bier) 2,6 %

Quelle: Brauwelt.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits die Vorgängersysteme der Brewmaxx-Plattform waren mit den Technologischen Funktionen (TF) für brauereispezifische Anforderungen verfügbar. Der große Bruder von brewmaxx ist das Prozessleitsystem Plant iT, welches von der ProLeiT AG entwickelt und vertrieben wird. Plant iT ist die branchenneutrale Lösung für die Bereiche: Nahrungsmittel & Getränke (AfG), Milchwirtschaft, Futtermittel, Pharma & Chemie und Biodiesel & Bioethanol. Es ist in vielen Bereichen identisch mit den Brewmaxx-Komponenten, verfügt jedoch zusätzlich über ein ISA 88 konformes Batchsystem (siehe Chargenprozess).

Unter dem Namen brewmaxx wird die Software seit 1997 vertrieben und kontinuierlich weiterentwickelt.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Entwicklung der 25 größten Weissbiermarken. In: Brauwelt. Nr. 30, 2010.
  2. Inlandsabsatz der grössten Biermarken in hL. In: Brauwelt. Nr. 21-22, 2010.
  3. Die 40 grössten Brauerei-Gruppen der Welt per 31. Dezember 2009. In: Brauwelt. Nr. 36, 2010. (Basis: Der Barth-Report 2009/2010.)