Brezel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur gleichnamigen Wappenfigur siehe Brezel (Heraldik).
Brezel

Brezel (althochdeutsch brezitella), auch Breze, in Bayern/Österreich Brezn, wienerisch auch Brezerl, im Schwäbischen auch Bretzet oder Bretzg / Bretzga (sing./pl.), im Badisch-Alemannischen oft Bretschl genannt,[1] ist eine vor allem in Süddeutschland, in Österreich und im Elsass verbreitete Gebäckform, bei der das herausstechende Merkmal der in sich symmetrisch verschlungene Teigstrang ist. Alle Formen des Namens gehen auf das lateinische brachium („der Arm“; für das Aussehen von übereinander verschränkten Armen) zurück.

Die Brezel ist das häufigste Gebildbrot und wie auch andere Gebildbrote Gegenstand zahlreicher Sagen und Mythen, die meistens die Entstehung der Brezelform betreffen.

Etymologie[Bearbeiten]

Wort und Sache sind hauptsächlich mit dem oberdeutschen Raum verbunden, und alle Dialektvarianten sind bereits im Mittelalter belegt; sie „gehen allesamt letzten Endes auf Ableitungen von lat[einisch] brachium ‚Arm‘ zurück (spätlat[einisch] auch brāc[c]hium [...]): eines der vielen lat[einischen] Lehnwörter der aufblühenden karolingischen Klosterkultur. Hier handelt es sich um die Bezeichnung für ein urspr[üngliches] ‚Devotionsgebäck‘, darum noch heute in katholischen Gegenden Oberdeutschlands besonders heimisch [...]“[2] (Literaturverweise ausgelassen). Das Benennungsmotiv sind die verkreuzten Enden, die mit ineinander geschlungenen Armen verglichen wurden.[3]

Wohl auf mittellateinisches brachiolum (ursprüngliche Bedeutung: ‚Ärmchen‘) dürfte althochdeutsch brezzila, mittelhochdeutsch brêzel, prêzel, brêzile, prêzile, neuhochdeutsch Brezel zurückgehen. Ein unbelegtes mittellateinischen Wort *brachītum (ursprüngliche Bedeutung: ‚armförmig‘ oder ‚Ärmchen‘; oder vielleicht braciata[3]) scheint die Quelle für althochdeutsches brezzita (auch brezita geschrieben) zu sein, das in bairisch pretzede und schwäbisch brezet (beide weiblichen Geschlechts) fortlebt. Ein nicht direkt belegtes mittellateinisches *brachiatellu (vorausgesetzt von toskanisch-italienisch bracciatello und anderen romanischen Formen wie altprovenzalisch brasadel ‚ringförmiges Gebäck‘) liefert die althochdeutsche Dialektvariante brezitella oder brezitel.

Als späte Kurzform wird althochdeutsch brezza betrachtet, das erst in Handschriften ab dem 12. Jh. in Glossen belegt ist (brezin im 12. Jh., preczn̄ im 14. Jh., Formen des Nominativ Singular, die bairisch Brezn genau entsprechen) und heute mundartlich in Baden, Württemberg, dem bairischen Sprachraum und teilweise im Fränkischen weiterlebt, doch meist als Nebenform von Brezel.

„Im Spätmittelalter vereinigten sich diese vielfältigen Wortbildungen in einer erst vom 12. Jh. an bezeugten, aber m[undartlich] noch heute besonders beliebten Kurzform brezza; sie finden sich alle in verschiedenen H[andschriften] nebeneinander verzeichnet an der Glossenstelle 3,153,31ff.: brezita, brezta, brezin, brezitella, bretzinta (Kontamination?). Was den Wandel des gram[matischen] Geschlechts zum heute meist üblichen Fem[ininum] (neben Mask[ulinum]) anbelangt, so mag bei dem vorwiegenden Gebrauch der neutr[ischen] Pl[ural]formen auf -a im Lat[einischen] diese Endung sich auch als Fem[ininum] S[ingular] eingebürgert haben.“

Lloyd-Springer: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen[2]

Form und Geschichte[Bearbeiten]

Diese Illustration aus dem Hortus deliciarum (12. Jahrhundert) zeigt die vermutlich älteste Darstellung einer Brezel.

Vor allem an der Form lassen sich lokale Unterschiede erkennen. Während bei bayerischen, österreichischen oder auch badischen Brezeln der Ansatz der Ärmchen weiter oben liegt, sitzen bei den schwäbischen Brezeln die Ärmchen sehr tief, wobei der obere Bogen, auch Bauch genannt, sehr viel weiter ist. In den meisten schwäbischen und badischen Regionen wird dieser Bauch auch mit einem Schnitt versehen, der beim Backen zu einem klar gezeichneten Ausbund führen soll.

Die Brezel ist ursprünglich eine christliche Fastenspeise. Die Verwendung der Brezel in der Fastenzeit hat Pieter Bruegel d. Ä. in einem allegorischen Bild dargestellt (Kunsthistorisches Museum Wien). Links im Bild ist die pralle Karnevalszeit dargestellt, während rechts der magere Fastenzug zieht. An verschiedenen Stellen findet man im Fastenzug helle (ungelaugte) Bretzeln.

Völlig gesicherte Quellen des Ursprungs gibt es allerdings kaum. Meyers Konversationslexikon von 1905 vermutete den Ursprung in einem Verbot heidnischer Backwaren (etwa in Form eines Sonnenrads) auf der Synode von Estinnes (als „Konzil von Leptinä“ bezeichnet) im Jahre 743. Als Ersatz sei die Brezel entstanden.[4]

Die vermutliche erste graphische Darstellung befindet sich in der elsässischen Encyklopädie Hortus deliciarum um 1160. [5]

Einer Legende nach wurde die Brezel von einem Bäcker aus Bad Urach erfunden, der durch einen Frevel bei seinem Landesherrn sein Leben verwirkt hatte. Da der Bäcker jedoch vorher gute Dienste geleistet hatte, sollte ihm noch eine Chance gegeben werden. „Back einen Kuchen lieber Freund, durch den die Sonne dreimal scheint, dann wirst du nicht gehenkt, dein Leben sei dir frei geschenkt.“ Der Bäcker ging ans Werk und erfand dabei die Brezel. Im Unterelsass (Musée de Bouxwiller et du Pays de Hanau) ist ähnliches überliefert. Ebenso rühmt sich die Gemeinde Altenriet der Erfindung der Brezel.[6]

Schlingen der Form[Bearbeiten]

Brezelschlingmaschine in Arbeit

Bäcker verwenden zum Schlingen von Brezeln eine spezielle Wurftechnik. Ein Teigstrang wird mit beiden Händen gerollt und dabei nach außen gezogen, sodass er sich an den Enden verdünnt. Dann wird er an den beiden Enden gehalten und durch eine kurze, ruckartige Bewegung wird die verdickte Mitte in einen 180°-Drall versetzt und gleichzeitig auf der Arbeitsfläche abgelegt. Danach werden die beiden Enden noch an den Seiten angedrückt.[7] Dieser handwerkliche Vorgang dauert in der Praxis etwa eine Sekunde, wobei es dafür oft jahrelanger Übung bedarf, um eine „perfekte Brezel“ zu schlingen.

In großen Betrieben werden auch spezielle Brezelschlingmaschinen verwendet.[8][9]

Varianten[Bearbeiten]

Abhängig von Regionen, Traditionen und Anlässen werden die unterschiedlichsten Brezeln gebacken. Innerhalb der einzelnen Bereiche gibt es verschieden garnierte Arten. Brezeln sind als Frischware oder Dauergebäck beliebt. Die Größen reichen von wenigen cm bis knapp einem halben Meter.

Süße Varianten[Bearbeiten]

Schwäbische Palmbrezel
Russenbrezel
Pfannkuchenbrezel – Brezel aus süßem Hefenteig
Denkmal Burger Brezelbäcker
Blätterteig-Nussbrezel

Die Palmbrezel aus süßem Hefeteig wird in Teilen Schwabens am Palmsonntag gebacken.

Regional verbreitet ist auch die sogenannte Martinsbrezel, die zum St. Martinstag aus süßem Hefeteig gebacken und oft mit Hagelzucker bestreut wird. In der Regel wird sie nach gemeinsamen Martinszügen an Kindergärten oder Schulen an die Besucher verteilt.

Beim Konditor findet man auch süße Brezeln, zum Beispiel die oft auch noch gewendelte Blätterteig-Nussbrezel oder die Russenbrezel. Im Großraum Stuttgart und weiten Teilen Württembergs sind diese süßen Brezeln – benannt nach der württembergischen Königin Olga – auch als Olgabrezeln bekannt.

Im Rheinland sind süße Brezeln, deren beiden Kreise mit Vanillepudding gefüllt sind, eine weitere beliebte Variante. Sie heißen „Puddingbrezel“ oder „Puddingteilchen“ – umgangssprachlich auch „Eiterbrille“.

In der Form kleiner Brezeln wird auch Weihnachtsgebäck aus Mürbeteig gefertigt.

Die in Baden und Schwaben bekannten Neujahrsbrezeln sind ungelaugt. Sie werden meist aus einem Milchteig oder süßen Hefeteig hergestellt und sollen Glück und Wohlergehen verheißen. Sie haben einen Durchmesser von 30 cm bis über einen Meter. Sie wiegen bis zu 2,5 kg und sind meist mit Verzierungen, wie etwa einem Zopfmuster und Jahreszahlen, versehen. Dabei gibt es regional den Brauch, dass die Kinder ihre Neujahrsbrezel (zusammen mit einem Spargroschen) bei ihren Paten abholen. Ähnliche Neujahrsbrezeln kennt man auch im zentralen Rheinland. Sie ersetzen ein Frühstücksbrot und werden gern der Familiengröße entsprechend beim Bäcker vorbestellt. Sie messen etwa 40 Zentimeter bis einen Meter in der Breite und sind aus einem geflochtenen weichen Weckteig geformt, meist mit etwas Zuckerguss oder grobem Zucker oder Mandelscheiben bestreut, manchmal mit Marzipan gefüllt.

In der Kurpfalz und den angrenzenden Gebieten wird im Frühjahr ein Sommertagszug veranstaltet, bei dem die Kinder mit einem geschmückten Stecken durch die Straßen ziehen, auf dessen Spitze eine ungelaugte Brezel aus süßem Hefeteig gesteckt wird, die sogenannte Sommertagsbrezel.

Regional verbreitet sind Brezeln aus süßem Hefeteig, die in Fett ausgebacken und danach gezuckert werden – demzufolge ein Siede- oder Fettgebäck in Brezelform, das auch als Faschingsbrezel bekannt ist.

Schloss Burg an der Wupper bei Solingen ist für die Burger Brezel bekannt, deren Konsistenz und Geschmack an Zwieback erinnern. Um die Zutaten machen die örtlichen Bäcker ein Geheimnis. So heißt es im Volksmund, die Burger Brezeln seien aus „Wupperwasser und Lehm“. Es gibt sie auch in großer Form; diese Brezeln haben ein Bändchen, so dass man sie um den Hals hängen kann. In Unterburg steht ein Denkmal für die Brezelbäcker, die früher ihre Waren in Kiepenkörben auslieferten.

Salzige Varianten[Bearbeiten]

Laugenbrezel[Bearbeiten]

Schwäbische Laugenbrezel
Münchner Brezen
Salzbrezelchen
Biberacher Fastenbrezeln

Die typische Brezel-Variante ist die Laugenbrezel. Eine Laugenbrezel besteht traditionell aus Weizenmehl, Malz, Salz, Backhefe und Wasser. In manchen Regionen wird auch Fett, meist Schweineschmalz, zugegeben. Varianten sind aus Vollkorn-, Dinkel- oder Mischmehlen erhältlich. Zum Bestreuen des gelaugten Teigkörpers vor dem Backen verwendet der Bäcker Salz in verschiedenen Körnungen oder Kümmel oder auch Ölsaaten wie Sesamsaat. Die Teigführung von Brezelteigen ist aufgrund der langen Aufarbeitungszeit, im Unterschied zu anderen Hefeteigen, meist sehr fest und kühl. Die Teigausbeute liegt hierbei bei etwa 140.

Die Brezel wird vor dem Backen für wenige Sekunden in 3–5 %ige Natronlauge (E 524), (pH-Wert 13–14) getaucht. Beim Backen reagiert das Natriumhydroxid durch die Wärmeeinwirkung mit dem Teig an der Oberfläche des Gebäcks. Die Hydrolyse, d. h. Zersetzung von Proteinen im Teig beschleunigt und fördert die Maillard-Reaktion (Bräunungsreaktion). Die Brezel erhält dadurch die für Laugengebäck typische braune Färbung und dessen speziellen Geschmack.

Idealerweise hat der in sich symmetrisch verschlungene Teigstrang der Laugenbrezel außen eine knusprig-ledrige Salzkruste und innen einen weichen Hefeteigkörper, ist am sanft geschwollenen Bauch etwas aufgesprungen und saftig, in den dünnen Teigarmen kross, aber nicht trocken. Die übliche Größe beträgt etwa 15 cm im Durchmesser des Gebäckteiles, bei einem Durchmesser des Teigstranges von knapp einem bis vier Zentimeter.

In Privathaushalten wird die Natronlauge oft durch eine weniger gefährliche und leichter zu erhaltende Soda- also Natriumcarbonatlösung (E 500) ersetzt. Diese kann durch Kochen einer Lösung von Natron (NaHCO3 in Wasser) hergestellt werden, wobei CO2 entweicht:

2 \mathrm{NaHCO}_3 (aq)   \longrightarrow   \mathrm{Na}_2\mathrm{CO}_3 (aq) + \mathrm{CO_2} (g) + \mathrm{H_2O}

Laugenbrezeln werden häufig „belegt“ angeboten. Die Butterbrezel, eine aufgeschnittene und mit Butter bestrichene Brezel, ist vor allem im süddeutschen Raum als Imbiss beliebt. Daneben gibt es beispielsweise noch Belag mit verschiedenen Käsesorten, Leberwurst, Schinken.

Weitere[Bearbeiten]

Wiesnbrezn
Besonders zur Wiesnzeit, wenn in München das Oktoberfest gefeiert wird, begegnen einem auch wesentlich größere Wiesnbrezn. Diese Breze ist im Stil der Münchner Brezn, die im Vergleich zu ihren schwäbisch-alemannischen Nachbarn eine etwas hellere Kruste (hellgelb bis gebräunt statt rotbraun oder dunkelbraun) und eine schon eher in Richtung frischem Weißbrot oder Semmeln gehende Konsistenz aufweisen. Sie eignen sich damit beispielsweise gut zum Auftunken von Bratensaft. Die für das Allgäu typische Bretzga weist dagegen ein lange feucht bleibendes Inneres auf, das am ehesten mit dem einer ähnlich hergestellten Laugensemmel vergleichbar ist.
Weidenberger Anisbrezen
Anisbreze
Die Anisbreze ist ein typisch oberfränkisches Gebäck. Eine Weidenberger Besonderheit sind die Brezenwochen. Der Name kommt daher, dass in der Faschingszeit während der Brezenwochen Anisbrezen auf jedem Tisch stehen oder gereicht werden. In diesen Wochen haben die Wirtshäuser wochenweise nacheinander ‚Brezen‘. Damit verbunden sind besondere Gerichte, wie Krenfleisch und verschiedene Braten. Es wird eine aufwändigere Küche als sonst betrieben.
Fastenbrezeln
In Biberach an der Riß werden in der Fastenzeit weiße Fastenbrezeln produziert. Sie werden vor dem Backen kurz in heißem Wasser gekocht und erst nach dem Backen gesalzen. Diesen ähneln, in manchen Teilen Bayerns, vor allem Niederbayerns, ganzjährig erhältliche ungelaugte, weiße Brezen, die mit Salz und Kümmel bestreut werden. Im südlichen Oberbayern werden diese Brezen auf die Palmbuschen gehängt. Eine leichte Abwandlung dieser Brezen findet man in Oberfranken rund um Bamberg: sie bestehen aus einem weißen Brötchenteig und werden normal im Ofen gebacken. Danach wird die Oberseite mit Wasser bestrichen und in Salz getaucht. In den hiesigen Bäckereien wird diese Art als Breze bezeichnet (wohingegen in vielen Teilen Deutschlands unter „Breze“ eine Laugenbreze verstanden wird).
Partybrezel
Eine weitere beliebte Variante ist die Partybrezel. Es handelt sich hier meist um eine große Brezel (Durchmesser von bis zu 50 cm oder mehr), die wie ein belegtes Brötchen befüllt wird. Bei der Bestellung kann man meist die Anzahl der Personen angeben, für die die Brezel bestimmt ist. Dementsprechend wird dann die Größe angepasst. Die größten Brezeln sind für rund 30 Personen bestimmt.
Pretzels
In den USA sind Pretzels vor allem als knuspriger Snack (ähnlich den Salzstangen) aus der Tüte bekannt (Dauerbackware). Die beiden Marktführer sind „Rold Gold“ und Snyder’s of Hanover. In Philadelphia werden sie dagegen weich und frisch gebacken und mit Senf serviert.

Geschützte geografische Bezeichnung[Bearbeiten]

Auf Basis der Durchführungsverordnung Nr. 161/2014 hat die Europäische Kommission am 21. Februar 2014 ein bayrisches Laugengebäck, „dessen Teigstränge zwei zum Gebet verschränkte Arme symbolisieren [und] eine satt-glänzende kupferbraune Krustenfarbe [hat] zu der die beim Backen entstandenen wilden Risse im Brezenborgen einen hellen Kontrast bilden“ die Bayrische Brezn zur Geschützten geographische Angabe erhoben. So sind andere Imitate wie die amerikanische Variante ausgeschlossen. Neben „Bayerische Brezn“ wurde „Bayerische Brezen“, „Bayerische Brenzel“ und „Bayerische Brez'n“ (mit Deppen-Apostroph) geschützt. Der Vorsitzende der CSU-Europagruppe, Manfred Ferber, sagte dazu: „Die bayerische Breze erkennt man am Geschmack und nicht an der Schreibweise“. Die unterschiedlichen Schreibweisen wurden auf Drängen des Bundesjustizministeriums aus markenrechtlichen Gründen geschützt.[10]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Handwerkerbrunnen auf dem Königsplatz in Speyer mit der Statue eines Brezelbuben

Eines der größten Volksfeste am Oberrhein ist das sechstägige Speyerer Brezelfest am zweiten Wochenende im Juli, das ganz im Zeichen der Brezel steht. Im Mainzer Stadtteil Bretzenheim findet jährlich das Brezelfest statt, zu diesem Fest wird auch die Brezelkönigin gekürt. Auch beinhalten die Ortswappen von Bretzenheim, Mainz-Bretzenheim und Altenriet Brezeln.

Von 1318 bis 1801 ritt einmal im Jahr der Brezenreiter durch München, der Brezen verteilte und eine aus einer Familienstiftung finanzierte Spende am Heilig-Geist-Spital von ca. 3000 Brezen für die Armen der Stadt ankündigte. Ab 2005 wurde dieser Ritt von einer Privatinitiative im Rahmen der Brauchtumspflege wiederbelebt. Jährlich findet am Palmsonntag in Altenriet der Brezelmarkt statt.

Bei der Kringelhöge, dem Fest der Stecknitzfahrer in der Hansestadt Lübeck, werden seit dem Mittelalter Kinder mit Brezeln beschenkt. Erst seit 1948 besteht in Osnabrück (Niedersachsen) der Brauch, Kinder beim Steckenpferdreiten zur Erinnerung an den Westfälischen Frieden von 1648 mit süßen Brezeln zu beschenken.

Ein Volksfest zu Ehren der Brezel findet seit 1883 etwa alle drei Jahre in Bottrop-Kirchhellen statt. Wer dabei eine Riesenbrezel mit einem Holzknüppel von einer Stange abwirft, wird neuer Brezelkönig der sogenannten Brezelbrüder.

Abgeleitete Bezeichnungen und Symbole[Bearbeiten]

Zeichen der Bäckerzunft als Ladenschild

Die Brezel ist ein traditionelles Zeichen des Bäckerhandwerks. Brezelabbildungen finden sich in den Wappen von Bäckerzünften, auf den Ladenschildern von Bäckereigeschäften und in den Firmenlogos vieler Bäcker und Backwarenhersteller (wie etwa der Großbäckereien Kamps und Ditsch), und auch beispielsweise im Logo des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks und der Dänischen Bäcker- und Konditorenvereinigung.

Wegen ihres hohen Symbolwertes und ihrer Beliebtheit wird der Name der Brezel auch gerne zur Benennung verschiedenster Dinge verwendet. So gibt es wohl nicht nur in München (Brezn) und Neustadt an der Weinstraße (Brezel) gleichnamige Gasthäuser. Für eine Wohltätigkeitsveranstaltung der Unicef wurden 2004 in München Peace-Brezn in Form des Peace-Zeichens gebacken und verkauft. Auch zur Namensgebung für eine aufblasbare Regenwald-Forschungsstation, die in Form eines verschlungenen Wurms mit Netz als Plattform auf die Baumkronen gelegt wird, diente wegen der ähnlichen Form die Brezel als Namenspatin: Die Station heißt SolVin-Bretzel. Das Bremer Zentrum für Literaturdokumentation in der Germanistik des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Bremen nennt sich abgekürzt ebenfalls BreZeL. Es gibt auch eine Band „Die Brezn“. Für VW Käfer der ersten Bauserien hat sich wegen des senkrecht geteilten Heckfensters der Begriff „Brezelkäfer“ eingebürgert.

In Bayern wird die Bezeichnung Brezn vielerorts synonym für gelaugtes Gebäck gebraucht, also Brezn-Stangerl, Brezn-Semmerl, Brezn-Zopf für gelaugtes Kleingebäck in der jeweiligen Form.

In Altbayern und Österreich ist eine Brezn, die man reißt, ein zumindest mittelschwerer Sturz oder Unfall, bei dem es einen zerbrezelt. Dieses Verb bedeutet daher „stürzen, verunfallen, zerstört werden“ (ea hod á [gscheide] Brezn grißn; aufpassn, sonst dabrezlt's di!), weil jemand, der gestürzt ist, verdreht wie eine Brezel am Boden liegt. Eine umgangssprachliche Bedeutung aus dem bairischen Sprachraum ist: Jemandem eine Brezn geben für „jemanden verbal oder körperlich attackieren“. Das Verb sich aufbrezeln steht für „gut anziehen, schminken, sich herausputzen“. Oder man kann auch „eine Brezel haben“ bzw. in Schwaben „A Brezg em Gsicht“ („Eine Brezel im Gesicht haben“), das heißt dann so viel wie betrunken oder angeheitert sein.

Im Bairischen bezeichnet der Ausdruck Breznsoizer (Brezensalzer) eine Person, die untergeordnete Tätigkeiten ausübt. Der Begriff stammt vermutlich aus der Umgangssprache der Bäcker, die das Salzen der Brezen gerne den Lehrlingen überließen. Zumeist wird der Begriff in der Redewendung „I' bin doch ned Eahna Breznsoizer!“ gebraucht, mit der man jemandem klarmachen möchte, dass man sich nicht von ihm herumkommandieren lässt. Gelegentlich wird der Begriff auch als bloßes Schimpfwort benutzt.

Brezeln in anderen Ländern[Bearbeiten]

Viipurinrinkeli aus Vyborg (Finnisch: Viipuri)
Moderner Brezelstand im Zürcher Bahnhof Stadelhofen

Als deutscher Kulturimport ist die Brezel (als Pretzel) auch in den Vereinigten Staaten beliebt, allerdings wird sie dort – dem amerikanischen Geschmack entsprechend – üblicherweise als Weichgebäck und mit deutlich höherem Zuckeranteil als in Deutschland hergestellt und beim Verzehr oft mit Senf bestrichen oder auch in Käse gedippt. Der erste Hersteller war Julius Sturgis (Lititz, Pennsylvania, 1861). Eine Fastfood-Kette, die sich ganz auf die Herstellung von Brezeln spezialisiert hat und die in den USA Hunderte von Niederlassungen betreibt, ist das 1988 in Lancaster gegründete Unternehmen Auntie Anne's.

In der ehemals finnischen Stadt Vyborg (finnisch Viipuri, heute in Russland) gibt es eine Brezelvariante, die als Viipurinrinkeli benannt ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Irene Krauß: Gelungen geschlungen. Das große Buch der Brezel. Silberburg-Verlag, Tübingen 2004, ISBN 3-87407-550-8.
  • Barbara Kosler, Irene Krauß: Die Brez’l – Geschichte und Geschichten. Verlag Edition Infotainment Verlags GmbH, München 1993 (zu beziehen beim Deutschen Brotmuseum Ulm).
  • Brotrezepte aus ländlichen Backstuben. Landbuch Verlag, Hannover 2001, ISBN 3-7842-0614-X.
  • Oskar Maria Graf: 3 Bäckergeschichten nebst 150 Rezepten für die Brezelbäckerei. Undatierter Nachdruck aus den Jahrbüchern der Firma Diamalt.
  • Karl Kietz: Die Zwieback- und Brezelbäckerei in Groß- und Kleinbetrieb, o.O., o.J.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Atlas zur deutschen Alltagssprache – geographische Verteilung der Bezeichnungen „Bre(t)z-“, Universität Augsburg
  2. a b  Albert L. Lloyd, Rosemarie Lühr, Otto Springer: Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen und Zürich 1997ff., S. 330f. (s. v. brezzila) (Google Books).
  3. a b  Friedrich Kluge, Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Auflage. de Gruyter, Berlin und New York 1995, S. 137 (s. v. Brezel).
  4. Brezel in Meyers Konversationslexikon von 1905 bei Zeno.org
  5. Vermutlich erste Brezeldarstellung im elsässischen Hortus deliciarum
  6. Internetauftritt der Gemeinde Altenriet. Abgerufen am 25. Mai 2010
  7. Produktionsprozess Schwäbische Laugenbrezel bei backstube-mack.de (Flash-Video, abgerufen am 27. Dezember 2012)
  8. Patentanmeldung für eine Brezelschlingmaschine bei der WIPO
  9. Bericht über einen Patentstreit über Brezelschlingmaschinen, Allgemeine Bäcker-Zeitung Ausgabe 2006/50.
  10. Süddeutsche Zeitung: Bayerische Spezialität: Brüssel schützt die Brezn vom 21. Februar 2014