Brian Ferneyhough

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Brian Ferneyhough (* 16. Januar 1943 in Coventry (England)) ist ein englischer Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Ferneyhough studierte zwischen 1961 und 1963 in Birmingham und von 1966 bis 1967 an der Royal Academy of Music in London fort. Weitere Studien erfolgten bei Ton de Leeuw in Amsterdam und Klaus Huber an der Musik-Akademie der Stadt Basel. Er lehrte seit 1973 als Dozent und Assistent von Klaus Huber, seit 1978 als Professor an Hochschule für Musik Freiburg, seit 1987 der Universität von San Diego (Kalifornien) und seit 2000 an der Stanford University.

"Seine ersten Kompositionen datieren von 1963, aber erst auf dem Festival von Royan setzt er sich als der erfindungsreichste und kraftvollste Komponist seiner Generation durch, die auf jene von Pousseur, Boulez, Stockhausen und Xenakis folgt." (von der Weid 2001)

Ferneyhough ist bekannt dafür, dass er in seinen Kompositionen an die Interpreten die höchstmöglichen technischen Spielanforderungen stellt.

Am 3. Mai 2007 erhielt Ferneyhough den 2007 Ernst von Siemens Musikpreis samt einem Preisgeld von 200.000 Euro[1].

Ausgewählte Werke[Bearbeiten]

  • 1965 Four Miniatures for Flute and Piano
  • 1966 Coloratura for Oboe and Piano
  • 1966 Epigrams for Solo Piano
  • 1966/67 Prometheus
  • 1968 Epicycle for Twenty Solo Strings (6Vln, 6Vla, 6Vc, 2Db)
  • 1969 - 1971 Firecycle Beta for Two Pianos and Orchestra with amplification for chamber groups
  • 1969 - 1980 Funérailles for Ensemble
  • 1970 Cassandra's Dream Song for Solo Flute
  • 1970 Sieben Sterne for Organ
  • 1971 - 1977 Time and Motion Study I for Solo Bass Clarinet
  • 1973 - 1976 Time and Motion Study II for Cello and Electronics
  • 1973 - 1976 Unity Capsule for Solo Flute
  • 1979 - 1980 2. String Quartett
  • 1981 Lemma-Icon-Epigram for Solo Piano
  • 1981 Superscriptio for Solo Piccolo
  • 1982 Carceri d'Invenzione I for Ensemble
  • 1982 - 1985 Etudes Transcendantales/Intermedio II for Ensemble
  • 1983 Adagissimo for String Quartet
  • 1984 Carceri d'Invenzione IIb for Solo Flute
  • 1985 Carceri d'Invenzione II for Flute and Orchestra
  • 1986 Carceri d'Invenzione III for Ensemble
  • 1986 Mnemosyne 7 for Bass Flute and pre-recorded Tape
  • 1986 Intermedio alla Ciaccona
  • 1986 Intermedio alla ciaccona 3 for Solo Violin
  • 1987 Carceri d'Invenzione IIc for Solo Flute and pre-recorded Tape
  • 1983 - 1989 Kurze Schatten II for Solo Guitar
  • 1988 La chute d'Icare for Clarinet and Chamber Orchestra
  • 1989 Trittico per G.S. for Solo Double Bass
  • 1989 - 1990 3. String Quartett
  • 1989 - 1990 4. String Quartet for String Quartet and Soprano
  • 1991 Bone Alphabet for Solo Percussion
  • 1994 On Stellar Magnitudes for Mezzo-soprano and Ensemble
  • 1995 String Trio
  • 1996 - 1997 Allgebrah for Ensemble
  • 1996 Incipits for Solo Viola and Ensemble
  • 1997 Flurries for Ensemble
  • 1998 - 1999 Opus Contra Naturam
  • 2001 In Nomine à 3
  • 2003 Les Froissements des Ailes de Gabriel for Guitar and Chamber Ensemble
  • 2004 no time (at all) for Two Guitars
  • 2005 O Lux for Ten Instruments
  • 2008 Chronos–Aion
  • 2010 6. String Quartett, UA: 2010 durch das Arditti-Quartett bei den Donaueschinger Musiktagen

Kritiken[Bearbeiten]

Die Musik Ferneyhoughs wäre gar nicht anders zu notieren. Sie will sich nicht einlassen auf das Ungefähre von graphischen Schreibweisen, noch weniger vertrüge sie eine Nivellierung der scharfen rhythmischen, farblichen oder gestischen Kanten. Wer einmal Ferneyhough beim Versuch, seine Musik plastisch zu verdeutlichen, zuhörte, dem musste auffallen, dass dieser Komponist aus ganz natürlichem Inneren komplex denkt. Seine Musik ist keineswegs eine spekulativ aufgesetzte, sondern eine genuin eigene. Wenn er etwa eine Passage singend andeutet, dann vernimmt man in den distinkt gesetzten Unschärfen den unbedingten Zwang zu dieser Notation [...]. Seine Musik kommt nicht nur aus dem Kopf, sondern aus einem geistig-sinnlichen Gesamten. Ferneyhoughs Musik [...] ist ein Gegenentwurf zur Abstumpfung unserer Sinne, wie sie die Gegenwart mit ihren Ablenkungs- und Entertainment-Mechanismen unerbittlicher denn je diktiert.[2]

Ferneyhough Besessenheit mit "Modell"-Erschaffung selbst, resultiert zwangsläufig in der Errichtung einer Ersatz-Metaphysik, eines Ersatz Universums des Künstlers, und reflektiert in erster Linie die willkürlichen Flüge seines Egos[3].

Der Name Brian Ferneyhough, der in den 1970er Jahren Englands prominentester Export in das Kernland der Moderne in Europa war und in den achtziger Jahren einen Ruf als spiritueller Führer der "new complexity" konsolidierte, scheint selbst heute noch ein Begriff zu sein, für das Beste aber auch Schlimmste einer unweichenden Treue zur extremen musikalischen Moderne[4].

[...] Ferneyhoughs Risiken erschienen zeitweise zu groß; seine kompositorischen Lösungen versagten den Erwartungen seiner erforschenden Diagnose der Probleme gerecht zu werden, die er selbstbewusst und gut-artikuliert formulierte - als äußerst mitreissender Redner[4].

Brian Ferneyhough ist einer der letzten dieser Schule von Menschen, die eher einfache arithmetische Ideen nehmen, als sich mit der Partitur zu befassen - wir nennen sie Schreibtafel Komponisten. Deren Forum ist nur im Klassenzimmer; die Rede über die Musik[5].

[...] Brian Ferneyhoughs Time and Motion Study II, zum Beispiel. Hier scheint der Hauptzweck, eine erschöpfende Studie zu sein, inwieweit der Interpret durch Lärm und unmöglicher Instrumentierung getrieben werden kann, bevor er zusammenbricht und zerstört wird. In diesem Sinne ist es ein hässliches und entmenschlichendes Stück. Es ist beispielhaft für die Art, inwieweit die Beziehung Komponist u. Musiker vorgetrieben werden kann, und ist der Gegensatz der Bestrebungen die mit der zeitgenössischen improvisierten Musik verbunden sind; doch (zu meinem Ärger) erlangen solche Stücke [von Ferneyhough] in der Regel stärkere Glaubwürdigkeit als "Kunstwerke"[6].
      - Eddie Prévost

Primärliteratur[Bearbeiten]

  • Ferneyhough, Brian: Form, Figur, Stil - eine vorläufige Einschätzung in: MusikTexte 37, Köln 1990

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Jean-Noel von der Weid: Die Musik des 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main & Leipzig 2001, S. 581 - 598. ISBN 345817068-5

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Composer Brian Ferneyhough wins 2007 Siemens Music Prize
  2. NMZ (Reinhard Schulz)
  3. Fanfare, Volume 3 (1980), Issues 4-6, p. 86 (Übersetzung aus dem Englischen: Ref )
  4. a b Classical Source (John Fallas) (Übersetzung aus dem Englischen: Ref )
  5. Classic CD., Issue 17; Issues 19-20; p. 38 (Übersetzung aus dem Englischen: Ref )
  6. Contact, Issues 24-29; p.34; Published 1982 (Übersetzung aus dem Englischen: Ref )

Weblinks[Bearbeiten]

.