Brian Wilson

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Dieser Artikel behandelt den Musiker Brian Wilson. Zu seinem selbstbetitelten Soloalbum siehe Brian Wilson (Album). Zum gleichnamigen Baseballspieler siehe Brian Wilson (Baseballspieler).
Brian Wilson (2007)

Brian Wilson (* 20. Juni 1942 in Inglewood[1], Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Musiker, der als der kreative Kopf der Beach Boys gilt. Wilson komponierte die meisten Songs der Band in den 1960er und 1970er Jahren und produzierte bis 1967 alle und in den darauffolgenden Jahren noch einige Alben. Er sang die zweite Leadstimme, insbesondere die langsamen Balladen und die hohe Falsettstimme. Wilson zählt zu den bedeutendsten Komponisten und Musikproduzenten des 20. Jahrhunderts.

Biografie[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Brian Wilson wurde als ältester Sohn von Murry und Audree Wilson geboren. Er wuchs, zusammen mit seinen beiden Brüdern Dennis und Carl, in Hawthorne im Bundesstaat Kalifornien auf, einem Vorort von Los Angeles. Sein Vater Murry Wilson erkannte bereits frühzeitig das musikalische Talent seines Sohnes und begann dieses zu fördern.

Während seiner frühen Kindheit fanden Ärzte heraus, dass Wilson auf seinem rechten Ohr taub war. Aussagen seines Bruders Dennis legen die Vermutung nahe, dass diese Behinderung von den Schlägen seines als Tyrann beschriebenen Vaters stammt.[2]

Neben der Musik galt seine Leidenschaft dem Sport, vor allem Baseball und Football. Er war in diesen Sportarten bei weitem nicht so talentiert wie in der Musik, was sich auch darin manifestierte, dass er seinem Freund Alan Jardine während eines Trainings ein Bein brach.

Zu seinem 16. Geburtstag bekam er ein Aufnahmegerät geschenkt. Das gab ihm die Möglichkeit, mit Audio-Overdubs zu arbeiten und verschiedene Harmoniegesänge auszuprobieren. Er hatte sich schon sehr früh für den Harmoniegesang interessiert und fand in den Four Freshmen seine musikalischen Vorbilder. Er begann damit, die Stücke dieser Formation genau zu analysieren und mit seinen Brüdern samt der Mutter nachzusingen.

Brian Wilson und die Beach Boys[Bearbeiten]

Hauptartikel: The Beach Boys

1961 entschloss er sich, gemeinsam mit seinen Brüdern sowie ihrem Cousin Mike Love und seinem Schulfreund Al Jardine eine Band zu gründen. Zu diesem Zweck begann Brian Wilson eigene Lieder zu komponieren, zu denen Mike Love Texte verfasste. Bei der regionalen Plattenfirma Candix veröffentlichten sie schließlich unter dem Namen „The Beach Boys“ das Lied Surfin’, das in Kalifornien sofort zum Hit wurde. Danach nahm sie Capitol Records unter Vertrag.

Die ersten beiden Alben wurden, wie damals üblich, von dem Capitol-Produzenten Nick Venet betreut. Das führte häufig zu Spannungen, da der damals erst 20-jährige Brian Wilson eigene Vorstellungen des Beach-Boys-Sounds hatte und die Stücke selber produzieren wollte. Capitol bestand aber auf Venet. Wilson erhielt allerdings die Möglichkeit für „Rachel & the Revolvers“, die bei DOT Records unter Vertrag standen, deren Single zu produzieren. The Revo-Lution wurde ein kleiner Charterfolg. Bereits im darauffolgenden Monat erschien die nächste von Wilson produzierte Single für das Duo „Bob & Sherry“. Ab dem dritten Beach-Boys-Album Surfer Girl genehmigte Capitol Records Brian Wilson, auch die Beach Boys Musik zu produzieren. Diese Belastung aus Auftritten, Komposition und Produktion kostete Wilson sehr viel Energie. Neben den Beach Boys produzierte er eine Reihe anderer Bands, darunter auch jene seiner Freundin „The Honeys“. Zudem schrieb er gemeinsam mit Jan Berry für das Duo „Jan & Dean“ einige Lieder, die bei Liberty unter Vertrag standen. Das Lied Surf City, bei dem Wilson selbst mitsang, erreichte überraschend Platz 1 der US-Billboard-Charts und brachte Wilson bei Capitol einigen Ärger ein.

1963 musste Brian wegen gesundheitlicher Probleme eine Tournee aussetzen und holte mit Al Jardine seinen alten Schulfreund in die Band zurück. Im Jahr darauf hatte er während einer Tournee einen Nervenzusammenbruch. Das veranlasste ihn dazu, seinen Rückzug vom Tourneeleben bekannt zu geben, um künftig nur noch im Studio als Komponist und Produzent zu arbeiten. Sein Ersatz bei den Beach Boys wurde Bruce Johnston. Mit den Beach Boys erreichte er 1964 und 1965 jeweils die Nr. 1.

1966 veröffentlichte er mit den Beach Boys das Album Pet Sounds, das als Wilsons größtes Werk angesehen wird. Ebenso wie die Nachfolge-Single Good Vibrations, die 1966 zum weltweiten Hit wurde. Das als nächstes Beach-Boys-Album geplante Smile konzipierte Brian Wilson zusammen mit Van Dyke Parks. Streitigkeiten mit der Plattenfirma, den anderen Beach Boys und zunehmende psychische Probleme hielten Brian Wilson jedoch davon ab, das Album fertigzustellen. Die fertigen Bänder verschwanden im Archiv und wurden erst 2011 unter dem Tiel The Smile Sessions veröffentlicht. Wilsons Wille, an neuen Projekten zu arbeiten, war seit diesem Zeitpunkt gebrochen und er konnte nur noch selten für etwas begeistert werden.

Immer öfter plagten ihn Probleme, Lieder fertigzustellen. Das Album Friends, an dem Wilson rege beteiligt war, entstand zum größten Teil unter Einbeziehung seiner Brüder und Al Jardine als Ko-Komponisten. Die wenigen Lieder, die Brian Wilson in jener Zeit alleine komponierte, waren zumeist autobiografisch gehalten und erzählten von seiner unglücklichen Situation. Als Beispiele für Liedtitel sind hier unter anderem Time to Get Alone, Busy Doin’ Nothing und ’Til I Die zu nennen.

Wilson begann, als Veganer zu leben und eröffnete mit Freunden ein veganes Geschäft, das allerdings bald wieder geschlossen wurde. Zudem arbeitete er mit dem kalifornischen Lyriker Stephen Kalinich an dem Album A World of Peace Must Come, das aber nicht veröffentlicht wurde.

Zu Beginn der 1970er Jahre war Wilson nur noch äußerst sporadisch in neue Bandprojekte involviert. Wilson schwankte zwischen einem aufgedrehten Energiebündel und einem unmotivierten Menschen, der den gesamten Tag im Bett liegend verbrachte. Eine fehlgeschlagene Operation an seinem Ohr führte schließlich dazu, dass er immer öfter an Schwindelanfällen litt und das Haus noch seltener verließ. Er erklärte sich dennoch bereit, American Spring, die neue Band seiner Frau, zu produzieren. Die wenigen Lieder, die er für die Beach Boys beisteuerte, nannten Tandym Almer oder den damaligen Beach-Boys-Manager Jack Rieley als Co-Autoren.

Als die Beach Boys 1972 für sechs Monate in die Niederlande reisten, um ein neues Album aufzunehmen, wurde auch Brian Wilson mitgenommen. Wilson singt auf dem gesamten Album nur eine einzige Zeile und steuerte für Funky Pretty das Schlagzeug bei. Dafür konzipierte er mit Mount Vernon and Fairway (A Fairy Tale) ein modernes Märchen, das er schrieb und mit Musik unterlegte. Ursprünglich hatte Wilson es als zentrales Stück des Albums Holland erstellt. Danach zog er sich komplett aus den Bandaktivitäten zurück.

Erst Ende 1974, nachdem die Kompilation Endless Summer ein riesiger Hit geworden war, bereitete er sich für ein Comeback vor. Seine Frau holte als Hilfe den Prominentenpsychologen Dr. Eugene Landy, der Brian Wilson behandeln sollte. Wilson begann wieder zu arbeiten und fand in seinem alten Freund Stephen Kalinich einen Partner, mit dem er Mitte der 1970er dutzende Lieder schrieb. Wilson begann schließlich wieder mit der Band zu arbeiten und feierte 1976 mit dem von ihm produzierten Album 15 Big Ones ein recht erfolgreiches Comeback. Wilson war sogar bei einigen Konzerten der Beach Boys zugegen. Er arbeitete verbissen an weiteren Projekten. Die Alben Adult/Child und California Feelin’ erschienen allerdings nicht. 1977 wurde das von Brian Wilson nahezu komplett alleine komponierte und eingespielte Album Love You veröffentlicht. Dieses Werk verkaufte sich allerdings schlecht. Brian Wilson trat mit einigen dieser Lieder alleine in der Comedy-Sendung „Saturday Night Live“ auf und war Gastredner beim Grammy Award.

1978 gelang ihm mit dem Lied Almost Summer, das die Band Celebration einspielte, schließlich noch ein Top-30 Erfolg in den Charts, bevor er sich abermals verstärkt aus der Band zurückzog und privat erneut in die Selbstzerstörung abglitt.[3]

Die Landy-Jahre[Bearbeiten]

Bereits in den 1970er Jahren hatte Dr. Eugene Landy mit Brian Wilson gearbeitet, um dessen psychischen und körperlichen Zustand zu verbessern. Die beiden gingen nach einiger Zeit der Therapie wieder getrennte Wege, als Wilson als geheilt galt. Nach der Trennung von seiner Frau verschlechterte sich Wilsons Zustand allerdings wieder dramatisch. Er nahm vermehrt Drogen zu sich und ernährte sich fast ausschließlich von Fastfood, was dazu führte, dass er bis zu 150 Kilogramm wog. Ein zweites Mal wurde Dr. Landy zu Hilfe gerufen, dieses Mal allerdings mit anderen Voraussetzungen. Landy erstellte den Plan zu einer mehrjährigen, recht teuren 24-Stunden-Therapie, wobei er mehrere Assistenten engagierte, die Wilson rund um die Uhr bewachten. Wilson betrieb Sport, wobei er ebenfalls von Landys Assistenten begleitet wurde. Wilsons Freunde sprachen in diesem Zusammenhang von den „Surf Nazis“. Landy diagnostizierte bei Wilson zudem eine manische Schizophrenie, die er durch die Verschreibung starker Medikamente behandeln wollte. Vermutlich wegen der zu starken Kontrolle unternahm Wilson 1983 während er im Meer schwamm einen Selbstmordversuch.

Da die Betreuung von Landy nach einiger Zeit zu teuer wurde, einigte sich Landy mit Carl Wilson darauf, kein Geld mehr für die Behandlung zu verlangen, sondern zukünftig hin mit 25 % an der Urheberschaft an neuen Brian-Wilson-Kompositionen beteiligt zu werden. Landy, selber ein verhinderter Musiker, begann damit, Lieder mit Brian Wilson zu schreiben. Landy war allerdings kein ausdrucksstarker Texter. Jedoch mischte er sich verstärkt in Bandangelegenheiten ein und verwendete Brian Wilson häufig als Druckmittel.

Auch auf Antrieb von Dr. Landy begann Wilson an seiner Solokarriere zu arbeiten. Das Projekt wurde gemeinsam mit Gary Usher in Angriff genommen, mit dem Brian in den 1960er Jahren schon zusammengearbeitet hatte. Usher und Wilson schrieben in jener Zeit zahlreiche Lieder miteinander, von denen sie einige aufnahmen. 1987 erschien mit Let’s Go to Heaven in My Car das erste Stück dieser Zusammenarbeit.

Das vermeintlich zweite Soloalbum, das unter dem Arbeitstitel „Sweet Insanity“ lief, war ein erneuter Versuch von Landy, mit Brian Wilson zu arbeiten. Das Album wurde von Wilsons Plattenfirma abgelehnt. Ebenso erschien Wilsons Biografie „Wouldn’t it be nice“, wobei sich auch hier wieder Landy für den größten Teil des Inhaltes verantwortlich zeigte.

Erst Anfang der 1990er Jahre wurde auch Carl Wilson auf das Verhältnis zwischen Landy und Brian Wilson aufmerksam. Als er erfuhr, dass Landy die Vormundschaft über Brian Wilson beantragt und Wilson sein Testament zu Gunsten Landys geändert hatte, klagte Carl Wilson gemeinsam mit seiner Mutter gegen Landy. Die Tagebücher des zu jenem Zeitpunkt schon verstorbenen Gary Usher, der die Treffen mit Wilson dokumentiert hatte, wurden als Hauptbeweismittel verwendet.

In einer Reihe von Prozessen wurde Landy schließlich seine ärztliche Zulassung entzogen.[4]

Brian Wilson als Solist[Bearbeiten]

Brian Wilson hatte gemeinsam mit Gary Usher zahlreiche Lieder für sein erstes Soloalbum erarbeitet. The Spirit of Rock ’n’ Roll, das aus dieser Zusammenarbeit entstammte, sang Brian Wilson 1986 gemeinsam mit den Beach Boys auf Hawaii während der Feier zum 25-jährigen Bandjubiläum. Anfang 1987 sicherte er sich bei Seymore Steins Plattenfirma Sire Records einen Vertrag für seine Solokarriere. Mit Let’s Go to Heaven in My Car wurde die erste Single im April 1987 veröffentlicht. Das von Wilson und Gary Usher komponierte Stück schaffte keine Chartplatzierung. Im weiteren Verlauf der Aufnahmen begann Wilson mit Andy Paley zu arbeiten.

Brian Wilsons Debütalbum wurde unter dem Titel Brian Wilson veröffentlicht. Wilson erhoffte sich mit seinem Werk eine gute Chartplatzierung. Er kam damit allerdings nur auf Rang 54. In England floppte sowohl das Album, als auch die ausgekoppelten Singles. Der starke Einsatz von Synthesizern, der Landys Idee war, veränderte den typischen Brian-Wilson-Sound ins unkenntliche.

Nachdem sein zweites Soloalbum Sweet Insanity aufgrund zu schwacher Texte von der Plattenfirma abgelehnt wurde, legte Wilson eine Schaffenspause ein und sein Plattenvertrag mit Sire Records wurde aufgelöst. Er musste sich in jener Zeit darauf konzentrieren, seine Vergangenheit juristisch aufzuarbeiten und musste einige Prozesse führen.

Erst im Winter 1994 trat Wilson wieder musikalisch in Erscheinung, als er mit seiner Tochter Carnie Wilson am Projekt „Trio“ des Bassisten Rob Wasserman teilnahm. Sie steuerten das Lied Fantasy Is Reality/Bells of Madness bei, mit Brian Wilson als Ko-Autor. Wilson begann abermals mit Andy Paley zu arbeiten. Das erste Resultat ist ihre Version von Sweets for My Sweets, das 1995 auf der Tribut-CD für Doc Pomus erscheint.

1995 wird die Dokumentation I Just Wasn’t Made for These Times veröffentlicht, die von Don Was produziert wurde. Im selben Jahr erschien die Soundtrack-CD zu dieser Dokumentation. Wilson nahm dafür einige ältere Lieder unplugged neu auf. Auch diese Aufnahmen wurden von Don Was produziert, verfehlten die Charts in den USA und kamen in England in die Top-60. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurde auch die Idee zu einem letzten, gemeinsamen Beach-Boys-Album beraten, das Don Was ebenfalls produzieren wollte. Das Projekt wurde allerdings bald beendet.

Noch im selben Jahr erschien mit Orange Crate Art ein weiteres Album, das Wilson in Zusammenarbeit mit seinem früheren Weggefährten Van Dyke Parks aufgenommen hatte. Parks steuerte alle Kompositionen bei und trat als Produzent auf. Wilson singt sämtliche Stimmen.

1996 traf Brian Wilson, zum 30-jährigen Jubiläum von Pet Sounds, erneut auf seinen Ko-Autor Tony Asher. Sie begannen damit, an neuen Liedern zu arbeiten. Everything I Need wird auf dem Album The Wilsons veröffentlicht, auf dem Brian Wilson seine beiden Töchter Carnie und Wendy unterstützte. This Isn’t Love erschien auf der Kompilation Songs Without Words. Brian Wilsons Ehefrau und Managerin Melinda Ledbetter schloss 1997 mit Joe Thomas einen Vertrag für ein neues Studioalbum ab. Das passierte zu einem Zeitpunkt, als Seymore Stein von Sire Records die Demoaufnahmen von Wilson mit Andy Paley gehört hatte und diesem einen lukrativen Vertrag für die Veröffentlichung anbot. Ledbetter wollte allerdings die mit Joe Thomas gemachten Aufnahmen forcieren an denen Sire kein Interesse hatte. Wilsons Soloalbum, das zum größten Teil von Joe Thomas produziert und von ihm ko-komponiert wurde, erschien 1998 unter den Titel Imagination bei der Plattenfirma „Giant Records“. Um das Album anzukündigen, spielte Wilson einen seiner seltenen Live-Auftritte. Das Album erreichte Platz 88 in den USA und Platz 33 in England.

Im Jahr darauf begann Wilson, der zeit seines Lebens an schwerem Lampenfieber litt, mit seiner ersten Solotournee. Er rekrutierte dafür eine zehnköpfige Band. Neben den USA führt ihn diese Tournee nach Japan.

Wilson im neuen Jahrtausend[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 veröffentlicht Wilson seine erste Live-CD unter dem Titel Live at the Roxy Theatre, die neben Beach-Boys-Klassikern und Liedern aus seiner Solokarriere auch zwei bis dato unveröffentlichte Lieder enthält. 2002 folgt eine Live-CD mit dem Titel Pet Sounds Live, die einen Mitschnitt eines live gespielten Pet-Sounds-Sets darstellt. Auch in den Jahren darauf unternimmt Wilson mit seiner eingespielten Band ausgedehnte Konzertreisen durch die USA, Europa und Japan. Neues Material von Wilson ist kaum zu hören. Die einzigen Ausnahmen bilden eine Neuaufnahme des Liedes California Feelin’, das Wilson für eine Beach-Boys-Kompilation einspielt sowie ein Weihnachtsgruß in Form eines Liedes, das Wilson auf seiner Homepage bereitstellt.

Im Jahr 2003 verdichteten sich Gerüchte, dass Wilson plane, sein zum Mythos gewordenes, bisher unveröffentlichtes, Smile-Album fertigzustellen. Zu diesem Zweck traf er sich mit seinem damaligen Ko-Autor Van Dyke Parks und holte sich den jungen Musiker Darian Sahanaja, Mitglied in Wilsons Bühnenband, mit an Bord. Die von Wilson präsentierte Liedauswahl für Smile unterscheidet sich in einigen Punkten zum Endprodukt.

Im Jahr 2004 fand die Uraufführung von Smile in London statt, das Wilsons Band, unterstützt durch die „Stockholm Strings ’n’ Horn“, als Gesamtkunstwerk auf die Bühne brachte. Im Juni desselben Jahres erscheint mit Gettin’ in Over My Head ein neues Studioalbum. Dieses Album beinhaltet Neuaufnahmen von unveröffentlichten Stücken aus den 1990er Jahren, hauptsächlich von seiner Zusammenarbeit mit Andy Paley und Wilsons unveröffentlichtem zweiten Soloalbum sowie zwei Stücke aus einer Zusammenarbeit mit Stephen Kalinich. Das Album erreicht in den USA Rang 100. Im Oktober desselben Jahres wird schließlich das Album Brian Wilson presents Smile veröffentlicht. Binnen einer Woche erreicht das Album in England Gold-Status. Es erreicht Rang 7 sowie Rang 13 in den USA. Das Album erhält insgesamt drei Grammy-Nominierungen und wird für das Lied Mrs. O’Learys Cow mit dem Grammy für die „Best Rock Instrumental Performance“ ausgezeichnet.

Durch den Erfolg von Smile erhält Wilson von Arista Records das Angebot, für das Jahr 2005 ein Weihnachtsalbum aufzunehmen. Das Album, das zwei neue Wilson-Kompositionen enthält, ist das dritte Soloalbum Wilsons binnen 1 ½ Jahren, verkauft sich mit Rang 200 allerdings recht mäßig. Deck the Halls wird ein Top-10 Hit in den „Adult Contemporary Charts“. Im selben Jahr hat Wilson einen Auftritt in der Fernsehserie „Duck Dogers“ und steuert das Lied Believe in Yourself bei. Im November veröffentlichte Wilson mit der Single Walking Down the Path of Life einen Benefizsong für die Opfer des Hurrikan Katrina. Nach seinem Aufruf, dass er jeden Fan persönlich anrufen werde, der mehr als 100 Dollar für die Opfer spendet, sammeln sich binnen kurzer Zeit rund 210.000 US-Dollar. Während dieser Anrufe merkt Wilson an, für 2006 nicht mehr auf Tournee gehen zu wollen und darüber nachzudenken, längere Zeit zu pausieren. Das bestätigte er im Dezember desselben Jahres. Bereits Mitte 2006 war er allerdings schon wieder auf Tournee und kündigte ein neues Studioalbum an. Auf einer weiteren Beach-Boys-Kompilation veröffentlichte Wilson das Lied Spirit of Rock ’n’ Roll. Für kurze Zeit schloss sich Ex-Beach Boy Alan Jardine Wilsons Band an. Die beiden gehen noch einmal mit dem kompletten Pet-Sounds-Set auf Tournee in den USA. Bei der geplanten gemeinsamen Europa-Tournee war Jardine allerdings nicht mehr dabei.

Für die Kompilation New Music from an old Friend, die 2007 erschien, steuerte Wilson zwei Stücke bei. Eine Neuaufnahme von God Only Knows sowie das von Wilson und Burt Bacharach geschriebene Stück What Love Can Do.

Im September 2007 feierte das neue Gesamtkunstwerk That Lucky Old Sun (A Narrative) seine Premiere in London bei der Wiedereröffnung der Royal Festival Hall. Das Album wurde rund ein Jahr später veröffentlicht und erreichte in den USA Rang 21 sowie Platz 37 in England. Es war in weiteren Ländern in den Charts vertreten. Das Album enthält zum größten Teil Stücke, die Wilson gemeinsam mit Scott Bennett schrieb, der Wilsons Tourneeband angehört.

Im Januar 2008 absolvierte Wilson eine Australien-Tournee und veranstaltete in diesem Jahr Konzerte in den USA und in Europa. Brian Wilson wurde im selben Jahr für sein bisheriges Lebenswerk mit dem Kennedy-Preis ausgezeichnet.

Im November 2008 erschien das lange unveröffentlichte Album A World of Peace Must Come, welches Wilson im Jahre 1969 mit dem kalifornischen Poeten Stephen Kalinich aufgenommen hatte. Das von Wilson produzierte Album enthält Gedichte und Gesang von Kalinich sowie einige musikalische Beiträge von Wilson.

Brian Wilson Reimagines Gershwin[Bearbeiten]

Seit der Veröffentlichung von That Lucky Old Sun (A Narrative) deutete Wilson die Veröffentlichung eines Albums genannt Pleasure Island: A Rock Fantasy an, das er als Rock-Fantasy-Werk betitelte.[5] Im Oktober 2009 gab er bekannt, einen Vertrag beim Disney-Konzern unterschrieben zu haben, für die er zwei Alben veröffentlichen werde. Während ein Album nur aus Coverversionen aus dem Disney-Katalog beinhalten werde, ist das zweite als Album zu verstehen, auf dem Wilson Material von George Gershwin interpretieren werde. Die Rechtsnachfolger von Gershwin stellten Wilson zu diesem Zweck unvollendetes Material zur Verfügung, das Wilson fertigstellte.[6][7][8] Die Aufnahmen für das Album begannen Anfang 2010. Im August 2010 wurde es unter dem Titel Brian Wilson Reimagines Gershwin veröffentlicht.

Kollaborateure und Texter für Brian Wilson[Bearbeiten]

Während seiner gesamten musikalischen Laufbahn griff Brian Wilson immer wieder auf verschiedene Ko-Autoren zurück. Diese befassten sich meist mit den Texten zu Wilsons Musik. Brian Wilson sagte in mehreren Interviews, dass er zwar selber Texte schreiben könne, jene der anderen Leute aber meistens besser seien. Die Texte von Wilson wiesen meistens einen eher naiven Touch auf und handelten von seinen Gefühlen. Allerdings war es auch Wilson, der für einen der bekanntesten Beach-Boys-Hits den Text schrieb – Surfin’ USA, eine Coverversion des Titels Sweet Little Sixteen von Chuck Berry.

Gruppenintern mit den Beach Boys arbeitete er meistens mit Mike Love zusammen. Love verstand es, die meistens melancholischen Melodien von Wilson mit einem positiven Text und Konzept zu vervollständigen. Extern griff Wilson auf viele verschiedene Texter oder Partner zurück. Anfang der Karriere schrieb er viele Lieder gemeinsam mit Gary Usher. Diese Partnerschaft erstreckte sich sowohl auf Text als auch Musik. Sein nächster wichtiger Partner war der kalifornische Radio-DJ Roger Christian, mit dem die Hot-Rod/Auto-Themen entstanden. 1965 griff Wilson für sein Meisterwerk Pet Sounds auf den in London geborenen Tony Asher zurück. Ein Jahr später arbeitete er bereits mit Van Dyke Parks an einem neuen Projekt. 1968 lernte er Stephen Kalinich kennen, mit dem er Ende der 1960 sowie Mitte der 1970 sehr viele Lieder schrieb, allerdings wurden davon kaum Lieder veröffentlicht. Zusammen verfassten sie auch A World of Peace Must Come, für das Wilson einige Gedichte von Kalinich mit Musik unterlegte. Auch aus der Zusammenarbeit mit Tandym Almer Anfang der 1970er Jahre wurde kaum etwas publiziert, da die anderen Beach Boys die Texte von Almer als zu obszön betrachteten. Nach der Ära Kalinich II arbeitete Wilson viel alleine, zeichnete für Text und Musik verantwortlich. Es dauerte bis in die 1980er Jahre, bevor Wilson wieder auf einen Partner zurückgriff. Es war sein Therapeut Eugene Landy, der exklusiv mit Wilson arbeiten wollte, um an den Tantiemen beteiligt zu werden. Später stellte sich allerdings heraus, dass Landy einen Großteil der Texte gar nicht selbst schrieb, sondern schreiben ließ beziehungsweise Wilson vieles alleine machte und Landy aus finanziellen Gründen seinen Namen unter die Arbeit setzte. 1986 begann Brian Wilson wieder, mit Gary Usher zu arbeiten, danach ging er mit dem ehemaligen Hit-Produzenten Andy Paley eine Partnerschaft ein, die bis in die Mitte der 1990er anhalten sollte. Auch hier arbeiteten Wilson und Paley gemeinsam an Text und Musik.

Für sein Solo-Album Imagination aus dem Jahr 1998 arbeitete Wilson mit Joe Thomas zusammen. Danach arbeitete er mit wechselnden Partnern und nur noch sporadisch an neuem Material. Im Jahr 2006 entschloss er sich schließlich zu einer Zusammenarbeit mit Scott Bennett, der Wilsons Live-Band angehörte. Daraus entstand das Album That Lucky Old Sun.

Kompositorisches Werk[Bearbeiten]

Die meisten von Brian Wilsons Kompositionen sind weitaus komplexer strukturiert als in der Popmusik üblich. Darüber hinaus verwendet er als Begleitakkorde nicht nur die in der Popmusik üblichen Grunddreiklänge, sondern auch Sextakkorde und Quartsextakkorde, sowie Orgelpunkte. Zeitgenössische Musiker wie Paul McCartney und Elton John haben erklärt, dass dies Einfluss auf ihr eigenes musikalisches Schaffen hatte.[9][10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Brian Wilson wurde vom Musikmagazin Rolling Stone 2008 auf deren Liste der besten Sänger auf Rang 52 geführt.[11] Im Jahr 2008 wird Wilson aufgrund seiner Leistungen mit dem Kennedy Award ausgezeichnet. Brian Wilson ist ein Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame und der Songwriters Hall of Fame. Die Laudatio für ihn hielt sein Freund Paul McCartney. Im Jahr 2001 wurde er mit dem Grammy Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2005 folgte jener für die „Best Rock Instrumental Performance“.

Im Jahr 2006 wurde Wilson in die UK Music Hall of Fame aufgenommen.

Privatleben[Bearbeiten]

Wilson besuchte die Hawthorn High School. Er spielte dort gemeinsam mit Alan Jardine Football. Am 7. Dezember 1964 heiratete er seine damals 16-jährige Freundin Marilyn Rovell. Sie bekamen gemeinsam zwei Kinder, Carny und Wendy Wilson. Nach einem Nervenzusammenbruch in Houston (Texas) teilte Wilson den anderen Bandmitgliedern 1964 mit, dass er nicht mehr mit ihnen auf Tournee gehen werde. Er gab sein letztes Konzert im Januar 1965. Bereits zuvor hatte er damit begonnen, mit Marihuana zu experimentieren. Im Frühjahr 1965 kam er mit der – damals noch legalen – Droge LSD in Kontakt und hatte während dieses Erlebnisses die Eingebung zu dem Lied California Girls.

Im Jahr 1978 reichte Wilsons Frau Marilyn die Scheidung ein. Ein Grund dafür war, dass er seinen beiden Töchtern Drogen angeboten haben soll. Schon zuvor erfuhr Marilyn von einer jahrelangen Affäre, die Brian Wilson mit ihrer Schwester Diane hatte. Wilson verarbeitete dieses Erlebnis im Lied My Diane. Im Jahr 1978 verbrachte er mehrere Monate im Krankenhaus, wo er sich in seine Krankenschwester verliebte.

Im Februar 1995 heiratete Wilson ein zweites Mal. Seine zweite Frau wurde Melinda Ledbetter. Das Paar adoptierte drei Kinder. Ledbetter übernahm fortan auch Wilsons Management.

Solo-Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chart-Positionen[12] Bemerkungen
DE AT CH UK US
Juli 1988 Brian Wilson 54 veröffentlicht von Sire Records
August 1995 I Just Wasn’t Made for These Times 59 veröffentlicht von MCA
November 1995 Orange Crate Art Kollaboration mit Van Dyke Parks
Juni 1998 Imagination 30 88 veröffentlicht von Giant Records
Juni 2000 Live at the Roxy Theatre Doppel-Live-Album
Juni 2002 Pet Sounds Live Live-Version des Albums Pet Sounds von The Beach Boys
Juni 2004 Gettin’ in Over My Head 61 53 100 veröffentlicht von Rhino Records
September 2004 Brian Wilson Presents Smile 22 59 54 7 13 siehe Hauptartikel Smile
Oktober 2005 What I Really Want for Christmas 121 veröffentlicht von Arista Records
August 2008 That Lucky Old Sun (A Narrative) 45 37 21 veröffentlicht von Capitol Records
August 2010 Brian Wilson Reimagines Gershwin 86 55 26 Neuinterpretationen von Gershwin-Stücken
Oktober 2011 In the Key of Disney 83 Neuinterpretationen verschiedener Titellieder von Disney-Filmen

Singles[Bearbeiten]

Jahr Titel Chart-Positionen[12] Bemerkungen
DE AT CH UK US
1966 Caroline No / Summer Means New Love 32
1967 Gettin’ Hungry Kollaboration mit Mike Love
1987 Let’s Go to Heaven in My Car
1988 Night Time vom Album Brian Wilson
1988 Love and Mercy
1995 Do It Again
1998 Your Imagination vom Album Imagination
2004 Wonderful 29 vom Album Brian Wilson Presents Smile
2004 Good Vibrations 30
2005 What I Really Want for Christmas 66 vom Album What I Really Want for Christmas
2005 Caroline No / Superimposed Wiederveröffentlichung
2005 Our Prayer vom Album Brian Wilson Presents Smile
2005 Walkin’ Down the Path of Life
2005 Deck the Halls
2008 Midnight’s Another Day vom Album That Lucky Old Sun (A Narrative)

Weitere Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Country Feelin’s (1991) – auf der CD „For our Children“
  • Fantasy Is Reality / Bells of Madness (1994) – auf der CD „Trios“ mit Rob Wasserman und Carnie Wilson
  • This Could Be the Night (1995) – auf der CD „For the Love of Harry – Everybody Sings Nilsson“
  • Sweets for My Sweet (1995) – auf der CD „Till the Night Is Gone – A Tribute to Doc Pomus“
  • On Christmas Day (2000, Brian Wilson) – Nur als MP3 Veröffentlicht (auf Rang 10 der Download Charts)
  • California Feeling (2002, Brian Wilson/Stephen Kalinich) – auf dem BB-Sampler „Beach Boys Classics“
  • Believe in Yourself (2003, Brian Wilson) – Soundtrack für Duck Dodgers
  • Rodney On The ROQ (2004, Brian Wilson/Andy Paley) Soundtrack „Mayor Of The Sunset Strip“
  • The Spirit of Rock ’n’ Roll (2006, Brian Wilson/Gary Usher/Tom Kelly) – auf Beach-Boys-Compilation „Songs from Here and Back“
  • What Love Can Do (2007, Brian Wilson/Burt Bacharach) – Sampler – „New Music from an Old Friend“
  • Live Let Live (2007, Brian Wilson/Van Dyke Parks) – Soundtrack zu „Arctic Tale“
  • Speed Turtle (2007, Bonton/Ford) – Blue Moo, Buch mit CD
  • Listen to Me (2011) – Auf dem Tribute-Album für Buddy Holly Listen to Me

DVD-Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • I Just Wasn’t Made for These Times (1995) – Dokumentation
  • Imagination (1999)
  • An All-Star Tribute to Brian Wilson (2001) – Konzert in der Radio City Music Hall mit zahlreichen Künstlern (u. a. Ricky Martin, Paul Simon, Elton John, Billy Joel)
  • Pet Sounds, Live (2002)
  • On Tour (2003) – Dokumentation über Wilsons erste Konzerttournee 1999/2000
  • Brian Wilson presents Smile (2005) – Studiokonzert des Albums plus diverse Dokumentationen inkl. „Beautiful Dreamer“ über die Entstehungsgeschichte von Smile
  • Musicares presents A Tribute to Brian Wilson (2007) – mit Red Hot Chili Peppers, Michael McDonald, Darlene Love, Billy Preston, Brian Wilson and Band
  • That Lucky Old Sun (2009) – Studiokonzert des Albums, aufgenommen im Mai 2008 in Los Angeles plus diverse Dokumentationen, Interviews und Auftritte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steven Gaines: Heroes and Villains: The True Story of the Beach Boys. DaCapo Press, 1995. ISBN 0-306-80647-9. S. 40.
  2. http://www.cinetropic.com/blacktop/people/
  3. für gesamten Abschnitt: Brian Wilson und die Beach Boys, Kingley Abott.
  4. für gesamten Abschnitt: The Wilson Project
  5. rollingstone.com: Brian Wilson’s L.A. Love Letter. Zugriff am 2. April 2010.
  6. articles.latimes.com: Brian Wilson to finish some George Gershwin songs. Zugriff am 2. April 2010.
  7. brianwilson.com: Press Release. Zugriff am 2. April 2010.
  8. peteramescarlin.com: Brian Wilson Reimagines Brian Wilson: America’s native tormented musical genius keeps it as real as possible. Zugriff am 19. September 2010.
  9. Beitrag auf youtube.com
  10. Interview auf intimateaudio.com
  11. rollingstone.com: Top 100 Singers of all Time, Brian Wilson. Zugriff am 10. Februar 2011.
  12. a b Chartquellen (Alben): DE / AT / CH / UK / US, abgerufen 25. November 2012.

Weblinks[Bearbeiten]