Bricolage

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Bricolage [brikɔlaʒ] bedeutet wörtlich aus dem Französischen übersetzt Bastelei oder Heimwerkerei. Im übertragenen Wortsinne kann es auch für "Gebastel" im Sinne von provisorisch stehen und wird so auch in einigen deutschsprachigen Gebieten (die nahe dem französischen Gebiet liegen bzw. zweisprachig sind) verwendet.

Bricolage (manchmal auch sampling genannt) bezeichnet in der Jugendkultur die Technik, Gegenstände in einen neuen Kontext zu stellen, der nicht den ursprünglichen Normativen entspricht – Kleidung, Symbole und Embleme künstlich zusammenzustellen. Dabei kann deren ursprüngliche Bedeutung verändert oder sogar aufgehoben werden.

Beispiele für Bricolage sind im Punk die Verwendung von Sicherheitsnadeln als Ohrschmuck oder Hakenkreuze zur Provokation, ohne damit nationalsozialistische Gesinnung ausdrücken zu wollen. Auch die massiven Goldketten, mit denen Hip-Hopper ihren sozialen Aufstieg verdeutlichen, sind eine Form von Bricolage.

Diese Begriffsverwendung von Bricolage geht auf den Ethnologen Claude Lévi-Strauss zurück, der 1962 sein Konzept des „Wilden Denkens“ („nehmen und verknüpfen, was da ist“) vorstellte und diesen Begriff so in die Sozialwissenschaften einführte. Für ihn ist Bricolage die nicht vordefinierte Reorganisation von unmittelbar zur Verfügung stehenden Zeichen bzw. Ereignissen zu neuen Strukturen.

Es gibt auch ein Content-Management-System namens Bricolage, welches in seiner FAQ ebenfalls Bezug auf den Begriff von Claude Lévi-Strauss nimmt.

Linguistik[Bearbeiten]

Auch in die Linguistik fand der Begriff als Prinzip in der Kommunikation Eingang. So ist er ein Kennzeichen vor allem der Jugendsprachen (!) und bedeutet dort: „Die spielerische Bastelei mit verschiedenen Sprechstilen.“ (Schlobinski, Kohl, Ludewigt 1993). Dabei verknüpfen insbesondere die Jugendlichen, vor allem wenn sie untereinander in einer engeren Beziehung stehen (Peer-group), verschiedene Sprechstile. Dabei greifen sie auf unterschiedliche kulturelle Ressourcen zurück (Filme, Serien, Werbung, Musik, Sport uvm.) und bringen diese verändert in die Kommunikation ein (verfremdete Zitation).

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Schlobinski, Gaby Kohl, Irmgard Ludewigt: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit. Westdeutscher Verlag, Opladen 1993, ISBN 3-531-12268-1.
  • Claude Lévi-Strauss: Das wilde Denken („La pensée sauvage“). 14. Nachdr. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2009, ISBN 978-3-518-27614-3.

Weblinks[Bearbeiten]