Briefe des Johannes

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Die Briefe des Johannes sind drei Bücher des Neuen Testaments der christlichen Bibel. Zu ihnen zählt man den 1. Brief des Johannes, den 2. Brief des Johannes und den 3. Brief des Johannes.

Verfasserfrage[Bearbeiten]

Die Frage nach dem Verfasser der drei Johannesbriefe ist sehr umstritten. Konservative Ausleger betonen die überwiegende Tradition der Kirchenväter, die im Evangelisten Johannes den Verfasser der drei Briefe sehen. Sie stützen ihre Meinung u.a. auf die inhaltlichen und stilistischen Übereinstimmungen der drei Johannesbriefe und des Johannes-Evangeliums.[1]
Andere Ausleger unterscheiden zwischen dem Autor des Johannes-Evangeliums und dem der Johannesbriefe, wobei sie annehmen, dass die drei Johannesbriefe vom selben Autor verfasst wurden. In jüngerer Zeit neigen mehrere Ausleger dazu, auch bei den drei Johannesbriefen von verschiedenen Autoren auszugehen. Die unterschiedliche Stilform bei den Johannesbriefen - siehe weiter unten - führte zur Vermutung, der 1. Johannesbrief sei nicht vom selben Autor verfasst worden wie die beiden anderen Briefe.[2] Theologie und griechischer Wortschatz hingegen sprechen eher für einen Autor aller drei Johannesbriefe.

Folgende allgemeine Beobachtungen zu den drei Johannesbriefen spielen bei der Frage nach der Verfasserschaft eine Rolle:

  • In keinem der drei Briefe findet sich eine eindeutige Verfasserangabe. Das ist bei den neutestamentlichen Briefen sonst nur noch beim Hebräerbrief der Fall. Im 2. und 3. Johannesbrief findet sich als Verfasserangabe nur ο πρεσβύτερος (der Ältere oder der Alte). Im 1. Johannesbrief findet sich keine Verfasserangabe.
  • 2. und 3. Johannesbrief weisen den klassischen Aufbau antiker Briefe auf mit Einleitung, superscriptio, adscriptio und salutatio und Briefschluss mit Schlussgrüßen. Der 1. Johannesbrief folgt einem anderen Aufbauschema.[3]
  • Der 1. Johannesbrief hat den Aufbau eines Traktates, einer Abhandlung. Thema: Über die Botschaft vom Leben (griech. peri tu logu tes zoes, 1. Joh. 1,1). Der erste Johannesbrief könnte als Promotion­sschrift zum Evangelium nach Johannes geschrieben worden sein.[4].

Neben dem Evangelisten Johannes wird von verschiedenen Auslegern auch der sog. Presbyter Johannes als Verfasser für zumindest den 2. und 3. Johannesbrief angeführt. Er wird in einer Notiz von Papias von Hierapolis ca. 130 n. Chr. erwähnt. Das würde sich - nach Meinung dieser Ausleger - mit der in den beiden kleinen Briefen erwähnten Verfasserangabe decken.

Abfassungszeiten[Bearbeiten]

Über die genaue Reihenfolge und den Zeitpunkt der Abfassung der drei Johannesbriefe besteht kein allgemeiner Konsens. Die Frage der Abfassung hängt sehr stark damit zusammen, wie man die Beziehungen der drei Briefe untereinander und zum Johannes-Evangelium wertet.[5] Dabei werden die beiden kleinen Johannesbriefe, ähnlich wie bei der Verfasserfrage, als zusammenhängend angesehen und zeitlich nah beieinander gestellt. In 3. Joh 9 wird von vielen Auslegern ein Bezug auf den 2. Joh gesehen, so dass der 2. Joh dem 3. Joh zeitlich vorausgehen würde. Der 1. Joh wird dann von einigen Auslegern vor den beiden anderen Briefen angesetzt, mit der Begründung, dass diese auf dem 1. Joh aufbauen. Andere Ausleger setzen den 1. Joh später an. Begründet wird das von einigen Auslegern u.a. damit, dass die beiden kleinen Briefe vom Presbyter Johannes verfasst wurden, der in ihren Augen der Gründer des johanneischen Kreises ist. Der 1. Joh wäre damit die Schrift eines Schülers des Presbyters.

Die Meinungen über die Abfassungszeit der Briefe reichen im Allgemeinen von der Ansicht, dass die Briefe im Zeitraum von 90 bis 95 n. Chr verfasst wurden, bis zu der Meinung, sie seien in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts entstanden. Als Ort der Abfassung aller drei Briefe wird meistens Ephesus angegeben.[6]

John A. T. Robinson datierte diese drei Briefe auf „ca. 60-65“.[7] Klaus Berger datiert nun noch früher, er setzt 2. und 3. Joh auf „um 50 n. Chr.“ an, danach folge 55/56 n. Chr. der 1. Joh.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Donald Guthrie: New Testament Introduction. 3. Auflage. Intervarsity Press, Illinois 1970, S. 864-904, ISBN 0-87784-953-6
  • Hans-Josef Klauck: Die Johannesbriefe (= Erträge der Forschung. 276). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1991, ISBN 3-534-10008-5
  • Hans-Josef Klauck: Der zweite und dritte Johannesbrief (= Evangelisch-katholischer Kommentar zum Neuen Testament. 23/2). Benziger, Zürich 1992, ISBN 3-7887-1420-4
  • Udo Schnelle: Einleitung in das Neue Testament. 4. Auflage. Vandenhœck&Ruprecht, Göttingen 2001, S. 485-513, ISBN 3-8252-1830-9
  • Georg Strecker: Die Johannesbriefe (= Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament. XIV). Vandenhœck&Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-51621-5

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Online-Übersetzungen
Sekundärliteratur

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Guthrie: New Testament Introduction, S. 867 f.
  2. Schnelle: Einleitung in das Neue Testament, S. 499.
  3. Schnelle: Einleitung in das Neue Testament, S. 489.
  4. Hugh Schonfield: Preface to the Letters of John the Elder. In: The Original New Testament. The definitive translation of the New Testament in 2000 years. Element Books Ltd, Shaftesbury, Dorset, UK 1998, ISBN 1-86204-252-7, S. 533 f.
  5. Klauck: Die Johannesbriefe, S. 125.
  6. Klauck: Der zweite und dritte Johannesbrief, S. 23: „Die Antwort auf die Frage nach Ort und Zeit wird […] wie zum 1Joh lauten: Ephesus, um 100/110.“
  7. Robinson: Wann entstand das Neue Testament? Bonifatius-Verlag, Paderborn 1986, ISBN 3-87088-485-1, S. 318, 364.
  8. Berger: Kommentar zum Neuen Testament. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-579-08129-8, S. 945.