Wąbrzeźno

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Wąbrzeźno
Wappen von Wąbrzeźno
Wąbrzeźno (Polen)
Wąbrzeźno
Wąbrzeźno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Landkreis: Wąbrzeźno
Fläche: 8,53 km²
Geographische Lage: 53° 17′ N, 18° 57′ O53.28333333333318.95Koordinaten: 53° 17′ 0″ N, 18° 57′ 0″ O
Höhe: 99 m n.p.m
Einwohner: 14.679
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 87-200
Telefonvorwahl: (+48) 56
Kfz-Kennzeichen: CWA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BrodnicaChełmno
Schienenweg: ToruńOlsztyn
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 8,53 km²
Einwohner: 13.679
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 1604 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0417011
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Leszek Kawski
Adresse: ul. Wolności 18
87-200 Wąbrzeźno
Webpräsenz: www.wabrzezno.com

Wąbrzeźno [vɔmˈbʒɛʑnɔ] (deutsch Briesen) ist die Kreisstadt des Powiats Wąbrzeski in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich von Thorn.

Geschichte[Bearbeiten]

Archäologische Funde zeigen, dass slawische Stämme bereits im 8. Jahrhundert auf der Landbrücke zwischen dem Friedecksee und dem Schlosssee – über die ein alter Handelsweg führte – eine befestigte Wallanlage und frei stehende Behausungen errichteten. Diese Ansiedlung wurde später Wambrez genannt, was auf altslawisch so viel wie zwischen den Birken bedeutet.[2]

Im 10. Jahrhundert wurde das Kulmer Land, in dem die Ansiedlung lag, durch den polnischen Herzog Mieszko I erobert, und somit in den polnischen Staat integriert. Zu Anfang des 13. Jh. fielen prußische Stämme in das Kulmer Land ein und plünderten die dortigen Siedlungen. Da der damalige polnische Herzog Konrad von Masowien selbst nicht Herr dieser Überfälle werden konnte, und die Prußen auch andere Regionen seines Reiches bedrohten, holte er den Deutschen Ritterorden zu Hilfe. Der Orden erhielt 1231 das Kulmer Land, von wo aus er begann die Prußen zurückzuschlagen und zu unterwerfen. In einem Dokument vom 28. Juli 1243 legte der päpstliche Legat Wilhelm von Modena fest, dass zwei Drittel der durch den Deutschen Ritterorden eroberten prußischen Gebiete dem Deutschen Ritterorden, ein Drittel den Kulmer Bischöfen gehören sollte. Gemäß diesem Dokument legte Papst Innozenz IV. in einer Urkunde, vom 19. April 1246, die Kulmer Bischöfe als Besitzer unter anderem von Wambrez fest. Dies stellt die erste urkundliche Erwähnung der Stadt dar.[3]

1251 wurde in Wambresin die Stiftskirche St. Simon und Juda errichtet, in diesem Zusammenhang ist vermutlich auch die Stadtgründung von Friedeck erfolgt, wie der Name der Stadt zur Zeit des Deutschen Ordens lautete.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erfolgte ein steinerner Neubau der Stiftskirche und der Kulmer Bischof Herman von Prizna ließ um die Stadt herum eine Stadtmauer, und im Nordwesten der Stadt ein Schloss errichten. Im Dreizehnjährigen Krieg (1454–1466) zwischen Polen und dem Deutschen Ritterorden wurden die Stadt, das Schloss und die umliegenden Dörfer vollständig verwüstet. Nach dem Wiederaufbau des Schlosses war dieses bis 1773 Wohnsitz der Kulmer Bischöfe.

Mit dem Zweiten Thorner Frieden von 1466 wurde die Stadt, als Teil von Königlich Preußen, in die Polnisch-Litauische Union (Rzeczpospolita Obojga Narodów) eingegliedert. 1655 wurde sie im Zweiten Polnisch-Schwedischen Krieg von den Schweden verwüstet. 1700 fand ein verheerender Stadtbrand statt, der einen Großteil der Stadt zerstörte.

Nach der Ersten Teilung Polens 1772 kam sie zum Königreich Preußen, lag zwischen 1807 und 1815 auf dem Gebiet des Großherzogtums Warschau und war dann wieder preußisch. 1788 wurde sie in Briesen umbenannt. Später folgte der Zusatz Westpreußen. 1792 kam es erneut zu einem verheerenden Brand, wonach das Schloss als Steinbruch für den Wiederaufbau verwendet wurde.

Die Einwohner von Briesen lebten vornehmlich vom Ackerbau und der Brauerei. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die Industrialisierung auch Briesen. Voraussetzung dafür war seine günstige Lage durch seinen seit 1848 bestehenden Kunststraßenanschluss und die Eisenbahn. Den Anschluss zur Hauptbahn stellte die Kreisbahn Briesen her. Im Jahre 1900 bestanden in Briesen unter anderem mehrere Fabriken für Zement, Kunstsandstein, Maschinenbau, Fahrzeugbau. Hinzu kamen eine moderne Brauerei, Molkerei, Mahlmühle sowie mehrere Ziegeleien. Seit 1887 war Briesen Kreisstadt des Landkreises Briesen (Westpr.).

Am 20. Januar 1920 kam die Stadt zu dem neu geschaffenen Staat Polen. Briesen hieß nun Wąbrzeźno und wurde Sitz eines Powiats.

Von 1939 bis 1945 gehörte die Stadt vorübergehend wieder zum Deutschen Reich. In dieser Zeit wurden aus dem Landkreis Briesen 3.500 Polen in das Lager in Potulice und 300 in das Lager in Toruń deportiert. An ihrer Stelle wurden sog. Volksdeutsche aus Galizien und Bessarabien angesiedelt.

Am 24. Januar 1945 marschierte die 65. Armee der Roten Armee unter der Führung von General Pawel Batow in die Stadt ein. Hierbei kam es zu keinen größeren Gefechten, so dass es keine nennenswerten Zerstörungen gab. Bei Kämpfen im Landkreis fielen etwa 121 Rotarmisten, die auf einem Soldatenfriedhof in der Stadt beigesetzt wurden. Einige Tage nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen begannen NKWD-Einheiten – wie in allen anderen besetzten Gebieten auch – mit der „Säuberung“ der Bevölkerung. Im Zuge dieser bis Mitte Februar andauernden „Säuberungen“ wurden insgesamt 776 Personen aus dem Landkreis Wąbrzeźno, davon 261 aus der Stadt selbst, in Arbeitslager in die Sowjetunion deportiert. Von diesen Personen starben die meisten während des oft Wochen dauernden Transportes in die Arbeitslager oder in den Arbeitslagern selbst. Bei den Deportierten handelte es sich meist um polnische Staatsbürger, die während der deutschen Okkupation in die Gruppe III der Deutschen Volksliste aufgenommen worden waren. Das Alter der Deportierten lag zwischen 14 und 75 Jahren, und der Frauenanteil betrug 32,8 %.[4]

1945 wurde Wąbrzeźno erneut Teil des polnischen Staates. 1975 verlor der Ort den Status einer Kreisstadt, seit 1999 hat er ihn wieder.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Anzahl Bemerkungen
1772 502[5]
1789 665 in 84 Haushalten (Feuerstellen), meist katholische Polen[6]
1831 1.100 teils deutsche, teils polnische Bevölkerung[7]
1875 3.964[8]
1880 4.498 [8]
1900 6.071 meist Katholiken[9]
1921 8.200 meist Polen[10]
1943 10.051[5]
1988 12.396
1998 14.283
2003 14.523
2007 13.830[11]

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Landgemeinde Wąbrzeźno, zu welcher die Stadt selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 200,78 km² auf welcher 8617 Menschen leben (30. Juni 2014). Zu ihr gehören folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name (bis 1920 und 1939–1945)
Cymbark Cymberg (1942–1945 Segensberg)
Czystochleb Czystochleb (1905–1945 Schönbrod)
Frydrychowo Friedrichsdorf
Jarantowice Arnoldsdorf (bis 1874 Jerrentowitz)
Jarantowiczki Klein Arnoldsdorf
Jaworze Jaworke-Josephsdorf (1900–1945 Mittwalde)
Katarzynki Katarzinken (1907–1945 Katrinchen)
Łabędź Labenz (1942–1945 Labens)
Ludowice Ludowitz
Małe Radowiska Klein Radowisk (1904–1945 Rehfelde)
Michałki Michalken (1942–1945 Micheln)
Myśliwiec Mischlewitz (1942–1945 Michelsfeld)
Nielub Nielub (1942–1945 Nielshuben)
Orzechówko Orzechowko (1901–1945 Nußdorf)
Orzechowo Groß Orsichau (1942–1945 Nußfeld)
Plebanka Plebanka
Pływaczewo Plywaczewo (1942–1945 Plüschau)
Przydwórz Schönfließ
Rozgard Königlich Roßgarth
Ryńsk Rynsk (1902–1945 Rheinsberg)
Sitno Sitno (1942–1945 Sitten)
Stanisławki Stanislawken (1903–1945 Bergwalde)
Trzcianek Trzianek (1866–1945 Landen)
Trzciano Trzianno (1942–1945 Tanden)
Wałycz Groß Wallitsch (1942–1945 Wallisch)
Wałyczyk Klein Wallitsch (1942–1945 Kleinwallisch)
Węgorzyn Wengorzyn (1868–1945 Wangerin)
Wronie Wronie (1866–1945 Fronau)
Zieleń Zielen (1942–1945 Zelen)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 2006 besteht eine Städtepartnerschaft mit der deutschen Stadt Syke im Landkreis Diepholz in Niedersachsen.[12]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 6. Dezember 2014.
  2. „Historia Wąbrzeźna – Tom 1 (dt. Geschichte der Stadt Wąbrzeźno – Band 1)“, herausgegeben vom Gemeindeamt in Wąbrzeźno, 2005. ISBN 83-87605-85-9, S. 66ff
  3. „Historia Wąbrzeźna – Tom 1 (dt. Geschichte der Stadt Wąbrzeźno – Band 1)“, herausgegeben vom Gemeindeamt in Wąbrzeźno, 2005. ISBN 83-87605-85-9, S. 77ff
  4. „Historia Wąbrzeźna – Tom 2 (dt. Geschichte der Stadt Wąbrzeźno – Band 2)“, herausgegeben vom Gemeindeamt in Wąbrzeźno, 2005. ISBN 83-87605-95-6, S. 9–20
  5. a b Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 26.
  6. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Part II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 36, Nr. 4).
  7. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438, Nr. 49.
  8. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Briesen (2006).
  9. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 3, Leipzig und Wien 1906, S. 418.
  10. Der Große Brockhaus, 15.Auflage, Band 3, Leipzig 1929, S. 331.
  11. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ – STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007
  12. Partnerstadt Wabrzezno (Polen)